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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Schnür-schuh bis schnusseln (Bd. 5, Sp. 1389 bis 1393)
 
Schnür-schuh, m.
Schnur-senkel, m.
Schnür-stiefel, m.
schnur-stracks, Adv.
schnurz, Adj.
schnurz-egal, Adj.
schnurz-piepegal, Adj.
schnusen
Schnuser
Schnusse, f.
Schnüsse, f.
schnusseln
schnussen
Schnussen-putzer, m.
Schnussert, m.
Schnussi, f.
schnussig, Adj.
Schnuß-maul, n.
Schnusten, m.
Schnute, f. m.
Schnuten, f. m.
Schnutel-schaber, m.
Schnuten-buckel, m.
Schnuten-macher, m.
Schnuten-mann, m.
Schnuten-maul, n.
Schnuten-putzer, m.
Schnuten-tunker, m.
Schnutesin, f.
Schnute-voll, f.
schnutig, Adj.
Schnutteler
schnuttelig
schnutteln
Schnutz, m.
schnutzen, schw.
Schnutzi-butzi, m.
Schobel, m.
Schobel-stirn, f.
Schober
Schober-faß, n.
Schobo
Schock1, n.
Schock2
Schock3
Schocke, f.
Schockel, f.
Schockelchen, n.
Schockele-majem, m.
Schockel-gaul, m.
schockelig, Adj.
Schockel-lied, n.
schockeln, schw.
Schockel-pferd, n.
Schockel-stuhl, m.
Schockel-waage, f.
schocken, schw.
schockerig, Adj.
schockern, schw.
Schockes
Schocklemajem
Schock-schwerenot, f.
schock-weise, Adv.
Schode1
Schode2, f.
schofel, Adj.
Schofe(r)t, m.
Schöffe, m.
Schöffen-gericht, n.
Schöffen-weistum, n.
Schofför (Chauffeur), m.
Schoil, f.
Schokalsche
Schokel, m.
Schoker, m.
Schokert, m.
schokerzig
Schokes, m.
schokezig, Adj.
schokerzig, Adj.
schokig, Adj.
Schoko, m.
Schokolade, m.
schokoladen, Adj.
Schokolade(n)-gebäck, n.
Schokolade(n)-gebackenes, n.
Schokolade(n)-guts(el), n.
Schokolade(n)-hase, m.
Schokolade(n)-kuchen, m.
Schokolade(n)-luft, f.
Schokolade(n)-stern, m.
Schoksert, m.
Scholb, m.
Scholi
Scholle, f. m.
Schollen, f. m.
Schollen-birne, f.
Schollen-egge, f.
Schollen-fresser, m.
Schollen-hoppler, m.
   Schnür-schuh m.:
1.
a. 'Schuh, der mit Schnürsenkeln geschlossen wird', Schnierschuh (nīrū) [mancherorts, Krämer Gal 191], Schneer- (nēr-) [ KU-Schmittw/O], Schnierschuuch [BZ-Albw Dierb Stein (Ehrhardt 68)], -schuck (-ug) [ BZ-Gossw]; vgl. PfWB Nestelschuh; F. zum Grundwort s. PfWB Schuh; Sch. aus Rindslerrer, Werktagsschuhe [ PS-Erfw]. Schnierschuuch vunn ehrm gschdorwne Mann, / die känn Schuuschder flicke kann [BZ-Stein (Ehrhardt 68)]. —
b. 'Fußbekleidung der Soldaten, Teil der Ausrüstung' [ LA-Gommh]. —
2. Neckname für die Bewohner von Österreich: Kamerad Schnierschuh [ LU-Opp]. — Südhess. V 686/87; Rhein. VII 1679 Z. 9; DWB DWb. IX 1423.
 
  
Schnur-senkel m.: 'Schnürband für den Schuh', Schnursenkel (nūr^ngəl) [ HB-Höch]; vgl. PfWB Nestel, PfWB Senkel 3 a. Südhess. V 687; Eichhoff WA 87.
 
  
Schnür-stiefel m.: 'Lederstiefel, die mit einem Schnürsenkel geschlossen werden', Schnierstiwwel ('nīr;diwəl) [Pirmas Frankth LU-Oggh Opp], -stiffel (-difəl) [ LU-Friesh GH-Kand]; Pl. -stiwle (-diwlə) [ PS-Erfw BZ-Albw]. Südhess. V 687; Rhein. VII 1679; DWB DWb. IX 1423; Frankf. V 2808.
 
  
schnur-stracks Adv.:
1. 'geradeaus, ohne Umweg', schnurstracks (nūrdrags) [BZ-Dörrb vereinzelt, Glass II 58 Lambert Penns 138 vereinzelt Don Krämer Gal 191]; vgl. schnurge-

[Bd. 5, Sp. 1390]
rade. De Has lieft sch. de Berg nuf [ BZ-Dernb]. De Weg fiehrt sch. de Berg nuf [ BZ-Dernb]. —
2. 'sofort, sogleich, ohne Verzögerung' [mancherorts, IB-Ensh (Glass II 58) PS-Rodalb (Bernhard 166)]. Er laaft sch. haam [ KU-Kaulb Kreimb RO-Messbhf]. Er greift zum Hooge, Schdrick unn Beil, / dann schnurschdracks in de Härrewald (Herrenwald) [BZ-Stein (Ehrhardt 116)]. Jetzt gehn mer grad so, wie mer sin, schnurstracks zu dene Herre hin [Münch Werke II 320]. In Grienschtadt isser dann eraus / grad schnurschtracks zu de Bas ehrm Haus [Damm Nachtdischlamp 39]. Ich bin schnurstracks eninn zum Borjemeeschter (Bürgermeister) [K. Denne in: Heimatzeitung von Ingb 1943]. — Südhess. V 687; RhWB Rhein. VII 1678; Kluge-Seebold22 650; DWB DWb. IX 1424; Frankf. V 2808.
 
 
schnurz Adj.: 'gleichgültig, einerlei, egal, nicht interessant', schnorz (nǫrds) [vereinzelt, Juner 91]; vgl. PfWB schnuppe. Deswäh isch mir de Brulljes (Brulljes 'Aufwand') schnorz [Kraus Grikkelmaus 9]. Südhess. V 687; DWB DWb. IX 1425.
 
 
schnurz-egal Adj.: 'gleichgültig, einerlei, egal, nicht interessant'. Deß isch mer schnorzegal [PS-Rodalb (Bernhard 166)]; vgl. PfWB schnuppe, PfWB schnurz. Südhess. V 687; Kluge-Seebold22 650. — -piepegal Adj.: 'in besonderem Maß gleichgültig', schnurzpiepegal [Thielen 102]; vgl. PfWB schnuppe, PfWB schnurz.
 
 
schnusen 'naschen, stöbern' s. PfWB schnausen; Schnuser 'Schnüffler' s. PfWB Schnauser.
 
  
Schnusse, Schnüssef.:
1. vom Tier.
a.
α. 'Schnauze, Rüssel des Schweines', Schnuß [verbr., Bayer Hackm. 63 Thielen 102 PfId. 127], Schniß [KU-Eßw lothr. SOPf HB-Breitft IB-Bebh Blieskst Erfw/Ehling Ormh LA-Bornh BZ-Apphf GH-N'potz PfId. 127]; Zs.: PfWB Sau-, Wutzenschnusse. —
β. 'gekochter Rüssel des geschlachteten Schweines, besonders beliebtes Fleischstück beim Schlachtessen' Schnuß [ KB-Kriegsf]; Dim. Schnißche [Rockhs]. Un dr Nochber! Guck doch nore: / So was duht seim Gumme (Gaumen) klau (glau). / Do die Schnuß! Un do die Ohre! / Sein m's liebschte vun dr Sau [Kühn Hamet 52]. Ach, wann's doch bloß schun morje wär / un's Quellflääsch deet schun dambe / vum Schnißche un vum Wambe [Wilms Land und Lewe 101]. —
b. 'Schnauze des Hundes' [ KU-Lohnw RO-Semb KL-Weltb]; Zs.: PfWB Hundsschnusse. —
c. 'Maul der Kuh, auch vorderer Teil des Kopfes' [KU-Adb A'glan Breitb Frankb O'staufb Ingb ZW-Bechhf RO-Lohnsf KL-Alsbn Lind Mehlb Neukch Wörsb]. —
d. 'Maul des Kalbes' [ KU-A'glan]. VR.: Witt e' Beer - stoß de Kobb widder die Deer; / Witt e' Abbel, geh Steg nuff und babbel, / Witt e' Nuß, lang 'm Kälwel an die Schnuß [Wilde 23]. —
e. 'Rüssel des Maulwurfes' [ RO-Dielkch]. Die Schnuß vom Mauerwulf [ WD-Niedkch]. —
2. vom Menschen.
a. 'Mund,

[Bd. 5, Sp. 1391]
Maul, die Lippen', derb, abfällig, Schnuß (nus) [verbr., Bayer Hackm. 63 Castleman Zwbr. 53 Heeger Tiere I 8 Kamm 59 Müller Dietschw 67 Albrecht 112 Krämer Gal 191], Schnuuß (nūs) [ NW-Weish/S LA-Venn], Schniß (nis) [KU-Bedb Eßw HB-Lu'thal O'bexb Ingb ZW-Bechhf lothr. SWPf, Heeger Tiere I 8 IB-Ensh (Glass 107) Müller Dietschw 66 Thielen 102 Don-St. Andreas], Schneß (nęs) [ WD-Niedkch]; Pl. Schnusse (nusə) [ KL-Mölschb], Schniß (nis) [ KU-A'glan Schmittw/O KL-Lind PS-Nd'simt NW-Neidfs], Schnisser (nisər) [ KU-Lohnw ZW-Bechhf]; Dim. Schniß'che (nisχə) [ KU-A'glan ZW-Battw KL-Lind Gal-Dornf], Schnißje [Kraus Gutsjer 26 Gal-Dornf], Schnisselche (nisəlχə) [ KU-A'glan]; Dim. Pl. Schnißjer [Kraus Unser Babbe 78]; Zs.: PfWB Dreckschnusse, PfWB Griebenschnuß, PfWB Grind-, PfWB Honig-, PfWB Sau- 1b, PfWB Süß-, PfWB Zuckerschnusse; Syn. s. PfWB Gusche 1b; e dicke Sch. 'dicklippiger Mund' [ PS-Burgalb]. Schlaa em uf die Sch.! [ KU-Kaulb]. Ich hau der äni uf die Sch. [ PS-Nd'simt]. Fuchtelt frech an deiner Liss un haut dir noht in die Schniss [Kraus Metzelsupp 20]. Do war kee Maul, wie meer ens han, / Do is e Schnuß enausgestann / Ganz dick un eklig un so rund [Münch Werke I 36]. Hat es Schnißje knallrot angemolt un die Leckelcher gedudelt [Kraus Herzdrickerte 5]. Hall endlich die Schniss, duu ald Läbbdaamäächersch (Lebtagmacher 'Krachmacher')! [IB-Ensh (Glass 107)]. Schnuß, so breet bis nuff ans Ohr [Hartmann Kinnerspr. 76]. De Jagobb dut halt, wie er muß: / Er halt an's Schlisselloch sei Schnuß [Albert Bei uns 19]. Kumm, Alti, nochemol e Kuß / Un noch een - mitte uf die Schnuß [Münch Werke I 503]. Jo, hall dei Maul un mach kee Stuß, / Sunscht kriescht de eeni uf dei Schnuß! [Münch Werke I 174]. Männsche, die Schniss wär mohl ruijch! Piffedeggel! [Glass Klutzkopp 113]. Dem sei Schniß, die isch noch greeßer wie e Pälzer Schwartemah [Kraus Pläseer 19]. Wanner sich dezwische hänkt, kriehter glei mit uff die Schnuß gehau [Damm Schoggelgaul 43]. Ich bau in die arisch leer Schniß / e kinschtliches dejres Gebiß [Kraus Arwed 56]. Kickerlis'che, zeig dein Schnißche! [Kölsch 15]. Nemm dei Mädel, Pälzer Bu, kiß se uff die Schniß! [Kölsch 53]. Hopp, hall's her, dei rotes Schnißje! Kriehscht e Kuß un noch e Kißje [Kraus Pädcher 47]. Dei Schnißje isch e Honigkruch [Kraus Gutsjer 29]. Die trocke Schniß! Wenn die kän Schoppe krieht, do werd die Musik mied [Kraus Pat 28]. RA.: e Schniß voll 'ein Mundvoll' [ KL-Vogb]; eem die Sch. treffe 'einen verhauen' [ KU-O'eisb KL-Wörsb KB-Zell]; ääm die Schnuß schtahle 'einen auf den Mund schlagen' [Kühn Palz 124]; jemand e Sch. onhängke 'jemandem widersprechen' [ Gal-Dornf]; uf die frech Sch. schlon (geschlaa, haue) [KU-Schmittw/

[Bd. 5, Sp. 1392]
O, KU-Eschau IB-Bliesmg/Bolch PS-Rodalb (Bernhard 218)]; die Sch. mit Entedreck [ Gal-Josbg], Entefett [ Gal-Reichenbach], Gluckedreck [mancherorts Gal Buch], Hexefett [mancherorts Gal Buch-St. Onufry], Hinkelsdreck [ Gal-Einsiedel], Katzedreck [ Gal-Hartfeld] schmeere, scherzhafter Rat an junge Männer, deren Bartwuchs nur langsam einsetzt. Er hot iwwerall die Sch. im Trog 'Er ist überall dabei, wenn es etwas zu ergattern, zu gewinnen gibt' [ KU-Kaulb Kreimb]. Die hot e Sch. wie mit Honich geschmeert 'Sie schmeichelt gerne anderen mit Worten' [ Gal-Kranzberg]. Dem verschlaah ich sei Schniss [Krieger 52]. Isch hau der gleich uff dai frächi Schnuß, Androhung von Schlägen [PS-Rodalb (Bernhard 166), Zweibr KL-Bann NW-Weish/S]. Du kriescht aans uf die Sch.!, dass. [ KU-A'glan]. Dem han ich uf die Sch. geschlaa, daß die rot Brih eraus gespritzt is [ KL-Wörsb]. Hall dei dummi Schniß [Feierowend 11/1955 2]. Dem hun ich die Sch. gestoppt 'Den habe ich zum Schweigen gebracht' [ Buch-Illisch]. Neckvers für die Bewohner von KL-Frankst: Frankesteener Russe, danze uf de Schnusse [ KL-Frankst]. —
b. 'dicklippiger, vorgestülpter Mund' [ KU-Obw/Tiefb RO-Semb Kaislt GH-Zeisk]; Zs.: PfWB Affen-, PfWB Dick-, PfWB Dogg-, PfWB Kukumern-, PfWB Lapp-, Negerschnusse. Do war kee Maul, wie meer ens han, / Do is e Schnuß enausgestann [Münch Werke I 36]. —
c. 'Mensch mit dicken, vorgestülpten Lippen' [ GH-Zeisk]; die Schnuß, Schimpfname für ein Mädchen [ PS-Ruppw]. —
d. 'Nase' [ KL-Katzw]. —
3. übertr.
a. 'vorlautes, loses Mundwerk, böse Zunge', Schimpfw., Schnuß [ KU-Altkch Rothsbg ZW-Contw KB-Albish Biedh LU-Alsh/Gr], Schniß [ KU-Krottb IB-Bebh]; Zs.: Pappel-, Plapper-, PfWB Teufels-, Hexen-, PfWB Sau- 1bβ, PfWB Schnabelschnüsse, -schnusse. RA.: e Schniss honn 'ein flottes Mundwerk haben' [IB-Ensh (Glass 107)]; e frech Sch. hun 'vorlaut sein' [ KU-Schmittw/O]. Hal doch doi (dein) Sch.! 'Sei still!' [KU-Lohnw Schmittw/O IB-Bierb KL-Katzw Weilb PS-Burgalb Rodalb (Bernhard 166) NW-Elmst, Juner 91 Münch Werke I 541 Krämer Gal 191]. Hal die Schnisser! [ ZW-Bechhf]. Der harr e Schneß! 'Der hat ein freches Mundwerk!' [ WD-Niedkch]. Sie hat e beesi Sch. [ KU-Albb]. Das horre giftich Sch.! [ RO-Rehborn]. Das horre frechi Sch. [ RO-Rehborn]. Halt dein frechi Sch. [ PS-Nd'simt]. Der hot mer e frechie Schniss angehängt, 'hat mich beleidigt' [Krieger 52]. —
b. 'Mensch mit einer bösen Zunge; böse Frau'; e Schnuß [ KU-Föckbg]; dumm Sch. [ KU-A'glan]. —
4. 'Kuß', Schnußche [Kaislt]; Syn. s. PfWB Kuß 1. —
5. weitere Bed. in PfWB Rumpfel-, PfWB Sauschnusse 2. — Südhess. V 687/88 Schnuß, Schnüß; RhWB Rhein. VII 1684 ff.; ElsWB Els. II 508, ALA II 18 'Maul der Kuh'; ALLG I 261 'Schnauze der Kuh'; Hess.-Nass. III 389;

[Bd. 5, Sp. 1393]
DWB DWb. IX 1210/11 unter Schnauze; Frankf. V 2808.
 
 
schnusseln in PfWB herumschnusseln;