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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Schnurrbart-binde bis Schnurres-bub (Bd. 5, Sp. 1381 bis 1388)
 
Schnurrbart-binde, f.
schnurr-bärtig, Adj.
Schnurr-base, f.
Schnurre, f.
schnurren, schw.
Schnurren, m.
Schnurrer, m.
Schnurres, m.
Schnurres-binde, f.
Schnurres-bohne, f.
Schnurres-bub, m.
Schnurres-bürste, f.
Schnurres-geige, f.
Schnurres-haar, n.
Schnurres-peter, m.
Schnurres-spitze, f.
Schnurres-wackeler, m.
Schnurres-wichse, f.
Schnurres-wichser, m.
Schnurr-gückel, m.
Schnurr-haar, n.
Schnurr-heimer, m.
Schnurri, m.  f.
schnurrig, Adj.
Schnurrigens, n.
Schnurr-korb, m.
Schnurr-krämer, m.
Schnurr-musikant, m.
Schnurr-pfeiferei, f.
Schnur-schisser, m.
Schnür-schuh, m.
Schnur-senkel, m.
Schnür-stiefel, m.
schnur-stracks, Adv.
schnurz, Adj.
schnurz-egal, Adj.
schnurz-piepegal, Adj.
schnusen
Schnuser
Schnusse, f.
Schnüsse, f.
schnusseln
schnussen
Schnussen-putzer, m.
Schnussert, m.
Schnussi, f.
schnussig, Adj.
Schnuß-maul, n.
Schnusten, m.
Schnute, f. m.
Schnuten, f. m.
Schnutel-schaber, m.
Schnuten-buckel, m.
Schnuten-macher, m.
Schnuten-mann, m.
Schnuten-maul, n.
Schnuten-putzer, m.
Schnuten-tunker, m.
Schnutesin, f.
Schnute-voll, f.
schnutig, Adj.
Schnutteler
schnuttelig
schnutteln
Schnutz, m.
schnutzen, schw.
Schnutzi-butzi, m.
Schobel, m.
Schobel-stirn, f.
Schober
Schober-faß, n.
Schobo
Schock1, n.
Schock2
Schock3
Schocke, f.
Schockel, f.
Schockelchen, n.
Schockele-majem, m.
Schockel-gaul, m.
schockelig, Adj.
Schockel-lied, n.
schockeln, schw.
Schockel-pferd, n.
Schockel-stuhl, m.
Schockel-waage, f.
schocken, schw.
schockerig, Adj.
schockern, schw.
Schockes
Schocklemajem
Schock-schwerenot, f.
schock-weise, Adv.
Schode1
Schode2, f.
schofel, Adj.
Schofe(r)t, m.
Schöffe, m.
Schöffen-gericht, n.
Schöffen-weistum, n.
  Schnurrbart-binde f.: 'hinter den Ohren befestigte Stoffbinde, die den Schnurrbart in der gewünschten Form fest an das Gesicht drückt'; wurde nachts getragen. Auch ist da die Schnurrbartbinde, / daß der Schnurrbart aufwärts stünde [Münch Werke II 124]; vgl. PfWB Schnurresbinde.
 
  
schnurr-bärtig Adj.: 'einen Oberlippenbart tragend', schnorrrdich [ FR-Bockh]. DWB DWb. IX 1414.
 
  
Schnurr-base f.: 'eine Frau, die gerne im Dorf herum läuft, um mit anderen zu reden', Schnorr- bas [ PS-Gersb]; vgl. PfWB Bohnenschnärre, -schnurre, PfWB Schnurre 3.
 
  
Schnurre f.:
1. allg. 'das abendliche gesellschaftliche Herumstreichen der jungen Leute im Dorf'. In verschiedenen Aussprachevarianten nur in der Wend.: uf die Schnorr gehe [verbr. WPf KB-Albish Dreis Mauchh Orb FR-Bissh Ebertsh

[Bd. 5, Sp. 1382]
Flomh Frankth LU-Oggh NW-Haardt Weidth SP-Berghs LA-Ilbh Nußd BZ-Schweighf GH-Hagb], Schnurr [HB-N'alth Seyw IB-Eschring ZW-Marthh PS-Claus Dahn LU-Böhl Hochd NW-Niedkch SP-Harths LA-Dammh BZ-Billh GH-Berg Büchbg Hay Rh'zab], Schnarr [ KU-Bosb Föckbg Relsbg RO-Lettw], Schnuer [ IB-Ensh]. Weitere besondere Formen der Schnurre s. unter den folgenden Punkten. —
a. 'die abendliche Arbeitspause in der Spinnstube', von jungen Leuten genutzt, verschiedenen Vergnügungen nachzugehen, Schnurr [mancherorts nördl. WPf ZW-Wattw RO-Alb Mannw KL-Erlb Weilb PS-H'einöd BZ-Dernb Schandein Sprachsch. 63 Vogelsgesang 28]; vgl. PfWB Jugend 2, PfWB Schnärre 6 a, PfWB schnärren 5. Brauchtum: Während der Zeit des Spinnens und Strickens war die Schnorr des Abends eine angenehme Arbeitsunterbrechung. Sie war das Recht der jungen Leute und deren eigene Angelegenheit, in die weder Eltern noch Herrschaft hineinzureden hatten [ KU-Bedb]. Man ging auf die Gasse 'lauschtere', 'luere' oder uf die Schnorr, d. h. man ging durch die dunklen Dorfstraßen, hob Fensterläden aus, erschreckte harmlose Leute, spielte auch dem oder jenem einen schlimmeren 'Duck', bis man schließlich ausgefroren wieder in die warme Stube zurückkehrte [PfL 2. 12. 1933, Heeger in: Feierowend 25/1949 S. 6]. Am Abend des Kuseler Weihnachtsmarktes wurde im Dorfwirtshaus die Schnorr versteigert. Der Preis war ein Fäßchen Bier. Wer die Sch. ersteigert hatte, hatte damit auch das Recht und die Pflicht, die Sch. zu beginnen. Sie begann um acht Uhr abends. Vor den Spinnstuben und Häusern, in denen Mädchen waren, wurde in die Hände geklatscht. Dann kamen alle vor die Tür und die jungen Leute zogen lachend, singend und Unfug treibend durch das Dorf [KU-Bedb, Schandein Bav. IV,2 363]. ...»und sammelten Hutzle, gedörrte Zwetschen und Apfelschnitzen, die dann nach der Rückkehr in die Spinnstube unter allerlei Späßen verteilt und gemeinsam verzehrt wurden« [Wilde 20]. Uff die Schnorr gehe, Volksbrauch an Lichtmess (2. Februar) [Stoll 41]. —
b. 'dem anderen Geschlecht nachlaufen, poussieren, flirten', Schnorr [verbr. WPf mancherorts übrige Pf außer nördl. VPf], Schnarr [ KU-Liebsth ZW-Riedbg RO-Höring]; auch von Katzen gesagt, die nachts umherstreifen [Zweibr]. Die Mädchen gingen freitags vor Fastnacht bis Ostern den Burschen nach [ KU-Rothsbg]. —
c. 'der Geliebten den Hof machen, auf die Freierei gehen, um einen festen Partner zu finden' Schnorr [KU-Gumbsw Kübbg IB-Rohrb Wolfh ZW-A'hornb Bechhf Maßw RO-Feilbg Schweisw KL-Hauptstl Landstl Lind Spesb NW-Hardbg], Schnarr [ KU-Haschb/G], Schnurr [ PS-Lautschw]. —
d. '(bei Dunkelheit) im Dorf umherstreifen, an fremden Fenstern hor-

[Bd. 5, Sp. 1383]
chen, andere Menschen belauern, herumspionieren', Schnorr [KU-Frankb Herchw O'alb Obw/T Reipkch WD-Niedkch HB-Brenschb Höch IB-Ormh ZW-Battw Stamb RO-Dielkch Feilbg Lohnsf N'hemsb Semb KL-Mackb Reichb Steinwd NW-Frankeck GH-Schaidt Weingt, Kleeberger 100 Kühn Hamet 134], Schnor [ ZW-Rieschw], Schnurr [ PS-Schönau Vinn]; vgl. PfWB schnurren 3 c. Sie geht uf die Sch. [KU-Reichsth GH-Wörth, vereinzelt SOPf]. —
e. 'im Dorf herumlaufen um Neuigkeiten auszutauschen, zu tratschen', Schnorr [ KU-Dunzw ZW-Biedhs RO-Katzb KL-Kottw/Schwand KB-Gauh Immh Kriegsf FR-Bockh Heuchh Lambsh Mörsch LU-Fußgh BZ-Gleisz/Gleishb Schweig], Schnurr [ GH-Wörth]. —
f. 'Streiche spielen, Unfug treiben' [ KU-Diedk Haschb/G Konk HB-Brenschb Höch Kirrbg ZW-Gr'steinhs RO-Bistschd Semb KL-Mackb Reichbstg]. —
g. 'hausieren, betteln gehen, schnurren gehen', Schnorr [IB-Ommh verbr. nördl. VPf LU-Friesh Limbghf Schauh NW-Bobh Dürkh Freinsh Greth Herxh Kallstdt Lambr Leistdt Seeb Ungst Wachh Weish/B LA-Edk Göckling Kl'fischl Mörzh BZ-Apphf Stein GH-Otth], Schnarr [ KU-Adb], Schnor [ FR-Albsh], Schnurr [ LA-Böbing BZ-Albw]; vgl. PfWB fechten, PfWB schnurren 3 d. Er (Die) geht uf die Sch. [ KU-Adb KB-Niefh NW-Ellstdt Ungst Wachh]. —
h. 'hausieren, Wandergewerbe betreiben', Schnorr [ NW-Kallstdt], Schnarr [ RO-Gundw]; vgl. PfWB Walze. —
i. 'herumziehen und Straßenmusik machen', Schnorr [RO-Sippf KL-Samb KB-Jakobsw LU-Opp], Schnurr [ HB-Medh]. Gehn die Mackebacher Musikante / Als noch in die Welt naus uff die Schnorr? [Max Braun, Pälzer im Himmel, in: Wurstmarkt-Festschrift 1926]. —
2. 'ausgehen, um von säumigen Kunden ausstehende Zahlungen einzutreiben', von einem Uhrmacher gesagt [ KB-Rams]. —
3. 'eine ältere Frau, die gerne tratscht und klatscht'; aldi Schnorr [KU-Reichsth Klein Prov. 136]; vgl. PfWB Schnurrbase; Zs.: PfWB Bohnenschnurre. —
4. derb für 'Mund', Schnurr [Schmitt Billh. 62]; Syn. s. PfWB Gusche 1 b. —
5.
a. 'ratterndes Lärminstrument, das am Gründonnerstag eingesetzt wird' [Stoll 52, 193]. — x
b. 'schnurrendes, knatterndes Spielzeug aus dem Knochen eines Schweinefußes, an einem Wollfaden befestigt', Schnorr [Don-Lenauheim]. —
6.
a. 'Windstoß, Windzug', Schnorr [IB-Ensh (Glass II 58)]; Zs.: PfWB Windschnurre. Heijd isch awwer willer e Schnurr iwerm Lonnd! [IB-Ensh (Glass 108)]. —
b. 'erhöhte Stelle im Gelände, über die der Wind fegt', Schnorr [ NW-Hardbg]; vgl. PfWB schnurren 4. —
7. FlN, mda. Die Schnorr [ NW-Weidth]. — Südhess. V 654/55 Schnorre; RhWB Rhein. VII 1682/83; LothWB Lothr. 462; ElsWB Els. II 505; Schwäb. V 1090 Schnurre II; Hess.-Nass. III 386; Kluge-Seebold22 650; DWB DWb. IX 1415 ff.

[Bd. 5, Sp. 1384]

 
   schnurren schw.:
1. 'ein surrendes Geräusch hervorbringen', schnurre (nurə) [KU-Schmittw/O PS-Schmalbg LU-Altr NW-Niedkch LA-Birkw GH-Max'au Minf, Karch Gimmdg/Muttstdt 235 Müller Dietschw 67 Krämer Gal 191], schnorre (norə) [ KL-Hütschhs Neukch PS-Donsied KB-Biedh Kriegsf FR-Bockh LU-Alsh Friesh Ruchh NW-Ungst Wachh Weish/S GH-Nd'lustdt]; Part. Perf. geschnurrt [Krämer Gal 191], g'schnorrt (gnord) [ LU-Alsh]; vgl. PfWB schnurpeln; Zs.: PfWB an-, PfWB herunterschnurren. Die Katz schnurrt (schnorrt) [ KU-Schmittw/O, mancherorts]. Un schnurrt un dut sich sunne [Ranssweiler 92]. Rätsel vom Spinnrad: Was is des for e Katz: Mer roppt ehr die Hoor eraus un sie schnorrt weiter [Zeitw. Gal. 1959 S. 82, Gal-Landtr Unterbach Buch-Illisch St. Onufry]. —
2.
a. 'eine surrende, drehende, rasche Bewegung machen', bes. von einem Rad, schnurre [ KU-Schmittw/O], schnorre, vom Spinnrad [Schandein Ged. 249]; Zs: abschnurren; Syn. s. PfWB schnellen 1; schnorre losse 'etwas ruckartig loslassen' [Umg. von NW-Hardbg]. Bei dem flakkeriche Feierlicht hann dann die Alte ehr Spinnrärrer schnurre losse [Schneider Singersepp 9]. RA.: 's Rädel schnurrt, sagt man von einem, der nicht ganz bei Verstand ist [ PS-Geisbg]. —
b. 'mit den Fingern schnellen', schnurre [ PS-Heltbg Hermbg W'fischb]; vgl. PfWB schnärren 1 b, PfWB schnellen 1; s. K. 243 knäupeln; an de Stern sch. 'mit dem Finger an die Stirne schnellen' [ PS-Burgalb]. —
c. 'fahren, sich schnell fortbewegen' [Höh 131 Otterstetter 210]; Zs.: PfWB vorbeischnurren. — x
d. 'zusammenschnurren, schrumpfen' [Don-Schowe Torscha Albrecht 112]; Zs.: PfWB ein-, PfWB zusammenschnurren 2. Die Frucht is g'schnarrt [ Don-Schowe Torscha]. —
3.
a. '(sonntags) auf der Dorfstraße hin- und hergehen, abends draußen herumziehen', von jungen Mädchen und Burschen, ursprünglich zeitlich begrenzt auf die abendliche Spinnstubenpause, dann aber allgemein; oft werden dabei Lieder gesungen oder Schäkereien ausgetauscht, schnorre [ NW-Weish/S]; schnorre gehe [ KU-Bedb, mancherorts]; schnurre gehe [ LA-Dammh BZ-Sarnst]; um achte sch. [PfMus. 1889 S. 67]; vgl. PfWB Schnärre 6a, PfWB schnärren 5, PfWB Schnurre 1a. »Sie gingen auf die Straße schnurren in der langen Nacht (21. 12.)« [Grünenwald 26]. —
b. 'untätig im Dorf herumstreifen' [ KU-Kaulb Kreimb]. —
c. 'heimlich an Häusern herumstreifen, um zu lauschen' [ HB-Mimb LA-Venn]; vgl. PfWB Schnurre 1 d. —
d. 'betteln, hausieren, mit Singen zusammenbetteln', auch vom Heischen der Kinder an Fastnacht, am Sommertag usw., schnorre (nǫrə) [KU-Kaulb Kreimb KL-Katzw PS-Rodalb (Bernhard 166) FR-Hettldh Watth LU-Ruchh NW-Dürkh Ellstdt Hardbg Ungst BZ-Stein (Ehrhardt 133),

[Bd. 5, Sp. 1385]
Albrecht 111], schnurren [PfId. 128]; Syn. s. PfWB bitten; schnorre geh (gihn) [ KU-Schmittw/O NW-Geinsh FR-Saush LA-Nd'hochstdt Offb]. — Nach dem alten Brauch der Bettelmusikanten, mit einer Schnurrpfeife herumzuziehen (Wolf 5103). —
4. 'wehen', vom Wind [ NW-Weish/S]. De Wind schnorrt [ ZW-Hornb]. Bej uns, wo lang de Winter schnorrt [Kraus Grickelmaus 46]; vgl. PfWB Schnurre 6-7. —
5. 'verhauen', Part. Perf. geschnurrt [ IB-Bliesmg/Bolch]; Syn. s. PfWB verhauen 1. —
6. 'einen trinken'; eene schnorre losse [FR-Lambsh Umg. von NW-Hardbg]; Syn. s. PfWB trinken 1 a. —
7. 'schlafen' [ GH-Neubg]; Zs.: PfWB einschnurren 1; Syn. s. PfWB schlafen 1 a. —
8. 'einen Darmwind streichen lassen', schnorre [BZ-Dörrb, PfId. 136]; vgl. PfWB furzen 1. —
9. 'Vermögen verlieren, verenden' s. in PfWB daraufschnurren. — Südhess. V 655/56 schnorren, 684 schnurren; RhWB Rhein. VII 1646 schnorren, 1681/ 82; LothWB Lothr. 462; ElsWB Els. II 505, ALA II K. 154; Schwäb. V 1090; Kluge-Seebold22 649/50; DWB DWb. IX 1417 ff; Frankf. V 2801.
 
  
Schnurren m.: 'ein Schneller mit dem Finger gegen die Stirn'; e Schnurre an de Stern [ PS-Burgalb].
 
 
Schnurrer m.: 'Bettler, Hausierer, Schmarotzer', auch Schimpfw., Schnorrer (nǫrər) [KU-Kaulb Schmittw/O PS-Rodalb (Bernhard 166) PfId. 128 Feierowend 1/1954 7 Thielen 102]; Pl. wie Sg; vgl. PfWB Schnurrant; Syn. s. PfWB Landstreicher 1. Die gude Seele schterwen aus / ratzebutz - mit Mann un Maus. / 'S mehren sich, meer muß sich richte, / die Schnorrer un die Egoischte! [Damm Pälzer 71]. Südhess. V 656/57; Wolf 5103; RhWB Rhein. VII 1649; ElsWB Els. II 506; DWB DWb. IX 1421; Frankf. V 2801/02.
 
  
Schnurres m.:
1.
a. 'Schnurrbart, Oberlippenbart des Mannes', Schnorres (nǫrəs, norəs) [verbr., Juner 91 Kamm 58 Klein Prov. 136 Kühn Hamet 134 Müller Dietschw 67 Schandein Ged. 249 Thielen 102 Wilms Alph. 50 PfId. 127 Albrecht 112 Don-Torscha Krämer Gal 190], Schnurres (nurəs) [IB-Bliesmg/Bolch Ensh (Glass 108) KL-Mölschb PS-H'einöd Rodalb LU-Friesh Neuhf NW-Deidh Gimmdg Haßl Lambr Neidfs LA-Knöring Venn BZ-Billh Dernb GH-Schwegh], Schnarres (narəs) [KU-A'glan HB-Kirrbg IB-Biesing RO-Feilbg (PfId. 127)], Schnärres (nęrəs) [ RO-Schiersf]; Pl. Schnärres [ RO-Rehborn, mancherorts], Schnurrese (nurəsə) [ PS-H'einöd]; Dim. Schnärresje (nęrəsjə) [ZW-Bechhf RO-Rehborn Hussong Kirkel 152 Krämer Gal 190], Schnärres'che (nęrəsχə) [Schandein Ged. 249 Don-Schowe Torscha Krämer Gal 109], Schnirresel (nirəsəl) [ LA-Herxh], Schnärresi (nęrəsi) [ KU-Schmittw/O]; vgl. PfWB Schnurrbart; Zs.: PfWB Bollmehl-, PfWB Eisenbahner-, PfWB Feldwebels-, PfWB Knackwurstschnurres, Konfirmandenschnürres'-

[Bd. 5, Sp. 1386]
chen, PfWB Quecken-, PfWB Sauerkraut-, PfWB Silber-, PfWB Zassel-, PfWB Zottelschnurres; e schneiricher Sch. [ RO-Rehborn]; e Sch. wie e Feldwebel [ RO-Rehborn]; de Sch. binne 'die Schnurrbartbinde anlegen' [ LU-Neuhf]; iwwer de Sch. fahre 'sich den Schnurrbart streichen' [ LA-Maik]; e Schnorres quer durch s' Gesicht [Kraus Pädcher 45]; so e gedrurlter (s. PfWB trudeln2) Schnorres [Damm Dreifaltichkäät 86]. Die hot en Sch. wie en Mann, von einer Frau mit Damenbart [ LU-Neuhf]. E Hambacher is e Halsbart, kää Schnorres [Umg. von NW-Hardbg]; vgl. PfWB Hambacher. Er dreht de Sch. 'Er zwirbelt die Enden seines Schnurrbartes' [ KU-Schmittw/O]. Geh mol her un loß mich mol rieche an deim Schnurres, ich glaab als, du warscht mol wirrer am guure Kindaafwoi (Kindtaufwein), sagt die Frau zu ihrem Mann [ NW-Gimmdg]. Do kammer dann den Kuntrolleer / Sein Schnorres streiche sehe [Müller Luscht un Lewe 129]. Un unner de Stupsnas' wann 's keener sieht, duscht iwwerm Schnorres bohre [Ranssweiler 45]. So wär ich nowel hergebutzt, / De Schnorres englisch zugestutzt [Münch Werke I 193, II 166]. Mei Kopp werd groo, mei Schnorres aa [Münch Werke I 247]. Dabber de Schnorres gestutzt [Kraus Unser Babbe 68]. Nore e kleenes Schnerresche derf'r hun, so wie d'r Henrich [Rech Lore 48]. E klä' verhuscht Männche met'me runnerhängische Schnurres [Albert Oppschuhmacher 57]. E Schnorres un e Knewelbart - Das steht mer ganz passawel! [KL-Landstl Sickinger Höhe (Firmenich III 248)]. Die Schmink war vun Ruß un de Schnorres aus Wichs [Wilms Land und Lewe 40]. De Metzjerborsch hot do geheerisch gelacht un hot uns mit Blut als en Schnorres gemacht [Wilms Land und Lewe 39]. Er hot mit seine zwe Händ sein große Schnorres in die Höh g'zwerwelt [FR-Hettldh (PfRSch. 29. 10. 1933)]. Hot en Sch. un en Backebart un net emol en Schatz, von einem alten Junggesellen [BZ-Dernb, Schandein Ged. 40]. Er loßt sich e Sch. wachse [ KU-Schmittw/O]. E' Schnorres wie 'ne Salledat, / Den wichst er als mit Horbummad (Haarpomade) [Schandein Ged. 66]. De Ferschter hots gut / im frischgrüne Wald. / Streicht er de Schnorres lang, / werd er aach alt [Feierowend 5/1950 2]. Der scheert (schürt) kän Herd, hengt a im Schnorres Ejs [Kraus Gloori Bagaasch 55]. Un unner de Stupsnas' e pefferfarwicher struppicher Schnorres [Albert Oppschuhmacher 9]. Un stellt sei Schnorres kolossal / Un kreischt als wie en General: / »Was glabt denn ehr Schlawacke-Chor? / Die Sach, die kummt mer schbanisch vor« [Räder 84]. RA.: de Sch. tunke 'übermäßig trinken' [Thielen 109]; jemand de Sch. putze 'jemandem Vorwürfe machen' [ RO-Obd]. Dem sein Sch. steht mit de Gäns im Prozeß; mer weeß noch net, ob's Flaum gibt orrer Hoor, neckend

[Bd. 5, Sp. 1387]
über einen jungen Mann mit Bartansatz [Hebel 20]. Dem hun ich de Sch. gedreht 'Dem habe ich gehörig meine Meinung gesagt' [Gal-Dornf, RO-Obd Krämer Gal 190]. Mer hänn em Wert e Sch. gedreht 'Wir haben zu Hause gegessen und getrunken und nicht im Wirtshaus unser Geld ausgegeben' [Kaislt]. Ich nemm dich ins Maul for e Sch., sagt einer, der beim Streit prahlen will [ KU-Roßb]. Dem stellt sich de Sch., von einem Menschen, der leicht zornig wird [ FR-Kindh]. Er stellt de Sch. 'Er ist sehr stolz' [ KU-Schmittw/O]. Er hot e Sch. wie e Feldwewel 'Er hat einen stattlichen Schnurrbart' [ KU-Schmittw/O]. Dem isch de Sch. geritscht, er hat e Sch. unner de Ärm, von einem Mann mit starker Achselbehaarung [ ZW-Bechhf]. Der hot sich de Sch. mit Gluckebutter ingeschmeert, von einem Mann mit glatt anliegendem Bart [ Gal-Dornf]. Was der sich eweil e Sch. planzt! [ KL-Fischb]. SprW.: E Kuß ohne Schnorres is wie e Supp ohne Salz [Hellriegel in: Feierowend 31/1955 7]. VR.: Dort drunne, dort drowwe, / dort steht e Saldat, / der wackelt mid'm Schnorres, / macht Gummersalat [ Gal-Obl]. Eich wääß e Bääm voll Mangelbeere, / Kumm, Schnorres, kumm geh met; / Die sein so gut wie Mandelkääre / Nään, Schnorres, bleib serick! [ KU-Reiffb]. —
b. 'Schnurrhaare der Katze', Schnorres [mancherorts ges. Pf], Schnurres [ PS-Busbg Erfw Schmalbg LU-Altr Ruchh LA-Birkw Edh GH-Minf], Schnarres [ KU-Adb Einöll Kaulb Körbn RO-Bistschd KL-Gimsb]; Pl. Schnärres [ FR-Bockh]; vgl. PfWB Schnurrbart 1 b; Zs.: PfWB Katzenschnurres. —
c. 'der vom Essen verschmierte Kindermund', bes. von der Oberlippe [ GH-Zeisk]. —
2.
a. Neckname für einen Mann mit einem stattlichen Schnurrbart, Schnorres [ KU-Schmittw/O ZW-Gr'bundb L'wied KL-Fischb FR-Bockh GH-Zeisk]. —
b. Neckname für einen Mann mit einem schwach gewachsenen, kleinen Schnurrbart, Schnerresi Dim. [ KU-Schmittw/O]. —
c. Rufname für einen Hund, Schnorres [Frankth]. —
3. 'Tadel, Rüffel, Vorwurf durch einen Vorgesetzten' [ GH-Zeisk]. —
4. eine weiße Bohnensorte, Schnerres'cher [Umg. von Zweibr (Wilde 25)]; vgl. PfWB Schnurrbart 2, PfWB Schnurresbohne. Südhess. V 684/85; RhWB Rhein. VII 1645 Schnorres; LothWB Lothr. 462; ElsWB Els. II 506; Hess.-Nass. III 387.
 
  
Schnurres-binde f.: 'hinter den Ohren befestigte Stoffbinde, die den Sch. in der gewünschten Form fest an die Haut drückt', wurde nachts getragen, Schnorresbinn ('nǫrəs;bin) [Umg. von NW-Hardbg, Wilms Alph. 50], -bind (-bind) [ LU-Neuhf]; vgl. PfWB Schnurrbartbinde; die Schnorresbin abmeche 'die Sch. abnehmen' [ ZW-Bechhf]. Südhess. V 685. — -bohne f.: 'scheckig gefärbter Bohnenkern', Schnorresbahne Pl. [ LU-Friesh]; vgl. PfWB Schnurrbart 2, PfWB Schnurres 4. Rhein. VII 1645 Z. 44, Z. 58.

[Bd. 5, Sp. 1388]
Südhess. V 685. — -bub m.: Schimpfw. für einen frechen Jungen, Schnorresbub [ KU-Schmittw/O]. —