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Pfälzisches Wörterbuch 
 
schmunzeln bis Schmuser1 (Bd. 5, Sp. 1202 bis 1205)
 
schmunzeln, schw.
Schmunzes
schmurbelig, Adj.
Schmurche, Gen.?
Schmurren, m.
Schmus, m.
Schmus-backen, m.
Schmus-barjentes, Gen.?
Schmus-base, f.
schmusen, schw.
Schmuser1, m.
Schmuser2, m.
Schmuserei, f.
Schmuserin, f.
Schmusersin, f.
Schmus-geld, n.
Schmus-grete, f.
schmusig, Adj.
Schmus-jockel, m.
Schmus-kalaumes, m.
Schmus-katze, f.
Schmus-krämer, m.
Schmus-lappen, m.
Schmus-lumpen, m.
Schmus-maul, n.
Schmus-tuch, n.
schmutchen
schmuten
schmutig
Schmutz1, m.
Schmutz2, m.
Schmutz-amsel, f.
Schmutz-bärtchen, n.
Schmutz-bürste, f.
Schmutzel, m.
schmutzeln1, schw.
schmutzeln2, schw.
schmutzen1, schw.
schmutzen2, schw.
Schmutz-fink, m.
Schmutz-hafen, m.
Schmutz-hammel, m.
schmutzig, Adj.
Schmutz-jockel, m.
Schmutz-kachel, f.
Schmutz-kitsche, f.
Schmutz-kübel, m.
Schmutz-lappen, m.
Schmutz-licht, n.
Schmutz-pfanne, f.
Schmutz-placken, m.
Schmutz-wolle, f.
Schmu-zettel, m.
Schnabel, m.
Schnabel-blech, n.
Schnabeler, m.
Schnabel-erbse, f.
schnabelig, Adj.
Schnabel-kappe, f.
Schnabel-licht, n.
Schnabel-liese, f.
Schnabel-maul, n.
schnabeln, schw.
schnäbeln, schw.
Schnabel-rebe, f.
schnabel-schnell, Adj.
Schnabel-schnüsse, f.
Schnabel-schuh, m.
Schnäberlein, n.
schnäbern, schw.
Schnäbler, m.
schnabulieren, schw.
Schnacheler, m.
schnacheln, schw.
schnack, Adj.
Schnackel, m.
schnackelig, Adj.
schnackeln, schw.
schnacken, schw.
Schnackes, m.
Schnäckes, m.
Schnäckesin, f.
Schnack-kraut
Schnaffel, f.
Schnaffelchen, n.
Schnaffeler, m.
Schnaffelerin, f.
Schnaffel-gans, f.
schnaffelig, Adj.
schnaffeln, schw.
Schnäk-base, f.
Schnake, f.  (m.)
Schnäke, f.
schnäkelig, Adj.
schnäken, schw.
Schnaken-balsam, m.
Schnaken-bändiger, m.
Schnaken-bein, n.
Schnaken-beller, m.
Schnaken-falle, f.
   schmunzeln schw.: 'stillvergnügt lächeln', schmunzele (mundsələ) [RO-Lohnsf Müller Dietschw 66 Klein Prov. 130 PfId. 126 Journ. 1787 215], schmunzle (mundslə) [Germh Karch Gimmdg/Muttstdt 241 Krämer Gal 189 Jakob Zw. 4], schmunsele (munsələ) [ KU-Schmittw/O], schmunsle (munslə) [Lambert Penns 136 Buffington Penns Var. 249/67]; Part. Perf. geschmunzelt [Krämer Gal 189], geschmunselt (gəmunsəld) [KU-Schmittw/O, Lambert Penns 136]. Er schmunzelt [ LA-Ranschb]. Zuerscht han ich die Stern (Stirn) gerunzelt un dann han ich vegniecht geschmunzelt [Feierowend 32/1953]. De Richter muß schmunzle. Doch dann säät (sagt) er streng ... [Ranssweiler 75]. KR.: Lach mer net, schmunzel mer net, weis mer aa net dei weiße Zähncher!, sagt ein Kind zu einem anderen, wenn es ihm nicht glaubt. [ RO-Lohnsf, KU-Schmittw/O]. Karlche, gunn Dach! Wer schmunzelt un lacht, muß Pfand gewwe. Schmunzel mer net un lach mer net, weis mer dei weiße Zähncher net!, beim Einsammeln von Pfändern im Spiel gesagt [Gal-Dornf, Krämer Gal 189]. Griwwelche, grawwelche, unnich der Bach, wer erscht schmunzelt oder lacht, der muß Pand gewe, dabei wird das betreffende Kind unter dem Kinn ge-

[Bd. 5, Sp. 1203]
kitzelt [ Gal-Bagbg], (vgl. PfWB kribbeln 3 a). RhWB Rhein. VII 1515; LothWB Lothr. 456 schmunzlen; ElsWB Els. II 484 schmunzlen; Hess.-Nass. III 311; DWB DWb. IX 1133/ 34.
 
 
Schmunzes 'Unsinn' s. PfWB Schmonzes.
 
  
schmurbelig Adj.: 'unreinlich, schmierig'; du schmurweliche Sau! [ BZ-Dernb]. — Zu schmürbeln 'nach fettiger Unreinigkeit riechen' ( DWB DWb. IX 1134). Mhd. smirwen 'schmieren, salben' ( Lexer Lexer II 1014/15).
 
  
Schmurche Gen.?: 'Zigarre, Zigarette', Schmurche (murχə) [ FR-Carlsbg], pfälz. Händlersprache. Hosche noch e Schmerrche fer mich? [Schäfer Lotegorisch 41]. Kluge Rotw. 438; Wolf 5004.
 
  
Schmurren m.: 'großes Stück', Schmurre (murə) [ NW-Deidh]; vgl. PfWB Schmarren 2 b.
 
  
Schmus m.:
1. 'schmeichelndes Zureden zum Abschließen eines Handels, Vertrages', bes. beim Viehhandel und beim Aushandeln der Mitgift, Schmus (mūs) [verbr., Bernhard 164], Schmies (mīs) [Pirmas (Kieffer 70)]; vgl. PfWB Brautschau, PfWB Geschmuse, PfWB Kalaumes, PfWB Schmu, PfWB schmusen, PfWB Schmuser; Zs.: PfWB Juden-, PfWB Schabbesschmus. Nach der Hausbesichtigung durch die Eltern des Freienden fand im positiven Fall ein Gespräch, der Schmus, statt. Waren die Eltern des Mannes enttäuscht, hörten sie sich den Schmus der Brauteltern nicht an, die Verbindung kam nicht zustande [ LU-Böhl]. —
2. 'leeres, dummes Gerede, Geschwätz', Schmus [KU-Schmittw/O RO-Lettw NW-Hardbg Germh verbr. SOPf (Heeger Nachl.) Kühn Schnitze I 253 Kühn Hamet 133 Rapp Schum 253 Thielen 100 PfH 26/1975 28], Schmies (mīs) [Pirmas (Kieffer 70)]; vgl. PfWB Kalaumes-, PfWB Schäkerschmus; dumme Sch. [ RO-Dörrmosch KB-Stett]; Sch. mache 'dummes Zeug reden, auch schmeicheln' [RO-Steinb Bergz (Kamm 58)]; Sch. vormache [verbr. SWPf, Höh 119]. Der macht Sch. 'Der schwätzt dummes Zeug' [ ZW-O'hs KB-Stett FR-Heuchh]. Der macht Sch., daß mer sich kotze kennt [ FR-Kindh]. In Pälzer Sprooch e Willkummgruß / is echt un trei, kee bloßer Schmus [Münch Werke II 224]. Kee Schmus un Schnookes, welsch un hohl, / hie fihlt sich unserenner wohl [Münch Werke II 244]. Mei Vorschlag awwer is kee Schmus, / der stimmt un klappt, hat Hand und Fuß [Münch Werke II 374]. —
3. 'Umstände, Mühen'. Mach der (dir) nor kee Sch. [ PS-Geisbg]. — Zu Jidd. schmuo, Pl. schmuos 'Gehörtes, Erzählung, Gerücht' (Wolf 5035 Schmuh, 5039 Schmus; Althaus 151). — RhWB Rhein. VII 1518/19; LothWB Lothr. 456; ElsWB Els. II 488; Schwäb. V 1017; Hess.-Nass. III 311/12; Kluge-Seebold22 645; DWB DWb. IX 1135.
 
 
Schmus-backen m.: 'ein Mensch, der gerne liebkost und schmust', Schmusbacke [IB-Ensh (Glass II 58)].

[Bd. 5, Sp. 1204]

 
   Schmus-barjentes Gen.?: 'leeres, einfältiges Geschwätz', Schmus burchentes (mūs burχendəs) [ BZ-Klingmst], Schmuß Brientes [PfH 26/1975 28]. — Bestimmungsw. zu PfWB Schmus, Grundw. wohl zu jidd. sich berjenen 'großtun, renommieren' (Wolf 317). — ElsWB Els. II 488/89. — -base f.: 'Schwätzerin, Schmeichlerin', Schmusbas (mūsbās) [ KU-Schmittw/O RO-Rehborn].
 
  
schmusen schw.:
1.
a. 'erzählen, plaudern, viel und lange reden, schwätzen', schmuse (mūsə) [verbr., Müller Dietschw 66 Karch Gimmdg/ Muttstdt 235 PfId. 126 Kühn Schnitze I 253 Kühn Hamet 133 Schäfer Lotegorisch 51 Don-Schowe Torscha Gal-Dornf Obl PfH 26/1975 29], schmouse (mousə) [ HB-Webh], schmiese (mīsə) [Krämer Gal 189 Buch]; Part. Perf. g(e)schmust (gəmusd, gmūsd) [verbr., Gal-Bagbg], geschmiest [Krämer Gal 189]; vgl. PfWB Geschmuse, PfWB osern, PfWB Schmus; Zs.: PfWB ab-, PfWB an-, PfWB be-, PfWB verschmusen; Syn. s. PfWB schwätzen; schmuse gehe [ ZW-Bottb]. De Jud schmust [ FR-O'sülz]. Hör halt in Gottes Name 's Gebrebel (Gepröpel 'Nörgelei') an un losse schmuße un diwwere (dibbern 'erzählen') [NPfGV 8 1934]. RA.: Er schmust 's Bloo vum Himmel erunner [ ZW-Battw]. SprW.: Am viele Schmuuse es kä Brooche 'Segen' 'Reden ist Silber, Schweigen ist Gold' [Thielen So rerre mer 109]. —
b. 'gegen Entgeld vermitteln, makeln, den Unterhändler spielen', schmuse [ KU-Kaulb Schmittw/O], schmiese [ Don-Schowe Torscha Gal-Brig Dornf Josbg Lindenfeld Ugartsberg]. —
c. 'jemandem zureden, jemanden überreden, mit vielen Worten zum Kauf bewegen, besonders bei einem (Vieh-) Handel oder Geschäftsabschluß', oft in Bezug auf Juden gebr. [LA-Essing, Krämer Gal 189]; vgl. PfWB aufschmusen. —
d. 'schönreden, um eine Heirat zu stiften' [ KU-Schmittw/O]. Sie schmust iwwerall, aß sich (daß sie sich) nemme (nehmen) solle [ PS-Schmalbg]. —
e. 'schmeichelnd reden, schöntun, umwerben, jemandem gute Worte geben' [mancherorts ges. Pf, Bernhard 164 Müller Dietschw 66]; vgl. PfWB herumschmusen; ääm sch. [ KL-Mackb]; sieß sch. [ KB-Kriegsf]; e bissel sch. [ FR-Gr'niedh]. Der kann sch.! [ RO-Dielkch]. Er schmust sieß [Frankth]. Er muß sch. 'er muß einem gute Worte geben' [ FR-Beindh]. Der schmust widder [ NW-Frankeck]. —
f. 'langatmig, langweilig erzählen, dummes Zeug reden' [ KU-Albess Hachb Obw/Tiefb Trahw]; dumm sch. [ RO-Odh]. —
2. 'liebkosen, zärtlich sein, streicheln', bes. von Kindern [KU-Altkch Roßb Trahw KL-Hoheck Queidb KB-Kriegsf FR-Bobh Frankth Grünstdt NW-Dürkh Lambr Weidth Neustdt SP-Dudhf LA-Göckling Kirrw BZ-Pleisw/O'hf Spirkb Wilgws Bergz (Kamm 58) GH-Max'au Schaidt Glass II 58]; Syn. s. PfWB schmeicheln 1. Die Katz schmust [ PS-Busbg LU-Alsh/Gr NW-Niedkch]. Doch schmust er e bißje /

[Bd. 5, Sp. 1205]
mol drauß mit seim Liesje [Burgey Keschte 48]. Mit Kinner schmuse, duschur (tuschur 'stets') schmunzle, / Dess war vun jeher so sein Art [Kühn Hamet 11]. Kumm geh mittmer hääm, / ich will mittder schmuse [Damm Nachtdischlamp 42]. Schmuse geht fix in de Schejer [Kraus Arwed 44]. Wie soll so e Poet vom Schmuse dichte, / wenn er viel sahn derf, awer nix vom Schmuse? [Kraus Pläseer 61]. —
3. 'suchen, heimlich nachsehen, stöbern', schmuuse [IB-Ensh (Glass II 58)]; in de Säck sch. 'die Taschen eines Kleidungsstückes durchsuchen' [IB-Ensh (Glass II 58)]. Hasche willer in da Schublaad geschmuusd fa e Ripp Schoggelaad! [IB-Ensh (Glass 58)]. — Abl. zu PfWB Schmus (Wolf 5039). — RhWB Rhein. VII 1518; LothWB Lothr. 456; ElsWB Els. II 489; Schwäb. V 1017/18; Hess.-Nass. III 312; Kluge-Seebold22 645; DWB DWb. IX 1135; Kluge Rotw. 438.
 
  
Schmuser1 m.:
1.
a. 'Makler, Unterhändler, Vermittler in Geschäftsangelegenheiten, Handelsmann', oft nur in Bezug auf Juden gebr., Schmuser (mūsər) [ KU-Altkch Diedk Schmittw/O WD-Niedkch ZW-Battw Gr'bundb RO-Als Lettw Obd PS-Erfw NW-Elmst GH-Schwegh], Schmieser (mīsər) [Krämer Gal 189]; vgl. PfWB Makler, PfWB Schöntuer; Zs.: Auf-, PfWB Mistschmuser. —
b. 'Viehaufkäufer für Metzger, Viehhändler, besonders Makler beim Pferdehandel auf Viehmärkten', verhandelt gegen ein PfWB Schmusgeld den Kaufpreis zwischen Verkäufer und Käufer [KU-Albess A'glan Bledb Börsbn Diedk Friedhs Godhs Hundh Lauteck Quirnb Sand Schönbg WD-Niedkch IB-Bierb ZW-Battw Wintb RO-Dielkch PS-Busbg Leim Schmalbg Schönau KB-Dannfs LU-Altr NW-Geinsh LA-Böbing Venn GH-Lingf, Carl Pfalz im Jahr 249/50]. Er hat de Sch. gemach [ KU-Trahw]. Un dann will so e Verein es a doheenbrenge, daß die Baure net erscht e Schmuser hann merre (müssen), wann dr Ein em Anner e Stückelche Vieh verkafe will [Westrich (PfId. 171)]. —
c. 'Strohmann, Scheinkäufer beim Pferdehandel' [ LU-Altr]. —
d. 'Heiratsmakler, der zwischen den Freienden vermittelt', [ KU-Schmittw/O RO-Als BZ-Dernb]; de Sch. mache 'eine Heirat vermitteln' [ KU-Bedb]. Do kummt's nochher alsemol schun vor, daß de Ähn oder die Anner hocke bleibt unn nooch auswärts heiere muß. Do kummt denohd ach manchmol en Schmuser vun auswärts [Kunnrädel 10]. —
2.
a. 'wer viel und gerne erzählt, wer langweilige, nichtssagende Reden führt, aufdringlicher Schwätzer' [KU-Kaulb Schmittw/O RO-Als Messbhf KL-Wörsb PS-Rodalb (Bernhard 164) Germh, Weber 134 NPfGV 11/1935 Kühn Hamet 133 Kühn Schnitze I 253]; vgl. PfWB Quatschmaul, PfWB schmusen. —
b. 'Schmeichler, der den Leuten zu Gefallen redet, um eigene Vorteile zu erlangen' [KU-Trahw NW-Hardbg, G. Brandstätter

[Bd. 5, Sp. 1206]
in: PfMHk. 42/1925 167], Dim. Schmuserche (mūsərχə) [ KU-Kaulb]; vgl. PfWB Süßschmuser. —
c. 'wer schlecht von anderen Menschen redet' [ KU-Eschau]. —
3.
a. 'zärtlicher, anschmiegsamer Mensch, der gerne liebkost' [Thielen 100 Glass II 58]. Schmuser, sonscht nix im Kopp! [Kraus Putscheblum 13]. —
b. 'anschmiegsamer Hund' [ LU-Alsh/Gr]. —
4. 'wer alles durchsucht, durchstöbert' [IB-Ensh (Glass II 58)]. — RhWB Rhein. VII 1519; LothWB Lothr. 456 and. Bed.; ElsWB Els. II 489; Hess.-Nass. III 312; DWB DWb. IX 1135; Wolf 5039.