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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Schlappe bis Schlappen-adam (Bd. 5, Sp. 1030 bis 1033)
 
Schlappe, f.
Schläppe, f.
Schlapp-eimer, m.
Schlappel, m.
Schlappel-hut, m.
schläppeln, schw.
Schlappel-ohr, n.
schlappel-ohrig, Adj.
Schläppel-schuh, m.
Schlappen, m.
schlappen, schw.
Schlappen-adam, m.
Schlappen-deckel, m.
Schlappen-flicker
Schlappen-gusche, f.
Schlappen-kraut, n.
Schlappen-kukumer, f.
Schlappen-land, n.
Schlappen-macher, Pl.
Schlappen-mann, m.
Schlappen-mensch, n.
Schlappen-mutter, f.
Schlappen-preußen, Pl.
Schlappen-schisser, Pl.
Schlappen-seicher, m.
Schlappen-stadt, f.
Schlappen-vater, m.
Schlapper1, m.
Schlapper2
Schläpper1, f.
Schläpper2, m.
Schlapper-backen, m.
Schlapperes, m.
schlapper-fett, Adj.
schlapp(e)rig, Adj.
Schlapper-kamm, m.
Schlapper-käthe, f.
Schlapper-kraut, n.
Schlapper-lappen, m.
schlappern, schw.
schläppern, schw.
Schlapper-quetsche, f.
Schlapper-tasche, f.
Schlapper-täsche, f.
Schlappes, m.
schlapp-füßig, Adj.
Schlapp-gosche
Schlapp-grete, f.
Schlapp-gusche, f.
Schlapp-hannes, m.
Schlapp-horn, n.
Schlapp-hut, m.
Schlapphuts-hecke, f.
schlappig, Adj.
schläppig, Adj.
Schlapp-kopf, m.
Schlapp-kreite, f.
Schlapp-kübel, m.
Schlapp-madam, f.
Schlapp-mamsell, f.
Schlapp-maul, n.
schlapp-maulig, Adj.
schlapp-mäulig, Adj.
Schlapp-ohr, n.
schlapp-ohrig, Adj.
Schlapp-peter, m.
Schlapp-rose, f.
Schlapp-sack, m.
Schlapp-sau, f.
Schlapp-schisser, m.
Schlapp-schnute, f.
Schlapp-schuh, m.
Schlapp-schwanz, m.
Schlappsel, n.
schlappsen, schw.
Schlapp-sibylle, f.
Schlapp-susel, f.
Schlaraffe, f.
Schlaraffel, f.
Schlaraffel(s)-gesicht
schlaraffen, schw.
Schlaraffen-gesicht, n.
schlaranten
schlarbsen
schlärbsen
schlarfen
Schlärr-auge, n.
Schlärre, f.
Schlarren, m.
schlärren, schw.
Schlärr-hölzer, Pl.
Schlärr-maul, n.
Schlätzel
schlau, Adj.
schläu, Adj.
Schlau-berger, m.
Schlau-buckel, m.
Schlauch, m.
schlauchen, schw.
schläuchen, schw.
   Schlappe, Schläppef.:
1.
a. 'Mund mit hängenden oder aufgeworfenen Lippen, zum Weinen oder Schmollen verzogener Mund', Schlapp (lab) [mancherorts VPf KU-Kaulb Schmittw/O W'mohr RO-Messbhf Semb PS-Nd'simt Rodalb], Schläpp (lęb) [ RO-Semb]; Pl. -e [vereinzelt]; Dim. Schläppche, Schläppel (bes. bei schmollenden Kindern) [vereinzelt]; e Sch. mache [ PS-Nd'simt, mancherorts]. Mach kän so Sch.! [ GH-Zeisk]. Er hängt die Sch. [ LU-Alsh]. Jetzt loßt er d' Sch. hänge [ SP-Harths]. Mach kään Schläppel! [ LU-Alsh]. —
b. 'Mund allgemein', häufig in abschätzigem Gebrauch [mancherorts, Otterstetter 236]; vgl. PfWB Schlappgusche, -maul; Syn. s. PfWB Gusche 1 b; e Sch. voll 'ein Mund voll' [ GH-Bellh]. Hall dei Sch.! [ RO-Rehborn, mancherorts]. Dem sein Sch. steht aa net ään Minutt still [ KL-Ottb]. —
c.
α. 'Lippe' [ PS-Münchw Steinalb]; Syn. s. PfWB Lippe 1. —
β. 'Lippe bei Tieren' [ NW-Meckh]. —
2. 'nachlässige, unordentliche, schlampige, träge (meist weibliche) Person' [verbr., Lambert Penns 134 Krämer Gal 186]; Syn. s. PfWB Schlampes 2. Du bisch e Sch. [ KL-Stelzbg]. E schlampig Märe is e Sch. [ ZW-Gr'bundb]. Die alt Sch. wäscht un flickt nix [ KU-Schmittw/O]. SprW.: Sch. un Schlamp finden einand [ PS-Erfw]. Volksgl.: Wann em der Spiellumpe fallt, is es erscht, wu kummt, en Sch., oder 's geht enni färt, oder wann kenni kummt, is mer sie selwert [Fogel Beliefs Penns Nr. 353]. —
3. 'flüssiges Viehfutter, Viehtränke,

[Bd. 5, Sp. 1031]
Schlempe' [Lambert Penns 134]; vgl.: PfWB Quetschenschlappe, PfWB Schlappsel. —
4. 'Hieb, Ohrfeige', Schlapp [Klein Prov. 117], Schläppche, Dim. [ PS-Geisbg]; Zs.: PfWB Gutenacht-, PfWB Nacht-, PfWB Ohrenschlappe; Syn. s. PfWB Ohrfeige. —
5. 'Niederlage, Verlust', nach dem Schd. [vereinzelt, Klein Prov. 117]. — Südhess. V 373; RhWB Rhein. VII 1249/50; Lothr. 447; ElsWB Els. II 468.
 
 
Schlapp-eimer m.: 'Eimer für Speiseabfälle, Saukübel', Schlappeemer [Lambert Penns 134 Buffington Penns Var. 245]; vgl. PfWB Schlappe 3.
 
  
Schlappel m.: 'nachlässiger, träger Mensch', Schlappel (labəl) [ BZ-Völkw]; Syn. s. PfWB Schlampes 2. Südhess. V 373/74.
 
  
Schlappel-hut m.: 'Schreckgestalt für Kinder', Schlappelhut [ LA-Offb]; vgl. PfWB Schlapphut.
 
  
schläppeln schw.:
1.
a. 'in kleinen Schritten gehen, trippeln', schläpp(e)le (lębələ, lęblə) [mancherorts SOPf (Heeger Nachl.) Kühn Hamet 132]. Die Liß, die Nochberin, geht mit, / sou schläbblen se denohd se dritt [Kunnrädel 9]. —
b. 'langsam, schwerfällig, mit schleifenden Füßen gehen' [Otterstetter 210, 247]; vgl. PfWB schlappen 2, PfWB schlurpsen 3; Zs.: PfWB heim-, PfWB herein-, PfWB herüberschläppeln. —
c. 'in Hausschuhen herumgehen' [NW-Haßl Spey BZ-Dernb GH-Zeisk Bergz (Kamm 57)]. —
2. 'mit Händen und Füßen zappeln' [ NW-Haßl Spey]. — Südhess. V 347; RhWB Rhein. VII 1250 schlappeln.
 
  
Schlappel-ohr n.: = PfWB Schlappohr 1 a, Schlawwelohr [ LU-Alsh].
 
  
schlappel-ohrig Adj.: = PfWB schlappohrig 1 a, schlappelohrich [ NW-Geinsh GH-Zeisk].
 
 
Schläppel-schuh m.: = PfWB Schlappschuh, in dem VR.: (Sommertagslied): Mohrekönig heiß ich, / schwarz bin ich, das weiß ich. / Schläppelschuh (Pl.) trag ich, / hundert Gulde mag ich [NW-Hamb (Carl Pfalz im Jahr 108)]; vgl. PfWB Mohrenkönig.
 
  
Schlappen m.:
1.
a. 'Hausschuh, Pantoffel', meist ohne oder mit herabgetretenem Fersenteil, Schlappe (labə) [verbr., Glass 103 Müller Dietschw 64 Schneckenburger 42 Thielen 98 PfId. 123 Krämer Gal 186 Don-Schowe Torscha Tscherwk], Pl. wie Sg.; Dim. Schläppche [WPf], Schläppelche [mancherorts mittl. WPf, vereinzelt übrige Pf], Schläppel [mittl. u. südl. VPf O-PS], Pl. Schläppcher, Schläppelcher [WPf NOPf], Schläpple, Schläpp(e)lich [mancherorts SOPf]; vgl. PfWB Schlappschuh; Zs.: PfWB Haus-, PfWB Salband-, PfWB Turnschlappen. Hol mein Schlappe! [ BZ-Dernb]. Ball heert ma(n) 'ne uf leise Schlappe die dunkel Trepp enunner tappe [Albert Bei uns 25]. Von ejskalte Quante die Schuh / un, hopp, in die Schlappe [Kraus Pädcher 56]. Ich schlag der de Sch. uf die Gosch, daß e Läll 'dicke Lippe' kriegscht! [ NW-Frankeck]. RA.: e Maul wie e Sch., von einem breiten, häßlichen Mund [ ZW-Marthh SP-Harths GH-Westh]; in die Schlappe

[Bd. 5, Sp. 1032]
kumme 'wirtschaftlich zugrundegehen' [ NW-Geinsh]; ääm die Schlappe austrere (austreten) 'jemandem die Geliebte abspenstig machen' [ WD-Niedkch]. Sie hat ne unnerm Sch., von einer Ehefrau, die ihren Mann beherrscht [ Don-Gottlob Tscherwk]. Sie (Er) hat e Sch. verlore 'Sie (Er) hat ein uneheliches Kind' [ ZW-Krähbg]. Dem werd de Sch. unnerm Bett stierig, von einem, der unverdientes Glück hat, dem alles zum Besten gereicht [Kleeberger 102 Hebel 23]. Do meent mer grad, mer mißt Schlappe kotze, un wann mer gar ke Ledder g'freß hat [ Don-Gottlob]. Der Sch. soll dich treffe! Verwünschung (verhüllend für Schlag 2 d α) [mancherorts Don Gal]. SprW.: E Hullwell (s. PfWB Hudelwelle 2 b) isch dausendnett wie de Evegret ehr Schlappe, d. h. es ist besser, eine Frau mit Schwächen, die man kennt, zu heiraten, als eine Frau von auswärts, von der man nicht weiß, woran man ist [SPf (Wilde Notizen)]. Volksbr.: Schlappe werfe: Die Haustochter wirft ihren Sch. rückwärts über den Kopf. Zeigt die Spitze zu ihr, bleibt sie noch ein Jahr bei den Eltern. Zeigt die Spitze zur Tür, heiratet sie im nächsten Jahr [Carl Pfalz im Jahr 22 Stoll 36, 210]. Einfältige und Dumme schickt man Schlappe bettle [ NW-Hamb]. VR.: Ringle, Ringle, Rosenkranz / Mädchen gehst du mit zum Tanz? / Nein, ich hab kein Schuh! / Tu deim Vater sei Schläppcher an un tanz die Löcher zu [ HB-Bexb], Var. s. PfWB Apollonia 1, PfWB Tanz 1 a, PfWB Elisabeth 1 a; einen weiteren VR. s. PfWB Mutter 1 a. —
b. 'ausgetretener, alter Schuh', auch 'Schuh allgemein', häufig in abschätzigem Gebrauch [verbr.]; Bermesenser Schlappe 'Schuhe aus Pirmasens' [ KL-Reichb, mancherorts]. Die alde Schlappe kannsche nur noch in de Garde anziehe [Kaislt]. RA.: Er springt (laaft), daß er d' Schlappe verliert [LA-Gommh, verbr.]. Ich schlon dich, daß de die Schlappe verleerscht! Drohung [Thielen So rerre mer 108]. Der hat se kriet (Schläge), daß die Schlappe gefloo sin [Zweibr]. 's batt alles nix, un wann er die Hosse un Schlappe verliert [ NW-Hardbg]. SprW.: Aus Schuh wern Schlappe, mer muß sein alde Schulde berappe [ BZ-Dierb]. —
c. 'Holzschuh' [ LU-Altr]; Zs.: PfWB Holzschlappen. —
d. 'Klaue, Huf des Rindviehs', bes. bei langgewachsenen Klauen [PS-Heltbg LU-Altr LA-Impfl]; Zs.: PfWB Kuhschlappen 2. Die Kuh hot Schlappe [ LU-Alsh]. —
e. 'großer Fuß', scherzh. [ NW-Kallstdt]. —
2.
a. 'Klotz der Bremsvorrichtung am Wagen' [IB-Bliesmg/Bolch Ensh NW-Geinsh LA-Essing Klein Wag. 109]; vgl. Mechanikklotz; Zs.: PfWB Radschlappen. —
b.
α. 'länglicher, flacher Klumpen; Fladen, Scholle' [vereinzelt]; Zs.: PfWB Kuh- 1, PfWB Mistschlappen; e Sch. Mischt 'Mistfladen' [KU-Elschb Krämer Gal 186]; e Schlappe Zunner 'ein Zunderstück, das man früher (vor 1930) beim Kauf von Tabak geschenkt bekam' [ KU-Schmittw/O]; Schlappe

[Bd. 5, Sp. 1033]
fahre 'auf Eisschollen fahren' [Kaislt]. —
β. 'große Weinbeertraube' in der RA.: e Schlappe wie e Schlodderkrugg [ LA-Wollmh]. —
c. 'Fettschicht auf der gekochten Milch' [ LA-Göckling]; vgl. PfWB Schlampen, PfWB Schlampes 1 b, PfWB Schlappes 6. —
d. 'Traglast Gras in einem Tuch oder Sack' [NW-Appth (Bertram § 293)]; vgl. PfWB Schleppe 2. —
e. 'Akelei (Aquilegia vulgaris)', nur Dim. Schläppche [ HB-N'alth]; wie PfWB Herrgottsschuh 1 a nach der Form der Blüten benannt; Syn. s. PfWB Glockenblume 1. —
3.
a. = PfWB Feigling [mancherorts SOPf PS-Münchw FR-Lambsh]. —
b. 'nachlässiger, unordentlicher, verwahrloster, träger Mensch' [LA-Essing Mörzh BZ-Barbr Kap/ Drusw GH-Berg Hay Kand Max'au Mindlach Minf Neubg Nd'lustdt Kamm 57]; Syn. s. PfWB Schlampes 2. —
c. 'Mannsperson, die sich ungebührlich benimmt' [ BZ-Billh GH-Kand]; Syn. s. PfWB Rüpel 1. —
d. 'schlechtes Pferd'. Das isch en Sch. vun em Gaul [ GH-Kand]. —
e. im Spiel Schlappe hat de Hut (Schuh) verlor [Kaislt, KL-Reichb], ein Pfänderspiel, bei dem die Spieler einen imaginären Hut (Schuh) an ihre durchnumerierten Mitspieler verbal weitergeben, wobei folgende Formel einzuhalten ist: Schlappe hat de Hut verlor, NN (eigene Nummer) hat en net, NN (Nummer eines anderen Mitspielers) hat en. Der so mit seiner Nummer aufgerufene Mitspieler muß nun den imaginären Hut (Schuh) mit der gleichen Formel weitergeben. Wer einen Fehler macht, gibt ein Pfand [Kaislt]. —
f. vgl. PfWB Heiden-, Kuhdreck-, PfWB Nachtschlappen. — Südhess. V 374 ff.; RhWB Rhein. VII 1250/51; LothWB Lothr. 447; ElsWB Els. II 468, ALA II 30.
 
  
schlappen schw.:
1.
a. 'schlürfend, gierig essen oder trinken', schlappe (labə) [ RO-Als]; vgl. PfWB schlappchen 1, PfWB schlappern 3. De Heiner ... schlappt e Dos Fisch, un es Öl laaft'm de Bart enunner [Kraus Herzdrickerte 18]. —
b. 'Flüssigkeiten verschütten' [Lambert Penns 134]; vgl. PfWB schlappern 2 b; Zs.: PfWB aus- 1, PfWB verschlappen 2. —
2. 'nachlässig, schleppend, schwerfällig gehen, die Füße beim Gehen am Boden schleifen lassen' [mancherorts ges. Pf, Otterstetter 209 Krämer Gal 186]; vgl. PfWB schlurpsen 3; Zs.: PfWB ab-, PfWB an- 2, PfWB daher-, PfWB dahin-, PfWB hinschlappen 1; g'schlappt kumme [ GH-Leimh]. Schlapp doch net so! [ KL-Stelzbg]. Dr Naachtwächter schlabbt dorch die Gasse [Kühn Hamet 5]. —
3. 'lose sitzen', von Kleidungsstücken, Schuhen [ KU-Kaulb PS-Rodalb]; Zs.: PfWB an- 1, PfWB aus- 2, PfWB verschlappen 1. Die Schuh schlappen 'Die Schuhe rutschen beim Gehen von den Fersen' [PS-Rodalb (Bernhard 160)]. — Südhess. V 376/ 77; RhWB Rhein. VII 1246 ff.; ElsWB Els. II 468; LothWB Lothr. 447.
 
  
Schlappen-adam m.: 'nachlässiger, unordentlicher Mann', Schlappeadam [ PS-Bundth]; Syn. s. PfWB Schlampes 2. —