Wörterbuchnetz
Pfälzisches Wörterbuch 
 
letz bis Letz(en)-zeichen (Bd. 4, Sp. 945 bis 948)
 
letz, Adj.  (Adv.)
Letz-bätzel
Letze, f.
Letze, f.
Letze
Letzel
Letzemer, m.
letzen
letzen
Letz(en)-bätzel, n.
Letzel, n.
Letz(en)-zeichen, n.
Letz(en)-zeigel, n.
Letzer
letz-gehen, st.
letz-herum, Adv.
letzig
letz-kommen, st.
letz-machen, schw.
letz-ohrig, Adj.
letzt
Letz-täsche, f.
Letz-tatsche, f.
Letzte
letztes-mal
letzt-hin, Adv.
letzt-jährig, Adv.
letztlich, Adv.
letzt-mal
letzt-verwichen, Adj.
letz-verstehen, st.
Letz-zeichen
Leuchse, f. m.,  n.
Leuchsel, f. m.,  n.
Leuchs(en), f. m.,  n.
Leuchs(en)-eisen, n.
Leuchs(en)-holz, n.
Leuchs(en)-kette, f.
Leuchs(en)-ring, m.
Leuchs(en)-scheibe, f.
Leuchs(en)-schelle, f.
Leuchs(en)-schlopp, m. f.
Leuchs(en)-schlöpp, m. f.
Leuchs(en)-schlöppe, m. f.
Leuchs(en)-spange, f.
Leuchs(en)-stab, m.
Leuchser-, m.
Leuchs(en)-stange, f.
Leuchs(en)-stecken, m.
Leuchs(en)-stock, m.
Leuchs(en)-storren, m.
Leuchs(en)-strebe, f.
Leuchs(en)-stütze, f.
Leuchs(en)-wagen, m.
Leuchser-stab
Leucht-boben, m. n.
Leucht-böbel, m. n.
Leuchte, f.
leuchten, schw.
Leuchten, n.
Leuchter, m.
Leuchter-stock, m.
Leucht-gas, n.
Leucht-käfer, m.
Leucht-mücke, f.
Leuchtsel, n.
Leucht-stein, m.
Leucht-turm, m.
Leucht-würmchen, n.
leugeln, schw.
leugen, schw.
leugnen, schw.
Leumund, m.
Leute, Pl.
Leute-abschnauzer, m.
Leute-anschmierer, m.
Leute-ausmacher, m.
Leute-folterer, m. f.
Leute-foltererin, m. f.
Leute-fopper, m.
Leute-gepappel, n.
Leute-geplauder, n.
Leute-gerede, n.
Leute-geschwätz, n.
Leute-gespött, n.
Leute-gespräch, n.
Leute-haus
Leute-hintereinanderhetzer, m.
Leute-sagen, n.
leute-scheu, Adj.
Leute-schinder, m.
Leute-spiel, n.
Leute-vexierer, m.
Leutnant, m.
Leutnants-kopf, m.
Leuts-haus, n.
Levi
Leviten, Pl.
Levkoje, f.
Lezemer
   letz Adj. (Adv.):
1.
a. 'verkehrt, umgewendet', von Stoffen, Kleidungsstücken, letz (leds, -ä-) [verbr. mittl. u. südl. VPf WPf (außer westl. WPf) lothr. SWPf mancherorts nördl. VPf übrige WPf vereinzelt NPf (zur Verbr. s. K. 4,

[Bd. 4, Sp. 946]
äbsch), PfId. 87 Journ. 1787 214 Mang 92 Müller Dietschw 47 Otterstetter 47, 190, 248, 260 Lambert Penns 99 Beam Penns 179 Krämer Gal 141 verbr. Don Buch Rußl], latz (lads) [ PS-Bobth Bruchw Hirschth Schönau GH-Wörth BZ-Dörrb], laz (lāds) [ GH-Neubg], letsch [PfId. 87] vgl. PfWB äbsch 2, PfWB links 1 b, 2c, PfWB letzherum; PfWB verkehren 3 aα; die letz Seit [GH-Zeisk, verbr., Rußl-Spey]; 's Kleed (die Hosse, de Rock, de Schorz, de Wams, die Strimp) l. mache 'die Innenseite nach außen kehren' [verbr.], l. anziehe [verbr.]. RA.: Er kriegt e Letzi 'eine Ohrfeige mit dem Handrücken' [GH-Mindlach, SOPf (Heeger Nachl.)]; vgl. 1 b. Volksgl.: Wann en Weibsmensch der Schärz axidentally (engl. accidentally 'zufällig') l. adut, kriggt sie eppes geschenkt [Fogel Beliefs Penns Nr. 410]. Du eem, as die fallet Kranket hot, 's Hemm l. aus un leg's 'me Dode unnich der Kopp in die Lad (gegen Epilepsie) [ebd. Nr. 1534]. Wammer unwissend der Schärz l. adut, soll mer'n so losse, oder mer tschendscht (engl. change 'ändern') sein Glick [ebd. Nr. 2048]. a. 1755: Ihm Heymachen hat sichs Zugetragen Dasz man Zwey Jungen Mayder (Mäher) Zu dauffen gehabt so haben sie die 4 Jung Mayder lätz und mit den füssen Vorauss an den Taufstein Getragen [MHVPf. IV 11 ff., Mähderbuch v. NW-Mußb]. —
b. 'link(s)'; vgl. PfWB äbsch 3, PfWB links 1 a, 2 a b; die letz Hand, de letz Fuß [verbr.]; en Letze 'ein Linkshänder' [RO-Schweisw, mancherorts SPf (meist neben Linksdatsch, vgl. K. 280)]; vgl. letzhändig. Jetz hot er widder die Letz, von einem Schulanfänger, der schreiben lernt [ KB-Kerzh, PS-Erfw]. Do kannscht e Letzi verwische! 'einen unerwarteten Schlag mit der linken Hand bekommen' [ LA-Gommh, Maik]; vgl. 1 a. Er hot zwää letze Fieß (linke, ungelenke Füße) [ BZ-Dernb]; vgl. 1 d. —
c. 'unrichtig, falsch, irr'; vgl. PfWB verkehren 3 b; Zs.: PfWB bodemletz. —
α. sachl. ganz l. 'vollkommen falsch' [Danner Penns 163]; en letze Weg 'ein Irrweg' [ PS-Erfw]; vgl. PfWB letzgehen. Ich gäih e letze Weg [ PS-Hintwdth GH-Wörth]. Ich häb letz Mehl 'statt Schwarzmehl Weißmehl genommen' [ GH-Zeisk]. Der hebbt 'hält' sich am letze Griff (im Zug) [ LA-Edk]. Der Lehrling saat's un nimmt die Zang / Faßt, - reißt un hott - de Letze (Zahn) [Claus 52]. Er hat l. gelese [ PS-Erfw], gerore (geraten) [ BZ-Dernb]. Der hot's ganz l. verzäihlt [ GH-Zeisk]. Versteh mich recht, wann ich l. plauder! [Feierowend 9/1956 2]; vgl. PfWB letzverstehen. Dei Mann, do, will mich ausbutze, as wann ich eppes Letzes gedu hät [Reichard Penns 413]. RA.: 's is mer was in die letz Gorchel (Kehl, Hals) 'Luftröhre' kumme [LU-Friesh, verbr.]. Er hat's am letze Deel 'Er hat es verkehrt angefangen' [ HB-Einöd]. Er hot die Lewwer uf der letze Seit, von einem Trinker [KL-Gimsb u. Umg.]. Er hot

[Bd. 4, Sp. 947]
en letze Kuß kriegt 'hat einen Ausschlag am Mund' [ GH-Westh]. VR. s. PfWB Agen 2. um a. 1800: Heut ist ein tag, soll mier so wenig läts geschen an meinem leib oder blut und fleisch oder an meines armen sellen vatter [aus: NPfGV 1907 14]. —
β. persönl. Do sein ich l. 'am falschen Ort' [Kühn Hamet 122]. Do bischt l. am Platz, dass. [Krieger 34]. Du bischt l. 'Du irrst, täuschst dich' [Kaislt], 'hast dich verlaufen' [ KU-A'glan]. Do sin ich an de Letze 'an den Unrechten' kumm (gerot) [KL-Katzw, verbr., Kühn Hamet 122 Bayer Hackm. 39], 'an einen, der mir körperlich überlegen ist' [ KL-Hoheck]; oft auch in charakterlichem Sinne: 'Ich habe mich in ihm getäuscht'. Wissener, bei meer kinner die Färz nit anbringe, do kummener an de Letze! [ NW-Gimmdg]. Do hoschde awwer de Letze verwischt! [ KU-Reichsth]. —
d. 'fehlerhaft, unvollkommen, krankhaft'; en letze Kopp 'ein unebenmäßiger Kopf'; e letzi Stern 'eine sonderbare Stirn'; e letz G'sicht 'ein häßliches Gesicht'; auch: e Letzer, e Letzi 'ein Mensch mit häßlichem Gesicht'; letze Ääche 'Augen, die Trunkenheit oder innere Erregung verraten' [ LA-Herxh]. —
e. 'ungeschickt, unbeholfen', auch Schimpfw.; vgl. PfWB äbsch 5, PfWB verkehren 3 cβ; 'n letzer Stoffel [ LA-Siebdg], meist subst.: 'n Letzer [ SP-Mechth, mancherorts]. Du letzer Hund!, zu einem Pferd, das sich ungeschickt und störrisch anstellt [ ZW-Gr'bundb]. Vor der Verlobung wird das Haus des Partners besichtigt; an der Ordnung erkennt man, daß die Leit nit l. sin 'tüchtig, ordentlich sind' [ LU-Böhl]. —
2. in geistigem Sinne; vgl. PfWB äbsch 7.
a. 'dumm, durcheinander'. Der isch net l. 'hat einen klaren Kopf' [Land Bayer Hackm. 39], isch net l. im Kopf, dass. [SOPf (Heeger Nachl.)]. Das Kind is l., mit dem kammer heit nix anfange [ ZW-Gr'bundb]. Wääß gar nit, was häit met ma los isch, ich sin gonz l. [IB-Ensh (Glass 57)]. —
b. 'verrückt'. Er isch l. [LA-Gommh, verbr. mittl. u. südl. VPf], 'verrückt, jedoch ungefährlich' [ LA-Herxh] l. im Hern [ LU-Opp]. Is die Welt aa noch so letz, / Sei mer jo ken aldi Gretz! [Birmelin Penns Gezw. 142]. — Vgl. die Abl. unletz. Mhd. letze, letz ( Lexer Lexer I 1890/91). — Südhess. IV 307; RhWB Rhein. V 407; LothWB Lothr. 337; ElsWB Els. I 634.
 
 
Letz-bätzel s. PfWB Letz(en)bätzel.
 
 
Letze1 f.:
1. 'Grenzbefestigung, Schanze'. a. 1590: Item, Und welcher also unter den Bürgern auff Thurn oder die Letzen geordnet ist, Soll zu Jederzeit so ein Feuer auffging, daß gestürmt oder ein Feindgeschrei wäre ernstlich mit seiner Wehr daruff gehen, Und daselbst bleiben [ZweibrUrkb. 158]. a. 1595: sindt alle durn vnd letzen mit hauß leiten besetzt [SpeyKrM, Fasz. 636]. a. 1597: wan sich geschel oder geleuff erhube, so soll ider der vff ein thur oder letze kompt, ein schuß

[Bd. 4, Sp. 948]
thun, damit man spuren kan daß der selbige thurn oder letze versehen mit der wacht [ebd.]. —
2. a. 1507: vnd mit einer glocken neun letzen leidten lassen [PfWeist. 550 (LA-Frankw)]. — Mhd. letze 'Grenzbefestigung; Abschied, Abschiedsgeschenk' ( Lexer Lexer I 1891). — Südhess. IV 307 Letze I (zu Bed. 1.); RhWB Rhein. V 408 Letze 2d 'Sterbeglocke'; Lothr. 336/37 en L. luden 'einmal läuten, um gleich wieder anzufangen'; ElsWB Els. I 635 Letz II 'Sterbegeleut'.
 
 
Letze2 f.:
1. 'Schulaufgabe', altmda., Letz [Kus HB-Breitft (PfId. 87) Land Journ. (1787) 214 Don-Schowe Torscha Lenauheim], Letze [Klein Prov. 280] vgl. das neuere Lektion; Zs.: PfWB Examenletze. Er kann sei L. [Land]. Ah schreibt er 'runner ganz sei' Letz. / Er kennt in allem gut sich aus [Schandein Ged. 186]. —
2.
a.
α. 'Buchseite, finis', Letz [Schandein Bav. IV,2 236]. —
β. 'Seite beim Schreiben' [Schandein Ged. 242]. —
b. 'Stelle im Buch, wo man gerade beim Lesen steht' [Bayer Hackm. 39]; vgl. Lese-, PfWB Letz(en)zeichen, -zeigel. — Aus lat. lectiō, ahd. lecza, leczia (Graff II 163), mhd. lëcze ( Lexer Lexer I 1852). — Südhess. IV 290 Lektion; RhWB Rhein. V 407/08 Lothr. 336/37; ElsWB Els. I 635.
 
 
Letze3 'buntes Band' s. PfWB Litze 1 b; Letzel s. PfWB Letz(en)bätzel.
 
 
Letzemer m.:
1. 'Spieler, Musikant', pfälz. Musikantenspr., Letzemer [Pfälzer Abendzeitung 4/1951]. —
2. Neckname der Bewohner von KL-Mackb, wo es viele Musikanten gab, Pl. Letzemer [Kaislt]. — Jidd. lezan 'Musikant' (Wolf 3221). — Südhess. IV 323.
 
 
letzen1 in PfWB verletzen; letzen2 'sich laben' s. PfWB latzen, PfWB lätzen.
 
  
Letz(en)-bätzel, Letzeln.: 'brustklemmendes gespenstisches Wesen, Quälgeist', Letzebätzel (ˈledsə̩bädsl) [BZ-Dernb, Bergz (PfId. 85), PfL 2. 12. 1933], Letz- [ BZ-O'hs]; vgl. PfWB Leckbätzel; Syn. s. PfWB Alb1. (In der Adventszeit) »da quält wohl auch das Letzbetzl oder Letzl, wie es hierzulande heißt, was man anderwärts als Alp, Mahre oder Trude bezeichnet, in Gestalt einer Flaumfeder, eines Strohhalms, eines Wiesels oder Marders oder einer weißen Maus, aber auch in der Gestalt der Geliebten oder eines nahen Verwandten« [SOPf (A. Becker in: PfRSch 2. 12. 1934)]. — Der erste Wortteil zu PfWB letz 1 a, der zweite zu PfWB Bätze, PfWB Bätzel. — ElsWB Els. I 635 Letzel.
 
 
Letz(en)-zeichen, -zeigeln.: = PfWB Lesezeichen, Letzzeiche [ Don-Tscherwk], -zeeche [ Don-Schowe], Letzezäägel [LA-Impfl]. Das L. war ein ein- oder zweiseitiger, meist einfarbiger, bedruckter, dünner Papierstreifen [ebd.]. — Zu PfWB Letze 2 b. — Els. I 635 Letzzeichel.