Wörterbuchnetz
Pfälzisches Wörterbuch 
 
Lade-knappe bis Laden-fräulein (Bd. 4, Sp. 729 bis 733)
 
   Lade-knappe m.: = PfWB Ladebursche, Ladknapp (-knab) [ GH-Erlb]. — -knecht m.:
1. = PfWB Ladebursche, Ladkneecht, -knecht (--, -ē-, -ę-), vgl. PfWB Knecht [mancherorts NPf NWPf nördl. VPf IB-Nd'würzb], Lareknecht [ LA-Leinsw]. —
2. 'Person, die das Heu lädt', Ladknäächt [ RO-Bistschd]. — Südhess. IV 88. — -magd f., -mädchen n.: 'Mädchen, das den Bräutigam oder das Brautpaar zur Kirche geleitet', Ladmaad [mancherorts nördl. MPf KU-Dunzw], -mädche [ KU-Heinzhs RO-Dörnb KL-Rodb], -mädel [mancherorts

[Bd. 4, Sp. 730]
südl. VPf nördl. MPf IB-Nd'würzb LU-Limbghf], -mäel [Land], -madel [ GH-Erlb], Lademädel [ BZ-Schweighf SP-Dudhf], Laremä'l [ LA-Leinsw]; Pl. -määd, mädcher, mädle; s. PfWB Magd, PfWB Mädchen. Die L. gilt als weibliche Entsprechung des Ladeburschen; vgl. PfWB Ladersin.
 
  
Laden m.:
1.
a. 'Fensterladen', Lare [mancherorts PfId. 85], Lade [vereinzelt VPf KB-Kriegsf Lambert Penns 96 Beam Penns 63], Lale [IB-Ensh (Glass 55) BZ-Steinf], Pl. Läde, Läre. Zs.: PfWB Fenster-, PfWB Rolladen. Mach de L. zu! [ NW-Haßl]. Die Läde macht mer wennich bei, / Dann werd's im Haus aa kieler sei [Birmelin Penns Gezw. 132]. RA.: sich an (in, unner) de L. lege 'prahlen, großtun, sich in den Vordergrund drängen, vorlaut sein' [GH-Max'au, mancherorts, Kühn Palz 136 Bayer Hackm. 38 Kamm 34 Kieffer 49 Krieger 14 Klein Prov. 269 Don-Bulkes Tscherwk verbr. Gal]; sich an der Laade henke 'mit der Schulter den Wagen anschieben' [Beam Penns 63]. Er stellt de Lare 'schielt' [ LA-Wollmh]. VR.: Neckvers für Sprecher von Orten mit d-Rhotazismus: Perer mach de Lare zu, 's kummt e Gewirrer von driwen eriwer! [Schandein Bav. IV,2 227]. Mädel vun Schlädel (Schleithal), mach's Lädel zu! [Bergz (Kamm 50)]. Mädl mach's Lädl zu, / kummt 'n Zigeinerbu, / schneidt der's Ohrläppl ab / un näht der e Zippelkapp [ NW-Haardt]. Heinerle mach's Lädl zu, / 's kummt e Frää (Frau) mit krumme Schuh, / hot 'n Zwicker uf de Nas. / Ei, ei, ei, was is denn das? [ LA-Roschb]. Petrus schließt de Lare zu, / alle Engel gehn zur Ruh, / nur der schlaue Petrus wacht, / der die Engel bunt (sic!) gemacht [ GH-Zeisk]. D' Kerch isch aus, / d' Supp lääft aus, / de Kerchediener springt zum Läälel raus [ BZ-Steinf]. Ein weiterer VR. s. PfWB Sonne. a. 1528: thuren, laden, schopff vnd benck zu machen [GgHospR (Spey)]. —
b. 'Klappe an der Saustalltür' [ RO-Als]; vgl. PfWB Futter-, Stalladen. —
c. 'oberstes Scheunenfenster' [ RO-Schweisw]. —
d. 'vorderes oder hinteres Verschlußbrett des Kastenwagens' [KU-Hefw Roßb KB-Eisbg LU-Alsh NW-Geinsh LA-Bornh Essing Herxh Nußd Wollmh GH-Zeisk Klein Wag. 112]; Zs.: PfWB Karch-, PfWB Vorder-, PfWB Wagenladen; Syn. s. PfWB Kopfenbrett. —
e. 'Brett' [mancherorts Don]. RA.: vare (vorne) wie e Bret un hinne wie e L., von einer sehr mageren Frau [Don (Steinmetz)]. —
f. 'kleine Metzgermulde', Lare [ KB-Bubh]. —
g. 'Klappe der Knabenhose (hinten)' [ IB-Bebh Bliesmg GH-Zeisk]; Zs.: PfWB Fleisch-, PfWB Hosenladen; Syn. s. PfWB Hosenklappe. —
h. 'Schlitz der Knaben-, Männerhose (vorn)' [ KB-Kriegsf NW-Mußb Neidfs Neustdt GH-Nd'lustdt]. Mach dein L. zu! [ NW-Neidfs]. RA.: Der macht sein L. uf wege ääner Sigaar, wenn jemand den Hosenschlitz offen stehen hat [Neustdt]. —
i. 'Mund' in

[Bd. 4, Sp. 731]
PfWB Brot-, PfWB Futterladen 2. —
2.
a. 'Kaufladen, Ladengeschäft' [verbr., auch Don Gal Buch Rußl]; Zs.: PfWB Anzugs-, PfWB Bäcker-, PfWB Branntwein-, PfWB Dreipfennigs-, Friseur-, PfWB Kauf-, PfWB Kleider-, PfWB Kram-, PfWB Metzger-, PfWB Schnaps-, PfWB Uhren-, PfWB Wurstladen; in de L. geh 'einkaufen' [ PS-Erfw]; 'n L. ufmache 'ein Ladengeschäft eröffnen' [ LU-Friesh]. Ich muß noch in de L., um einzukaufen [ LU-Böhl]. Die brauch mer nimmeh in mei L. ze kumme, die nerjelt an allem erum [Krieger 49]. RA.: im große L. kääfe 'stehlen, entwenden' [ LA-Wollmh]. De L. geht 'Das Geschäft floriert' [ GH-Nd'lustdt, mancherorts]; sei L. zumache 'ein Geschäft schließen, Bankerott machen, aufgeben' [ NW-Frankeck, mancherorts]. De L. klappt 'Eine Sache läuft wunschgemäß' [ IB-Blickw, mancherorts]. Der kommt doher wie aus 'me L., wenn jemand neu, tadellos gekleidet daherkommt [ KL-Hütschhs, KU-Erdb]. a. 1534: Auch kein laden oder Krom gestatten vff züthun [MHVPf VII 54 (Weistum von LU-Neuhf)]. —
b. 'Ladentisch, Warenregal' [mancherorts, Beam Penns. 63]. RA.: Des koscht's wie der Weck uf'm L. [ LU-Muttstdt]. So wolfel (wohlfeil) wie der Weck uf em L. [Schandein Sprachsch.]. Die Eier gehn alleweil wie die Weck uf em L. 'finden reißenden Absatz' [ ZW-L'wied]. Die gehn ab wie de Weck uf'm L., wenn die Töchter rasch hintereinander heiraten [ ZW-Ernstw]. Hot er wie de Weck vum Lade / Jedesmol sein Riffel g'faßt [Ney 93]. —
c. 'üble Verhältnisse' in den Zs.: PfWB Mist-, PfWB Saft-, Sauladen. — Südhess. IV 83 f.; RhWB Rhein. V 29 f.; LothWB Lothr. 326; ElsWB Els. I 557
 
  
laden1 st.:
1.
a. 'beladen, aufladen', lare (lārə, lrə) [verbr. außer mittl. VPf Henn Mda.-Int. 98 Mang 82, 149 Schneckenburger 17, 34], lade (lādə, ldə) [verbr. mittl. VPf vereinzelt übrige Pf Karch Gimmdg/Muttstdt 233 Lambert Penns 96 Don-Schowe Torscha Gal (Krämer Sprachsch. 137)], laðe (lðə) [KU-Kaulb (Alte) Don-Werb (Schmidt 124)], lale (lālə) [ KU-A'glan Bedb LU-Altr]; Part. Perf. gelad (gəlād, -d) [WPf], g(ə)lade, -are (g(ə)lādə, -də, -ārə) [VPf O-PS]; vgl. PfWB ab-, PfWB auf-, PfWB aus-, PfWB ein-1, PfWB ver-, umladen; Hai l. 'Heu auf dem Erntewagen aufschichten', meist Frauenarbeit [RO-Rehbn, verbr.]; de Waan l. [ KU-Dunzw]; schepp l. 'das Erntegut ungleichmäßig auf dem Wagen aufsetzen' [NW-Hardbg u. Umg., mancherorts]; krumm l., dass. [ LU-Altr, mancherorts]; schief l., dass. [ FR-Bockh]; Duwak l. [mancherorts VPf]; Wein l. [ KB-Zell]; Gras l. [ GH-Kand]; Fuler (Futter) l. [ KU-Patb]; geleeweis l. 'das Erntegut in einzelnen Lagen (s. PfWB Gelege 1) übereinander schichten' [ KL-Enkb]. Mer han än, zwä, drei, vier orer finf Leje 'Lagen' uf de Wa'e gelad [ KU-Wolfst]. Die Säck werre uf de Woon gelad [ KU-Schmittw/O]. Er hat e Waan voll Hai gelad, so hoch wie e Kerchetorm [ ZW-Battw]. RA.: Do

[Bd. 4, Sp. 732]
hascht der was uf de Hals (Buckel) gelade! (nämlich Kummer, Sorgen, Mühe) [ LU-Friesh, mancherorts]. Gruß und Anredeformel während der Ladearbeiten auf Feld oder Wiese: lare? [ GH-Kand]. a. 1532: Vnnd wan mines hern knecht das hauw (Heu) inforrenn wollen, so soll der buddel darby genne vnnd sol das hauw helffen laden [PfWeist. 265 (KB-Dreis)]. a. 1560: sol niemand kein haag zerreissen, stangen darauß laden oder tragen [PfWeist. 562 (NW-Freinsh)]. —
b. 'eine Feuerwaffe laden' [verbr.]. Der heert (gehört) en e Kanon gelad un uf de Mond geschoß [ FR-Bockh]. RA.: E schlechter Schitz, as net immer e Laaf gelade hot [Penns Dutch Cook Book 37]. —
c. 'Körner ansetzen', vom Getreide. 's Korn hot noch net gelad 'Die Körner haben noch nicht so viel Gewicht, daß sich die Ähren niederneigen' [ KU-Kaulb KL-O'mohr]. a. 1852: Diß Jahr gabs wenig Kornhaufen, aber guth gelaten [NPfGV 1925 86 (Aus dem Tagebuch meines Urgroßvaters aus Rockhs)]. —
d. 'schwängern'. Er hot se gelad [ KB-Immh]. Se es gelad 'Sie ist schwanger' [ebd.]. —
2. übertr.
a. 'sich betrinken' [verbr.]. Syn. s. PfWB betrinken. Er hot gelade 'Er ist betrunken' [ LA-Mörzh, mancherorts]. Er hat schwer gelad, dass. [ ZW-O'hs, mancherorts]. Der hot schief (schepp) g'lade, dass. [ SP-Harths, vereinzelt]. Er hot hoch gelad, dass. [ KB-Gauh]. Er hot ener gelare, dass. [ GH-Freckf, mancherorts]. Die Übertragungen gehen vom Bild des hoch- bzw. schiefgeladenen, schwankenden Erntewagens aus. —
b. in den Wend. geladen sein, geladen haben 'wütend sein, Groll hegen' [mancherorts]. Er hot gelare uf'n 'Er ist nicht gut auf ihn zu sprechen' [ GH-Kand, mancherorts]. Uf den haww ich g'lade [ LU-Opp, mancherorts]. Er hat schwer uf'n gelad [ RO-Lohnsf]. Uf denne hab ich schunn lang gelare [ PS-Erfw]. —
c. 'jemanden verprügeln'; een lare [ KL-Wörsb]. — Südhess. IV 84/85; RhWB Rhein. V 30/35; LothWB Lothr. 326; ElsWB Els. I 557.
 
  
laden2 st.:
1. 'jemanden als Gast zu sich bitten', lare, lade, lale, laðe, wie PfWB laden1 [verbr.]; vgl. einladen2; Syn. s. PfWB heißen 2 b; zu der Leicht 'Beerdigung' l. [ GH-Kand, mancherorts]; uf die Hochzich l. [ NW-Niedkch, mancherorts]; uf die Kerb l. [ PS-Gersb, mancherorts]; zur Kinndaaf l. [ KB-Kerzh, mancherorts]. Ich lar eich uf die Hochzet, awer daß ner kumme! [ PS-Vinn]. Besch dau aach uf die Hochzit gelad? [ RO-Rehborn]. RA.: Er hot sich selwer zu Gascht gelade, von einem ungebetenen Gast [ LU-Opp]. Er horren (hat ihn) uf die Kerb gelad 'Er hat ihn mit dem Götz-Zitat bedacht' [ KU-Schmittw/O, mancherorts, auch Gal Rußl-Worms]. Volksgl.: Wenn ein Kind gelobt wird, so glaubt man, es sei beschrien, um aber das Beschreyen zu verhindern, wird dasjenige auf die Kirchweihe geladen (nämlich im figürlichen Verstande) [Journ. 7/1790 142-144 (nördl. VPf)]. —
2. 'vorladen', auf ein Amt, vor Gericht [vereinzelt];

[Bd. 4, Sp. 733]
vgl. PfWB vorladen, PfWB Vorladung. — Südhess. IV 86; RhWB Rhein. V 33; LothWB Lothr. 326; ElsWB Els. I 557.
 
  
Laden-bank f.: 'Ladentisch', Larebank [ KL-Weilb]; vgl. PfWB Laden 2 b. — -besitzer m.: wie schd., Larebesitzer [ RO-Dielkch, mancherorts]. Südhess. IV 86. — -diener m.: 'Gehilfe des Kaufmanns, Verkäufer', Lade-, Larediener [mancherorts]; vgl. PfWB Kommi 1 b, PfWB Ladenhengst, -hupser, PfWB Verkäufer. Südhess. IV 86/87; Rhein. V 30. — -einrichtung f.: 'Ausstattung eines Ladens 2 a', Lade-, Lareei(n)richtung [mancherorts VPf], Lareinrichtung, -enrichtung [mancherorts WPf]. — -fräulein n.: 'Verkäuferin', Ladefrailein [ LU-Oggh, mancherorts]. Südhess. IV 87. —