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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Kranz-hübel bis Krapfen (Bd. 4, Sp. 546)
 
   Kranz-hübel m.: FlN, amtl. Am Kränzhübel, mda. Kranzhiwel [ RO-Winnw]. a. 1609: vff dem krantz hebel gelegen [FalkCod. (ebd.)]. — -kraut, Kränzel-n.:
1. 'Hartheu (Hypericum perforatum)', -kraut [»Rheingegend« (Wilde Notizen)]. Syn. s. PfWB Stierkraut. —
2. 'Sellerie (Apium graveolens)', Kränzelkraut [»Südostpfalz« (Wilde Notizen)], »weil es in dieser Gegend gerne in Kränzen verwendet werden soll«. — ElsWB Els. I 531 and. Bed. — -kuchen m.: 'aus Teigsträngen geflochtener Kuchen', Kranzkuche (-kuxə, kūxə, s. PfWB Kuchen) [verbr.]; oft auch einfach Kranz genannt, vgl. PfWB Kranz 2 c. Den K. bäckt man vielerorts für das Totenmahl, mancherorts für die Hochzeitstafel, in Zweibr zu Allerseelen, in HB-Lu'thal zu Neujahr und Pfingsten, in KU-Wahnwg zur Kirbe, in LU-Alsh/Gr zu Geburtstag und Namenstag, in LA-Edk u. Rhodt zur Konfirmation. Brauchtum: Am Kirbesamstag ziehen die Burschen mit einer Stallaterne und einem großen K. auf einer Backschieße aus, die Kirbe einzuholen. Südhess. III 1763; RhWB Rhein. IV 1379.
 
 
Kränzlein s. PfWB Kranz 2 b; Kränzler s. PfWB Butterkränzler.
 
 
Kranz-rock m.: 'Frauenrock mit einem vom Blaufärber unten ringsherum eingedruckten Kranzmuster', Kranzrock [ Don-Torscha]. — -teig m.: 'Kranzkuchenteig', -dääg [ LU-Opp]; vgl. PfWB Kranzkuchen. — -wein m.: (Der Mäher), »der den ersten Wagen einbrachte, erhielt einen Kranz um den Hut. Pferde und Wagen wurden bekränzt, und der Kranzwein, aus einigen Fudern bestehend, war sein Lohn« [Mähderbuch v. Mußbach (Mitteilungen des Hist. Vereins IV 11 ff.)].
 
  
krapeln schw.: 'kratzen', kropele (grōbələ) [ IB-Blickw]. Die Katz kropelt [ebd.]. — Zu PfWB Krapen.
 
 
Krapen 'karstartiges Gerät' s. PfWB Krapfen.
 
  
Krapfen1, Krappen1, Krapp1, Krapen m.,

[Bd. 4, Sp. 547]

Kräppchen, Kräppel n.:
1.
a. 'karstartiges Gerät mit zwei oder drei runden Zinken, mit dem man den Mist aus dem Stall schleift, auch den Mist vom Wagen herabzieht'; Hauptformen: Krappe (grabə, -ḁ-), Krapfe (grḁbfə), Krope (grōbə), Krowe (grōwə), als Simpl. u. als Grundwort im Kompos. mit Mist- [Verbr. s. K. 262]; selten belegt: Krapp (grḁb) [ BZ-Barbr], Kropel (grōbəl) [Zweibr], Krowel [ HB-Lu'thal], Krobbe [»Blies« (PfId. 81)]; Auslandspfälzer: Krappe (grabə) (häufig Grundwort im Kompos. mit Mist-) [verbr. Gal Buch Rußl], Krope (grōbə) [ Gal-Beckd]. Syn.: PfWB Karst 1 b, PfWB Misthaken, -karst, -kloben, -krapfen, -kratze. Er zieht mit'm K. de Mischt aus'm Stall [ NW-Kallstdt].

[Bd. 4, Sp. 548]
RA.: De Sensemann hot'm de Krappe in de Arsch ghackt 'Er ist gestorben' [ LA-Nußd]. a. 1571: Item 2 kropen Vnd 1 mist gabell [Zweibr-KellR]. a. 1596: 8 alb. für 2 Newen Krapffen vnd ein hocken in ein stall [WerschwSchR Bl. 255]. —
b. 'zweizinkiges Hakengerät mit langem Stiel, mit dem man Eisschollen aus dem Wasser zieht', Krapfe (grḁbfə) [ GH-Leimh]; vgl. Eiskrapfen. —
c.
α. 'karstartiges Gerät, mit dem man Kartoffeln gräbt', Krappe [ KU-Dietschw KL-Stelzbg LA-Gommh SP-Heiligst Buch-Illisch]; vgl. PfWB Karst 1aα; mit'm K. Grumbeere ausmache [ebd.]. —
β. 'kleines karstartiges Gerät mit 2-4 Zinken und einem breiten Häckchen, mit dem man um Pflanzen herum die Erde auflockert,

[Bd. 4, Sp. 549]
auch Unkraut jätet', s. Abb. 57, Kräppche (grębχə) [verbr. mittl. WPf RO-Lettw], Kräpche (grbχə) [KL-Gimsb u. Umg.], Kräpp(e)l (grębəl, grębl) [mancherorts mittl. u. südl. VPf]; vgl. PfWB Gartenhacke, -kräpfchen, PfWB Hacke 1 b. —
d. 'Schließhaken an Frauen- u. Kinderkleidung', Krope (grōbə) [ WD-Niedkch RO-Feilbg Ebbg]. Syn. s. PfWB Hafte 1 a. —
2.
a. 'armdickes, krummes Astholz', Pl. Krappe [mancherorts, bes. WPf Wilde 295]; vgl. PfWB Krapfengenist, PfWB -holz, PfWB -prügel, PfWB -recht. Die Krappe sin billich Holz [ LA-Gommh]. —
b.
α. 'Ranken am Weinstock', Krappe [ NW-Gimmdg], Krouwe [ NW-Königsb], Kräpple, Kräppelcher [LA-Wollmh, vereinzelt mittl. u. südl. VPf]. Die K. werden von den Kindern ihres säuerlichen Saftes wegen gerne gekaut [ LA-Wey]. Syn. s. PfWB Schuß; vgl. PfWB Geize 1, PfWB Krampen1 1 d. —
β. 'durch Krankheit verdorbene kleine Weinbeeren', Krappe [ NW-Wachh]; vgl. PfWB Traubenkrappen 1. —
γ. 'Stielchen von Beeren'; vgl. PfWB Traubenkrappen 2. —
c.
α. 'Sumpfkratzdistel (Cirsium palustre)', Krappe [Neustdt (Wilde 42)]. —
β. 'Hederich (Erysinum)', Krapp [GH-Zeisk (Wilde 99)]. —
d. 'Zahnstumpf', auch 'einzeln stehender Zahn', Krappe [ KL-Siegb KB-Zell]. —
3. von Mensch und Tier.
a.
α. 'Mensch mit negativen Eigenschaften'; vgl. PfWB Krampen1 2 b. Des is der e K.! [ FR-Bockh, mancherorts]; e dummer K. [ KU-Schmittw/O]; e dreckicher K. [ NW-Haardt]; e schlechter K., bes. von einem lasterhaften Mann [ NW-Frankeck, mancherorts]; e falscher K., bes. von einem Geizhals [ RO-Falkst, mancherorts]; e beser K., von einer bösen, zänkischen Frau [KB-Zell, verbr.], Syn. s. PfWB Hausteufel 2. Du schlechder K.!, Schimpfw. für ein böses Kind [Kaislt]; vgl. Höllenkrapfen. —
β. der alt K., abschätzig von einem alten Menschen [mancherorts]. —
γ. Pl. Krappe, Uzname für die Bewohner von KU-Ehw ZW-Marthh; Madamer K., Uzname für die Bewohner von LA-Mart; dgl. Misaer Krope für die Bewohner von KU-Miesau. —
δ. vgl. PfWB Höllenkrappen 2. —
b.
α. 'altes, abgetriebenes Pferd', Krappe, alder K. [verbr.], Krope [ ZW-Battw RO-Rehborn]. Syn. s. PfWB Mähre. —
β. Krappe!, Scheuchruf für Rindvieh [ KL-Pörrb Stelzbg]. — Zu mhd. krāp(f)e, ahd. krāpfo 'Haken, gebogene

[Bd. 4, Sp. 550]
Klaue, Kralle' (Kluge-Mitzka20 401); vgl. auch PfWB Krampen. — Südhess. III 1768/69; RhWB Rhein. IV 1389; LothWB Lothr. 315; ElsWB Els. I 522.