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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Knebel-bart bis Knechten-kammer (Bd. 4, Sp. 344 bis 346)
 
   Knebel-bart m.:
1.
a. 'kurzer, rundgeschnittener Bart am Kinn', Knewwelbaart, Knewel- [verbr.]; vgl. PfWB Knebel 2a α. E Schnorres un e Knewelbart - das steht mer ganz passawel [Firmenich III 248 (KL-Landstl)]. —
b. 'Spitzbart', Knewelbaart [mancherorts], -bäärtche [ RO-Alsbr]; vgl. PfWB Knebel 2a α, PfWB Geißenbart.
2. 'Stirnhaar des Pferdes', Knewwelbaart [ HB-Kirrbg]. — Südhess. III 1485; RhWB Rhein. IV 907. — -gebiß n.: 'Eisenteil des Pferdezaumes', Knewlgebiß [ LU-Friesh]. — -joch n.: 'Joch mit Ring, in welches der Knebel 1a gesteckt wird', Knewweljoch [ KL-Lind].
 
  
knebeln schw.:
1. 'mit einem Knebel 1a verhauen', knew(e)le (gnēwələ, gnēwlə) [verbr. SPf], knewwle (gnewlə) [ PS-Schmalbg]; vgl. PfWB verknebeln; ene k. [verbr.]. Syn. s. PfWB verhauen 1. —
2. 'mit einem Knebel 1 b binden'.
a. die Kuh knewwle 'am Vorderfuß k., damit sie beim Melken ruhig steht' [ Gal-Josbg]. —
b. de Wage k. 'mit Knebel 1b α u. Kette spannen' [ FR-Beindh]. —
c. die Garwe k. 'beim Binden der

[Bd. 4, Sp. 345]
Garben das Strohseil mit dem Knebel 1 b δ zusammenziehen' [(1930) KU-Schmittw/O NW-Geinsh LA-Venn BZ-Billh]. — Südhess. III 1485/ 86; RhWB Rhein. IV 908; ElsWB Els. I 501.
 
 
Knebel-ring m.: 'Ring zur Befestigung der Halskette des Tieres', Knewlring [SPf (Klein Wag. 104)]. — -schnitt m.: 'Knebelschnitt des Bartes', Knewwelschnitt [ NW-Kallstdt]; vgl. PfWB Knebelbart. — -spieß m.: 'Spieß mit einer Querstange'. a. 1537: 1 knebelspiß [ ZW-Hornb]. Schwäb. IV 527/28. — -spitze f.: RA.: Ich geh hän (hin) un wanns Knewelspitze reent [ KB-Kriegsf]. RhWB Rhein. IV 907. — -suppe f.: 'Schläge mit einem Knebel 1 a'. Er hot Knewwelsupp kriet [ ZW-Bottb]. RhWB Rhein. IV 907.
 
  
Knecht m.:
1.
a. 'Dienstknecht', Knecht (gnęχd, selten -e-) u. Kneecht (gnēχd) bzw. Knäächt (gnχd) [zur Verbr. s. K. 244], Knescht (gnęd) [ KU-Rothsbg Kaislt], Knacht (gnaχd) [ PS-Petbch GH-Wörth], Knaacht (gnāχd) [ PS-Nothw GH-Neubg]; Auslandspfälzer: Knecht (gnęχd) [verbr.], Kneecht (gnēχd) [mancherorts Don Gal, doch vgl. 1bβ]; e guder, fleißicher, fauler K.; e K., wo gut, fleißich schafft [verbr.]; e K. dinge 'in Dienst nehmen'; sich als K. verdinge [verbr. schon seit etwa 1930 selten werdend]. RA.: Bin ich dann dei K.? [ Gal-Michalowka Dolina Obl Buch-Tereblestie]. SprW.: Wer sich selbscht macht zum K., dem geschiehts recht [ RO-H'stätt]. Sei aajner K., sei aajner Herr [ Don-Tscherwk mancherorts Don Gal Buch]. 'me gude K. gehts net schlecht [ Don-Gertianosch]. —
α. im bes. 'Knecht, der beim Bauern dient'; Zs.: PfWB Bauern-, PfWB Pferds- 1, PfWB Vieh-, PfWB Fuhr-, PfWB Futter-, Gäuls-, PfWB Koppel-, Küh-, PfWB Neben-, PfWB Stall-, PfWB Stuten-, Wingertknecht. Knechte wechseln die Stellung gewöhnlich am zweiten Weihnachtstag; vgl. Bündels-, PfWB Wandertag. De K. fiedert 's Vieh, fahrt mit de Kih (de Gail) [(1930) verbr.]. RA.: Das is fun dem K. seim Werrer, von schlechtem Wetter [ NW-Frankeck]; vgl. RhWB Rhein. IV 913 Knechtenwetter. SprW.: For K. un Maad is nimmand zu schad [LA-Edh, verbr. Don Gal Buch]. De Weingarte brauch e K., ke Herr [mancherorts Don (Steinmetz)]. VR. (Dienstbotenvers aus alter Zeit): Ich bin meim Herr sei liewer K., was ich dun, is alles recht [ HB-Böckw]. Sechs mol sechs es sechsedreißich, unser Maad es noch so fleißich, unser K. es noch so faul wie e alder Schäsegaul [ KU-Kaulb]; Var. s. PfWB fleißig 1, vgl. auch VR bei Bettlade 1. —
β. Zs.: PfWB Pfeffer-, PfWB Bier-, Besuchs-, +Turn-, +Forst-, Gestüts-, +Grempel-, Haus-, Hengst(en)-, +Opfer-, Saal-, +Spett-, Stubenknecht.
γ. 'im Rang unter dem Ritter stehender Edelmann'; vgl. +knechtisch. Zs. PfWB Edelknecht. 15. Jh.: Kumpt ein man, er sy ritter oder knecht, pfaff oder leye [PfWeist. I 244 (LA-Diedf)]. —
b.
α. 'junger

[Bd. 4, Sp. 346]
Bursche, der
αα. 'zur Hochzeit einlädt, als Brautführer fungiert'; vgl. Zs. PfWB Braut-, PfWB Haupt-, PfWB Ladeknecht. - -
ββ. 'beim Quackumzug an Pfingsten den Pfingst(en)quack abgibt'; vgl. Zs. PfWB Pfingstenknecht. - -
γγ. 'sich keck gebärdet'; vgl. Zs. Rauschenblattknecht. —
β. 'lieber kleiner Junge', Kosewort, Kneecht, Knäächt, -che [(1925) verbr. WPf NPf NW-Gönnh verbr. Don Gal Buch (ältere Gener.)], Knecht, -che, -el [mancherorts VPf Rußl-Worms]. Kosewort der Mutter zu ihrem folgsamen Söhnchen: Du bischt mei Kneechtche! [KU-Trahw, verbr.], mei braver K. [ Gal-Sap]. Kumm her, mei Knecht! [LA-Impfl]; vgl. PfWB Magd. —
2. übertr.
a. von Tieren; vgl. PfWB Bäcker-, Kukkucks-, PfWB Schneider-, PfWB Weberknecht. —
b. Hilfswerkzeuge u. Geräteteile.
α. 'Tritt des Spinnrads, womit das Rad in Bewegung gesetzt wird', Knäächt [KU-Kaulb HB-Limb (PfId. 77)], Knecht [ NW-Frankeck], Knechdel [ LA-Venn]. —
β. 'Schüttler der Windmühle', Knecht [ KB-Bennhs]. —
γ. 'Eisenzapfen am Kelterkranz, der beim Vordrehen des Kelterbackens die Kelterschraube mitnimmt, sie beim Rückdrehen im Gewinde ruhen läßt', Knecht (gnęχd) [Bertram § 278]. Auch: 'zwei schmale Latten, auf denen in der Kelter die Legdielen beim Zudecken des Leseguts ruhen', Knechde, Pl. [Bassermann-Jordan Weinbau]. Syn. s. PfWB Bajaß 7. —
δ. 'Gestell des Schreiners, das dazu dient, lange Bretter, die an einem Ende in die Hobelbank eingedreht sind, zu stützen, um das Herabsinken zu verhindern', Kneecht [ KU-Kaulb Gal-Mierow]. Zs. Leimknecht. —
ε. Zs. PfWB Standknecht 'Wabenständer'. —
ζ. 'Balken des Fachwerks', Pl., Knechde [ LA-Gommh]. — Südhess. III 1486 ff.; RhWB Rhein. IV 908 ff.; LothWB Lothr. 297; ElsWB Els. I 502.
 
  
Knechten-kammer, Knechts-f.: 'Schlafraum des Knechtes', Knechdekammer [ LU-Limbghf], Knechts- [ LU-Opp]; vgl. PfWB Knechtsstube. RhWB Rhein. IV 912. —