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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Kerzen-träger bis Kessel-brunnen (Bd. 4, Sp. 182 bis 184)
 
Kerzen-träger, m.
Kerzen-wald, m.
Kerz(en)-weihe, f.
Kerzel-, f.
Kerz-tag
Kerz-weihe
Kessel, m.
Kessel-berg, m.
Kessel-blume, f.
Kessel-born
Kessel-brühe, f.
Kessel-brunnen, m.
Kessel-deckel, m.
Kessel-delle, f.
Kessel-fabrik, f.
Kessel-fett, n.
Kessel-fleisch, n.
Kessel-flick, m.
Kessel-flicker, m.
Kessel-grund, m.
Kessel-hahl, f.
Kessel-haken, m.
Kessel-haus, n.
Kessel-hebe, f.
Kessel-henke, f.
Kessel-hut, m.
Kessel-kraut, n.
Kessel-kuchen, m.
Kessel-lecken, n.
Kessel-lecker, m.
Kessel-loch, n.
Kesselloch-berg, m.
Kessel-mantel, m.
kesseln, schw.
Kessel-putzer, m.
Kessel-ring, m.
Kesselrings-gasse, f.
Kessel-rose, f.
Kessel-rost, m.
Kessel-schmied, m.
Kessel-schmiede, f.
Kessel-stein, m.
Kessel-treiben, n.
Kessel-türe, f.
kessel-warm, Adj.
Kessel-wiese, f.
Kessel-wingert, m.
Kessel-winkel, m.
Keßler, m.
Keste
ketsch
Kette, f.
Ketten-blume, f.
Ketten-busch, m.
Ketten-drachen, m.
Ketten-egge, f.
Ketten-gleich, n.
Ketten-glied, n.
Ketten-hahl, f.
Ketten-haken, m.
Ketten-hals, m.
Ketten-hund, m.
Ketten-kalb, n.
Ketten-putsch, m.
Ketten-ring, m.
Ketten-schopf, m.
Ketten-strang, m.
Ketten-strauch, m.
Ketten-zug, m.
Kettrich, m.
Kettrich-hof
ketzen
Ketzer, m.
ketzern, schw.
ketzern, schw.
Keuche
keuchen
Keucher
Keuchhusten
keuchig
Keule, f.
keusch, Adj.
Keusch-blume, f.
Keuschheits-pochel, Gen.? n.
Keuschheits-pock(el)chen, Gen.? n.
Keuschheits-pöttchen, n.
kibbelig
kibbeln
kibben
Kibbes
kibbes
kibbig
kibbisch
Kibes, m.
kicheln
Kicher-liese, f. n.
Kicher-lieschen, f. n.
Kicherling
Kicherling-stroh, n.
Kicherling-suppe, f.
   Kerzen-träger m.: 'wer bei einer katholischkirchlichen Feier eine Kerze trägt', Kerzeträger [ BZ-Dernb]. Südhess. III 1268; Bad. III 114. — -wald m.: FlN in Rockhs, -wald, a. 1574 Elenden Kertzenwaldt, 18. Jh. Elend-Kerzenwald. Elendkerzen wurden zum Trost der armen Seelen im Fegfeuer angezündet. Der Wald war wohl eine Stiftung zur Unterhaltung von Elendkerzen in Rockenhausen [Zink in: Pfälz. Gesch.-Bl. 1911, S. 45].
 
 
Kerz(en)-weihe, Kerzel- f.: = +Kerz(en-) tag. a. 1291: des nehesten dages nach vnser frauwen dage, den man heizet kerzewihe [OttbUrkb. 343]. a. 1331: Am dinstag nach unser frauwen tage als man kertzelwyhe besinget [VeldLUrk. 404]. a. 1338: Dunrestage nach unsere Frowen dage Kertzwyhe [UrkKG (RO-Odh)]. Südhess. III 1268; Bad. III 114.
 
 
Kerz-tag s. +Kerz(en)tag; -weihe s. +Kerz(en)weihe.
 
  
Kessel m.:
1.
a. 'bauchiges Metallgefäß zum Kochen', Kess(e)l (kesəl, kesl) [weit verbr.]; Pl. -, selten -e (-ə), so z. B. ZW-Battw L'wied KL-Reichb PS-Geisbg; Dim. Kess(e)lche [verbr.], Kess(e)le [mancherorts südl. VPf]. Meist sind (1930) oder waren größere Kessel in Verwendung, so beim Wäschewaschen: Bauch-, Wäschkessel; beim Schlachten: +Brüh-, Fleisch-, Metzel-, Schlacht-, Wurstkessel; beim Latwergkochen: Latwerg-, Latwergschmierkessel; bei der Zubereitung des Viehfutters: Tränke-, +Trink-, Vieh-, Futter-, Grundbirnen-, Saukessel; bei der Bier- und Branntweinherstellung: Bier-, Branntwein-, Brennkessel. Kleinere Kessel: Tee-, Feld-, +Herd-, Kaffee-, Milch-, +Schwenk-, Suppen-, Wasserkessel. Nach dem Metall, aus dem der K. hergestellt ist: Blech-, Email-, Guß-, Kupfer-, Zinkkessel. Es gibt (gab) über der Feuerstelle eingemauerte (ufgemauerde) und über offenem Feuer aufgehängte K. Mer koche e K. wäich 'Wir kochen einen K. voll Kartoffeln weich' [ KU-Schmittw/O]. RA.: Wir müssen de K. ufhenke 'viel kochen, viel herrichten' [ KU-Bedb]. So e Schoppener drei viere gebt Feier unner de K. 'macht einen feuerig' [PfMus. 1887, S. 86 (WPf)]. Auf die Frage Was kochschde heit? antwortet die Hausfrau neckend: Was de K. nit

[Bd. 4, Sp. 183]
freßt! [ Rußl-Katharinental Sulz]. SprW.: Wer sich am e rußige K. reibt, werd schwarz [ KU-Trahw, mancherorts]. —
b. 'kesselförmiges Gefäß überhaupt'.
α. 'der eiserne Kochtopf' [vereinzelt]. —
β. 'kleines Gefäß mit Bügel zum Essentragen', Kesselche [ KU-Herschw/Petth]. Zs. Essenkessel. —
γ. 'Gefäß der Lampe zur Aufnahme des Petroleums', Kessel [ ZW-Battw]. —
δ. Weitere Zs.: PfWB Dampf-, PfWB Ruß-, PfWB Weihwasserkessel. —
2.
a. K. bei Kinderspielen.
α. 'kesselförmige Vertiefung beim Spiel Hurrsau' [ KU-Erdb]. —
β. 'der Platz, auf dem man beim Kinderspiel nicht geschlagen werden darf' [ FR-Flomh]. Syn. s. PfWB Bott 1. —
γ. 'die Mitte des von den spielenden Kindern gebildeten Kreises beim Spiel Kessel-Daler-Ring'. Ein Kind sitzt im K., die anderen gehen im Kreis und sprechen: Kessel, Kessel, Daler, Ring; wer sitzt in diesem K. drinn? Dem Parre sein jüngschtes Döchterlein! Darf mer sie auch sehen? O nein, o nein, das kann nicht sein; die Hand muß abgeschnerren (abgeschnitten) sein! Der Ring der Kinderhände wird dann von einem von außen kommenden Kind getrennt und das im K. sitzende Kind herausgeholt [ BZ-Dernb]; vgl. PfWB Taler 1 a. —
δ. Beim Spiel Kessel-Mittel-Maus spielen die Kinder mit halbierten Bohnen. Fallen beim Hinwerfen einer halbierten Bohne beide Hälften auf die Schnittfläche, dann sind sie Kessel. Fallen sie auf die Außenfläche, dann sind sie Mittel. Fällt eine Hälfte auf die Schnittfläche, die andere auf die Außenfläche, dann ist Maus geworfen. Der Wurf soll vorher erraten werden. Wem das gelingt, der hat gewonnen [ BZ-Dernb]. Ein ähnliches Bohnenspiel ist Kessel-Meisel-Mohrle: Die zwei Hälften einer großen Gaggelbohne (s. Gaggel2 2 a u. b) werden in die Höhe geworfen. Fallen die beiden Hälften auf die Innenseite, so erhält der Werfer den Kessel, fallen sie auf die Rückenseite: das Mohrle, und fällt eine auf die Innen- und eine auf die Rückenseite: das Meisel. Die Reihenfolge des Wurfes wird bei Spielbeginn festgesetzt. Nach einer Weile werden die Gewinne gezählt. Kessel gewinnt 6, Meisel 2 und Mohrle 4 Bohnen. Wer die meisten Bohnen hat, ist Bohnenkönig [Wilde 30 (Frankth NW-Kallstdt)]. —
b.
α. 'Kessel bei der Treibjagd', Jägerspr. [vereinzelt]. —
β. 'Gebiet, in dem im Krieg Truppen eingeschlossen sind', Militärspr. [vereinzelt]. —
γ. s. Zs. PfWB Hexenkessel. —
c. 'tiefe Stelle in einem Gewässer'; de K. [ KU-Rutsw HB-Einöd IB-Bierb RO-Als KL-Nanzdzw LA-Birkw GH-Bellh]; vgl. PfWB Künkel. —
d. 'Mulde im Gelände' [mancherorts], 'abgeschlossenes Waldtal' [ PS-Erfw]. Zs. PfWB Talkessel. FlN: Kessel [ NW-Niedkch PS-Herschbg Lembg], Im K. [ KB-Kriegsf KL-Heilmosch LU-Muttstdt LA-Nußd], Appenhofer K. [ BZ-Ingh]. a. 1673 Wiesen im Keßel [NW-Deidh (StArch.)]; a. 1713

[Bd. 4, Sp. 184]
im Keßel oder Weiberthal [Zweibr I 941 (KL-Heiligmosch)]; vgl. PfWB Kesselberg, PfWB -brunnen, PfWB -delle, PfWB -grund, PfWB -loch, PfWB -lochberg, PfWB -wiese, PfWB -winkel. — Südhess. III 1269/70; RhWB Rhein. IV 434 ff.; LothWB Lothr. 283; ElsWB Els. I 474; Bad. III 114/15.
 
 
Kessel-berg m.: FlN in KB-Jakobsw, amtl. Am Keßelberg; a. 1357 von dannen an die (hern) von Kezzelberg [PfWeist. I 257 (KB-Dreis)]. — Bergname nordöstl. BZ-Eußth (502 m); westl. LA-Edk (663 m), zweithöchster Berg des Haardtgebirges, Benennung nach den durch Erosion entstandenen Mulden am Gipfel. — Südhess. III 1270; Bad. III 115. — -blume f.: = PfWB Kesselrose, Kesselblum [Wilde Notizen (KB-Biedh)]. Südhess. III 1270. — -born s. Keßlersborn. — -brühe f.: 'Metzelsuppe, Wurstsuppe', das Wasser, in dem das Kopffleisch, die Innereien und dann die Würste gekocht werden, Kess(e)lbrieh [ Don-Schowe Tscherw]; vgl. PfWB Kesselfleisch. Südhess. III 1270; Bad. III 115. — -brunnen m.:
1. 'kesselförmiger natürlicher Brunnen', meist in Dorfnähe, -brunne [ RO-Drehthhf KL-Rodb Obernh Erfb BZ-Stein Gal-Dornf]. Man erzählt den kleinen Kindern, der Storch habe sie aus dem K. gebracht. —
2. 'nasse Stelle einer Wiese, von wo aus der K. quillt' [ KL-Ottb PS-Schopp]. —
3. FlN in KU-Rammb, amtl. Kesselbrunnen, mda. Kesselbrunne (keslˈbrunə); in BZ-Ingh eine kesselförmige Quelle bei der Dorfmühle, von wo aus vor mehreren hundert Jahren Wasser in Holzrohren zum Schloß und zum Dorf geleitet wurde. o. J.: Wiese bey dem Keßelbronnen [Wasgau-Bote 10. 2. 1934]. — Südhess. III 1270; Bad. III 115. —