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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Kautchens bis Kauten-schnackelns (Bd. 4, Sp. 143 bis 145)
 
   Kautchens, Käutchens, Kautelns, Käutelnsn.: 'Klicker oder Bohnen nach bestimmten Regeln in eine Kaute (ein Käutchen) werfen oder schnellen', ein Spiel der Kinder, Kautches [ KU-Erdb Dunzw KL-Rodb], Kaitches [ HB-Nd'bexb], Kautchers [ FR-Gr'niedh], Kaitchers [ FR-N'lein Albsh], Kaudeles [ FR-Merth Spey], Kaudels [ PS-Trulb NW-Lach/Speyd SP-Ottstdt LA-Nußd], Kaurels [ BZ-Klingmst], Kaidels [ PS-L'mühl LU-Fußgh BZ-Annw GH-Bellh Schaidt]; Kaudels mache [ LA-Nußd]. Mer spiele Kaitches [ HB-Nd'bexb]. Ein Beispiel: Es wird eine kleine Grube (Kaute) gegraben. Wer mitspielt, muß einen Klicker einsetzen. Ungefähr zwei Meter von dem Grübchen entfernt wird ein Strich als Ziel gezogen. Gegen dieses Ziel wird der Klicker geschubbelt. Die Klicker bleiben an der Stelle liegen, wohin sie gerollt sind. Wer dem Ziel am nächsten gekommen ist, darf zuerst seinen Klicker gegen das Grübchen schubbele. Rollt der Klicker in die Kaute, so bekommt der Spieler alle Klicker, die darin sind, andernfalls kommt der nächste Spieler an die Reihe. Vgl. auch die Spielbeschreibung bei Kaule 1 f. Bezeichnungen ähnlicher Spiele: PfWB Kautenballchens, -klickerns, -picken, -schmeißen. Zu PfWB Kaute 1 g.
 
  
Kaute f.:
1. 'Vertiefung, Grube im Boden', Kaut (kaud, kḁud) [verbr. WPf (ohne den westl. Teil), zur Verbr. s. K. 227, mancherorts Don Gal Buch]; vgl. PfWB Kaule 1; Dim. Kaitche, Kaidel [verbr.]; Pl. Kaitlich [Raum um Land]; e K. mache [verbr.]. a. 1585/88: (die Grenze im Süden zieht) zu einer kautten, darin auch ein scheidestein sollen gesetzt werden [ZweibrUrk. Dom. 90, S. 65 (KU-Rehw)]. Im besonderen
a. 'Grube zur Aufbewahrung von Rüben, Kartoffeln u. dgl.' [ KU-Albess Dunzw KL-Bruchmühlb HB-Erb Rockhs]; vgl. PfWB Kaule 1 a, PfWB Haufen 1 e γ; meist in Zs.: PfWB Dickwurzel-, PfWB Grundbirnen-, PfWB Rüben-, PfWB Rummelnkaute. —
b.
α. 'schmale, mit dem Finger gezogene Furche, kleine Grube zum Legen von Bohnen u. Erbsen', Kaut, Kaitche, Kaidel [verbr. WPf u. NPf, seltener VPf]; vgl. PfWB Kaule 1 b. Zs. PfWB Bohnenkaute. Bouhne wern in die Kaure gelecht [ LA-Siebdg]. Nor immer eeni in een Kaut [Hartmann Kinnerspr. 51]. Die Planz kummt aus kener Kaut 'Der Samen keimt nicht' [ KU-Patb Bebd Haschb]. —
β. 'Grube, in die das Bäumchen gesetzt wird' [ BZ-Silz]. Zs. PfWB Pflanzkaute. —
c. 'Grube, in der Stalldünger und Kompost gelagert werden'; de Mischt uf der K. gut verdääle [ NW-Kallstdt]; Zs. PfWB Grund-, Krumel-, PfWB Mistkaute. a. 1774: Der Dung in der Kauth [Kurpf. 1631/18 (KL-Steinwd)]. —
d. Zs. PfWB Aas-, PfWB Schindkaute; vgl. PfWB Kaule 1 c. —
e. Zs. PfWB Erd(en)-, PfWB Kies-, PfWB Kohlen-, Lehmen-,

[Bd. 4, Sp. 144]
Lehmstein-, PfWB Leien-, PfWB Letten-, PfWB Sand-, PfWB Stein-, Wackenkaute; vgl. PfWB Kaule 1 d. —
f. 'Grube, über der Flachs und Hanf gedörrt wurden'; Zs. PfWB Brechkaute; Feier in der K. mache [ Gal-Dornf]. Brauchtum s. PfWB howenzeln 2. —
g.
α. 'Loch für Klicker- u. Bohnenspiele der Kinder', Kaitche, Kaidel, Kaut [mancherorts, Don-Tscherw]. Zs.: PfWB An-, PfWB Bot-, PfWB Tupf-, PfWB Hinter-, PfWB Klicker-, PfWB Knöpfel-, Schock-, PfWB Unterkaute. Syn.: PfWB Platte 1 c, PfWB Breme2 2, PfWB Bremse3, PfWB Brenne 3, PfWB Bull 2 c, PfWB Butterloch 2, PfWB Dreieck 2a, PfWB Erdengrube 1, PfWB Viereck 2, PfWB Gar, PfWB Garau, PfWB Grube 1 b, PfWB Gullux, PfWB Haus 3 e β, PfWB Hölle 2 b, PfWB Kachel 1 e, PfWB Kachelloch, PfWB Kaserne 2 b, PfWB Kasse 1 d, PfWB Kaule 1 f, Kautenstrich, PfWB Klickerhöhle, -käßchen, -kaule, -loch, PfWB Kneipe 2, PfWB Knopfloch 2, PfWB Kreis, PfWB Kutte, Kutze, PfWB Loch, PfWB Nabel, PfWB Schiff, PfWB Setzerding, PfWB Strich. De Klicker in die K. picke 'schnellen' [Pirmas]. —
β. 'Grube für das Hußsauspiel'. Bei diesem Spiel wird im Singsang gesprochen: Kaut rum, Kaut rum; wer ke Kaut hat, der is drum [ KL-Kottw/Schwand]. —
h.
α. Das Hinkel macht sich e K., um sich im Sand zu plustern [ KU-Kaulb]. —
β. Zs. PfWB Wolfskaute. —
2.
a. 'kegelförmige Vertiefung in der Brotschnitte zur Unterbringung von Butter'; die K. im Brot; Zs. PfWB Butterkaute. —
b. 'Obstversteck im Heu' [ Gal-Gelsend]; vgl. PfWB Mauke. —
c. 'Kerbe im Holz' [ KL-Frankst, mancherorts]; vgl. PfWB Kaule 3, PfWB Kaft 1 a. —
d. scherzh. 'Bett'; sich in die K. lege [ NW-Hardbg]. Zs. PfWB Schlafkaute. —
3. 'natürliche Vertiefung am menschlichen und tierischen Körper'.
a. Zs. Arsch-, PfWB Hals- 1 u. 2, PfWB Läuse-, PfWB Herz-, PfWB Kniekaute.
b. 'Höhlung an der Rückseite des Pferdehufs' [ Gal-Josbg]. —
c. 'Grübchen in Wange und Kinn'; vgl. PfWB Kaule 4 c. Zs. Bakken-, Lachkaute. Das hot schene Kaitcher [ KL-Fischb]. Sie kriecht Kaitlich, wann se lacht [ LA-Herxh, KU-Ulm]. Der hat e Kaidel im Bart [ PS-Simt, mancherorts]. —
4. Sonstiges.
a. 'Einbauchung im Mauerwerk'; e Kaut [ PS-Winz]. —
b. 'nasse Stelle einer Wiese' [ GH-Wörth]. —
c. Zs. PfWB Hundskaute 'Hundehütte'. —
d. FlN in KU-Kreimb, Kaut, eine Mulde auf der Kreimbacher Seite des Winterbachtals; a. 1600: uf der Kutten seynd felder [Vellmann Wolfst. 238]; in KU-Obw/Tiefb, Kaitel; danach Benennung des Jagdgebietes der Gemarkung; vgl. PfWB Rödelkaute. — Südhess. III 1121/22; RhWB Rhein. IV 345/46; LothWB Lothr. 322; ElsWB Els. I 481; Bad. III 97.
 
  
kauteln, käuteln, kauten1schw.:
1.
a. 'eine Kaute 1 b α mit der Hand ziehen oder graben', kaid(e)le (kaidələ, kaidlə) [ ZW-Dellf Spey], kaude [ KU-Gumbsw Theisbgstg]. —
b. 'Bohnen in die Kauten legen' [ KU-Odb]. —
2. 'mit Klickern oder Bohnen in die Kaute 1 g α werfen', kaude [ RO-Nd'mosch]. —
3. 'in der

[Bd. 4, Sp. 145]
PfWB Kaute 1 h α baden'. Das Henkel 'Huhn' kaurelt sich [ WD-Niedkch]. — Südhess. III 1223; ElsWB Els. I 481; Bad. III 97.
 
 
kauten2, käuten schw.: 'tauschen'; vgl. PfWB verkauten, PfWB Kaut. a. 1354: und Kuten myt ym also daz ym unsir teil wart und uns der sine [Koch-Wille Nr. 6743]. a. 1537 (1604): Item küden zwen mit einander vnd gipt einer dem andern nust nach, so gipts kein anderung, gipt aber einer ein heller oder wert, so ist er die anderung mit recht schuldig [SSp Weistum Falkenstein Bl. 23]. — Aus mhd. kiuten, md. kūten 'tauschen, vertauschen'. — Südhess. III 1223 +kauten I.
 
  
Kauten-ballchens n.: 'ein Kinderspiel, bei dem mit dem Ball in die Kaute 1 g geworfen wird', Kaudeballches [ ZW-Mauschb]; vgl. PfWB Kautchens, PfWB Hurrsau 1 a.
 
 
Kauten-baum m.: 'Quitte (Cydonia vulgaris)', Kaudebaam [KU-Krottb (Wilde Notizen)]. — Der erste Wortteil zu mhd. kutenne 'Quitte' ( Lexer Lexer II 328).
 
  
Kauten-klickerns n.: = PfWB Kautchens, Kaudeklickers [ PS-Eppbn]. — -picken n.: = PfWB Kautchens, Kautepicke [Kieffer Bilderb. 64]; vgl. PfWB Anepickchens, PfWB Anpickchens.
 
 
Kautens, Käutens s. PfWB Kautchens, PfWB Käutchens.
 
  
Kauten-schmeißen n.: = PfWB Kautchens, Kauteschmeißers [ LA-Offb]. — -schnackelns n.: = PfWB Kautchens, Kuttschnaggels [Neustdt]. — Zum zweiten Wortteil vgl. PfWB schnackeln.