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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Kaule bis Käutchen (Bd. 4, Sp. 140 bis 143)
 
   Kaule, Kulef.:
1. 'Vertiefung, Grube im Boden', Kaul (kaul), Pl. -e [verbr. westl. SWPf vereinzelt westl. WPf, zur Verbr. vgl. K. 227], Kull (kul), Pl. -e [lothr. SWPf mancherorts Don (Banat)]; vgl. PfWB Kaute 1, PfWB Kaff1. Insbes.
a. 'vom Menschen hergestellte Grube im Boden zur Aufbewahrung landwirtschaftlicher Vorräte', Kuul [ IB-Bierb Rohrb Rubh Ingb HB-Walsh Zweibr Don-Lovrin Kathreinf], Kull [IB-Eschring Reinh Bebh Bliesmg/Bolch HB-Utw]; vgl. PfWB Kaute 1 a α. Zs.: PfWB Grundbirnen-, PfWB Rüben-, PfWB Rummelnkaule. —
b. 'kleine Vertiefung im Garten zum Legen von Bohnen und Erbsen', Kaul [ KU-Wolfst HB-O'bexb IB-Nd'würzb]; vgl. PfWB Kaute 1 a β. Die duh ich jetz leje wie die Bohne, in so Kule [ KL-Einsdhf]. —
c. 'Grube, in der nach Sand, Kies u. dgl. gegraben wird'; Zs.: PfWB Gips-, PfWB Kies-, PfWB Kiesel-, Lehm(en)-, PfWB Sandkaule; vgl. PfWB Kaute 1 a δ. —
d. Zs. PfWB Brech-, PfWB Klammkaule; vgl. PfWB Kaute 1 a. —
e. 'kleines Loch, wie es Kinder für das Klickerspiel

[Bd. 4, Sp. 141]

graben', Kaul [ HB-Höch Webh Lu'thal IB-Habkirch Heckdh Nd'würzb Bebh Witth KL-Reuschb PS-W'fischb Münchw LA-Edh Herxhwey], Kull [IB-Eschring Gersh Reinh HB-N'alth]; vgl. PfWB Kaute 1 g α; Zs. PfWB Klickerkaule. Klickerspiel: In de Kull. Ein Loch von etwa 4 cm Durchmesser ist die Kull. In 2-3 m Entfernung wird ein Strich gezogen, von dem aus die Teilnehmer die Klicker nach der Kull werfen. Der Älteste wirft zuerst. Haben alle geworfen, schnellt der Älteste mit Daumen und Zeige- oder Mittelfinger dreimal seinen Klicker nach der Kull hin. Bringt er ihn hinein, so gehören ihm die Klicker der andern. Andernfalls versuchen es der zweite und der dritte, solange bis einer Erfolg hat [ IB-Habkch]; vgl. PfWB Kautchens, PfWB Käutelns. —
2. 'Kerbe, Einschnitt in Holz', Kailche [ IB-Herbh]; vgl. PfWB Kaft 1 a. —
3. 'natürliche Vertiefung am menschlichen und tierischen

[Bd. 4, Sp. 142]
Körper'.
a. 'Kniebeuge an der Hinterseite des Tierhinterfußes', Kull [ IB-Ensh]; vgl. PfWB Kaute 3 b. —
b. 'Nackengrube'; einem in die Kaul haue [ KU-Elschb]; Zs. PfWB Halskaule; vgl. PfWB Kaute 3 a. —
c. 'Grübchen im Kinn', Killche [ IB-Ensh]; vgl. PfWB Kaute 3 c. — Mhd. kūle 'Grube'. — Südhess. III 1221/22; RhWB Rhein. IV 345/46; LothWB Lothr. 319 Kull; Bad. III 96.
 
  
Kaul-klicker m.: 'der wertvollste Klicker', Kaulklicker [ KU-Etschbg]. — -kopf, Kaulen-m.:
1. = PfWB Kaulquappe, Kaulkopp [KU-Ulm HB-Limb (PfId. 74) NPf (Heeger Tiere II 13) NW-Frankeck], Kaule- [Zweibr], Gaule- [ LU-Muttstdt], Kulle- [Bliesgegend (PfId. 82)]. —
2. 'Mensch mit auffallend dickem Kopf', auch Schimpfw., Kaulkopp [ RO-Dielkch KB-Kriegsf NW-Freinsh]; vgl. PfWB Kaul 2, PfWB Kaulbach. Syn. s. PfWB Wasserkopf. — Südhess. III 1218; RhWB Rhein. IV 327; LothWB Lothr. 319; ElsWB Els. I 460. — -quappe f., -quappen m.: 'Froschlarve', Kaulquapp, Pl. -e [Pirmas (neben Mollekopp) LU-Altr Limbghf BZ-Dierb], Gaul- [ LA-Nd'hochstdt]. Er hat e Kopp wie e Kaulquappe [Krieger 46]. Syn.: Dick- 2b, PfWB Gauls- 2a, Kaul-, PfWB Mollenkopf. Südhess. III 1218; RhWB Rhein. IV 328; Bad. III 96. — -wiese f.: FlN, die Kohlwiese (Pl.) [ HB-Einöd]. a. 1565: kaulwiese [WerschwSchR]. — Zu PfWB Kaule 1, mit späterer Umbildung zu Kohl.
 
  
kaum Adv.:
1. temp.
a. kaum [verbr.], kaam (kām) [mancherorts], kumm (kum) [lothr. SWPf (Keiper Nachl.)].
α. 'gerade erst'. Ich war kaum aus de Schul, do hab ich schun Korn gesät [ NW-Gimmdg]. —
β. 'eben noch'. Mer konnte die Haaifuhr (vor dem hereinbrechenden Ungewitter) kaum noch in die Schaier dricke [ Gal-Dornf]. —
γ. 'fast nicht'. Da hat mer kä Minut Ruh, 's langt kaam zum Esse [ ZW-Battw]. —
b. in Verbindung mit der Konj. daß 'kurz nachdem'. Kaum daß 's Haus fertich war, is er gestorb [ KL-Enkb]. —
2. mod. 'beinahe nicht, fast nicht'. Ich han dich jo kaam angerehrt [ RO-Semb]. — Südhess. III 1218; RhWB Rhein. IV 336; LothWB Lothr. 319; ElsWB Els. I 438; Bad. III 96/97.
 
 
kauscher s. PfWB koscher.
 
  
käuscht Adj.: Er isch nimmi keischt 'geistig nicht mehr normal' [ GH-O'lustdt]. ElsWB Els. I 475 kauscher; nit k. 'nicht geheuer'.
 
 
Kaut, Käut m.: 'Tausch'. a. (15)55: und ob es sach were, daß in des apts bezirk keut oder kauf geschehen, solle das gewehrt werden, wie vor alter hero recht gewesen [Weistum im Hof zu Queidersbach]; a. 1567: vnd kein kaut ohn wisßen vnd willen dickbenenter vnserer g(nedigen) herrschafft gemacht werden [PfWeist. I 321 (Ebernburg)]. — Mhd. kūt m., *kiut (zu mhd. kiuten 'tauschen'). — Südhess. III 1220.
 
  
Kau-tabak m.: wie schd., Kauduwak [ KU-Schmittw/O]. Südhess. III 1220; RhWB Rhein. IV 315; Bad. III 97.

[Bd. 4, Sp. 143]

 
  Käutchen 'eine Kleinigkeit' s. PfWB Keidchen, PfWB Keidel.