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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Mai-brunnen bis Maien-base (Bd. 4, Sp. 1128 bis 1130)
 
   Mai-brunnen, Maien- m.: FlN, amtl. Im Maibrunnen, mda. Im Määbrunne [ LA-Gommh]. a. 1756: gegen dem meyen brunnen [GGA, A. 746e]. — -buche f.: = PfWB Hainbuche, Maibuuch [NPf (Wilde 36)], Määbiech [ RO-Dielkch]. — -bürgerzins m.: eine Abgabe; vgl. PfWB Maibete. a. 1669/70: Ein jeder Burger vndt Underthan im Fleckhen Nanstuel ist Jährlich der Herrschaft Nanstein, am Nechsten Montag nach dem Maytag zugeben schuldig 5 hsl. Heller..., daß wirdt genanth die Maybürgerzienß [Landstuhler Weist. Bl. 21]. — -butz(en) m.:
1.
a. 'Strauß oder Puppe, die die Burschen ihren Mädchen in der Nacht zum 1. Mai vor das Haus stellen', Maibutz [ BZ-Barbr], -butze [ LA-Insh Vollmw BZ-Dierb]; vgl. PfWB Boz 4 b. —
b. 'Strauß, der in der Nacht zum 1. Mai auf der Dorflinde (für das ganze Dorf) errichtet wird' [ BZ-Dierb]. —
2. 'Männchen und sonstige Figuren, die die Buben mißliebigen Leuten in der Nacht zum 1. Mai mit Kohle auf die Häuser kritzeln' [ LA-Insh]; vgl. PfWB Mai, PfWB Maimännchen.
 
 
Maiden-brunn m.: FlN; Brunnen am Fuße der Hohenburg, an dem nach der Sage eine weiße Jungfrau ihr langes Haar wäscht und dann weinend zur Burg hinaufschwebt, weil sie nicht erlöst wurde; Maidebrunn [PS-Nothw (F. Heeger in: Feierowend 1966, Nr. 37)].
 
  
Maie1 f.:
1.
a. 'Besuch, Plauderstündchen nach Feierabend oder am Sonntagnachmittag', Ma(a)i [KU-Roth, mancherorts westl. WPf NPf Don-Schowe St. Andreas Tscherwk], Maaje

[Bd. 4, Sp. 1129]
[PfId. 90 Gal-Otths]; uf die Maai gehe [KL-Gimsb u. Umg. WD-Niedkch]. Mer han Mai [ KU-Diedk]. Die gehn immer uf de Maai erum [ Don-Werb]. —
b. 'allabendliche Zusammenkunft der Nachbarsleute', Ma(a)i [verbr. wie 1 a, Gal-Hanunin], Maaje [KL-Gimsb u. Umg. NPfGV 1927 66]; vgl. PfWB Maihaus 1; wie se in die Maai sein gang, die Gesellschafde do [ RO-Rehborn]. Dort war grad en großi Maai zamme [ Gal-Hanunin]. »Eine Woche lang wird im gleichen Hause gemait. Dann kommt die Mai in ein anderes Haus« [Vogelsgesang 28]. —
c. 'abendliche Zusammenkunft der Burschen, bei der von zu Hause mitgebrachte (nicht selten auch entwendete) Speisen und Wein verzehrt wurden', Maai [ RO-Rehborn]; vgl. PfWB Maigeld, -haus 2. —
2. übertr. 'Klatschbase, Unterhalterin'; vgl. PfWB Maiärsche, PfWB Maienbase, -gänger(in), PfWB Maikäthe. Des is e gure Maai [ HB-Sandd, KU-Patb]. — Zu PfWB maien 2. — Südhess. IV 494; RhWB Rhein. V 774; LothWB Lothr. 350; ElsWB Els. I 639.
 
 
Maie2 s. PfWB Maien.
 
  
Mai-eier Pl.: 'Hühnereier, die im Mai gelegt werden'. Maaiaajer sell mer net inle'e (einlegen), weil sie angeblich zu fett und daher leicht verderblich sind [ KU-Kaulb KL-Hirschhn].
 
  
Maien m., Mai2 n., m., Maie2 f.:
1.
a.
α. 'junger Baum oder grüne Zweige, die der Bursch in der Nacht zum 1. Mai ans Haus oder an den Zaun seiner Liebsten stellt oder steckt'; vgl. PfWB Maibaum 2, -wisch; de Ma(a)ie stecke [ PS-Saalstdt KL-Gerhbn BZ-Dernb]; Pl. Ma(a)ie stecke [HB-Beed, mancherorts, Wilde 18 Schandein Bav. IV,2 363]; (das) Maai an die Deer stelle [Krämer Gal 145]; mit Maaje die Hausdeer butze [ Gal-Hohenb]. »In der Bellheimer Gegend hängt man an die Maie eine alte Gießkanne oder Scherben« [Wilde 18]. SprW.: Wem mr nit hold is, dem steckt mr ken Maaie [NW-Weish/S Hebel 47]. a. 1566: pratten heischen, Butzen gehen, Lehen ausrufen, Maien stecken, ... ist bei 1 fl. Strafe verboten [Leininger Polizeiordnung (aus: PfMus. 1922 147)]. a. 1757: sollen si unseren Ortschafften Keine meyen Vor denen häußeren als ohnehin gantz üppiges und überflüßiges weesen bey 5 fl. straff Von Jedem stamm gestecket werden [3. Haingeraideordnung]. —
β. übertr. Mai stecke 'in der Nacht zum 1. Mai Schabernack treiben' [ KU-Bedb KL-Mackb PS-H'einöd]; vgl. PfWB Mai1, PfWB Maistrauß 2. Die Wend., urspr. zu Bed. 1aα, spiegelt den Wandel des Maibrauchtums. —
b.
α. 'junge Bäume oder grüne Zweige für die Ausschmückung des Dorfes bei Festlichkeiten, vorn. an Fronleichnam', Pl. Maie [ PS-Trulb LA-Essing O'hochstdt Venn Germh]; vgl. PfWB Maibaum 3. Bei der Gemeinderatswahl wird dem Ersten und Zweiten Bürgermeister ein Mää gesteckt [ NW-Lach]. —
β. 'grüne Zweige zum Schmücken

[Bd. 4, Sp. 1130]
von Haus, Wagen, Hut aus festlichem Anlaß', Maaje [ KB-Marnh]. Er hat sei Haus mit Maie veziert [Krieger 27]. —
γ. = PfWB Kirbebaum 1, (die?) Ma(a)ie [ LA-Gommh GH-N'potz Bellh]; Zs.: PfWB Kirbemaie. In LA-Gommh werden drei Kiefern als Maie vor dem Tanzlokal aufgestellt. —
c. 'junge Birke', die Maie (Sg. u. Pl.) [Schandein Ged. 243 Wilde 18]. —
d. 'Flieder', der Mai [ Don-Miletitsch Brestowatz]; vgl. PfWB Maiblume 2. —
2. FlN, (Im) Maien [ KU-Gumbsw RO-Imsw Spey]. a. 1577: Willerung vffm meyge [Zweibr I, A. 1363/2 (HB-Walsh)]. a. 1640: Kestenacker hinder Hütten, die oberseit Breiden hanß, Niderseit der Hüttberg bei dem Mayen [LeyArch., A. 730n, Bl. 15 (LA-Burrw)]. — Südhess. IV 494; RhWB Rhein. V 754/55; LothWB Lothr. 350; ElsWB Els. I 637; HRG III 170 ff.
 
  
maien schw.:
1.
a. 'das Haus mit Grün oder mit Blumen schmücken', maaje [ Gal-Falkenberg]; vgl. PfWB Maien 1 a α. —
b. 'am Maifest teilnehmen', moije [Lambert Penns 106]. —
c. 'im Freien verweilen'. Eich lei emohl uf'm Mittagsstewel un maie draus um Michelsdag [Kus (Firmenich III 244)]. —
2.
a. 'an Frühlingsabenden spazieren gehen, um gemütlich zu plaudern', maaje [ LA-Venn]. —
b. 'einen Besuch beim Nachbarn, bei einem Freund machen, um sich mit ihnen zu unterhalten', maaje (mājə, --) [verbr. WPf NPf, Schandein Bav. IV,2 205, 249 Mang 131 Müller Dietschw 49 Eid 87, verbr. Don Gal, Buch-Illisch]; vgl. PfWB basen 2, PfWB Gemaiasch. Sie war de ganze Da maie [Zweibr (Wilms Alph. 36)]. Do war eich vorgischt bei meine Schwehrleur uff der Kerw m. [WPf (PfId. 170)]. Wirtshausgäste, die lange nicht bedient werden, sagen zum Wirt: Mer sin net zum M. kumme! [ BZ-Dernb]. VR.: Schatz, back mer Aajer, / de Sonndag komm ich m. / Zelleriesalad, / mei Modder hat's gesaat [ WD-Niedkch]; Var. s. PfWB backen 1 b. —
c. 'sich allabendlich in einem bestimmten Haus zur Unterhaltung treffen, zur Spinnstube gehen' [mancherorts WPf NPf, PfId. 90 Vogelsgesang 22, 27 Krieger 27 Kühn Hamet 123 Christmann in: Pfälz. Volkszeitung 3. 5. 1950]; vgl. PfWB Maie1 1 b. Im Winder geht mer oweds m. [ Don-Mramorak]. Un' owends geht m'r bei uns maje, / Die Weibsleit' hann ehr Spinnrad mit [Schandein Ged. 111]. —
d.
α. 'plaudern, sich unterhalten, sprechen' [verbr. WPf NPf, FR-Gerolsh, Otterstetter 213]. Die Weibsminscher kinne fa gewehnlich om beschde maie [IB-Ensh (Glass 62)]. Beim Latwergekochen wird getratscht un lawadscht, geplauert un gemait [PfPr. 7. 10. 1934]. —
β. 'unnötiges Zeug reden' [ FR-Heuchh]. — Mhd. meien, meigen 'im Mai oder wie im Mai fröhlich sein' ( Lexer Lexer I 2072). — Südhess. IV 494/95; RhWB Rhein. V 774; LothWB Lothr. 350; ElsWB Els. I 639.
 
  
Maien-base f.: = PfWB Maie1 2, Maajebas [ RO-Messbhf].

[Bd. 4, Sp. 1131]