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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Hans-dampf bis hänseln (Bd. 3, Sp. 660 bis 661)
 
   Hans-dampf m.: 'wer sich überall umtut'. Er is Hansdamp in alle Gasse [ KU-Schmittw/O]; vgl. PfWB Hans 2 a γ. Südhess. II 121, ElsWB Els. I 357 und Bad. II 557 and. Bed. — -dewelt s. PfWB Johann-Theobald; -dollen s. PfWB Hanndollen. — -dottel m.: 'Spaßmacher', Hansdoddel [ SP-Harths], -dudel(dee) [südl. VPf]. — Zum Grundw. vgl. PfWB Dottel 1. — Südhess. III 121 and. Bed. — -dremmelchen n.: 'Vogelscheuche', -dremmelche [ Don-Schowe]. — -durch-den-Wald m.: Schimpfw., Hansdorchdewald [ KU-Schmittw/O].
 
 
Hanse-bibelchen s. PfWB Johannisboben.
 
  
Hansel, Hänselm.:
1. Dim. zu PfWB Hans. —
2.
a. 'Begleiter des Christkindes', Hansel [ KL-Alsbn Baalbn]. Syn. s. PfWB Pelznickel 1. —
b. 'gutmütiger Mensch, der sich von anderen ausnutzen

[Bd. 3, Sp. 661]
läßt', Hansel [ BZ-Dernb]; vgl. PfWB Hanswurst 2 b. —
c. Hansel Fingerhut 'die lustige Gestalt des Sommertagspiels', s. PfWB Fingerhut 4 a. —
3. 'schales Bier, Tropfbier', Hansel [ Don-Schowe Torscha]. — Südhess. III 121/22; RhWB Rhein. III 240; Bad. II 557.
 
 
Hansel-, Hänsel+-geldn.: 'Geldbetrag, den der Viehhändler an die Metzgerzunft zu zahlen hat, wenn er zum ersten Mal ein Stück Vieh zum Verkauf in die Stadt bringt', vgl. PfWB Hans 1 c. a. 1778: wegen dem sog. Willkomm oder Henselgeld ... möchte es auch hierbei zu belassen sein, dergestalten, daß ein Fremder ein für allemal 6 Gld. und ein Einheimischer 3 Gld. erlegt [SSp., Hanau-Lichtenberg Nr. 371]. — -mann m.:
1. 'Schreckgestalt für Kinder', Hanselmann [ GH-Sondh]; vgl. PfWB Butzenmann 1 a. —
2. 'männliches Glied', -männche [Keiper in ZfdM 1910, S. 131]. Syn. s. PfWB Schwanz. —
3. = PfWB Gurgelknopf, -mann [ PS-Ruhbk]; vgl. PfWB Adamsapfel. —
4. 'Eisenzapfen an der Kelter, der beim Vordrehen des Balkens die Schraube mitnimmt, beim Zurückdrehen die Schraube in hüpfender Bewegung im Gewinde ruhen läßt' (Bertram § 278), -mann [ SP-Berghs Heiligst]. Syn. s. PfWB Bajaß 7. — RhWB Rhein. III 240, ElsWB Els. I 684 und Bad. II 557 and. Bed.
 
  
hänseln schw.:
1.
a. 'foppen, necken', häns(e)le (hęn-) [verbr.]; vgl. PfWB uzen, PfWB verhänseln, PfWB Gehänsel, PfWB Hänslerei. Sie hän'n gehänselt [LA-Gommh, verbr.]. Sie hänsle enanner [ ZW-Riedbg]. —
b. 'beim Handel übervorteilen'. Ich glaab, du willscht mich h. (weil du weit unter Wert bietest) [ ZW-Battw KU-Hachb]. —
2.
a. 'mit der Pritsche schlagen'. Nach einer Akte von 1765 wurden beim Grenzumgang die Buben an den Grenzsteinen gehänselt [ LU-Opp]; den gleichen Vorgang in Kaislt s. PfWB pritschen 1 a β. —
b. die junge Mäd h., ein alter Kirbebrauch [mancherorts Gal (vor 1914), Enders 27/28]. Die in die Gemeinschaft der reiferen Jugend aufgenommenen Mädchen wurden in den Kirbekranz emporgehoben; das Gegenstück für die jungen Burschen s. PfWB burschen 1. —
c. von der Verpflichtung, sich in ein Recht einzukaufen, vgl. Hänselgeld.
α. von jungen Leuten, die zum ersten Mal an einer Hochzeit oder Kindtaufe teilnehmen, wird eine Gabe erwartet; sie werden gehänselt [Journ. 1787, S. 212]. —
β. der ortsfremde Bursche muß die Dorfburschen bewirten, wenn er um ein Mädchen wirbt; er wird gehänselt [ KB-Bubh FR-Albsh]. In FR-Albsh erscheint am Verlobungstag eine Abordnung der Burschen mit einem Blumenstrauß und einer Flasche Wein im Haus der Braut; dabei trägt der Anführer folgenden Hänselspruch vor: Mer hawwe vernumm, es is e Herr kumm un hat uns die schänscht Ros aus'm Garde genumm. Mer winsche Glick im Brautpaarhaus un gehn mit großer

[Bd. 3, Sp. 662]
Freid; mer wissen jo, des gebt e Schmaus fer uns junge Leit. Als abgesandt vun de Jungeschar bekränze mer des Brautpaar. Noh alder Art un Sitte bekränze mer des Bechers Rand un trinken Wein aus seiner Mitte, zum Wohlsein unserm Vaterland. Mit einer Geldsumme oder einem entsprechenden Quantum Wein kauft sich der Bräutigam von Sühne und Strafe los. — Zur Etym. vgl. Kluge-Mitzka20. — Südhess. III 122; RhWB Rhein. III 240/41; LothWB Lothr. 230; ElsWB Els. I 359; Bad. II 557.