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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Guck-auge bis gucken (Bd. 3, Sp. 495 bis 497)
 
   Guck-auge n.: 'Auge', Kinderspr., Guckächelcher [A. Becker, Die Pestjungfer 121], Guckaichlich (Dim. Pl.) [ GH-Zeisk]; vgl. PfWB Guckelchen. Südhess. II 1506; RhWB Rhein. II 1481.
 
 
Guck-durch-den-zaun (Gen. ?): = PfWB Gundelrebe, Guckdorchdezaun [Wilde 80]. Marzell 179.
 
 
Gucke1 s. PfWB Guck.
 
 
Gucke2 f.: 'Tüte', Guck [Grenzgebiet zum

[Bd. 3, Sp. 496]
Elsaß]. Südhess. II 1506; ElsWB Els. I 206; Bad. II 490.
 
  
Guck-ei n.: 'aus Zuckerzeug gefertigtes hohles Ei, das man früher den Kindern zu Ostern schenkte', Guckäär (gugǟr) [ LA-Nußd]. Das eine Eiende war angeschnitten und mit Zelluloid überzogen; durch die Öffnung sah man die im Eiinnern aufgestellten bunten Papierfiguren.
 
  
Gückel m.:
1.
a. 'Haushahn', Gick(e)l (gigl, gigəl) [vereinzelt VPf, s. K. 162], Gickelche [Lambert Penns 65]; vgl. PfWB Gockel 1 a, PfWB Gückelhahn. Syn. s. PfWB Hahn1 1 a. RA.: 's kräht kaa G. denoh [PfMHk. 1925, S. 179]. VR.: Eija, bombeija, schlaa 's Gickelche dot; 's leet mer koo Eier un 's freßt mer mei Brot [ Gal-Bagbg]; Var. s. PfWB bumbeija. —
b. s. PfWB Welsch-, Wutzengückel. —
2.
a. 'Fruchtzapfen der Nadelbäume', Gickle (Pl.) [FR-Bobh Wilde 124], Gickelche [ RO-Nd'haus ZW-Wintb]. Zs. Hahngückel. Syn. s. PfWB Butzel1 4. —
b.
α. 'Drehzapfen am Torpfosten', Gickel [ KL-Heilmosch NW-Weish/S.]. —
β. 'an der alten Dockenkelter die hölzerne Nase an der Schraubenmutter' [ NW-Weish/S.]. —
γ. 'Zapfen, der Walzenklotz und -löffel verbindet' [ FR-Albsh]. —
δ. s. PfWB Rattengückel. —
c.
α. 'Einbildung, Stolz', Gickel [fast allg.]; vgl. PfWB Gaukel 3. Zs.: Bauern-, Beamtengückel. Syn. s. PfWB Hochmut. Der hat e G. [KL-Lind, verbr.], e G. im Kopp [ NW-Elmst], e G. wie e Haus [NPf]. Er stellt de G. [KB-Niefh, verbr.]. Er is vom G. gestoch [ RO-L'meil]. Dem steit der G. [Kaislt Pirmas]. 's han 'haus (in der Vorderpfalz) die Leit so eppes an sich; ehr G. wär's, so saht m'r als [Schandein Ged. 110]. —
β. 'Zorn' [FR-Colgst N'lein LU-Rh'gönh Klein Prov. 146]. —
γ. 'Haß' [Kaislt]. —
d. Bez. u. Schimpfw.
α. für einen Eingebildeten [ KU-Dietschw Etschbg RO-Alsbr PS-Heltbg BZ-Stein]; vgl. PfWB Gigerl. —
β. für einen Menschen mit Sehfehler; scheeler Gickl [GH-Kand, NW-Gimmdg Heeger Vhk. 49]. —
γ. s. Fiesen-, PfWB Ritzen-, PfWB Schnaps-, PfWB Sparren-, PfWB Wiesen-, PfWB Zorngückel. — Südhess. II 1506 ff.; RhWB Rhein. II 1217/18, 1479; ElsWB Els. I 206 Gockel; Bad. II 491.
 
  
Guckel, Guckelchenn.:
1. 'Auge', bes. im Verkehr mit kleinen Kindern, Guckel, Pl. -le [verbr. südl. VPf], Guckelche, Pl. -cher [verbr.]; vgl. PfWB Guckauge, PfWB Guckerlein 1. Zs. PfWB Schweinsguckelchen. Mach dei G. zu! [Zweibr]. Was das Kind liewe G. hot! [ RO-Rehbn]. Das kranke Kind hat triewe G. [ KB-Kriegsf]. RA.: Der Betrunkene macht G. [ KB-Gauh]. —
2. 'Stiefmütterchen', Guckelcher [ KL-Stelzbg]; vgl. PfWB Auge 4, Guckmichan. Syn. s. PfWB Stiefmütterchen. — Südhess. II 1506; RhWB Rhein. II 1481, IV 1643; ElsWB Els. I 207; Bad. II 490.
 
  
Guckeler m.: 'Haushahn', Guckler [ GH-Max'au]; vgl. PfWB Gockeler 1. Südhess. II 1509 Gückeler; ElsWB Els. I 206 Guckler; Bad. II 494.

[Bd. 3, Sp. 497]

 
   Gückel-hahn, Guckel-m.: 'Haushahn', Gickelhahn [BZ-Silz Stein GH-Knitth Heeger Tiere II 8], Guckel- [ GH-Max'au], Gickelhahn [ RO-Lettw]; vgl. PfWB Gückel 1 a. Syn. s. PfWB Hahn1 1 a. Südhess. II 1510; RhWB Rhein. II 1218; Bad. II 491.
 
  
gückeln schw.:
1.
a. 'hervorschauen, hervorlugen', gickele [Kühn Hamet 109]. —
b. 'heimlich schauen' [LA-Venn PfId. 53]. Zs.: PfWB heraus-, PfWB hereingückeln. —
c. 'beim Kartenspiel zusehen' [ ZW-Ixh Bottb]. —
2.
a. 'blinzeln' [IB-Wolfh SOPf (Nachlaß Heeger)]. Syn. s. PfWB flickern 2. —
b. 'nicht genau sehen' [Frankth GH-Hagb]. —
3.
a. 'schielen' [ HB-Einöd ZW-Bottb PS-W'fischb]; vgl. PfWB gückseln 1, PfWB Gigolo.
b. 'nur auf einem Auge sehen' [ PS-Geisbg]; vgl. PfWB gückseln 2. — Abl. zu PfWB gucken. — Südhess. II 1509 guckeln; RhWB Rhein. II 1481; ElsWB Els. I 208; Bad. II 491.
 
  
gucken schw.:
1. mit pers. Subj.
a. 'schauen', gucke, geguckt (gugə, gəgugd) [allg.]; vgl. PfWB gaffen, PfWB kieken, PfWB gückeln 1 b, PfWB linsen, PfWB sehen, PfWB stieren. Zs.: PfWB ab-, PfWB an-, PfWB aus-, PfWB durch-, PfWB ver-, PfWB heim-, PfWB heraus-, PfWB herein-, PfWB herum-, PfWB hinauf-, PfWB hinaus-, PfWB hinein-, PfWB hin-, hinweg-, PfWB nach-, PfWB um-, PfWB zu-, PfWB zurückgucken. Er guckt un guckt un sieht nix [ NW-Kallstdt]. Gell, Bauer, do guckschde 'da staunst du' [ FR-Tiefth]. Er guckt iwwerecks 'Er schielt' [RO-Als, verbr. NPf PfId. 71]. Der guckt emol bremsch 'grimmig' [ KU-Breitb]. Er guckt ganz verstawwert 'verwirrt' [ FR-Bockh]. Do kammer sich die Aa aus'm Kopp g. [ Gal-Dornf]. Du brauchscht net so scheel se g. [ BZ-Albw]. Vergl. u. RA.: Er guckt wie net recht gescheit [Kus, verbr.]. Er guckt wie e verschäächt Hinkel 'ängstliches Huhn' [ KL-Siegb], wie e gestochenes Kalb [ KL-Reichb], wie e Ochs (wie der Gansert), wann's blitzt [KU-O'staufb, verbr.]. Er guckt unner sich wie e Hinkelsdieb [ZW-Hornb, verbr.]. Er guckt wie e Kuh uf e nei Scheierdoor [verbr. Don Gal Buch Rußl]. Dem muß mer uf die Finger g. [KU-Bedb, verbr.]. Manchmol muß mer durch die Finger g. [ NW-Hardbg]. Er guckt in ää Loch 'Er sinniert' [BZ-Darst, verbr.], in de Mond, von einem Träumer [RO-Schweisw, verbr.], in die Sterne, dass. [NW-Kallstdt, verbr.]. Mer muß dem Ding in de Leib g., um es zu ergründen [ LA-Mörzh, KU-Bedb]. Er guckt ins Linsefeld 'Er schielt' [KU-Trahw, verbr.], ins Gerschtefeld, dass. [LA-Siebdg, verbr.], mit'm rechte Aag in de linke Hosesack, dass. [verbr., auch Gal], in die anner Woch, dass., auch 'ist in Gedanken versunken' [PS-Zesbg, verbr.]. Er loßt sich net in die Kart g. 'verrät nichts von seinen Absichten' [ LU-Limbghf]. Er hat zu tief ins Glas geguckt [ZW-Bottb, verbr.]. Ich guck mit meine Ääge 'Ich muß mich selbst überzeugen' [ GH-Zeisk]. Er guckt mit'm Maul [Kus]. Er guckt mit de Ohre un horcht mit de Ääche 'ist voller Aufmerksamkeit' [ GH-Zeisk].

[Bd. 3, Sp. 498]
Sie gucken nohenanner, weil sie verliebt sind [ KB-Kriegsf]. Er guckt um's Eck erum, von einem Schielenden [ KB-Stett]. Er guckt sich die Aae vor de Kopp, um etwas zu erspähen [ KB-Kriegsf]. SprW.: 'me geschenkte Gaul guckt mer net ins Maul [ZW-L'wied, verbr., auch Don Gal Buch Rußl]. Mer guckt de Leit vor de Kopp, awwer net in de Kropp [ Gal-Lindf]. — Imp. als Ausdruck der Überraschung, der Verwunderung, der Entrüstung: Guck emol! [RO-Duchr, verbr.]. Gumol wie der daamelt 'taumelt' [NPf]. Guck nor, was fer e Gesicht daß er macht! [LA-Herxh, verbr.]. Ei guck, was hickelt vor mer her? [Schandein Ged. 57]. Guck, ich hab's gleich ... g'sagt [Zahn Pläsier 25]. Ei, gu' mol do! Im Meer do draus, do schwimmt jo ebbes wie e Haus [Münch Weltgesch. 33]. Gu'mol, so'n Schwiddjeh! [Hartmann Unkel 79]. —
b. 'achtgeben (auf), sorgen (für)'. Mer muß uf sein Klääder g. [ FR-Bockh]. Mer muß g., wie mer zu seim Geld kommt [ WD-Niedkch]. Niemand guckt noh'm [KB-Kriegsf, verbr.]. BR.: Danze im Januar die Mucke, muß der Bauer noh'm Furer (Futter) g. [ RO-Als KU-Nerzw GH-Zeisk]. —
c. g. wie 'aussehen wie'. Er guckt wie sei Schweschder [Danner Penns 104]. —
2. mit sachl. Subj.
a. g. nach 'die Richtung haben'. WR.: De Hahn guckt noh'm Dautermann (Gastwirtschaft in KB-Bennhs); es gebt gut Werrer [ RO-Steinb]. —
b. g. aus 'herausschauen, sichtbar werden', vgl. PfWB vorgucken. Dem guckt de Hunger aus de Aue [ KU-Schmittw/O]. —
3. s. PfWB Eckengucken. — Südhess. II 1511 ff.; RhWB Rhein. II 1479/80, IV 1641/ 42; Lothr. 219/20; ElsWB Els. I 206; Bad. II 492.