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Pfälzisches Wörterbuch 
 
graben bis Graben-putzer (Bd. 3, Sp. 396 bis 401)
 
   graben1 st., schw.:
1.
a. 'mit dem Spaten den

[Bd. 3, Sp. 397]

Boden bearbeiten', grawe (grāwə, --, s. F.) [fast allg. WPf östl. NPf nördl. VPf Westteil der mittl. VPf vereinzelt übrige Pfalz, vgl. K. 165, verbr. Penns Don Gal Buch Rußl]; de Gaarde g. [KB-Albish, verbr.]; im Gaarde g. [PS-Schmalbg, verbr.]; mit'm Spate g. [ FR-Albsh]; vgl. PfWB herumstechen, PfWB schoren, PfWB spaten. Zs.: PfWB herum-, PfWB rauh-, PfWB umgraben. Mer han noch net gegrabt [WD-Niedkch, verbr.]. Mir fangen am Mondag an se g. [ KL-Fischb]. Die mit Graben beschäftigten Arbeiter werden angeredet: Dun ehr g.? [ NW-Haardt]. —
b. 'den Boden im Wingert mit Karst und Spaten tief auflockern'; de Wingert g. [LA-Edk, verbr.]. Heit werren mer mit'm Grawe ferdich [LA-Rhodt, verbr.]. a. 1775:

[Bd. 3, Sp. 398]
Von zwey Viertel wingarten zu g. [SSp., v.d.Leyen Fasz. 102 (Vormundschaft Wernersberg)]. —
2.
a. 'eine Vertiefung (Grube) im Erdreich ausheben'; e Grab g. [RO-Als, verbr.]; e Grawe (e Loch, e Brunne, e Keller) g. [verbr.]; vgl. PfWB Brunnengraben, PfWB auf-, PfWB hinuntergraben, PfWB ausheben I 1 d, PfWB auswerfen 1. SprW.: Wer en Grab grabt for annere, fallt selwer nein [Penns]. a. 1507: ein bronnen im dorf zu Alsenczbruck vf ihren costen graben vnd vfrichten [PfWeist. I 24 (RO-Alsbr)]. —
b. e Forcht g. 'beim Bohnenlegen mit der Hand eine Furche ziehen' [ LU-Hochd]; vgl. PfWB gräbeln 2, PfWB Graben I 2 c α. —
3. 'grabend aus der Erde herausholen', vgl. PfWB aus-, PfWB herausgraben.
a. de Schlag g. 'im Waldschlag die

[Bd. 3, Sp. 399]
Baumstümpfe roden' [ IB-Bliesmg/Bolch PS-Gersb GH-Büchbg Scheibhdt]; vgl. PfWB roden. —
b. Märredich g. 'Meerrettich ausgraben' [ KU-Bedb]. Scherzh. Antwort auf die Frage, wohin man gehe: Uf die Gipp 'Baumwipfel' Meerrettich g. [Hebel 110]. —
c. de Fuchs (de Dachs) g. 'den Fuchs (den Dachs) mit dem Dachshund und durch Graben aufstöbern' [ RO-Dielkch KU-Schmittw/O]. —
4. 'grabend in die Erde versenken', vgl. PfWB be-, PfWB ein-, PfWB ver-, PfWB untergraben. Volksgl.: En weechi grini Walniß uf Warze geriwwe un noo unnich der Dachtrapp gegrawe nemmt Warze weg [Fogel Beliefs Penns Nr. 1684]. —
5. s. PfWB abgraben. — F.: In WPf NPf u. nördl. VPf gilt fast allg., im übrigen Gebiet vereinzelt grāwə, in der südl. u. teilw. in der mittl. VPf, in der übrigen Pfalz vereinzelt grwə (vgl. Heeger Südostpf. § 52, Bertram § 21); gRwə in KL-Lind; grwə in PS-Th'eischw, Kaislt u. mancherorts mittl. VPf (Bertram § 21). Part. Perf. vorn. gegrab bzw. gegrawe (vgl. K. 1, Linie gebroch/gebroche), gegrabt belegt für WD-Niedkch ZW-Battw RO-Dielkch KL-Fischb SOPf (Nachlaß Heeger). — Südhess. II 1433/34; RhWB Rhein. II 1333; LothWB Lothr. 214; ElsWB Els. I 266/ 67; Bad. II 456.
 
 
graben2 s. PfWB gräben.
 
  
gräben schw.: die Wiesen g. 'die enggewordenen Entwässerungsgräben mit dem Wiesenbeil verbreitern und mit der Hacke vertiefen', gräwe (grwə) [KU-Dunzw, verbr. südl. WPf südl. VPf], grawe (-ā-) [ PS-Gersb Lu'wink Hirschth]; vgl. PfWB ausziehen 1 c, PfWB beilen, PfWB putzen 1 p, PfWB gräbeln 1. RhWB Rhein. II 1336; ElsWB Els. I 266 graben 2.
 
  
Graben m.:
I. 'längliche Vertiefung in der Erdoberfläche', Grawe (grāwə, grwə, gRwə, s. PfWB graben) [allg.]; Pl. Gräwe (grwə, seltener grēwə); Dim. s. unten I 2; e diefer (brääder, schmaler) G. [allg.]; e G. grawe (ziehe, aushewe, zuschidde, zuscheppe) [verbr.]; in de G. falle, iwwer de G. huppse [verbr.]. RA.: Die Freindschaft leit im G. 'hat aufgehört' [ KU-Schmittw/O]. Er is noch net iwwer'm G. 'hat das Hindernis (die Gefahr) noch nicht überwunden' [BZ-Albw, verbr., auch Gal]. Er is noch net iwwer'm Gräwelche, dass. [ KB-Bischh]. Er is noch emol iwwer 's Gräwelche kumme 'hat die Krankheit überstanden' [ ZW-L'wied]. Ein Rätsel s. PfWB bukkelig 1 a. KR.: Reide, reide, iwwer de G., fallt er enein, do misse mer 'n hawe, bums, do leit er [NW-Frankeck, Horne Penns 117]; Var. s. PfWB bumps 1 a, PfWB plumps, PfWB reiten, PfWB Saft, wuppe. Ortsneckerei auf das früher im Preußischen gelegene Grumbach: Grumbach leit im G., wo die schine Buwe sin un Mädcher wie die Rawe [ KU-Reiffb]. — Besondere Bed.:
1. 'von strömendem Wasser gerissener G.', vgl. PfWB Schwellgraben. 's Wasser hot e G. geress [RO-Als, verbr.]. RA.: Des hot e G. geriss, sagt man bei einem guten Zug

[Bd. 3, Sp. 400]
aus dem Trinkgefäß [ Don-Schowe Torscha]. SprW.: Stille Wasser reiße tiefe G. [ Don-Gottlob]. —
2.
a. 'G. bzw. Rinne neben der Straße (dem Weg)', Grawe [verbr.]; häufig im Dim.: Gräwelche [ KU-Eschau Jul KL-Queidb Kirchhbol], Gräwel (grwəl, grwl) [verbr. mittl. u. südl. VPf], (gręwl) [ NW-Rödh], Gräbel [mancherorts mittl. u. südl. VPf], Graw(e)l [ GH-Neubg]. Zs.: Pflaster-, PfWB Dreck-, PfWB Gassen-, PfWB Schossee-, PfWB Stein-, PfWB Straßengraben. —
b.
α. 'Be- und Entwässerungsgraben', Grawe [verbr.], Gräbche [ IB-Aßw], Gräwelche [ KU-Hachb RO-Ransw Falkst], Gräw(e)l [ KB-Mörsf FR-Beindh]; Gräwe ziehe [LA-Wollmh, verbr.]; de G. zustoppe, um Wasser zu stauen [ PS-Bruchw]; de G. zubaue, dass. [ HB-Medh]; vgl. PfWB Ausläufer 3, PfWB Dole 1 b, Kümpling, PfWB Riefe, PfWB Rinne, PfWB Zeisel. Zs.: Abfluß-, PfWB Ablaß-, PfWB Ablauf-, PfWB Abzugs-, Auslaufs-, PfWB Bewässerungs-, Trükkel-, PfWB Entwässerungs-, PfWB Fang-, PfWB Faul-, PfWB Fehl-, PfWB Floz-, PfWB Flut-, PfWB Haupt-, PfWB Kopf-, Kumpel-, PfWB Mittel-, PfWB Moder-, PfWB Riesel-, Rus-, PfWB Schlitz-, PfWB Sicker-, PfWB Stech-, PfWB Sülz-, PfWB Wasser-, PfWB Wässerungs-, PfWB Wat-, PfWB Wiesen-, PfWB Zwerchgraben. —
β. 'mit Steinen ausgelegter Abzugsgraben', Grawe [ WD-Niedkch LA-Altd], Gräwel [ BZ-Wind]. —
c.
α. 'Furche, die beim Bohnenlegen mit der Hand gezogen wird', gew. Dim.: Gräwelche [verbr. WPf NPf nördl. VPf], Gräbelche [KU-O'staufb KB-Mörsf Eisbg FR-Battbg], Gräbche [verbr. SWPf], Gräw(e)l [mittl. u. südl. VPf], Grawel [ SP-Mechth GH-Neubg], Grabel [ FR-Lambsh NW-Hardbg Gimmdg SP-Berghs W'see GH-Jockgr]; e Gräwel ziehe [NW-Ungst, verbr.]. —
β. 'G. für die Setzreben'; Gräwel absteche (aushewe) [NW-Kallstdt, verbr. VPf]. Zs.: PfWB Stichgraben. —
d. 'G. zum Eindämmen eines Waldbrandes' [verbr.]. Zs. PfWB Waldgraben. —
e. 'Grenzgraben zwischen Wiesen' [ KU-Bedb]. Zs.: PfWB Beunde-, PfWB Grenz-, Scheidgraben. —
f. 'Jauchenrinne im Stall', Gräbl [ BZ-Hermbghf]. Zs.: PfWB Mist-, PfWB Seichgraben. —
g. 'Erdvertiefung, nach der mit dem Klicker geworfen wird', Gräwl [ LA-Edk]. Syn. s. PfWB Kaute. —
h. 'Dorfgrenze' im SprW. der nach Pommern ausgewanderten Pfälzer: Kimmscht du iwwer de G., kimmscht du in en anner Land [Kirchenhistorischer Bemerker Nr. 18 (Beilage zu Benkerts Religionsfreund 1832, H. 2)]. —
i. 'militärischer Schutzgraben'; im vodderschde G. [Kaislt]. Zs.: PfWB Lauf-, Schützengraben. Die Gräben bei FR-Lambsh aus dem Krieg von 1471 s. im Reim bei Bauer1 1 (I 617, Z. 56). —
j. FlN: Steinborner G. [ FR-Bockh]. a. 1606: ackher am Randecker graben [Landsbg-Zb., Bl. 76 b]. a. 1487: Garten an den Greben (in LA-Altd) [NUrkKG]. Zs.: PfWB Bruch-, PfWB Brühl-, PfWB Buben-, PfWB Burg-, PfWB Dachs-, PfWB Dorf-, PfWB Enten-, PfWB Esels-, PfWB Katzen-, PfWB Lach-, PfWB Land-, Lang-,

[Bd. 3, Sp. 401]
PfWB Mühl-, Schind-, PfWB Schloß-, PfWB Stadt-, PfWB Wolfsgraben.
k. s. PfWB Teuchel-, PfWB Dränierungsgraben. —
II.
1. 'Einschnitt im Holz, Kerbe', Gräwelche [ KU-Etschbg ZW-Marthh], Gräwel [ PS-Münchw Winz LA-Mart Roschb], Gräbel [ PS-Leim BZ-V'weidth], Grawe [ KU-Breitb]. —
2.
a. 'Gesichtsfalte'; Gräwe im Gesicht (in de Stern) [ RO-Rehborn ZW-Gr'bundb]. —
b. 'Grübchen im Kinn'. Er hot en Gräwel am Bart [ LU-Alsh]. —
c. Pl. 'Risse in der Haut'; Grawe in de Finger [ RO-Als]; Gräwe in de Hänn [ KU-Adb Herschw/Petth KB-Kriegsf]; vgl. PfWB Schrunde. Er hot ganze Gräwe in de Hänn [LU-Limbghf, verbr.]. Volksmed.: Gräwe en de Hänn gießt mer met Bech aus [ WD-Niedkch]. —
d. 'Haarscheitel', Gräwel [ LA-Venn]. — Südhess. II 1432/33; RhWB Rhein. II 1331/32; LothWB Lothr. 214; ElsWB Els. I 266; Bad. II 455/56.
 
  
Graben-, Gräben-äckerPl.: FlN, der an Entwässerungsgräben erinnert: An de Grawenäcker [ LA-Nußd]. In KL-Ramst sieht man in dem FlN Grevenäcker bzw. Gräbenäcker einen Zusammenhang mit den Kriegsereignissen von 1793; an dieser Stelle habe es Gräber gefallener Franzosen gegeben. — -bord m.:
1. 'Uferhang', Grabebord [ NW-Haßl Spey]. —
2. 'Grenzrand zwischen zwei Äckern', Grawebord [ LU-Iggh]. — Zum Grundw. s. PfWB Bord. — -geld n.: 'Abgabe für die Instandhaltung des Stadtgrabens'. a. 1553: ein schilling pfenning, nennet man das grabengeld, gehet zu und ab, darnach die häuser besetzt sein [ABlieskst 60]. DWB DWb. IV/1, 5, Sp. 1591. — -grundel f.:
1. 'Kaulquappe', Grawegrunnele (Pl.) [Wilde 46]; vgl. PfWB Grundel 1 c. —
2. 'Ehrenpreis (Veronica beccabunga)', Grawegrunnel [Wilde 46]; vgl. PfWB Bachbummel 1. Uzname für die Bewohner von LU-Edigh: Edegumer Grawegrunnele. -macher m.: 'wer Gräben gräbt und ausbessert', vgl. PfWB Friese, PfWB Grabenputzer. a. 1550: 1 Sh. 2 Pfg. hen wir geben den grebenmachern als man die greben gemeßen hen [Wenz 293]. Südhess. II 1434 and. Bed.; Schwäb. III 780. — -männchens n.: 'ein Fangspiel, bei dem der Fänger im Straßengraben steht und die über ihn springenden Mitspieler fangen soll', Grawemännches [ Don-Bulkes Torscha Werb]. Beim Überspringen wird gerufen: Grawemännche, husch, husch! Wer gefangen wird, übernimmt die Rolle des Fängers. — -putzer, -schisserm.: Schimpfnamen, Grawebutzer [ KU-Schmittw/O], -schisser [ LA-Leinsw]. ElsWB Els. II 131.