| Pfälzisches Wörterbuch | ![]() | ||
graben bis Graben-putzer (Bd. 3, Sp. 396 bis 401) | |||
graben, st., schw. graben gräben, schw. Graben, m. Graben-äcker, Pl. Gräben-äcker, Pl. Graben-bord, m. Graben-geld, n. Graben-grundel, f. Graben-macher, m. Graben-männchens, n. Graben-putzer, m. Graben-schisser, m. Gräber Grab-fuß, m. Grab-gabel, f. Grab-gesang, m. Grab-geschirr, n. Grab-hacke, f. Grab-haue, f. Grab-hof, m. Grab-karst, m. Grab-kreuz, n. Grab-lied, n. Grab-loch, n. Grab-mal, n. Grab-platz, m. Grab-predigt, f. Grab-rede, f. Grab-scheit, n. grabschen Grab-schippe Grab-schüppe, f. Grabs-gewanne, f. Grab-stein, m. Grabstein-hauer, m. Grabstein-macher, m. Grab-tafel, f. Grab-zeichen, n. Grackel Gracksel Grad, m. grad Graddel graddeln Graddler graddlig Graf, m. Graf(en)-feld, n. Graf(en)-gericht, n. Gräfen-hausen, ON Grafen+-stück, n. Grafen-thal, n. Grafen-wald, m. Gräffchen Gräfin, f. Grafittchen Grafschaft, f. Graf-teufel Grafutsch Gräh-holz Grain Gram, m. gram, Adj. Gramantes, Pl. Gramanzel, n. Gramänzel, n. gramänzelig, Adj. Gramanzel-wesen, n. Gramätschel, n. gramätscheln, schw. Grameerchen gramelig grameln grämen, schw. grämlich, Adj. Gramm, n. Grammel-eisen, n. Grammeler, m. f. Grammlerin, m. f. grammelig, Adj. grammeln, schw. Grammel-sack, m. grammen grämmen Grammenot Grammler Grammofon, n. Grammofon-platte, f. Grammscheler, m. grammscheln, schw. grammschen, schw. Grammscherin, f. Gramm-schüppchen, n. Granat-apfel, m. Granate, f. Granat(en)-klee, m. Granat(en)-loch, n. m. Granat(en)-splitter, n. m. Granat(en)-sakrament, n. | 1. a. 'mit dem Spaten den [Bd. 3, Sp. 397] ![]() b. 'den Boden im Wingert mit Karst und Spaten tief auflockern'; de Wingert g. [LA-Edk, verbr.]. Heit werren mer mit'm Grawe ferdich [LA-Rhodt, verbr.]. a. 1775: [Bd. 3, Sp. 398] Von zwey Viertel wingarten zu g. [SSp., v.d.Leyen Fasz. 102 (Vormundschaft Wernersberg)]. — 2. a. 'eine Vertiefung (Grube) im Erdreich ausheben'; e Grab g. [RO-Als, verbr.]; e Grawe (e Loch, e Brunne, e Keller) g. [verbr.]; vgl. PfWB Brunnengraben, PfWB auf-, PfWB hinuntergraben, PfWB ausheben I 1 d, PfWB auswerfen 1. SprW.: Wer en Grab grabt for annere, fallt selwer nein [Penns]. a. 1507: ein bronnen im dorf zu Alsenczbruck vf ihren costen graben vnd vfrichten [PfWeist. I 24 (RO-Alsbr)]. — b. e Forcht g. 'beim Bohnenlegen mit der Hand eine Furche ziehen' [ LU-Hochd]; vgl. PfWB gräbeln 2, PfWB Graben I 2 c α. — 3. 'grabend aus der Erde herausholen', vgl. PfWB aus-, PfWB herausgraben. a. de Schlag g. 'im Waldschlag die [Bd. 3, Sp. 399] Baumstümpfe roden' [ IB-Bliesmg/Bolch PS-Gersb GH-Büchbg Scheibhdt]; vgl. PfWB roden. — b. Märredich g. 'Meerrettich ausgraben' [ KU-Bedb]. Scherzh. Antwort auf die Frage, wohin man gehe: Uf die Gipp 'Baumwipfel' Meerrettich g. [Hebel 110]. — c. de Fuchs (de Dachs) g. 'den Fuchs (den Dachs) mit dem Dachshund und durch Graben aufstöbern' [ RO-Dielkch KU-Schmittw/O]. — 4. 'grabend in die Erde versenken', vgl. PfWB be-, PfWB ein-, PfWB ver-, PfWB untergraben. Volksgl.: En weechi grini Walniß uf Warze geriwwe un noo unnich der Dachtrapp gegrawe nemmt Warze weg [Fogel Beliefs Penns Nr. 1684]. — 5. s. PfWB abgraben. — F.: In WPf NPf u. nördl. VPf gilt fast allg., im übrigen Gebiet vereinzelt grāwə, in der südl. u. teilw. in der mittl. VPf, in der übrigen Pfalz vereinzelt grwə (vgl. Heeger Südostpf. § 52, Bertram § 21); gRwə in KL-Lind; grwə in PS-Th'eischw, Kaislt u. mancherorts mittl. VPf (Bertram § 21). Part. Perf. vorn. gegrab bzw. gegrawe (vgl. K. 1, Linie gebroch/gebroche), gegrabt belegt für WD-Niedkch ZW-Battw RO-Dielkch KL-Fischb SOPf (Nachlaß Heeger). — Südhess. II 1433/34; RhWB Rhein. II 1333; LothWB Lothr. 214; ElsWB Els. I 266/ 67; Bad. II 456. I. 'längliche Vertiefung in der Erdoberfläche', Grawe (grāwə, grwə, gRwə, s. PfWB graben) [allg.]; Pl. Gräwe (grwə, seltener grēwə); Dim. s. unten I 2; e diefer (brääder, schmaler) G. [allg.]; e G. grawe (ziehe, aushewe, zuschidde, zuscheppe) [verbr.]; in de G. falle, iwwer de G. huppse [verbr.]. RA.: Die Freindschaft leit im G. 'hat aufgehört' [ KU-Schmittw/O]. Er is noch net iwwer'm G. 'hat das Hindernis (die Gefahr) noch nicht überwunden' [BZ-Albw, verbr., auch Gal]. Er is noch net iwwer'm Gräwelche, dass. [ KB-Bischh]. Er is noch emol iwwer 's Gräwelche kumme 'hat die Krankheit überstanden' [ ZW-L'wied]. Ein Rätsel s. PfWB bukkelig 1 a. KR.: Reide, reide, iwwer de G., fallt er enein, do misse mer 'n hawe, bums, do leit er [NW-Frankeck, Horne Penns 117]; Var. s. PfWB bumps 1 a, PfWB plumps, PfWB reiten, PfWB Saft, wuppe. Ortsneckerei auf das früher im Preußischen gelegene Grumbach: Grumbach leit im G., wo die schine Buwe sin un Mädcher wie die Rawe [ KU-Reiffb]. — Besondere Bed.: 1. 'von strömendem Wasser gerissener G.', vgl. PfWB Schwellgraben. 's Wasser hot e G. geress [RO-Als, verbr.]. RA.: Des hot e G. geriss, sagt man bei einem guten Zug [Bd. 3, Sp. 400] aus dem Trinkgefäß [ Don-Schowe Torscha]. SprW.: Stille Wasser reiße tiefe G. [ Don-Gottlob]. — 2. a. 'G. bzw. Rinne neben der Straße (dem Weg)', Grawe [verbr.]; häufig im Dim.: Gräwelche [ KU-Eschau Jul KL-Queidb Kirchhbol], Gräwel (grwəl, grwl) [verbr. mittl. u. südl. VPf], (gręwl) [ NW-Rödh], Gräbel [mancherorts mittl. u. südl. VPf], Graw(e)l [ GH-Neubg]. Zs.: Pflaster-, PfWB Dreck-, PfWB Gassen-, PfWB Schossee-, PfWB Stein-, PfWB Straßengraben. — b. α. 'Be- und Entwässerungsgraben', Grawe [verbr.], Gräbche [ IB-Aßw], Gräwelche [ KU-Hachb RO-Ransw Falkst], Gräw(e)l [ KB-Mörsf FR-Beindh]; Gräwe ziehe [LA-Wollmh, verbr.]; de G. zustoppe, um Wasser zu stauen [ PS-Bruchw]; de G. zubaue, dass. [ HB-Medh]; vgl. PfWB Ausläufer 3, PfWB Dole 1 b, Kümpling, PfWB Riefe, PfWB Rinne, PfWB Zeisel. Zs.: Abfluß-, PfWB Ablaß-, PfWB Ablauf-, PfWB Abzugs-, Auslaufs-, PfWB Bewässerungs-, Trükkel-, PfWB Entwässerungs-, PfWB Fang-, PfWB Faul-, PfWB Fehl-, PfWB Floz-, PfWB Flut-, PfWB Haupt-, PfWB Kopf-, Kumpel-, PfWB Mittel-, PfWB Moder-, PfWB Riesel-, Rus-, PfWB Schlitz-, PfWB Sicker-, PfWB Stech-, PfWB Sülz-, PfWB Wasser-, PfWB Wässerungs-, PfWB Wat-, PfWB Wiesen-, PfWB Zwerchgraben. — β. 'mit Steinen ausgelegter Abzugsgraben', Grawe [ WD-Niedkch LA-Altd], Gräwel [ BZ-Wind]. — c. α. 'Furche, die beim Bohnenlegen mit der Hand gezogen wird', gew. Dim.: Gräwelche [verbr. WPf NPf nördl. VPf], Gräbelche [KU-O'staufb KB-Mörsf Eisbg FR-Battbg], Gräbche [verbr. SWPf], Gräw(e)l [mittl. u. südl. VPf], Grawel [ SP-Mechth GH-Neubg], Grabel [ FR-Lambsh NW-Hardbg Gimmdg SP-Berghs W'see GH-Jockgr]; e Gräwel ziehe [NW-Ungst, verbr.]. — β. 'G. für die Setzreben'; Gräwel absteche (aushewe) [NW-Kallstdt, verbr. VPf]. Zs.: PfWB Stichgraben. — d. 'G. zum Eindämmen eines Waldbrandes' [verbr.]. Zs. PfWB Waldgraben. — e. 'Grenzgraben zwischen Wiesen' [ KU-Bedb]. Zs.: PfWB Beunde-, PfWB Grenz-, Scheidgraben. — f. 'Jauchenrinne im Stall', Gräbl [ BZ-Hermbghf]. Zs.: PfWB Mist-, PfWB Seichgraben. — g. 'Erdvertiefung, nach der mit dem Klicker geworfen wird', Gräwl [ LA-Edk]. Syn. s. PfWB Kaute. — h. 'Dorfgrenze' im SprW. der nach Pommern ausgewanderten Pfälzer: Kimmscht du iwwer de G., kimmscht du in en anner Land [Kirchenhistorischer Bemerker Nr. 18 (Beilage zu Benkerts Religionsfreund 1832, H. 2)]. — i. 'militärischer Schutzgraben'; im vodderschde G. [Kaislt]. Zs.: PfWB Lauf-, Schützengraben. Die Gräben bei FR-Lambsh aus dem Krieg von 1471 s. im Reim bei Bauer1 1 (I 617, Z. 56). — j. FlN: Steinborner G. [ FR-Bockh]. a. 1606: ackher am Randecker graben [Landsbg-Zb., Bl. 76 b]. a. 1487: Garten an den Greben (in LA-Altd) [NUrkKG]. Zs.: PfWB Bruch-, PfWB Brühl-, PfWB Buben-, PfWB Burg-, PfWB Dachs-, PfWB Dorf-, PfWB Enten-, PfWB Esels-, PfWB Katzen-, PfWB Lach-, PfWB Land-, Lang-, [Bd. 3, Sp. 401] PfWB Mühl-, Schind-, PfWB Schloß-, PfWB Stadt-, PfWB Wolfsgraben. — k. s. PfWB Teuchel-, PfWB Dränierungsgraben. — II. 1. 'Einschnitt im Holz, Kerbe', Gräwelche [ KU-Etschbg ZW-Marthh], Gräwel [ PS-Münchw Winz LA-Mart Roschb], Gräbel [ PS-Leim BZ-V'weidth], Grawe [ KU-Breitb]. — 2. a. 'Gesichtsfalte'; Gräwe im Gesicht (in de Stern) [ RO-Rehborn ZW-Gr'bundb]. — b. 'Grübchen im Kinn'. Er hot en Gräwel am Bart [ LU-Alsh]. — c. Pl. 'Risse in der Haut'; Grawe in de Finger [ RO-Als]; Gräwe in de Hänn [ KU-Adb Herschw/Petth KB-Kriegsf]; vgl. PfWB Schrunde. Er hot ganze Gräwe in de Hänn [LU-Limbghf, verbr.]. Volksmed.: Gräwe en de Hänn gießt mer met Bech aus [ WD-Niedkch]. — d. 'Haarscheitel', Gräwel [ LA-Venn]. — Südhess. II 1432/33; RhWB Rhein. II 1331/32; LothWB Lothr. 214; ElsWB Els. I 266; Bad. II 455/56. 1. 'Uferhang', Grabebord [ NW-Haßl Spey]. — 2. 'Grenzrand zwischen zwei Äckern', Grawebord [ LU-Iggh]. — Zum Grundw. s. PfWB Bord. — -geld n.: 'Abgabe für die Instandhaltung des Stadtgrabens'. a. 1553: ein schilling pfenning, nennet man das grabengeld, gehet zu und ab, darnach die häuser besetzt sein [ABlieskst 60]. DWB DWb. IV/1, 5, Sp. 1591. — -grundel f.: 1. 'Kaulquappe', Grawegrunnele (Pl.) [Wilde 46]; vgl. PfWB Grundel 1 c. — 2. 'Ehrenpreis (Veronica beccabunga)', Grawegrunnel [Wilde 46]; vgl. PfWB Bachbummel 1. Uzname für die Bewohner von LU-Edigh: Edegumer Grawegrunnele. — -macher m.: 'wer Gräben gräbt und ausbessert', vgl. PfWB Friese, PfWB Grabenputzer. a. 1550: 1 Sh. 2 Pfg. hen wir geben den grebenmachern als man die greben gemeßen hen [Wenz 293]. Südhess. II 1434 and. Bed.; Schwäb. III 780. — -männchens n.: 'ein Fangspiel, bei dem der Fänger im Straßengraben steht und die über ihn springenden Mitspieler fangen soll', Grawemännches [ Don-Bulkes Torscha Werb]. Beim Überspringen wird gerufen: Grawemännche, husch, husch! Wer gefangen wird, übernimmt die Rolle des Fängers. — -putzer, -schisserm.: Schimpfnamen, Grawebutzer [ KU-Schmittw/O], -schisser [ LA-Leinsw]. ElsWB Els. II 131.
| ||
| © 2002—2010 by Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier Home | Impressum | Kontakt | ![]() | ||