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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Gnuster-grete bis Gockel-chens (Bd. 3, Sp. 367 bis 370)
 

[Bd. 3, Sp. 367]
   Gnuster-grete f.: 'unordentliche Frau', Gnuschdergret [ KU-Eschau]; vgl. PfWB Gnusterer.
 
  
gnusterig Adj.: 'schmutzig, mit Gnuster 1 bedeckt', gnoschderich [ RO-Odh KL-Alsbn Gal-Obl], gnorschdich [ Don-Lenauh]; vgl. PfWB gnasterig, PfWB gnustig. Der Anzug is g. [ KL-Alsbn]. Des Kind is ganz g. [ Gal-Obl]. Rhein. IV 1072 Z. 1/2.
 
  
Gnuster-kopf m.: 'Drecksack', Schimpfw., Gnoschderkopp [ RO-Als]; vgl. Gneist-, PfWB Gnustkopf. RhWB Rhein. IV 1077/78 and. Bed. — -sack m.: dass., Gnoschdersack [verbr.], Gnuschder- [ KU-Obw/T Körbn]. Auch als scherzh. gemeintes Schimpfw. gegenüber Kindern: Du klääner G.! [ KU-Körbn]; vgl. PfWB Gnastersack 1. Vgl. RhWB Rhein. IV 1071 Knuschtsack.

[Bd. 3, Sp. 368]
-schürze f.: 'Schürze für Schmutzarbeiten', Gnoschderschärz [ KU-Reichsth].
 
  
gnustig Adj.: 'schmutzig', gnuschdich [ KU-A'glan]; vgl. PfWB gnaustig, PfWB gneistig, PfWB Gnust. RhWB Rhein. IV 1072.
 
 
Gnust-igel m.: 'schmutziges Mädchen', Gnuschtigel [ Don-Heuf]; vgl. PfWB Gnustergrete. — -kopf m.: 'mit Gnust bedeckter Kopf', -kopp [ PS-Gersb]; vgl. PfWB Gneistkopf.
 
 
Gobel 'Halbnarr', gobeln, Goben s. PfWB Gopel, PfWB gopeln, PfWB Gopen.
 
  
Gockel, Göckel, Gokel, Gökelm.:
1.
a. 'Haushahn', Gock(e)l (gogəl, gogl) und Gog(e)l (gōgəl, gōgl) [zur Verbr. s. K. 162, verbr. Gal], Geck(e)l (geg-) [ KU-Theisbgstg WD-Ostbr RO-Gonb

[Bd. 3, Sp. 369]
NW-Freinsh GH-Hatzbühl], Gegel (gēg-) [ PS-Geisbg]; die Form mit kurzem Stammvokal ist mancherorts der jüngeren Gener., die mit langem Vokal der älteren Gener. eigen, vgl. Otterstetter 176; die F. von Pl. u. Dim. s. unten 2cα. Zs. Hahn(en)gockel. Syn. s. PfWB Hahn. Man ruft den Hahn: Kamm, G., kamm! [ NW-Ellstdt]. Vergl. u. RA.: Er kummt doher wie e G. im Salat, wer beim Gehen die Füße zu stark anhebt [ ZW-Bechhf KB-Kerzh]. Der Eingebildete stellt de Kopp wie e G. [ NW-Kallstdt]. Er steigt doher wie e G., wer viel auf schöne Kleidung hält [ NW-Neidfs]. Das laaft wie e G., von einem Mädchen mit geziertem Gang [ PS-Vinn]. Er guckt wie e G., wann's blitzt, wer ein erschrecktes Gesicht zeigt [Kaislt]. Er is rot wie e G., wer im Zorn rot wird [ ZW-Gr'bundb GH-Zeisk]. Er hot Ware (Waden) wie e G., von dünnen Beinen [NPf]. Er hot e Bruscht wie G., von einer schmalen Brust [NPf]. Sie sin Geschwischderhinkel mit'm G. uf de Meschtkaut, Bezeichnung für weitläufige Verwandtschaft [KB-Albish, verbr. NPf]. Dann stecke se ufs Dach vum Haus de rote G. owenaus [Münch Weltgesch. 133]. SprW.: Zwää Geckel uf eem Mischthaufe dun selte gut [Sunndag Nr. 18/1956, S. 3]. WR. (scherzh.): Kräht de G. uf de Mischt, gibt's anner Werrer, orrer 's bleibt, wie's is [ KB-Kriegsf Albish]. Wenn Kinder, bes. Mädchen niesen, sagt man: Helf dir Gott ins Hinkelhaus, kummsche aa zum G. [Kaislt]. VR.: G., Hinkel, Hahn, die Kerch geht an [ ZW-Bechhf]. Heio, popeio, schlag 's Gockelche dot; 's legt mir kee Eier un frißt mir mein Brot [ KU-Altkch]; Var. s. PfWB popeia. Troß, troß, troß, de G. hockt im Schloß, frißt'm Bauer sein Korn, kriegt de Bauer en Zorn, nimmt de Bauer en dicke Stään un schmeißt 'm G. newer's Bään, kreischt de G. »Kikeriki, äks, du hoscht mich doch net kriet« [LU-Alsh, verbr. VPf]; Var. s. PfWB Bauer1. Einen AR. s. PfWB eins 1. —
b. 'Truthahn' s. PfWB Welschgockel. —
2.
a. persönl.
α. 'eingebildeter, hochmütiger Mensch', vgl. PfWB Sparrengockel. Das is e rechter G. [Neustdt, verbr.]; e engebildter G. [KB-Bischh, verbr.]. So manch Dorf hat sein G. 'putzsüchtige weibliche Person' [ KU-Bedb, ZW-Gr'bundb]. —
β. 'wer sich ausgelassen, wenn nicht gar verrückt gebärdet'; e närrischer G. [ZW-Battw, verbr.]; e närrischder G. [ NW-Ellstdt]; vgl. PfWB Gockeldings. —
γ. 'weibstoller Mann' [ FR-Quirnh]. Syn. s. Schürzenjäger. —
δ. 'wer leicht in Zorn gerät' [ PS-Münchw]. Zwää Geckel hän Streit minanner [Frankth]. Zs. PfWB Streitgockel. —
ε. Schimpfw.: Du schäler G.! [SOPf]. Du tappicher G.! [ ZW-Battw]. Ehr Geckelcher! [ LA-Venn]. Zs. PfWB Rindsgockel. —
b. 'altes, zum Ausschlagen neigendes Pferd', Googel [ KU-Rothsbg], Gockel [Heeger Tiere I 13]. —
c.
α. 'Tannen- oder Fichtenzapfen', meist im Pl., Gock(e)le [NPf

[Bd. 3, Sp. 370]
nördl. VPf KU-Miesau BZ-Gossw Eußth Wilde 124], Geckel [KB-Zell (Wilde 59)], Goog(e)le [KU-Gries Schönbg Steinb HB-Kirrbg KL-Gimsb Kaislt KB-Kriegsf NW-Hardbg Weidth Wilde 124], Gockelcher [ KU-Dittw KL-Neukch Mehlb KB-Orb Gauh], Googelcher [ KU-Nanzw Dietschw Quirnb Kübbg W'mohr Dunzw ZW-Lambsbn Bechhf KL-Vogb RO-Ebbg]. Zs. PfWB Tannen-, PfWB Fichten-, PfWB Hahnengockel. —
β. 'Kiefernzapfen', meist im Pl., Gogle [ FR-N'lein NW-Erph BZ-Dernb], Gockelcher [Kirchhbol]. Syn. s. PfWB Butzel1 4. —
d. 'der wertvollste Klicker', Gockel [ FR-Flomh]; vgl. PfWB Gockelchens. Syn. s. PfWB Schießklicker. —
e. 'Schlittschuhschlüssel', Gookelche [ KU-Breitb]. —
f. 'die haubenartige, gegen die Stirn gestellte Haarfrisur bei Frauen', Gockel [ NW-Lambr Neidfels]; vgl. PfWB Kobel. —
g. 'Turmhahn' in PfWB Turm-, PfWB Kirchengockel. — Südhess. II 1406/07; RhWB Rhein. II 1292/93; LothWB Lothr. 210; ElsWB Els. I 206; Bad. II 441.
 
  
Gockel-chens, -chersn.: ein Klickerspiel, Gokkelches [ NW-Erph], Gockelchers [Frankth]; vgl. PfWB Gockel 2 d. Spielverlauf in NW-Erph: Auf einem Strich werden Klicker hintereinander gesetzt; der erste Klicker ist der Gockel. Aus einer Entfernung versuchen die Spieler, mit ihren Schießklickern den Gockel zu treffen. Wem das gelingt, der hat die ganze Reihe gewonnen. Spielverlauf in Frankth: Man versucht, den Gockel zu treffen, indem man seinen Klicker von oben herabfallen läßt.