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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Ge-reite bis Gereiter-tag (Bd. 3, Sp. 220 bis 222)
 
Ge-reite, f.
Ge-reite
Gereite-bauer, m.
Gereite-eisen, n.
Gereite-holz, n.
ge-reiteln, schw.
ge-reiten, schw.
Ge-reiter, m.
Gereiter-genosse, m.
Gereiter-ordnung, f.
Gereiter-tag, m.
Gereite-stange, f.
Gereite-stein, m.
Gereite-stuhl, m.
Gereite-weg, m.
Gereitschaft, f.
Ge-reitschaft, f.
Ge-rempel
Ge-rems
Geren
Geret, m.
Geret(s)-acker, m.
Geret(s)-hals, m.
ge-reuen
Ge-reute, n.
Gereute-graben, m.
Gergert
Ger-hard, m.
Gerhards-brunn, ON
Gerhards-brunnen, m.
Gerhards-delle, f.
Gerhards-hecke, f.
Ge-richt, n.
ge-richtlich, Adj.
Gerichts-äcker, Pl.
Gerichts-bezirk, m.
Gerichts-buch, n.
Gerichts-diener, m.
Gerichts-freund, m.
Gerichts-frevel, m.
Gerichts-geschworener, m.
Gerichts-händel, Pl.
-handlungen, Pl.
Gerichts-haus, n.
Gerichts-herr, m.
Gerichts-kiste, f.
Gerichts-kosten, Pl.
Gerichts-leute, Pl.
Gerichts-mann, m.
Gerichts-meister, m.
Gerichts-ordnung, f.
Gerichts-person, f.
Gerichts-schöffe, m.
Gerichts-schreiber, m.
Gerichts-schultheiß, m.
Gerichts-stab, m.
Gerichts-stein, m.
Gerichts-tag, m.
Gerichts-termin, m.
Gerichts-verhandlung, f.
Gerichts-verwandter, m.
Gerichts-vollzieher, m.
Gerichts-zwang, m.
Ge-rick, n.
ge-rieben, adj.
Ge-riet
Ge-ritt
ge-riewig
ge-rillt, Adj.
ge-ring, Adj.
Ge-ring
Ge-ringigkeit, f.
gerings-herum, Adv.
ge-rinnen, st.
Ge-rinnsel, n.
Ge-rippe, n.
ge-rippt, Adj.
Ge-ris, n.
Ge-rispel, n.
Ge-riß, n.
ge-rissen, adj.
Ge-ritt
ge-riwig
Gerker(t)
Gerks
gerksen
Germania, f.
Germers-heim, ON
Germers-woog, m.
gern, Adv.
Gern(e)-groß, m.
Gern(e)-schaffer, m.
Ge-röhricht, n.
Ge-rolliers, n.
Gerols-heim, ON
ge-ronnen
ge-ronnig, Adj.
Ge-röse, n.
Geröse-fett, n.
Ge-rossel, n.
  Ge-reite1 f.: 'das einer vorderpfälzischen Dörfergruppe zustehende Nutzungsrecht an einem Waldgebiet', vgl. Christmann FlN 130, K. S. Bader, Dorfgemeinschaft u. Dorfgemeinde (Weimar 1962, S. 138); vgl. PfWB Ganerbe 1. Zs. PfWB Heimgereite. Von Straßburg im Elsaß bis in die Gegend von NW-Dürkh entstanden an den östlichen Ausläufern der Vogesen und der Haardt 19 solcher Gereiten, davon 16 auf heute pfälzischem Boden. Zu den pfälzischen Gereiten zählen die 3 Pfalzgereiten (Weißenburger Mundat, Bergzaberner G., Leinsweiler G.), die 5

[Bd. 3, Sp. 221]
Heimgereiten (Oberheimgereite und vier Mittelheimgereiten), die 6 Haardtgereiten (Hambacher G., Neustadter G., Königsbacher G., Deidesheimer G., Wachenheimer G., Dürkheimer G.) und schließlich die als Ganerben bekannten Ganerbschaften von Herxheim und Bobenheim; vgl. K. 34 im PfGA u. K. 21 mit Textheft 7 (S. 267/68) im Pfalzatlas von 1963, auch PfW 10/1968, S. 5. Nach der um 1820 erfolgten Aufteilung auf die einzelnen Dörfer gibt es die Gereiten in der alten Form nicht mehr; erhalten hat sich aber der Name als Bezeichnung für die verschiedenen Waldgebiete, und zwar in der Schreibweise Geraide, Haingeraide. In BZ-Dernb grenzt der einstige Eußerthaler Klosterwald an die Gräd; auf alten Grenzsteinen des 18. Jh. sieht man noch heute die Zeichen der einstigen Godramsteiner G. - 15. Jh.: ein bischoff zu Spier soll sin ein schirmer vber den walt vnd hat recht, mit eim wagen vsz dem slosz zu Kirwiler brennholtz in demselben walde zu holen, vnd was der gereyden verbotten ist, das ist ime auch verbotten [PfWeist. I 336 (LA-Edk)]. 16. Jh.: Das vieh zu Gleißweiler wurdt den nechsten vom dorff vff die gereiden getrieben, soweit man dieselben erraichen khan, gleich andern gereidengenossen [ebd. II 668 (LA-Gleisw)]. a. 1609: buschmeister über den wald vnd gereide des Qverenbergs [ebd. I 102 (Bergz)]. — In der Bed. 'Bodenfläche, Bezirk, Raum' erscheint das Wort auch in den Zs. PfWB Baumgereite, PfWB Hofreite. — Das Grundw. gehört wohl zu mhd. gereiten 'zurechtmachen'; vgl. DWB DWb IV/1,2, Sp. 3626.
 
 
Ge-reite2 in den Zs. PfWB Gereiteeisen, -holz, stange.
 
 
Gereite-bauer m.: 'Bewohner eines Gereitedorfes', vgl. PfWB Gereiter, Geraidebauer [PfW. 1905, S. 85].
 
  
Gereite-eisen n.: 'eiserne Verbindungsstange zwischen den Leitern des Erntewagens', Gräheise (graisə) [ KU-Godhs], Gereereeise (gərrəaisə) [ KL-Weilb]; vgl. PfWB Gereiteholz 1 a. — Der erste Wortteil zu mhd. gereiten 'bereiten, zurechtmachen, rüsten', vgl. auch PfWB Gerüte 2. — -holz n.:
1.
a. 'Verbindungsstange am Leiterwagen (hinten und vorn)', Geräreholz, Pl. -helzer [verbr. westl. WPf], Gerätholz [ KL-Miesb Nd'mohr Hütschhs], Gerärer- [ KU-Föckbg], Gräde- [ KU-Mühlb Jettb Rothsbg KL-Schwedb], Gräre- [verbr. mittl. WPf], Gräle- [ KU-Rathsw], Grät- (grd-) [mancherorts mittl. WPf], Gräh-, Greh- [verbr. westl. WPf (ohne SW)], Grähhulz [ KU-Albess WD-Niedkch]; 's vedderscht, 's hinnerscht, 's ewwerscht ('s owwere), 's unnerscht ('s unnere), 's große (lange), 's klääne (korze) G. [verbr. WPf]; vgl. PfWB Gereiteeisen. Syn. s. PfWB Spannholz. —
b. dass. auf das obere hintere G. beschränkt, Gerätholz [ KL-Hütschhs], Geräre- [ KU-Roßb], Grät- [KU-Schrollb Kus], Gräh- [mancherorts WPf]. —
2.
a.

[Bd. 3, Sp. 222]
'Krummholz, an dem das geschlachtete Schwein aufgehängt wird', Gräreholz [ KL-Mackb]; vgl. PfWB Hächsenholz. —
b. 'Verbindungsholz zwischen den Balken der Egge', Grätholz [ KU-Brück].
 
 
ge-reiteln schw.: 'quälen, beunruhigen', gereidle [ Don-Tscherwk].
 
  
ge-reiten schw.: 'begatten', vom Hahn, gerääde (gərdə) [ NW-Duttw]; vgl. PfWB reiten, PfWB begatten. — Zu mhd. reiten in reitvihe 'Zuchtvieh'.
 
 
Ge-reiter m.: 'wer einer Gereite angehört', vgl. PfWB Gereitebauer, PfWB Gereitergenosse. a. 1421: vor allen geräidern (ist) abzuleßen daß folgende instrumentum [PfWeist. I 98 (Bergz)]. a. 1609: daß zu eckerzeit keinem gereider daß laub heimzuführen oder zu tragen gestattet werde [ebd. I 104]. a. 1635: neu ahngenomne greyder (sollen den) Geräyder eyd (ablegen) [ebd. I 106].
 
 
Gereiter-genosse m.: = PfWB Gereiter. a. 1570: geräidensgenoßen auß den dörffern Pfleißw(eiler), Horbach, Drußweiler, Capellen vnd Obernhoffen [PfWeist. I 100 (Bergz)]. a. 1609: andre geräidergenoßen auß den dörffern [ebd. I 101]. — -ordnung f.: 'die für eine Gereite gültige Waldordnung'. a. 1421: Geräiderordnung der statt Bergzabern und übriger mitgeräidschafft [ebd. I 98]. — -tag m.: 'alljährlich abgehaltener Gerichtstag, an dem über die Belange der Gereite verhandelt wird'. a. 1421: geräidertag, welcher jährl(ichen) auff Allerseelentag ... zu halten ist [ebd. I 98].