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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Geist bis geiten (Bd. 3, Sp. 149 bis 151)
 
   Geist m.:
1. 'abgeschiedene Seele, Spukwesen, Gespenst', Gääscht (gd) [verbr. WPf VPf Gal-Unterwald], Gaascht [verbr. NPf Gal-Hohenb Josbg], Geescht (-ē-) [mancherorts WPf Gal-Dornf u. Umg.], Geischt (gaid) [mancherorts];

[Bd. 3, Sp. 150]
Pl. -er. Zs.: PfWB Advents-, PfWB Katzen-, PfWB Klopf-, PfWB Molter-, PfWB Waldgeist. Er hot en G. gsehne [ LA-Gommh]. Sein G. geht erum [ LU-Opp]. Kinder schreckt man am Abend: De G. kummt [ LA-Bornh]; die Gääschder sin drauß [ BZ-Steinf]. Die Geischder sin im Stroh, wenn es im Stroh raschelt [ HB-Jägerth]. Mein gurer G. hat mich sellmols bewacht [ PS-Erfw]. Alle gure Gääschter lowen Gott, de Herr! [JKurpf. 1934 S. 88]. Volksgl.: Wer nach der Betglocke auf den Friedhof geht, wird von den Geistern zu Boden geworfen [ HB-Bexb]. Vgl. auch Becker Vk. 126. —
2.
a. 'der erkennende Verstand'. Des hot'n im Gaascht beschäftigt [Kühn Schnitze II 132]. Im Geischt kann er bei uns sein [Zahn Pläsier 138]. Er sterbt emol glicklich, er braucht kän G. ufgewwe [ PS-Saalstdt Kaislt]. —
b. 'Wesensart'.
α. 'Mut'. Er hot kän G. mehr [ SP-Heiligst]. —
β. 'Hochmut, Dünkel' [ SP-Dudhf GH-Max'au Gal-Reichb]. Syn. s. PfWB Hochmut. —
γ. 'moralische Haltung', umgspr.; e Mann mit G. [Schandein Ged. 199]; e hocher G. [Beam Penns 41]. Zs. PfWB Schaffgeist. RA.: Do herrscht kän guder G. [ LU-Opp]. —
3. 'Mensch im Hinblick auf seine Wesensart'; e unruhicher G., bes. von einem Kind [Kaislt KU-Kaulb LU-Opp]. Zs. PfWB Plag-, PfWB Flatter-, PfWB Quälgeist. —
4. der heilich Geischt 'der Geist Gottes' [verbr.]. RA. (in Anlehnung an ein Kirchenlied, die Dummheit eines Menschen bezeichnend): O heilicher G., kehr bei uns ein [ LU-Oggh]. —
5. 'Alkohol und andere Essenzen' s. PfWB Ameisen-, Hirschhorn-, Karmeliter-, PfWB Salmiak-, PfWB Weingeist. — Südhess. II 1202; RhWB Rhein. II 1163/64; Saarbr. 76; LothWB Lothr. 184; Bad. II 343/44.
 
 
Geistel s. PfWB Geißel 1 a.
 
  
geisterlich Adj.: 'furchterregend', gääschderlich (gdərliχ) [ NW-Haßl Spey]; vgl. PfWB freisterlich 1 a. Südhess. II 1203.
 
  
geistern schw.:
1. 'spuken', gääschdere (gdərə) [ BZ-Dörrb], geeschtre [ Don-Großjetscha]. —
2. 'quälen, peinigen', geischdere [mancherorts VPf Schandein Sprachsch. 74]; vgl. PfWB vergeistern. Syn. s. PfWB quälen. — Südhess. II 1203/04; RhWB Rhein. II 1165; Bad. II 344.
 
  
Geister-stunde f.: 'die Stunde nach Mitternacht', Geischderstunn [ HB-Jägbg RO-Odh]. Um die Geeschterstunn do is er uf un is devun [Münch Weltgesch. 77]. Südhess. II 1204; RhWB Rhein. II 1165; Bad. II 344.
 
  
geistes-abwesend Adj.: 'verrückt'. Er is geischdesabwesend [ KL-Enkb]. — -gestört Adj.: dass., gääschdesgesteert [ WD-Niedkch]. — -krank Adj.: dass., geischdeskrank [ BZ-Dernb].
 
  
geistlich Adj.: 'kirchlich'; in de geischtliche Stand treede, umgspr. [ LU-Oggh, NW-Frankeck LA-Wollmh]; e geischtlicher Herr 'Pfarrer' [ LU-Opp], vgl. PfWB Geistlicher. Anrede, Titel des

[Bd. 3, Sp. 151]
Pfarrers: Geistlicher Herr [ Don-Schowe Torscha]. Bei der Primiz trat früher eine geistliche Braut auf, s. PfWB Braut 2 a. a. 1485: dweill das geistlich schwertt auff diß zeit nit schneide, so weisenn sie den vorgenannten junckher Jorgen vor einen gerichtsherren [PfWeist. II 653 (KU-Glanmünchw)]. Südhess. II 1204; RhWB Rhein. II 1165; LothWB Lothr. 184; Bad. II 344.
 
  
Geistlicher m.: 'Pfarrer', der Gääschtlich [verbr. VPf Schandein Ged. 133], Geeschtlich [verbr. Gal]; e Geischtlicher [ LU-Opp Oggh NW-Frankeck LA-Gommh GH-Kand BZ-Stein PS-Erfw]. Südhess. II 1204 Z. 24; Rhein. II 1165 Z. 36; ElsWB Els. I 241; Bad. II 344 Z. 7.
 
 
geiten schw.: 'jäten', vgl. PfWB femeln. a. 1600: Fünff weibern ... habenn 4 Tag helffen Flax geittenn [WerschwSchR].