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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Jungfer bis Jungfer(n)-stein (Bd. 3, Sp. 1383 bis 1384)
 
   Jungfer f.:
1. 'unverheiratete Frau'.
a. 'junges Mädchen', Jungfer [Beam Penns 112]; sonst nur in festen Prägungen und in der Zs. PfWB Brautjungfer; vgl. PfWB Jungfrau 1 a. RA.: Einfältige und Gutgläubige läßt man die Jungfer uf der Wegelnburg erleese [ PS-Nothw Bundth]; vgl. PfWB Elbentrütsch 1 a. Das war domols, wie der Kaiser noch Gefreiter war un Maria Theresia e J., was vor alter Zeit geschah [ Gal-Bagbg]. VR.: Hel auf der Wiese, Pumbs därf m'r schieße; sieben Jahr gesponne, acht Jahr gewonne, neun Jahr rumdidumdreht sich Junfer N. erum! [Schandein Bav. IV/2, 331]; eine Var. s. PfWB Hel. Einen Orakelspruch s. PfWB fein 4. Reite, reite, Roß, dort drowe steht e Schloß; do gucke drei Jungfere raus. Die eene wickelt Weide, die anner spinnt Seide, die anner wickelt Hawwerstrohkleeni Krott, was duschde do? [ RO-Obd]; Var. s. PfWB reiten. Um die Mitte des 19. Jh. gab es auf dem Betzenberg bei Kaislt eine dreigeteilte Kiefer, die drei Jungfern genannt [Zink 47]. —
b. 'ältere Junggesellin'; e aldi Jungfer, e alt J. [verbr.]; e aldi Jumfer [ ZW-Battw], Jongfer [ WD-Niedkch HB-Kirrbg]. E aldi J. gelt (gilt) nor halb [ BZ-Dernb]. RA.: (Junfere kommen) uf die Kiwitzewääd, wo die Gäns Hoorbeidel traan un die Ende Baricke (Perücken) [Schandein Bav. IV/2, 365]. —
2.
a. Jungfer Katherin 'Menstruation' [Liselotte Briefe 43]. —
b. s. PfWB Wasserjungfer. —
c. in Pflanzennamen.
α. Jungfer im Grin 'Schwarzkümmel (Nigella damascena)' [Wilde 225]; vgl.

[Bd. 3, Sp. 1384]
PfWB Grete 2 b. —
β. Nackige Jungfer 'Herbstzeitlose' [Wilde 102]. Syn. s. PfWB Nacktarsch. — Südhess. III 1011; RhWB Rhein. III 1247 ff.; ElsWB Els. I 176; Bad. III 39/40.
 
 
jungferlich Adj.: 'nach der Art einer Jungfer 1 b', junferlich [Schandein Sprachsch. 24]. RhWB Rhein. III 1252 jungferig.
 
  
Jungfer(n)-bruch n.: FlN für eine sumpfige Wiese, Jungferebruch [ KU-Albess]. Der Sage nach soll dort eine Jungfrau ertrunken sein; vgl. PfWB Jungfernwiese. — -brunnen m.: FlN in KU-Albess, -brunne. -herz n.: 'die Blume Dicenta spect.', Jungferherz [ KL-Ramst KB-Zell LA-Offb]. Syn. s. PfWB Herzblume. RhWB Rhein. III 1251; Bad. III 40. — -kranz m.: = PfWB Brautkranz, -kranz [ FR-Albsh]. Der J. ist ein Myrthenkranz [ LA-Gommh]. Der J. wird vom Bräutigam bezahlt [ PS-Erfw]. Südhess. III 1012; RhWB Rhein. III 1251. — -leder n.: 'gummiartige Zuckerpaste gegen Heiserkeit (Pasta Althaeae)', Jungfernleder [Pauli Heilm. 8]. RhWB Rhein. III 1251; Bad. III 40. — -schwarm m.: 'Ablegerschwarm von einem Bienenschwarm des gleichen Jahres', Jungferschwarm [mancherorts]. E. J. bedeit Glick [ KU-Krottb]. Südhess. III 1012. — -seelchen n.: 'eine Unverheiratete', -seelche [ KB-Kriegsf]. — -sprung m.: Name dreier Bergabhänge, von denen der bekannteste und steilste in PS-Dahn zu sehen ist; weniger bekannt und weniger steil sind die J. bei FR-Battbg und bei KL-Lind. Alle drei Abhänge weisen Quellen auf, die nach Christmann FlN 78-82 zur Entstehung der FlN geführt haben; mhd. sprinc, sprunc hat die Nebenbedeutung 'Quelle'. Im ersten Wortteil verbirgt sich eine heidnische Quellgottheit, ein weiblicher Wassergeist, eine Elfe. Dem Volksgl. ging die urspr. Bed. verloren, und für den J. bei PS-Dahn entstand die Sage von dem waghalsigen Sprung einer verfolgten Jungfrau. — -stein m.: Name eines Grenzsteins im Walde bei Kaislt. Er erinnert an den Brauch des Waldumgangs, bei dem Jugendliche über die Grenzsteine gelegt und mit der Pritsche 5 c gehauen werden. Über dem J. werden nur Mädchen vom Pritschenmeister 1 gepritscht. —