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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Geiß bis Geißel-brunnen (Bd. 3, Sp. 137 bis 141)
 
Geiß, f.
Geiß-bart
geiß-bärtig
Geiß-beine
geiß-beinig, Adj.
Geiß-blatt
Geiß-blume
Geiß-bock
Geißbock-fest, n.
Geißbock-füße, Pl.
Geißbock-schneider, m.
Geißbock-versteigerung, f.
Geiß-delle
Geißel, f.
Geißel-brunnen, m.
Geißel-dreher, m.
Geißel-fleisch, n.
Geißel-gerte, f.
Geißel-halter, m.
Geißel-kappe, f.
geißeln, schw.
Geißel-riemen, m.
Geißel-scheide, f.
Geißel-schmicke, f.
Geißel-schnur, f.
Geißels-pfad, m.
Geißel-stecken, m.
Geißel-stiel, m.
Geißel-stock, m.
geißen, schw.
Geiß(en)-balg, m.
Geiß(en)-bart, m.
geißen-bärtig, Adj.
Geiß(en)-bauer, m.
Geiß(en)-beine, Pl.
Geiß(en)-berg, m.
Geiß(en)-bitsch, f.
Geiß(en)-blatt, n.
Geiß(en)-blume, f.
Geiß(en)-bock, m.
Geiß(en)-bohnen, Pl.
Geiß(en)-boxen, n.
Geiß(en)-braten, m.
Geiß(en)-brunnen, m.
Geiß(en)-bube, m.
Geiß(en)-butter, f.
Geiß(en)-delle, f.
Geiß(en)-donnerwetter, n.
Geiß(en)-eck, n.
Geiß(en)-euter, n.
Geiß(en)-fell, n.
Geiß(en)-fleisch, n.
Geiß(en)-fuß, m.
Geiß(en)-futter, n.
Geiß(en)-gesicht, n.
Geiß(en)-gichter(n), Pl.
Geiß(en)-gras, n.
Geiß(en)-haar, n.
geißen-haarig, Adj.
geißen-härig, Adj.
geißen-halsig, Adj.
Geiß(en)-hannes, m.
Geiß(en)-haut, f.
Geiß(en)-herde, f.
Geiß(en)-hirt, m.
Geißenhirten-spiel, n.
Geiß(en)-horn, n.
Geiß(en)-jagd, f.
Geiß(en)-jude, m.
Geiß(en)-käse, m.
Geiß(en)-kirsche, f.
Geiß(en)-klaue, f.
Geiß(en)-kleber, m.
Geiß(en)-knie, n.
Geiß(en)-knottel, f.
Geiß(en)-knuttel, f.
Geiß(en)-kopf, m.
Geiß(en)-kor, n.
Geiß(en)-kraut, n.
Geiß(en)-laub, n.
Geiß(en)-leder, n.
Geiß(en)-loch, n.
Geiß(en)-männchen, Pl.
Geiß(en)-maul, n.
Geiß(en)-metzger, m.
Geiß(en)-milch, f.
Geiß(en)-mispel, f.
Geiß(en)-mist, m.
Geiß(en)-mutter, f.
Geiß(en)-narr, m.
Geiß(en)-pappel, f.
Geiß(en)-pelz, m.
Geiß(en)-perücke, f.
Geiß(en)-pferch, m.
Geiß(en)-pritsche, f.
Geiß(en)-rahm, m.
Geiß(en)-ranzen, m.
Geiß(en)-rech, m.
Geiß(en)-reff, n.
Geiß(en)-rütsche, f.
   Geiß f.:
1.
a. 'weibliche Ziege', Gääß (gs), Geeß (gēs), Gaaß (gās, gs), Gäiß [zur Verbr. s. K. 152]; Pl. -e (-ə); Dim. -che (-χə, -jə) mit Pl. -cher/-jer [WPf (ohne Ost-PS) NPf (ohne Nordspitze) nördl. VPf], -el (-əl) mit Pl. -le (-lə) [Ost-PS mittl. u. südl. VPf, um Land mit Pl. -lich]; Sonderformen des Dim.: Gääßelche mit Pl. -cher [mancherorts ganze Pf], Gääßi mit Pl. Gääßicher [ RO-Als Bing], Gaaßi [ RO-Rehborn]. Der Rasse nach unterscheidet man: Saaner, Salzbur-

[Bd. 3, Sp. 138]

ger, Schweizer, Ulmer G.; nach besonderen Merkmalen: Bettel-, Bitschen-, Platt-, Horn-, Hörner-, Juden-, Kälber-, Mecker-, Schmalgeiß. Syn.: Abrahams-, PfWB Bergmannskuh, Hatte, PfWB Heppes, PfWB Kitz, PfWB Mecker, PfWB Meckes, PfWB Mick, Steinhauerskuh, PfWB Zicke, PfWB Zickmäh, PfWB Ziege. Ich muß noch d' Gääße melke [GH-Kand, verbr.]. Die Kinner fahren mit de G. uf die Wääd 'treiben die G. auf die Weide' [BZ-Billh, verbr.]. Die Gääß is im Schaare 'macht Schaden', hol se schnell raus! [ RO-Als]. An Michelsdag (29. Sept.) werd die Gääß zum Bock gefihrt, an Perersdag (22. Febr.) macht se 'wirft sie ihr Junges' [KL-Fischb, verbr.]. Gäiße sein Furrerverderwer, weil sie überall nur naschen und gleich weiterlaufen [ KU-Schmittw/O]. Vergleiche u. RA.: Die is so därr wie e G. [KB-Kriegsf, verbr.], dass. ironisch: so fett wie die G. am Knie [KL-Siegb, verbr.]. Der Hohlwangige hat Backe wie e G. [ KU-Kaulb]. Er kennt e G. zwische de Hörner kisse, dass. [KU-Ulm, verbr.]. Der Halsstarrige ist läädstellich 'hartnäckig' wie e G. [KL-Reichb, verbr.]. Du hoscht dich gemoschdert wie em Narr sei G., wer sich geschmacklos oder auffällig kleidet [KB-Bischh, verbr.]. Mach mol so schnell, wie e G. trippelt, Aufforderung zur Eile [BZ-Sarnst, verbr.], auch: wie e G. schwänzelt [ NW-Kallstdt]. Der Wehleidige verhält sich wie e lahm G. [Hebel 18]. Eine Dünnbeinige steht in weiten Stiefeln wie die G. im Melkeimer [Kaislt]. Der Glatzköpfige wird verspottet: Er hat so lang an der därr Gäiß gesoff un sich vore (vorn) die Hoor abgestuppt [ WD-Niedkch]. Vom Dummen heißt es: Er hat's inwendsich wie e G. 's Fett [KL-Reichb, verbr.]. Den Besserwisser weist man

[Bd. 3, Sp. 139]
zurecht: Er will e aldi G. brunze lerne [Zweibr]. Der Verrückte hat an'rer G. gesoff [ HB-Webh]. Belangloses macht die G. aa nit fett [ NW-Freinsh]. Der Anspruchslose hiet 'hütet' die G. for die Knuddele 'um den Geißenmist' [ RO-Feilbg]. Scherzh. Antwort auf die Frage nach dem Ergehen: Wie Millersch G. uf de Mischt [ ZW-Marthh]. Aufforderung zum Zahlen: Do die G. gebockt, do de Batze! [Kühn Palz 128, verbr.]. Scherzh. Prahlerei: Mer kennen's mache, mer han die G. verkääft [ KU-Bedb], dass. auch: Was e Hitz unner dem (viele) Veh! Gehschde erum, Gäiß! [ KU-Schmittw/O]. Der kriet noch kaan Pritsch vun meiner G. 'kriegt gar nichts' [ KU-Kaulb]. SprW.: Gure Gedanke un lahme Gääße kumme hinne nooh [Hebel 48]. Hot de Deiwel die G. geholt, kann er aach de Bock (auch: die Pritsch, de Strick) hole 'mag auch das Übrige verlorengehen' [RO-Als, verbr.]. Mit Gewalt hebt mer e G. (am Schwanz) rum 'mit äußerster Anstrengung gelingt alles' [LA-Mörzh, verbr.]. Wann mer die G. genumme hot 'übernommen hat', muß mer se aa hiede [Sunndag 18/1956, S. 3]. Alles, was recht isch, hot Gott lieb; un wer e G. stiehlt, isch kän Bocksdieb [ LA-Gommh]. BR.: 'me Wingert un 're G. isch's nie zu heeß [Zahn Pläsier 190]. Die Ortsneckerei Se Draase reire se uf de Gaaße s. PfWB taugen. VR. s. bei PfWB Amen, PfWB Bändel 1 b, PfWB Bein 1, PfWB Peter 2, PfWB Blatt 1 a, PfWB Bohnenblatt 1, PfWB Pritsche 1 a β, PfWB Brunnen 2, PfWB verrecken 1, PfWB Vieh 1 b, PfWB Roß. Brauchtum: Heiratet die jüngere Schwester vor der älteren, dann muß die Ältere der Jüngeren e Gäiß käife [KU-Schmittw/O IB-Alschb Schandein Bav. IV/2, 366]. Bis etwa 1914 galt in KL-Schneckhs der Kirchweihbrauch die G. erausdanze; vgl. PfWB austanzen. Am Kirbendienstag werd e G. geschlacht [IB-Eschring]. a. 1465-70: Item die geyß, die Im wald funden werden anders, dan vf der rechten strassen, steend eim waltfaut zu [SpeyHochst. Bl. 210]. a. 1590: dieweil wir auch befinden, daß am Sontag vnd inn der Wochen wann man predigt, geiß, genß vnd anderß in die Kirch lauffenn [ZweibrUrkb. 160]. —
b. s. PfWB Gelt-, PfWB Rehgeiß. —
2.
a. spött. 'große, magere weibliche Person', auch Schimpfw. [verbr.]. Syn. s. PfWB Gammel 1. Des isch e rechdi G. [LA-Gommh, verbr.], e langi, e därri G. [LU-Altr, verbr.]. Auch von weiblichen Personen mit anderen negativen Eigenschaften: e schnäkichi 'naschhafte' G. [ PS-Erfw]; e dummi G. [KU-Kaulb, verbr.]; e närrischi G., z. B. von einer Mannstollen [PS-Geisbg, verbr.]; e neidischi G. [ KB-Stett PS-Hermbg]; e gelt G. 'Frau, die keine Kinder bekommt' [ KU-Schmittw/O]; vgl. PfWB Gelt-, PfWB Haber-, Seidengeiß. —
b.
α. spött. vom Schneider [RO-Sippf]; vgl. PfWB Geißbockschneider, PfWB Schneidergeiß. —
β. Uzname für die Bewohner von PS-Geisbg, Gääße [ PS-Schmalbg Heltbg Hermbg]; vgl.

[Bd. 3, Sp. 140]
PfWB Geißbock 2c. —
γ. s. PfWB Angst-, PfWB Teufels-, PfWB Himmels-, PfWB Jammergeiß. —
c. 'abgetriebene, magere Stute' [ FR-Mörsch SP-Schiffstdt]; vgl. PfWB Geißbock 2 a. —
d. ein kleiner Fisch (ohne nähere Angabe) [ BZ-Dernb ]. —
3.
a. 'Spinnrad, an dem die Spule hinter dem Rad angeordnet ist, im Gegensatz zum Bock 4 f, an dem sie sich über dem Rad befindet' [(1900) KU-Herschw/ Petth KL-Fischb NW-Lach/Speyd LA-Mörzh]; vgl. Becker Vk. 68. —
b. 'aus dem Wipfel eines Tannenbäumchens gefertigter Teil des Spinnrades, von dem das Werg abgesponnen wird, im Gegensatz zum Rockenstab' [verbr. NWPf]. —
c. s. Pfluggeiß. —
d. 'Holzgerüst, auf dem der Pflug befördert wird' [ LU-Neuhf]; vgl. PfWB Pflugsschleife. —
e. 'Kutschersitz' [ NW-Wachh]; vgl. PfWB Bock 4 k. —
f. 'Leiterchen vorn am Heuwagen' [ KL-Ottb Erfb]. Zs. PfWB Mistgeiß. —
g. 'Gerüst, auf dem das geschlachtete Schwein liegt' [ NW-Frankeck]. —
h.
α. 'beim Geißwerfen verwendeter dreibeiniger Aststumpf' [ KU-Bedb Blaub]. —
β. 'Hebewinde mit drei oben zusammenlaufenden Beinen' [ BZ-Dierb]. —
i. 'die an den unteren Enden zusammengebundene Schürze der Graserin' [ FR-Flomh]. —
4.
a. 'ungerodeter Rest eines Kartoffelackers', Geeßche [ IB-Hass]. —
b. Gewannenname in RO-Sippf, Gaaß. Südhess. II 1189 ff.; RhWB Rhein. II 1145ff.; LothWB Lothr. 180 Gaiss; ElsWB Els. I 236; Bad. II 339.
 
 
Geiß-bart, geiß-bärtig, Geiß-beine s. PfWB Geißenbart, PfWB geißenbärtig, PfWB Geißenbeine.
 
  
geiß-beinig Adj.: 'dünn-, stelzenbeinig', gääßbäänich [ PS-Fehrb]. Guck d'r mol denne gaaßbooniche Gummerefärschder aan! [ Gal-Obl]. Südhess. II 1195 geißenbeinicht.
 
 
Geiß-blatt, -blume, -bock s. PfWB Geißenblatt, PfWB -blume, PfWB -bock.
 
 
Geißbock-fest n.: 'das in NW-Lambr alle 5 Jahre am Pfingstmontag stattfindende Fest, an dem der für die Geißbockversteigerung in NW-Deidh bestimmte Geißbock verabschiedet wird', Gääßbockfescht [Kölsch 57]. Die alljährliche Übergabe des Geißbocks erfolgt in NW-Deidh im Rahmen eines Heimatabends vor der Versteigerung; vgl. PfRh. 1974 S. 69. — -füße Pl.: So'n Deiwelskerl mit Gäsbocksfüß, der hot Kraft g'hat wie en Ries [Räder 76]. — -schneider m.: Spottname für den Schneider, Gääßbockschneider [ LA-Altd]; vgl. PfWB Geiß 2 b α. — -versteigerung f.: 'in NW-Deidh alljährlich am Pfingstdienstag stattfindende Versteigerung des von NW-Lambr gelieferten Geißbocks', Gääßbockversteicherung [mittl. VPf]. Der zu liefernde Bock ist die Gegenleistung der Lambrechter für das Weiderecht, das sie seit alters in gewissen Abteilungen des Deidesheimer Waldes genießen; der Bock muß gut gebeutelt und gut gehörnt sein. Vgl. Becker Vk. 322, PfRh. 1974 S. 69.

[Bd. 3, Sp. 141]

 
  Geiß-delle s. PfWB Geißendelle.
 
  
Geißel f.:
1.
a. 'Fuhrmannspeitsche', Gääsch(e)l (gəl, gl), Gääschd(e)l, Gäärsch(e)l, Geesch(e)l (-ē-), Gaasch(e)l (-ā-, --), Gaansch(e)l, Gaarsch(e)l, Gaaschd(e)l, Geischel (-ai-), Geichel (-aiχ-), Gäisch(e)l (-ęi-), Geißel (gaisəl, gāisəl), Gäißel (gęisəl), Gäischdl, zur Verbr. s. K. 31; vgl. PfWB Peitsche 1. Mancherorts, bes. VPf, versteht man (1930) unter G. die selbstgefertigte Peitsche, im Gegensatz zur gegekauften Beitsch. Das Wort G. wird mehr und mehr von Peitsche verdrängt; dies gilt auch für die Städte der Wpf, vgl. Otterstetter 182. Zs. PfWB Fahr-, Gäuls-, PfWB Kutscher-, PfWB Ochsen-, PfWB Rohr-, PfWB Schäsen-, PfWB Stahlgeißel. Teile der G. sind Geißelstecken, Riemen, Treibschnur. De Fuhrmann dut mit der Gääschel knalle [verbr. WPf NPf], mit de Gaarschel klappere [verbr. vorn. NPf, seltener WPf, vereinzelt VPf], mit de Gaarschdl kläppere [mancherorts Ost-PS südl. VPf], mit de Gääschdl gätschle [ NW-Hamb]. RA.: Sie hat die G. 'Die Ehefrau regiert in der Ehe' [ KU-O'alb]. Er hot die G. aus der Hand gebb 'hat sich zur Ruhe gesetzt' [ RO-Obd]. Ich meß d'r die G. an, Androhung von Peitschenhieben [Kühn Schnitze II 120]. SprW.: Hawwer is die bescht G. [ KU-Schmittw/O]. Net jeder is e Fuhrmann, wo e Gääschel schwingt [Hebel 45]. Wer die G. hot, der klappert [ KB-O'wies]. —
b. s. PfWB Buben-, PfWB Driller-, PfWB Gänsegeißel. —
c. 'Peitschenriemen' [ PS-Schmalbg]; vgl. PfWB Treibschnur. —
2. 'überaus große weibliche Person' [verbr. WPf NPf nördl. VPf NW-Elmst Spey]; dass. verstärkt: e langi G. [KU-Lauteck, verbr.]. Syn. s. PfWB Gammel 1. — Südhess. II 1193; RhWB Rhein. II 1161/62; Saarbr. 76; LothWB Lothr. 191 Geischel; ElsWB Els. I 241 Geistel; Bad. II 340/41.
 
 
Geißel-brunnen m.: FlN in LA-Nußd, Am Geißelbrunne, a. 1618: der gemein Geiselbornen. Zum G. führt die Geißelgass. Kleinen Kindern erzählt man, sie seien aus dem G. geholt worden. — Zu PfWB Geiß.