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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Hotzel-männchen bis hu (Bd. 3, Sp. 1201 bis 1203)
 
   Hotzel-männchen n.: 'Nachtgespenst, das sich dem Wanderer auf den Rücken setzt', Hotzelmännche [ KU-Herschw HB-Limb]; vgl. PfWB Drückemännchen 2, PfWB hotzeln 2. Südhess. III 876 Hutzelmann 1 b γ.
 
  
hotzeln schw.:
1.
a. trans. 'rütteln, durcheinanderschütteln', hotz(e)le (hodsələ, hodslə) [mancherorts WPf Kühn Hamet 114], hutzele [ WD-Niedkch]; Grumbeere (im Korb) h. [ KU-Herschw/Petth]; vgl. PfWB Gehotzelte. Zs.: PfWB ab-, PfWB verhotzeln. —
b. intrans. 'erschüttert werden, wackeln' [vereinzelt WPf]. Er lacht, daß er hotzelt 'daß ihm der Bauch wackelt' [ KU-Diedk Pirmas FR-Bockh]. Vum Hotzle (auf dem fahrenden Wagen) werd's'em besser [Müller Luscht un Lewe 105]. —
2.
a. 'schwer tragen, schleppen', hotzle [vereinzelt mittl. u. südl. VPf]. Zs.: PfWB bei-, PfWB her-, PfWB hinaufhotzeln. Do kammer (kann man) h., bis mer ferdich isch [ PS-Erfw]. Es isch e Lascht, an der mer hotzelt [Kunnrädel 91]. —
b. '(ein Kind) auf dem Rücken tragen', hotz(e)le [KU-Schmittw/O KL-Hirschhn KB-Kriegsf PS-Erfw verbr. VPf PfId. 67 Klein Prov. 205 Rußl-Rastatt], hutz(e)le [südl. VPf (PfL 6. 10. 1923) Buch-Altfratautz mancherorts Rußl]; vgl. PfWB hockeln 1, PfWB kotzeln. Zs. PfWB herumhotzeln. Ich häb dich lang genung gehotzelt [ BZ-Dernb]. Volksgl.: Der beim Hochzeitloch lauernde Schlapphut springt dem Wanderer in den Nacken und ruft: Hotzel mich! [Feierowend Nr. 30/1955, S. 2]. —
3. 'sich ernstlich an die Arbeit machen, hantieren', hotzele [Lambert Penns 84]. — Iterativ zu mhd. hotzen 'schnell laufen; schaukeln', vgl. Weigand I 895 u. DWB DWb. IV/2, 1846/47. — Südhess. III 751/52; RhWB Rhein. III 855; LothWB Lothr. 256; ElsWB Els. I 399; Bad. II 779.
 
 
hotzen-latz Adj.: 'irre'. Du bischt ganz hotzelatz [Kaislt].
 
 
Hotzen-plotzen Pl.: 'Fallobst' in der Scherzrede: Herr Parre, essen Se Hotzeplotze, die sein jo so waich wie Dreck! [ Gal-Schönth]. — Der zweite Wortteil zu PfWB plotzen 1 a, der erste vielleicht in Anlehnung an hotzeln 1 a gebildet.
 
 
Hotzgalee-welt f.: Ausruf des Staunens. Hotz-

[Bd. 3, Sp. 1202]
galleewelt nochemol, muß des Biewel g'scheit werre, wann's schun sou en helle Vadder hot! [Kunnrädel 105]; vgl. PfWB hotz, PfWB Himmelgalee.
 
  
howenzeln, howedelnschw.:
1.
a. 'hin und her schaukeln, schwingen', howenz(e)le (ˈhōwendsələ, -wendslə) [verbr. SWPf KL-Steinwd], horwenzle [ Buch-Illisch], howedeln [Schandein Bav. IV/2, 381]. Die Mutter howenzelt ihr Kind, indem sie es auf den Armen hin und her schwingt [ IB-Nd'würzb]. Ältere Kinder werden unter den Armen oder an Kopf und einem Bein ergriffen und geschaukelt [SWPf]. Beim Schwingen wird gerufen: ho wenzele! [ PS-H'mühlb]. —
b. 'auf den Knien schaukeln' [ ZW-Mauschb]. —
2. 'hänseln, verulken, zum Narren halten', howenzele [verbr. südl. WPf vereinzelt übrige Pfalz], huwenzele [ KU-Obw/Tiefb], owenzle [ BZ-Gleisz/Gleishb]. Ich loß mich net howenzle [ NW-Gimmdg]. Brauchtum (bis um 1900): Während des Flachs- und Hanfbrechens wurde der an der Brechkaut vorbeikommende junge Mann von den Mädchen an den Beinen und am Halse gepackt und so lange hin und her geschwungen, bis er sich durch ein Trinkgeld freikaufte [Wilde 89 PfId. 14 Schandein Bav. IV/2, 381 Becker Vk. 249]. Andere Arten des Howenzelns: Zwei Mädchen halten den Burschen fest, die dritte gibt ihm einen Kuß [ KU-Albess]. Vier Frauen halten den eingefangenen Burschen in die Höhe, ein Mädchen schlüpft unter ihm durch und küßt ihn [ WD-Niedkch]. Peinlich für den Eingefangenen wird es, wenn die garstigste Brechfrau zum Küssen bestimmt wird; dann hat es der Delinquent besonders eilig mit dem Freikaufen [Schandein Bav. IV/2, 381]. Un fahrt e Bauerebarsch zum Acker, un kummt'r an de Kaut (Brechkaute) vorbei, un es es gar e junger, schnacker: g'howenzelt werd'r aans, zwaa, drei! [Kühn Schnitze II 38]. —
3. 'sich auf dem Boden wälzen', howenzele, huwenzele [mancherorts], howlenzen [PfId. 14 (Blieskst)]. Die Kenn (Kinder) huwenzle uf de Wies [ WD-Bub]. Brauchtum: Bei Gemeindearbeiten (z. B. Laubscharren) hieß es in der Arbeitspause: Allee, jetzt werd mol gehowenzelt! Dabei faßte ein Bursche ein Mädchen und rollte mit ihm den Hang hinunter [ WD-Marth]. Eine andere Form: Einer oder eine wurde in ein Tuch eingebunden und den Hang hinuntergerollt [ KU-Herschw]. —
4. 'jemand den Hof machen'. Er dut das Märe howenzele [ KL-Reichb FR-A'lein], huwenzele [ PS-Geisbg]. Zs. PfWB herumhowenzeln. —
5. 'schikanieren und schlagen', howenzele [ ZW-Battw PS-Hermbg Gal-Neuhf]. —
6. 'jaulen'. Der Hund howenzelt schun de ganze Dag [ KU-Patb]. —
7. 'in komischer Art gehen', howenzele [ KU-Hohöll]; vgl. PfWB schwänzeln. —
8. 'gleichzeitig regnen und schneien'. Es owenzelt [ BZ-Albw]; vgl. PfWB gowetteln. — Das Wort dürfte aus hoch-wenden

[Bd. 3, Sp. 1203]
entstanden sein, vgl. PfId. 67 u. Stoll 207. Auch das Simplex wenzeln hat die Bed. 'wälzen'. — Südhess. III 752; RhWB Rhein. III 719 hochwandeln, IX 243 wandeln 1 a.
 
  
Howenzeln Pl.: 'Klöße aus geriebenen Kartoffeln'. Mer krien heit Howenzele mit Riewestielcher [ KU-Reipkch].
 
  
hsch Interj.: Scheuchruf für das Geflügel, hsch! [ BZ-Rinnth Stein SP-Mechth]; vgl. PfWB husch1 1. Südhess. III 752; RhWB Rhein. III 856.
 
  
hu1 Interj.:
1. = 1, hu! (hu) [ KB-Kerzh]. —
2. 'nach links'!, hu [KL-Gimsb u. Umg.]; vgl. PfWB har, PfWB hott 1 b. —
3. = 2, hu (hū) [ PS-Winz SP-Heiligst]; vgl. PfWB ho2.
 
  
hu2 Interj.: Scheuchruf für das Rindvieh, hu (hū) [ KL-Reichb]. Vgl. Südhess. III 752 hu I; RhWB Rhein. III 857 hu III 6.
 
  
hu3 Interj.:
1. Ausruf des Schauderns. Huh, was macht der e bees G'sicht! [Kunnrädel 35]. —
2. Ausruf bei Kälteempfindung. Hu, wie kalt! [verbr.]. —
3. Ausruf beim Ratespiel »Sitzen auf Menschenfleisch«, hu! [ KB-Kriegsf]; vgl. auch PfWB fissel-die-hu. — Südhess. III 752 hu III; RhWB Rhein. III 857; Bad. II 780.