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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Ern bis Ernet (Bd. 2, Sp. 945 bis 949)
 
   Ern1 m.: 'Hausgang', Ere (ērə) [verbr. mittl. u. südl. VPf, Doerzapf 60], Ern [PfId. 42 (Land)], Ärn [ GH-Max'au], Ar(e)n [ BZ-Dernb], Eren [ RO-Obd]; schon um 1930 oft mit dem Zusatz der Gewährsleute »früher, bei Alten«; vgl. PfWB Estrich 2. Zs. PfWB Hausern. a. 1537: Oberhalb dem Keller im vordern Ern [SpeyTreudInv.]. — Zu mhd. er(e)n 'Fußboden, Tenne'; Genaueres s. Kluge-Mitzka20 Ähren. — Südhess. II 257; RhWB Rhein. II 168/69; LothWB Lothr. 125 Ere; Bad. I 706.
 
 
Ern2 'Ernte' s. PfWB Erne1.
 
 
Erna f.: weibl. VN, 's Erna [verbr.]. Südhess. II 257.
 
  
er-nähren schw.: wie schd., ernähre (ärnrə, seltener -nērə) [verbr.]. E gudes Geschäft ernährt sei Mann [Krieger 48]. SprW.: E Mutter dut erschder (eher) siwwe Kinner ernähre als siwwe Kinner ää Mutter [ LA-Edh, Don-Gertianosch]. E Vatter ernährt ender (eher) zehn Kinner wie zehn Kinner ee Vatter [Gal-Ugartsbg, verbr. Don Gal Buch Rußl]. Wer frih ufsteht, sein Geld verzehrt, wer lang schläft, den Gott ernährt [ KU-Diedk]; Var. s. PfWB aufstehen 1 a. De Hunnertschde weeß net, wie sich de Dausendschde ernährt [ KU-Trahw]. Volksgl.: Wem's ins Grab regert (regnet), is gut ernährt [Fogel Beliefs Penns Nr. 621]. VR.: Unser Katz hot Junge, siwwe an de Zahl; sechs devun sein krumme, 's siwwede net grad. Un de Kader spricht: Die ernähr ich nicht! [ KU-Kaulb]. Ehr junge Leit, ehr junge Leit, ehr misse luschdich sein; es muß e reicher Bauer sein, der uns ernähre kann, aus einem Brunnenlied zum Brunnenfest in KB-Zell. Neckreim auf PS-Burgalb: Boralwe is e schääni Stadt, wo mer sich kann ernähre; do werd vun dere War gemacht, wo mer mit kann kehre (kehren 'fegen'). Einen weiteren VR s. PfWB Placken 4 b. a. 1507: wo jemant were, der sich vermeinet hie zu Franckweiler zu erneren vnd herzuzihen begert (begehrt) [PfWeist. II 551 (LA-Frankw)]. — Südhess. II 257; RhWB Rhein. VI 64/65; Bad. I 706.
 
 
Ern-apfel, -braten s. PfWB Ernteapfel, PfWB -braten.
 
  
Erne1, Ernte f.:
1.
a. 'Getreideernte'. Hauptformen: Äärn (ǟrn) mit Äären als Nebenform, Äärnt (ǟrnd) mit Äärent als Nebenform, Ääre (ǟrə), zur Verbr. s. K. 117. Seltenere Formen: Äärne [ PS-Lu'wink BZ-Schweighf], Aarn (neben Aaren) [ RO-Ruppeck FR-Merth NW-Deidh

[Bd. 2, Sp. 946]
BZ-Dernb], Aarne [ PS-Nothw], Eerr) [ KU-Roth], Eeren (ērən) [ GH-Rh'zab], Aare [ WD-Hoof], Äär (ǟr) [ HB-N'alth], Aar [KB-Mauchh (neben Äären)], Eere (ērə) [ KU-Friedhs ZW-Gr'bundb], Aarnt (neben Aarent) [ BZ-Schweig], Ääret (ǟrəd) [ BZ-Albw]. Auslandspfälzer: Äärn (ǟrn, ǟrən) [Don-Schowe Torscha Werb Tscherwk Sekitsch verbr. Gal Rußl-Rastatt], Aarn [Gal-Hohenb u. Umg. bis Königsberg], Äärne [Don-Sekitsch Rußl-N'liebstal], Ääre [ Gal-Beckersd], Äärnt [verbr. Don Gal Buch Rußl-Worms], Ärn/Arn [Penns (PSA 15)]; vgl. PfWB Abmachen, PfWB Schnitt. Heit is Wedder for die Ääre [ ZW-Battw]. Ich geh in die Äärn, um mitzuhelfen [LU-Alsh, verbr.]. SprW.: 's is net alle Dag Äärn [Fogel Prov. Penns S. 12]. Mit der Äärn soll mer immer am Samschdag aanfange, das is e leichter Dag [Gal-Sap, verbr. Gal Buch]. Uf d' Wisse (beim Heumachen) wie'n Daub (Taube, d. h. gut angezogen), en d' Äärn wie'n Raup (Raupe, d. h. in schlechten Kleidern) [ LA-Herxh]. Wer im Häämache (Heumachen) nit gewwelt (gabelt), in de Äärn nit zawwelt (zappelt, hier 'sich rührt'), im Herbscht nit frih ufsteht, der guck, wie's'm im Winder geht! [BZ-Dierb, verbr. (Wilde 104)]. WR.: Steht der Schlehdorn früh im Blütenschein, wird vor Jakob (25. Juli) Ernte sein [ PS-Fehrb]. Wann die Blume welke an Frooleichnam, gebt's e pidderich (s. PfWB pittern 'regnen') Ääre [ KU-Hundh]. Wann's uf Marie Himmelfahrt (15. August) reent, gibt's e nassi Äären [ FR-Bockh]. a. 1344: nach der erne [OttbgUrkb. 426]. a. 1357: in der schuren, darin dasselbe closter sin gud zu erne jnnefuret [PfWeist. I 257 (KB-Dreis)]. a. 1480: mit dem knecht den er zu wynachten dingt vnd mayde die er zu der eren dinget [MHVPf. 1870, S. 4]. a. 1480: den andern frohntag ihn der erndt [PfWeist. I 445 (KL-Erlb)]. a. 1501: Item hat mein herr von Limpurg oder ein pfleger im fronhofe einen vorschnit 'Recht, vor anderen zu ernten' in der ehern [Grimm Weist. V 587 (SP-Schiffstdt)]. a. 1529: von den pferden ... zu beschlagen in der Eern [SpeyGgHospR]. a. 1539: zwey huner, eins zu ernn vnd eins zu fasenacht [PfWeist. I 327 (LA-Edk)]. a. 1553: korn in der erndt zu schneiden [ABlieskst 25]. a. 1553: in der errent, sobald die von Bließcastel ihre schuldige frohn gethan [ebd. 30 (IB-Lautzkch)]. um 1567: im ernd [PfWeist. I 72 (KL-Baalbn)]. a. 1579: in der ärndt [ebd. I 225 (NW-Dackh)]. a. 1537: so hat sy macht in der erren ein vorschnitt zu thun [SSp., Schöffenweistum Falkenstein, S. 75]. a. 1707: Die adeliche seynd zur ernd ein garb von jedem morgen ... schuldig [PfWeist II 589 (NW-Freinsh)]. a. 1772: Dung, als das einzige wahre Mittel, die Aernden ergiebig zu machen [Bemerkungen der phys.-ök. Gesellschaft in Kaislt, S. XI]. —
b.
α. 'Ertrag der Ernte 1 a'. Die

[Bd. 2, Sp. 947]

Schloße hän die Äärn verschlache [ GH-Vollmw]. Die Ääre is schlecht ausgefall [KL-O'arnb, verbr.]. RA.: Dem hat's die Äärnt verschlaa, deshalb schaut er so mißmutig darein [Rockhs]. SprW.: Wie die Soot, so die Äärn [ RO-Dielkch]. WR.: Wann die Felder en ganzer Winder mit Schnee zu sin, gebt's en guti Äärn [Fogel Beliefs Penns Nr. 1210]. a. 1471: helffen die ern intun [SSp., Kirchschaffnei Zweibr. Bl. 18]. —
β. von Erträgen anderer Pflanzen, s. Tabaks-, Grundbirnen-, PfWB Heu-, Honig-, PfWB Kirschen-, Kohlernte; vgl. PfWB Herbst. Die Obschtbääm gewwen desjohr e guri Äären [ NW-Freinsh]. —
2. übertr.

[Bd. 2, Sp. 948]
Bei dem nasse Werrer hält de Dokter wirrer Äärə [ RO-Lettw]. — Zur Lautform: Die Formen mit ē- (ēr, ērə, ērən) erhalten (bei Längung) die Qualität des mhd. Stammvokals (erne), die mit ǟ- (ǟrn, ǟrnd, ǟrə u. ä.) zeigen die im Pfälzischen weithin in Erscheinung tretende Senkung des Vokals vor r + Kons.; die Formen mit ā- (ārə, ārn, ārnd u. ä.) stellen den äußersten Grad dieser Senkung dar. Die Dehnung des Vokals vor r + Kons. ist im Pfälzischen häufig anzutreffen, vgl. z. B. r 'Garten', dǟr 'sterben', r 'Kirbe', rd 'Wurst'; Näheres hierzu bes. bei Bertram §§ 33, 40, 89, 102, 122, 162. Schwund

[Bd. 2, Sp. 949]
des auslautenden -e wie in ǟrn, ǟrnd gilt in der Pfalz fast allg.; Ausnahmen sind selten. In ǟrən, ǟrənd ist ə Sproßvokal wie in ārəm 'arm', gǟrən 'gern' u. a. Das auslautende -d in ǟrənd, ǟrnd u. ä. ist alt bei uns, wie dies die historischen Belege erweisen. — Südhess. I 341/42 arn, II 258/59; RhWB Rhein. I 255/56; ElsWB Els. I 68; Bad. I 706/07.
 
 
Erne2 s. PfWB Ernst; ernen s. ernten.
 
 
er-nennen schw.:
1. nach dem Schd., umgspr.; zum Borjemääschder ernenne [verbr.]. —
2. 'namentlich erwähnen', vgl. PfWB ermelden. a. 1565: wie oben ernent [PfWeist. I 91 (GH-Bellh)]. o. D.: so ein hüber an dem ernannten zinss- und gerichtstag ausbleibt, soll er dem gericht ein viertel wein verfallen seyn [ebd. I 17 (KL-Alsbn)]. — Südhess. II 257; Bad. I 706.
 
  
Er-nennung f.: wie schd., umgspr. Er hot die Ernennung (die Ernennungsurkunde) schun im Sack [ KU-Schmittw/O].
 
 
Ernet f.: 'Arbeit', Ärnett [PfId. 9 (BZ-Schweig O'ottb)]. Urspr. Bed. wohl 'Erntezeit', wie PfWB Heuet 'Heuzeit'; vgl. Bad. I 707 Z. 61, Schweiz. I 464 Ernet, ElsWB Els. I 68 Erntet.