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Pfälzisches Wörterbuch 
 
er-geben bis er-heiraten (Bd. 2, Sp. 935 bis 937)
 
   er-geben st.:
1. 'sich dem Feind e.'. Mer mußten uns allegar ergewwe [ KL-Hütschhs]. —
2. 'sich übergeben, erbrechen', sich ergewwe [ ZW-O'aub]. Syn. s. PfWB brechen A I 3 b. —
3. 'sich in seinem Leid beruhigen'. Er hat sich e bissel ergebb [ ZW-Battw]. —
4. Er hot sich dem Trunk (dem Suff) ergebb [ RO-Obd KU-Schmittw/O]. — Südhess. II 246; RhWB Rhein. II 1079/80; LothWB Lothr. 126 ergenn; ElsWB Els. I 195; Bad. I 702.
 
  
er-gehen st.:
1. sich e. 'sich durch Gehen und Wandern erholen'. In unserm große Wald kann mer sich so richtich ergehe [GH-Schwegh, verbr.]. —
2. gut, schlecht e., wie schd. Es ergeht'm gut [ BZ-Klingmst]. So is mer's sellemol ergang bei dem verflammte Schmuggel [Kühn Schnitze I 14]. Dafür gewöhnl. das Simpl. gehen.
3. e. lassen 'walten lassen', nach dem Schd. In dem Fall muß mer Gnade vor Recht ergehe losse [ LU-Opp]. —
4. 'amtlich eine Entscheidung treffen'. a. 1737: Von allen urtheill und bescheit, so vom oberschultheyssen und rhat ergehen [PfWeist. II 575 (NW-Freinsh)]. — Südhess. II 246; RhWB Rhein. II 1131.
 
  
er-götzen schw.: sich e., wie schd., ergetze [ KU-Rothsbg]; vgl. PfWB erfreuen. RA.: Do kann mer sich dron ergetze wie die Johannesbas an ehrem Weezestick (Weizenacker) [ Gal-Dornf]. Südhess. II 246; RhWB Rhein. II 1328.
 
 
Er-götzlichkeit f.: 'Annehmlichkeit, Freude', Ergetzlichkeit [LU-Opp (1930 bei Alten)], Ergötzlichkeit [LU-Assh (alte Akten 1748)].
 
  
er-greifen st.: nach dem Schd.
1. jemand e. 'festnehmen'; de Dieb (de Verbrecher) ergreife [verbr.]; vgl. PfWB erwischen, PfWB arretieren, PfWB verhaften. a. 1563: Wenn ein uebeltäter des orts ergriffen wird, wird derselbe gen Dirmstein in haft geliefert [PfWeist. II 517 (FR-Flomh)]. —
2. übertr. etwas e.
a. e anner Handwerk ergreife [ ZW-Battw]; Partei e., für jemand, für etwas

[Bd. 2, Sp. 936]
[ KU-Schmittw/O]; 's Wort e., in einer Versammlung [ebd.]; die Flucht e. [Land BZ-Klingmst]. —
b. 'zu Herzen gehen'. Die Grabredd hot alle ergreffe [ BZ-Dernb]. — Südhess. II 246; Bad. I 703.
 
  
er-halten st.:
1. jemanden e. 'versorgen, Unterhalt geben'; die Eldere erhalle [verbr.]. SprW.: E Mutter kann zehn Kinner ufzieh, awwer zehn Kinner kennen net ee Mutter e. [KU-Trahw, verbr., auch Don Gal Buch]. Was der Herrgott will erhalle, werd weder verfriere noch verkalle (verkalten) [ Don-Gottlob]. a. 1609: von welcher einungen einkommen die förster, wie bevor in der alten ordnung geschehen, belohnet vnd erhalten werden [PfWeist. I 102 (Bergz)]. —
2.
a. 'bewahren'; am Lewe e. [verbr.]. Bekannt ist die Losung: Fröhlich PalzGott erhalt's! [verbr.]; früher auch: Bayern un PalzGott erhalt's! [ NW-Gimmdg]. a. 1400 (1560): (daß) gut Einigkeit ... erhalten werde [PfWeist. II 556 (NW-Freinsh)]. 17. Jh.: Den bauch der kirchen uff der eblichen seyden (Nordseite) sampt den kirchthurn stehet dem gemeinen pfarrervolck zu handhaben und zu bauen, wie vor alters her zu erhalten [ebd. II 532 (Flurskapelle bei KU-Ulm)]. a. 1737: das pfarrhauß ... bauet und erhaltet das hohe dhombstift [ebd. II 583 (NW-Freinsh)]. —
b. sachl.
α. 'behalten, behaupten'. RA.: Er hot 's Feld erhall [ RO-Dielkch NW-Frankeck]. —
β. sich e. 'fortbestehen wie bisher'. Der Brauch hot sich bei uns gut erhalde [NW-Gimmdg, verbr.]. —
3. persönl. sich e. 'sich verhalten'. a. 1535: alsdann hat sich ein ambtmann zu Castell bei dem gerichtsscheffen zu Castell zu erfahren, was er sich fürder in solchem gefangenen zu erhalten habe [ABlieskst 90]. —
4. 'bekommen, empfangen'; dafür in guter Mda. kriegen. Südhess. II 247; RhWB Rhein. III 163/64; ElsWB Els. I 330; Bad. I 703.
 
 
Er-haltung f.: a. 1530: zu erhalttung eins gemeinen nucz gegeben [PfWeist. I 34 (RO-Als)]. a. 1536: Anlangent erhaltung faßelviehs [ebd. I 85 (FR-Beindh)].
 
 
er-haschen schw.: nach dem Schd., vgl. PfWB ergreifen; de Dieb erhasche [KU-Bedb Schmittw/ O RO-Sippf FR-Albsh NW-Frankeck]; dafür besser erwischen, verwischen. Südhess. II 247.
 
  
er-heben st.: nach dem Schd.
1. sich e.
a. persönl. 'von seinem Platz aufstehen', sich erhewe [ FR-Bockh]. —
b. sachl. 'entstehen, beginnen'. De Winn (Wind) erhebt sich [ NW-Kallstdt, FR-Bockh]. —
2. Steuern e. 'einziehen' [ FR-Bockh]. a. 1588: und soll er Flörsheimer, was uf solcher hofstatt für frevel sich begeben, zu theidigen und zu erheben haben [PfWeist. I 21 (KL-Alsbn)]. —
3. Beschwerde (Anklage, Einspruch) e. [verbr.]. Sie hun beim Gericht Werrerspruch erhob [ KU-Schmittw/O]. — Südhess. II

[Bd. 2, Sp. 937]
247; RhWB Rhein. III 381; ElsWB Els. I 296 and. Bed.; Bad. I 703.
 
 
er-heblich Adj.: 'gewichtig'. a. 1635: (Er soll von dem Nutzungsrecht) jetzt und imer entsetzt und ausgeschloßen seyn, er bring dann genugsam und erhebliche ursach bey, daß ihme solche ordnung unwießend geweßen [PfWeist. I 106 (Bergz)].
 
  
er-heiraten, -heiernschw.: 'durch Heirat erwerben', erheiere [NW-Kallstdt Lambert Penns 8]. SprW.: Wer nix erheiert un ererbt, bleibt aarem, bis er sterbt [ NW-Kallstdt]; häufiger: Wer nix erheirat ... [PS-Hintwdth, verbr., auch Don Gal Buch]. Was mer sich erheirat, brauch(t) mer sich net anschaffe [ Don-Sekitsch]. — Das (schon von Luther gebrauchte) Simpl. heiern ist nach Kluge-Mitzka20 eine Rückbildung zu mda. Heiret. — Südhess. II 247; RhWB Rhein. III 470; Bad. I 703.