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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Dudel bis Dudelsack(s)-pfeifer (Bd. 2, Sp. 592 bis 594)
 
   Dudel1 f., m.:
1. (f.)
a. 'tiefklingende Weidenpfeife', Dudel [ NW-Hamb]; vgl. PfWB Dududel.

[Bd. 2, Sp. 593]
Syn. s. PfWB Farze. —
b. 'Trompete', Tudl (tūdl) [ Don-Tscherwk]. —
c. s. PfWB Saududel. —
2. (m.) übertr.
a. 'Saugbeutel der Säuglinge', Dudl (dudl) [ FR-N'lein]; vgl. PfWB Dudu2 1; zu unterscheiden von Tuttel 'Mutterbrust'. Syn. s. PfWB Schnuller. —
b. 'Arbeit, Unruhe, Plage'. Naun geht der Dudel aan [Lambert Penns 45]. — Südhess. I 1804 Duddel I; RhWB Rhein. I 1540; ElsWB Els. II 653; Bad. I 585/86.
 
 
Dudel2 s. PfWB Dottel 1.
 
  
Dudel-blume f.: 'Pfingstrose (Paeonia corallina)', Dudelblumm [ PS-Dahn]. Nach Wilde 189 kommt der Name daher, daß die Kinder mit den Blütenblättern Blastöne hervorrufen. Syn. s. PfWB Batonjerose. Marzell III 521.
 
  
Dud(e)ler m.:
1. 'wer (den Flötenton nachahmend) vor sich hin singt', Dudler (dūdlər) [ Gal-Dornf]. —
2. 'wer stümperhaft auf einem Instrument spielt', auch 'wer gedankenlos immer dasselbe spricht', Dureler [ KU-Schmittw/O]. — Südhess. I 1804 Duddeler; RhWB Rhein. I 1540; Bad. I 586/87.
 
 
Dudel-kraut n.: 'Schierling', Tudelkraut (tūdlgraud) [ Don-Schowe Torscha], (tudl-) [ Don-Lenauh]. Aus dem hohlen Stengel der Pflanze machen Kinder Pfeifen (s. PfWB Dudel1 1), obwohl die Pflanze giftig ist.
 
  
dudeln schw.:
1.
a. 'andauernd dasselbe singen oder auf einem Musikinstrument spielen', dudele (dūðəle) [ KU-Kaulb Gal-Dornf], (dūdələ) [Zweibr, verbr.], (dūlə) [ BZ-Hofstätt], durele [KU-Reichsth, verbr.], dudle [Lambert Penns 45], tudle [ Don-Tscherwk Lenauh]; vgl. PfWB dududeln, PfWB leiern, PfWB Gedudels, PfWB dödeln. Er dudelt uf seim Dudelsack alli Dag [Danner Penns 7]. Horch, 's lait (läutet), un der Wächter dudelt sei Lied [Firmenich II 22 (Zweibr)]. Schnarrante sein luschtig, sie dudeln uff de Strooß [Kühn Schnitze II 45]. Es durelt das Klanettche (Klarinette) [Schandein Bav. IV/2, 385]. —
b. 'ein Instrument stümperhaft spielen', bes. vom Blasinstrument, dudeln [KleinProv. 92], tudle [ Don-Schowe Torscha Tscherwk]. —
c. 'Drehorgel spielen', dudele [ LU-Friesh]. —
2. '(Alkohol) trinken', scherzh.; e paar dudele [ KU-Kaulb Kreimb]; ene dudle [LA-Mart, verbr. VPf]; eene tudele [PS-Herschbg, verbr. SWPf WD-Niedkch]; vgl. PfWB blasen 3. VR.: Durel, durel, Dippeche, spannelanger Mann; er hot so lang gedurelt, bes er nimmi kann [ KU-Reiffb]. Dudle, dudle, Kaffeesatz, bischt du nit mei liewer Schatz; hun dich schun so lang geliebt, hun noch nit e bißche Kaffee kriet [ KB-O'wies]. Zs. PfWB an-, PfWB aus-, PfWB bedudeln 2. Syn. s. PfWB trinken. —
3. 'drehen, rollen', 'in einem fort arbeiten', 'prügeln', s. PfWB abdudeln. — Urspr. ein lautmalendes Wort, das beeinflußt sein mag von tschech. dudy 'Dudelsack'; vgl. Kluge-Mitzka19. Die bildliche Bed. 2 ist vom Blasen eines Instrumentes genommen,

[Bd. 2, Sp. 594]
vgl. PfWB blasen 3. Fernzuhalten ist hiervon das Verb tutteln 'an der Mutterbrust trinken'. — Südhess. I 1805 duddeln, 1806 dudeln; RhWB Rhein. I 1539/40, IX 1126; Saarbr. 52; LothWB Lothr. 110; ElsWB Els. II 653; Bad. I 586.
 
 
Dudel-pfeife f.: 'Hirtenflöte', Dudel-, Dulepeif (dūdəl-, dūləpaif) [ Gal-Josbg], (dulə-) [ Gal-Dornf]. — Der erste Wortteil zu PfWB dudeln 1 a. — Südhess. I 1805; RhWB Rhein. I 1540. — -pfeifer m.: = Dudelsackpfeifer (Klammerform hierzu). Der hot Backe wie e Durelpeifer, wer dicke Wangen hat [ KL-Fischb]. — -sack m.:
1. 'Sackpfeife', Dudelsack (dūd(ə)lsag) [RO-Obd BZ-Dernb GH-Schwegh Lambert Penns 45], Duddel- [ KB-Eisbg], Durel- [ KU-Schmittw/O Kaulb Kreimb ZW-Gr'bundb NW-Wachh]. Vor 1914 wurde der D. von den durchziehenden serbischen Bärentreibern gespielt [ GH-Schwegh]. Sie kumme mit Dudelsack, Peife un Drumme [Birmelin Penns Poems 79]. RA.: Er macht Wind wie e Dudelsack [Hebel 19]. Wann ich dich kriee, hau ich dich, daß de de Himmel far e Baßgei un die Erd far e Dudelsack aansiehscht [ KU-Kaulb]. —
2. übertr.
a. 'wer viel pfeift', auch Schimpfw., Dudel- [ ZW-Battw]; 'wer immerfort flötet oder klimpert' [ LA-Venn]; 'wer stundenlang singt und pfeift', Durel- [ KU-Schmittw/O], Duel- [ NW-Neidfs]; 'wer ununterbrochen dasselbe sagt' [ KU-Hundh KL-Hütschhs]. —
b.
α. Uzname der Vorderpfälzer auf die Westpfälzer, im bes. auf die Bewohner von KL-Mackb, Dudelsäck. Da das westpfälzische Musikantentum erst um 1830/40 aufgekommen ist, kann der Uzname erst seit dieser Zeit entstanden sein. —
β. die Bewohner von St. Ingbert werden geneckt mit: Dudelsäck danze im Kücheeck.
γ. Uzname auf die Bewohner von Gal-Bandrow in dem Spottvers auf vier deutsche Siedlungen in Galizien: Steinfelsscheeni Stadt, Bnadrow!Bandrow — Dudelsack, SiegenthalScheißkiwwel, ObersdorfDeckel driwwer; vgl. die Var. bei Deckel.
δ. Schimpf- und Kosewort für einen kleinen Buben, Dudelsack, klääner [verbr. VPf]. —
c. FlN für eine Waldabteilung in LU-Altr, Dudelsack. Südhess. I 1805; RhWB Rhein. I 1540; LothWB Lothr. 110; ElsWB Els. II 342; Bad. I 686.
 
  
Dudelsack(s)-krämer m.: scherzh. Bez. für die Italiener, Dulelsackskrämer [ RO-Dielkch]. — -pfeifer m.:
1. 'wer den Dudelsack 1 spielt', nur noch in RA.: Er hot Backe wie en Durelsackpeifer [ LA-Nd'hochstdt, PS-Nd'simt LU-Alsh]; vgl. PfWB Dudelpfeifer. Er macht on äim Stick fort wie e Durelsackpeifer 'Er wiederholt immer dasselbe' [ KU-Schmittw/O]. —
2. Schimpfw. auf einen, der andauernd dasselbe sagt, singt oder spielt [KU-Schmittw/O, verbr. VPf]. — Südhess. I 1805; ElsWB Els. II 134; Bad. I 586.