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Pfälzisches Wörterbuch 
 
treten bis Treu-handschaft (Bd. 2, Sp. 497 bis 501)
 
   treten st.:
I. intrans.
1.
a. absol.
α. 'den Fuß aufsetzen'; hart (leicht) trede (trere). s. F. [verbr.]; schepp träle 'schief t.' [ KU-Bedb]. RA.: Du tretscht härter wie e Geeß (Geiß) [KU-Diedk, verbr.]. —
β. 'mit dem Hinterhuf heftig stoßen', vom Pferd. Unser Rapp tret gern [PS-Hintwdth, verbr.]; vgl. PfWB ausschlagen II 1. —
b. mit präpositionellen Zusätzen.
α. ohne Dativobjekt; in de Dreck trede [ LU-Opp, allg.]; uf de Starthewwel (des Motorrades) t. [Krieger 20]. RA.: Er hat in die Äsch (Asche) getret 'ist betrunken' [ PS-Th'frösch]. Er hot in de Nagl getret, dass. [ Don-Schowe]. Jetzt hoscht awwer in de Ämer (Eimer) getrete 'Jetzt bist du hereingefallen' [Bassler 36]. Er isch in die Eeg (Egge) getrere, dass. [ NW-Geinsh]. Er is ins Fettnäppche getrete 'hat Anstoß erregt' [Krieger 21]. Volksgl.: Wannde in en Nagel tretscht, ropp en raus, steck en in Fett un steck en noh in der Scharnsteen [Fogel Beliefs Penns Nr. 1577]. Zs. PfWB auf-, PfWB aus-, PfWB bei-, PfWB darauf-

[Bd. 2, Sp. 498]
PfWB dawider-, PfWB dazwischen-, PfWB durch-, PfWB ein-, PfWB heraus-, PfWB herein-, PfWB herum-, PfWB wider-, PfWB zurücktreten.
β. mit Dativobjekt.
αα. ääm ans Bää (an de Bauch) trääre 'einen Tritt versetzen (ans Bein, in den Bauch)' [Kaislt, allg.]. Ich tret der ans Hemd, daß der die Unnerhosse wackle [Pirmas]. - -
ββ. Ich han'm uf de Panz (Bauch) getret, daß er uf sei Dockes (Gesäß, s. PfWB Dokes) gestärzt isch [Zweibr]. Esch (ich) tret der uf d'Nas! [ LA-Siebdg]. Geh weg, oder ich tret der uf de Aarsch! [NW-Freinsh, verbr.]. RA.: am (einem) of die Zeh trääre 'einen unbeabsichtigt kränken' [GH-Nd'lustdt, verbr.]. Dem muß mer emol uf die Zeh trääde 'an etwas Bestimmtes mit Nachdruck erinnern' [ LA-Gommh, KU-Schmittw/O KB-Albish NW-Hardbg]. Tret halt 'm Deiwel uff de Kopp! 'Überwinde dich und tu es, auch wenn es dir noch so schwerfällt' [KL-Hirschhn, verbr.]. SprW.: Wammer de Krott (Kröte) uf de Bauch treet, kreischt se [ KU-Schmittw/O]. - -
γγ. aam (einem) in die Seit trääre [ KB-Bischh]; in de Aarsch t. [verbr.]. RA.: Er is'm in de Weg getret 'ist gegen ihn aufgetreten' [ KU-Schmittw/O]. Dem hann ich in die Kich 'in den Bauch' getret [ KL-Wörsb, PS-Gersb LU-Opp]. Ich tret der mit de zwää Faischt ins G'sicht! [Lu'haf]. SprW.: Kleene Kinner treðen der Mutter in de Schoß, große Kinner ufs Herz [Gal-Dornf, verbr. Don

[Bd. 2, Sp. 499]
Gal Buch]. - -
δδ. ääm vor de Aarsch trääde [ FR-Mörsch]. —
2. 'einen, auch mehrere Schritte machen'. Syn. s. PfWB gehen.
a. gegenst. ans Finschder trääre [ FR-Bockh]; vor dene (diesen) Disch trääre [Kaislt (Schneckenburger 25)]. RA.: so schnell verschwinne, wie e Gääß tret [ FR-Grünstdt]. Dem tret ich nimmeh iwwer d'Schwell 'Mit dem will ich nichts mehr zu tun haben' [ LA-Wollmh, KU-Brück KB-Kerzh LU-Opp NW-Geinsh]. Zs. PfWB entgegen-, PfWB fort-, PfWB hinaus-, PfWB hin-, PfWB wegtreten. —
b. übertr., umgspr.: in de Dienscht trääre [ FR-Bockh]; in de geischtliche Stand trere [ LA-Wollmh]. Er is in die Eh geträre 'hat sich verheiratet' [ NW-Bobh, RO-Bistschd KB-Bennhs Kerzh Mauchh]. —
II. trans.
1. 'etwas tretend bearbeiten'.
a. ohne Dativobj.; Haai trääre 'Heu festtreten' [KB-Orb, verbr.]; de Bloosbalg (Blasebalg) trääre [FR-Bockh, verbr.]; Pädcher trere 'durch Pfädchen den Garten in Beete einteilen' [WD-Niedkch, verbr.]. RA.: For de Dreck se trede 'für die Schmutzarbeit' bin ich'm gut genung [ Gal-Dornf]. Der kann in Zäskämm (GH-Zeiskam) Zwiwwele trere, wer große Füße hat [Hebel 20]. SprW.: 's muß aach äiner do sein, wo de Bloosbalch tret 'Einer muß auch die geringsten Arbeiten tun' [ KU-Schmittw/O]. a. 1588: Personen ..., welche allen den Leimen (Lehm) Angemacht, getretten [WerschwSchR]. Zs. PfWB ab-, PfWB an-, PfWB be-, PfWB herunter-, hinauf-, PfWB hinein-, PfWB hinunter-, PfWB nieder-, PfWB über-, PfWB um-, PfWB unter-, PfWB ver-, PfWB zusammen-, PfWB zutreten. —
b. mit Dativobj. RA.: Ich trät der e Bruch! [LU-Oggh, verbr.]; dass. ergänzt: wie e Bahnwartshaisel [ LU-Ruchh]. Ich trät der en Achter ins Hemm (Hemd) [ FR-Bobh]. Ich hab'm ääns hinnedruf gedrore [ PS-Erfw]. —
2. einen t.
a. wie schd.; e Hinkelche t. [verbr.]. Zs. PfWB tot-, kaputtreten. Do (bei der kinderreichen Familie) muß mer achtgewwe, daß mer kääns träät [ PS-Erfw]. RA.: Die trere enanner net 'Keiner fügt dem anderen ein Leid zu', im Sinne von 'Eine Krähe hackt der anderen die Augen nicht aus' [ KU-Schmittw/O]. SprW.: E getredener Worm krimmt sich [ Gal-Bagbg]. —
b. 'mit dem Hinterhuf einen Stoß versetzen', vom Pferd, vgl. o. I 1 a β. De Gaul hat'n getret [ RO-Obd]. Er is geträäle worre [ LU-Altr]. —
c. 'begatten', vom Hahn. De Gockel träät 's Hinkel [Frankth, KL-Wörsb Gal-Mierow]; vgl. PfWB traten. Unbefruchtete Eier sin net getrere [ LU-Alsh/Gr]. —
d. 'dringend bitten', umgspr. Denne muß mer immer erscht trede, bis er etwas hergibt [ NW-Hardbg]. — F.: Inf.: drǟrə, drrə fast allg. WPf NPf, selten VPf; drdə verbr. vorn. VPf, selten WPf NPf; drðə KU-Kaulb (älteste Gener. 1927) Buch Illisch; drlə LU-Altr KU-Bedb; drērə KU-Schmittw/O Rothsbg WD-Niedkch; drēðə Don-Werb Gal-Dornf; drēdə Lambert Penns 43 Gal-Obl; drārə PS-Schindhd. — Part. Perf.:

[Bd. 2, Sp. 500]
gədrd WPf NPf; gədrēd KU-Schmittw/O Gal-Dornf; gədrdə, seltener gədrǟre u. gədrrə VPf; gədrōrə südl. u. mittl. VPf PS-Erfw Schindhd GH-Kand; gədrōdə BZ-Sarnst; Stammvokal auch kurz wie beim Inf. — Präs. 1. Sing. überwiegend endungslos; drrə in KU-Kaulb (ältere Gener.). 2. Präs. -d(d). 3. Sing. allg. -d. Pl. -dən/ -rən bzw. -də/-rə. Der Stammvokal der konjungierten Formen ist fast allg. wie im Inf.; -i- in 2. u. 3. Sing. (dridd, drid) ist für KL-Wörsb u. LU-Opp, -ī- (drīdd, drīd) für LU-Friesh NW-Kallstdt BZ-Dernb belegt. In PS-Schindhd lauten die Formen des Präs. drād, drādd, drād, drārən. Südhess. I 1721 ff.; RhWB Rhein. VIII 1350 ff.; Saarbr. 211; LothWB Lothr. 101; ElsWB Els. II 767; Bad. I 554/55.
 
 
Treter m.:
1. persönl. 'wer durch Treten Arbeit verrichtet', Treder, Trerer, Treler [verbr.]. —
a. 'wer durch Treten ein Gerät bedient', vgl. z. B. Blasbalgtreter.
b. 'wer durch Treten Material bearbeitet, z. B. den Lehm für Ziegel durchknetet, die geernteten Trauben zerstampft; vgl. DWB DWb. XI/1, 2 Sp. 238. a. 1425: einem dretter 1 β hlr [LeinArch. (Löhne)]. Vgl. auch die Uznamen Pfädeltreter 2, PfWB Schwollentreter.
c. in PfWB Vertreter. —
2. sachlich.
a. Pl. 'große Füße', s. PfWB Pfädel-, PfWB Pfadtreter 1. —
b. in Pflanzennamen, s. PfWB Pfädeltreter 3, PfWB Wegtreter (zum letzteren vgl. PfWB Tretweg). — Südhess. I 1723; RhWB Rhein. VIII 1355; Bad. I 555.
 
 
Tret-mühle f.: 'eintönige Arbeit, die kein Ende nimmt', umgspr. E ganz Johr is mer in de Treetmihl [Krieger 30]. Südhess. I 1723 and Bed.; RhWB Rhein. VIII 1355. — -platz m.: 'Dreschplatz (im hinteren Hof)', Trepplatz [verbr. Don.]. (In älterer Zeit legte man die Garben auf dem runden T. mit den Ähren nach innen aus und ließ sie von einem an der Leine laufenden Pferde austreten.) — -wägelein n.: 'Fahrrad', Trätwächele [ Rußl-Spey]. — -weg m.: 'Wegerich (Plantago lanceolata)', Tretwe [Wilde 254 (Zellertal)]. Syn. s. PfWB Wegerich. Südhess. I 1723/24; RhWB Rhein. VIII 1355.
 
  
treu Adj.: wie schd., trei, s. F. [allg.]; e treier Freind, e treier Hund (vgl. PfWB Treu), e trei(es) Dier [verbr.]; vgl. PfWB getreu, PfWB treulich. Jedi Bopp (Puppe, hier: weibliches Wesen) betracht ich nei, doch meiner Alde bleib ich trei [Krieger 29]. RA.: trei wie e Hund [ RO-Obd]. SprW.: Treie Hand geht dorchs ganz Land 'Der ehrliche Mensch ist überall willkommen' [ KU-Schmittw/O]. F.: drai WPf NPf; drai, drḁi nördl. u. südl. VPf; drḁi, drǫi mittl. VPf (Bertram § 137). Südhess. I 1724; RhWB Rhein. VIII 1355/56; LothWB Lothr. 101; ElsWB Els. II 737; Bad. I 555.
 
  
Treu m.: Hundename, Trei (drai) [ KB-Kriegsf], (drǫi) [ LU-Alsh]. Südhess. I 1724 (treu 2); RhWB Rhein. VIII 1356 (treu 2 a).

[Bd. 2, Sp. 501]

 
  Treu-blümchen n.: 'Vergißmeinnicht (Myosotis)', Treiblimche [Wilde 249 (vielfach)]. Marzell 580.
 
  
Treue f.:
1. wie schd., Trei (drai, drḁi, drǫi, s. PfWB treu) [verbr., selten gebraucht]. RA.: Uf T. un Glaawe, umgspr. Das geht geche T. un Glaube [ BZ-Dernb]. In der Beteuerung: meiner Trei! [verbr., bes. Don Gal Buch]; in scherzh. Anlehnung daran die Var. meiner sechs!, als handle es sich im vorigen um das Zahlw. drei. Du hoscht meiner T. recht 'wirklich recht' [ LU-Böhl]. Hannes, horch, die Konschkrie 'die Rekruten' kummen; Speez, ich heer se, meiner T.! [Kühn Schnitze I 52]. a. 1319: in guten truwen vnd ane alle geverde [OttbgUrkb. 325]. 15. Jh.: uff das Sie inn truwen der obgemelttenn Falckensteinischer herrschaft desto baß gediennen mogen [PfWeist. II 497 (RO-Falkst)]. —
2. 'Gelübde'. a. 1509: das eyn iglicher syn truwe geben, ob das gutt ledig sy [PfWeist. I 76 (BZ-Barbr)]. Zs. PfWB Handtreue. —
3. Pflanzennamen in den Zs. Feldmanns-, Männer-, Weibertreue. — Südhess. I 1724; RhWB Rhein. VIII 1356; LothWB Lothr. 101; ElsWB Els. II 737; Bad. I 555.
 
 
Treu-handschaft f.: 'Verwaltung fremden Eigentums'. a. 1346: von der uzrihtunge wegen der selepflegerie und der truwen hantschaft [MüPfUrk. 2177].