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Pfälzisches Wörterbuch 
 
traurig bis Dräußler (Bd. 2, Sp. 438 bis 440)
 
   traurig Adj.:
1.
a. 'voll Trauer, bekümmert, betrübt', traurich (drauriχ, -i) [fast allg.], trurich (drūriχ) [lothr. SWPf], trawwerich [ Gal-Josbg]. Syn.: PfWB trostlos, -mütig, PfWB trübselig, PfWB kopfhängerisch, PfWB leidmütig, PfWB untröstlich. Er is traurisch [Kaislt, allg.]; dafür auch: Er macht e traurisch Gesicht [ RO-Lohnsf, allg.], trauriche Aue [KU-Schmittw/O, verbr.]. Beim Leichims 'Trauerimbiß' geht's manchmol garnet so traurich zu [ KL-Reichb]. Wie traurich, wammer soll un kann nimmi! [RO-Dielkch, verbr.]. —
b. 'traurige Empfindungen weckend'. Das is e traurichi Geschicht [Kaislt, verbr.]; e traurich Weller (Wetter) [KU-Bedb, verbr.]. Der Sonntag vor Palmsonntag heißt trauricher Sunndaa [ HB-Kirrbg]. —
2. 'elend, erbärmlich', von charakterlich minderwertigen Menschen. Du trauricher Kerl! [ KU-Kaulb Schmittw/O ZW-Käshf Biedhs KL-Baalbn KB-Kriegsf]; e trauricher Gascht [ LU-Opp]. Du armer Tropp, du trauricher! [ KB-Bischh]. Du kummscht mer grad erecht, du Stramer (Stromer), du trauricher! [ NW-Gimmdg]. Du trauricher Arsch! [ KU-Bedb], trauricher Hund! [ZW-Lambsbn, verbr.], trauricher Dreckspatz! [ IB-Herbh]. Das is e traurichi Gsellschaft [ LU-Opp], e traurich Wertschaft [ebd.]. SprW.: Aus 'me trauriche Aarsch kommt kän frehlicher Forz [ KL-Einsdhf]. — Südhess. I 1667; RhWB Rhein. VIII 1311/12; LothWB Lothr. 109; ElsWB Els. II 764; Bad. I 537.
 
 
Traurigkeit f.: wie schd. O, is es net en Draurichkeet? Net ball, as ebber (jemand) helfe dät! [Birmelin Penns Gezw. 53].

[Bd. 2, Sp. 439]

 
  Trau-ring m.: wie schd., Trauring [FR-Tiefth NW-Frankeck Land]; dafür in älterer Mda. Treuring; vgl. auch PfWB Ehering. Südhess. I 1672; RhWB Rhein. VIII 1309; Bad. I 537.
 
 
draus s. PfWB daraus.
 
 
trausam Adj.: 'zutraulich, vertrauend'. Im Bettche leiht dotkrank ehr Kinnche so lieb ..., so trausam, so herzig wie Engelcher bin (sind) [Schandein Ged. 54]; vgl. PfWB untrausam. Südhess. I 1672; RhWB Rhein. VIII 1309.
 
  
Trauschel f.: Dim. Trauschelche 'schmale, dürre Person' [ RO-Ruppeck]; vgl. PfWB Truschel. — Zu PfWB Traunschel 'Schaukel'? In RhWB Rhein. I 1438 zu Drausch 'Strauchwerk' gestellt, dazu vgl. PfWB trauschelig. Südhess. I 1671/72 Traunschel.
 
  
trauschelig Adj.:
1.
a. 'dicht, buschig, üppig; niedrig, aber dicht verzweigt', von Pflanzen, trauschelich (drau(ə)liχ, -i) [westl. WPf]; vgl. PfWB trauschicht, PfWB truschelig2 1. Das is e trauschelich Bäämche, weil seine Zweige auseinanderstreben und herabhängen [ KU-Friedhs]; en t. Steckelche 'voll ausgebildete Pflanze, bes. die Blumenpflanze' [ KU-Rammb]; e trauschelicher Krautkopp 'breit auseinander gewachsen und fett' [ KU-Kaulb]; trauscheliche Grumbeersteck 'gut ausgebildete Kartoffelstauden' [ KU-Föckbg]. Die Plänzelcher sein trauschelich, von niedrigen, aber kräftigen Setzlingen [ KU-Schmittw/O]. —
b. 'gekräuselt', von Blättern, 'bauschig', von Stoffen [ KU-Lauteck Bosb Eschau Nerzw HB-Höch Peppk]. —
2.
a. 'gutgenährt, fett, dick', vom Menschen; e trauschelich Kind [ KU-Hundh Eschau Neunkch]; vgl. PfWB truschelig2 2. Die es schon ganz trauschelich, von einer Schwangeren [ KU-Frohnf]. —
b. 'faul träge, langsam'; e trauschelich Ding, von einem langsamen Mädchen [ KL-Enkb KB-Niefh Mauchh]; vgl. PfWB truschelig2 4. —
c. 'liederlich' [ RO-Obd Schiersf LU-Fußgh]; vgl. PfWB truschelig2 3. —
3. 'trüb', von Flüssigkeiten [ FR-Albsh]. —
4. and. Bed. und zweifelhaft, ob hierher gehörend; e trauschelich Klaad 'ein gut gefallendes Kleid' [ KU-Heinzhs], e trauschelich Haus 'ein anheimelndes, wohnliches Haus' [ LU-Böhl]. — Südhess. I 1672 traunschelig; RhWB Rhein. I 1438 drauschelig; DWB DWb. II 1347/48.
 
 
trauschicht Adj.: 'buschig'. a. 1606: an einer Trauschechten Jungen buochen; hinder dem Stein ist ein drauschechte Buoch [SSp., Hanau-Lichtenberg 7, Amt Lemberg]; vgl. PfWB trauschelig 1. RhWB Rhein. I 1438 drauschig; LothWB Lothr. 100 trauschech; ElsWB Els. II 766 druschlich.
 
  
drauß, draußenAdv.:
1. 'außerhalb eines Raumes, eines Ortes, eines Landes', drauß (draus) [fast allg.], drauße [ NW-Frankeck], druß (drus) [lothr. SWPf]. Drauß uf der Stroß geht er [ ZW-Battw]. Kaum, daß er die Deer drauß war [Feierowend Nr. 39/1967]. Ich bleib heit drauß (auf dem Feld), ehr kennen mer's Middagesse naus-

[Bd. 2, Sp. 440]
bringe [ Gal-Dornf]. So gut, wie dasjohr die Frocht drauß es, so war se schun lange Johre net [RO-Münstapp]. Drauß is so dunkel wie in're Kuh [NPfGV Nr. 8/1934]. Do hinne drauß, von der WPf [Neustdt]. O scheeni, kleeni Fensemaus (Erdeichhörnchen?), wie lebscht du doch so luschdich drauß! [Birmelin Penns Gezw. 85]. SprW.: Licht un Luft ins Haus, halt de Dokder drauß [ SP-Harths]. Wer drin is (in der Ehe), will naus; wer drauß is, will nin [ Don-Gottlob]. VR.: Var'm Darf drauß stehre (steht ein) Wertshaus; guckt e Fraa raus, haaßt (heißt) Gret; hore (hat ein) Lippmaul, hore Lappmaul un e Noos wie e Drumbeet [KU-Rothsbg (Mang 231)]. Einen VR. der Hütejungen s. bei PfWB darumsein. — Im Wortpaar drinn un drauß 'innerhalb und außerhalb des Ortes' [ KU-Schmittw/O]; vgl. auch Pälzer vun drinne un drauße 'Pfälzer, die in und außerhalb der Pfalz leben'. —
2. draußen sein 'beim Fangspiel ausscheiden' in den AR.: Ich zähle aus und du bist drauß [ RO-Falkst]. Männche, Männche, hupps ins Pännche; hupps eraus un du bischt drauß [ KL-Schneckhs]; Var. hierzu s. PfWB malen. —
3. s. darüber-, PfWB neben-, PfWB obendraußen. — Südhess. I 1390 darauß, daraußen; RhWB Rhein. I 1261 u. 1262; LothWB Lothr. 109; ElsWB Els. I 79; Bad. I 537.
 
 
draußen-herum Adv.: wie schd., drauß(e)rum [verbr.]. Er hot draußrum 'außerhalb des eigenen Dorfes' schun viel gesieh [ Gal-Dornf]. Kumm ich drausrum in e Haus, um e G'schäft zu mache, pack ich all mein Berschde aus un weis de Leit mein Sache [Feierowend Nr. 2/1950]. Südhess. I 1390.
 
 
Dräußler s. PfWB Dorfdräußler.