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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Tracht bis Trag-band (Bd. 2, Sp. 390 bis 392)
 
   Tracht f.:
1. 'das Tragen', bes. vom Eintragen der Bienen. 's isch jetzt Tracht (draxd) [LA-Mörzh Impfl Don-Schowe]. 's is durchgehende T. 'die ganze Zeit über finden die Bienen Honig und Blütenstaub' [ HB-Bexb]. Die Biene han alleweil e gudi T. [ Don-Schowe Torschau]. —
2. 'das Tragende'.
a. 'Gebärmutter bei Tieren' [ KU-Wolfst KB-Kriegsf LU-Opp Friesh]; vgl. PfWB Trage 3 a, PfWB Tragsack.
b. 'Nachgeburt der Kuh' [ KB-Rams FR-Hettldh LU-Oggh Gal-Slawitz]. Die Kuh hot die T. schun rausgeschafft [ KB-Kriegsf]; vgl. PfWB Trage 3 b. Syn. s. PfWB Fege. —
3. 'das Getragene'.
a. 'Traglast, die man auf einmal tragen kann', Tracht [KU-Schmittw/O Hefw ZW-L'wied PS-Trulb KL-Weilb KB-Kriegsf Bubh FR-Tiefth Mörsch LU-Neuhf NW-Geinsh Elmst Lambr SP-Harths Ottstdt (Bertram 160)], Traat (drād, drd) [KU-Hundh Wolfst Trahw Schandein Ged. 250], vgl. PfWB Traget. Syn. s. PfWB Bürde. —
b. 'die aufgetragene Speise', Tracht [ LA-Venn]; vgl. PfWB Traktament. a. 1577: Auch soll ein Wirth ... mehr nit dann 4 zimlicher guter Trachten, ausgenommen Gebackenes, Keeß und Obs geben [Schandein Bav. IV/2, 370 (Hochzeitordnung in Speyer)]. —
c.
α. 'der von den Bienen eingetragene Honig', Imkerspr., Tracht [verbr.]; die eerscht, die zwett, e scheeni T. [verbr.]. Zs. PfWB Frühjahrs-, PfWB Früh-, PfWB Futter-, PfWB Haupt-, PfWB Heideblüten-, PfWB Hoch-, PfWB Klee-, PfWB Obstbaumblüten-, Reps-, PfWB Spätjahrs-, PfWB Spättracht. —
β. von der Honigabsonderung der Blüten, Tracht [ FR-Lambsh BZ-Klingmst].

[Bd. 2, Sp. 391]

d. 'Alkoholmenge, die zur Trunkenheit führt'. Er hot wieder sei Traat [ ZW-Battw]. —
e. 'Tracht Prügel'. Du kriegscht dein Tracht [GH-Freckf, verbr., auch Don-Werb]. Er hot e T. Prichel kriecht [ BZ-Albw]; vgl. PfWB verhauen. —
f. 'besondere Art der Kleidung', Tracht [verbr.]. Die hän e schäni T. [ KL-Schmalbg]. Des is e alti T. [ LU-Opp]; e altmodischi T. [ NW-Haßl]. Die Schwarzwälder Tracht un die Elsässer Tracht werren iwwerall angestaunt [ BZ-Dernb]. Zs. PfWB Bauern-, PfWB Fastnachts-, Haar-, PfWB Kinder-, PfWB Kirchen-, PfWB Kleider-, PfWB Sonntags- PfWB Volks-, PfWB Werktagstracht. Die pfälzischen Volkstrachten sind schon um die Mitte des 19. Jh. dahingeschwunden. Versuche, sie wieder zu beleben, werden von in jüngerer Zeit entstandenen Trachtengruppen unternommen. Doch beschränkt sich deren Auftreten im wesentlichen auf Trachten-, Dorf- und Volksfeste. Vgl. Becker Vk. 71 ff. u. K. A. Becker, Die Volkstrachten der Pfalz, Speyer 1952. Angaben zu den einzelnen Trachtenstücken s. bes. bei PfWB Backschieße, PfWB Patschkappe, PfWB Bätze, PfWB Pelzkappe, PfWB Peter, PfWB Bippe, PfWB Bluse, PfWB Brustfleck, -lappen, -tuch, PfWB Tatschkappe, PfWB Dreispitz, -zipf, PfWB Tuch, PfWB Flieger, Gamasche, PfWB Gottwalts, PfWB Halsbinde, -tuch, Handschuhe, PfWB Haube, PfWB Hemd, PfWB Hose, PfWB Jacke, PfWB Kamisol, PfWB Kapuze, PfWB Kittel, PfWB Klitschenkappe, PfWB Klumpen, PfWB Koller, PfWB Kopftuch, PfWB Leibchen, PfWB Mantel, PfWB Mieder, PfWB Mutzen, PfWB Nagelbohrer, PfWB Nebelbätze, -haube, -kappe, -segler, -spalter, PfWB Rock, PfWB Salbandtappen, Schabo, PfWB Schaube, PfWB Schilee, PfWB Schlappes, PfWB Schnäppenkappe, PfWB Schoßrock, PfWB Schürze, PfWB Seelöwenkappe, Seeweck, PfWB Stauchen, PfWB Strohhut, PfWB Strumpf, PfWB Unterrock, PfWB Wams, PfWB Wasserstein, PfWB Wetterverteiler, PfWB Wollkappe, PfWB Ziehhaube, Zipfelkappe, PfWB Zweispitz. —
4. in den Zs. PfWB Ein-, PfWB Nieder-, PfWB Zwietracht. — Abl. aus tragen. Südhess. I 1621/22; RhWB Rhein. VIII 1265/66; ElsWB Els. II 741; Bad. I 521.
 
  
trach(t)-bar Adj.: = PfWB trächtig, trachtbar [ FR-Heuchh Frankth KL-H'spey Gal-Dornf], trachbar [ KL-Neukch KB-Otth FR-Colgst NW-Gönnh], trachber [RO-Gaugrw Würzw Falkst verbr. KB FR], traachber [ FR-Flomh], trochber [ FR-Mörsch]. a. 1740: Eine Tragbahre Kuh [Kurpf. 940-42 (KU-Einöll)]. a. 1751: 1 drachbar rindt [Kurpf. 973-76 (FR-Flomh)]. a. 1788: dragbare Kuhe, tragbare Loß (Mutterschwein) [Kurpf. 1631/37 (KL-Steinwd)]. — Es fällt auf, daß die NPf (RO, KB), wo -g nach Vokal meistens schwindet (vgl. PfWB Tragbahre), den ch-Laut (trachtber u. trachber) bewahrt hat (-t- kann schwinden, wie z. B. in Krischkind 'Christkind'). Aus diesem Grunde ist hier beim ersten Wortteil von Tracht und nicht von tragen auszugehen. — Südhess. I 1622.

[Bd. 2, Sp. 392]

 
  trachten schw.:
1. 'bestrebt sein'; noh'm Lewe trachde [allg.]. Mer werre trachde, daß mer vor Nacht serickkumme [KU-Kaulb, verbr.]. Subst. in Verb. mit dichten: Sei ganzes Dichde un Drachde war e eigenes Haus [verbr.]. —
2. in der Abl. betrachten. Südhess. I 1622; RhWB Rhein. VIII 1266; LothWB Lothr. 98; ElsWB Els. II 741; Bad. I 521.
 
 
Trachten-fest n.: 'Heimatfest, bei dem Trachtengruppen auftreten', Trachdefescht [verbr.]. Zs. Volkstrachtenfest. Südhess. I 1622; Bad. I 522 Z. 3. — -gruppe f.: 'Vereinsgruppe, die bei Volksfesten in einer bestimmten Volkstracht auftritt', -grupp, Pl. -gruppe [verbr.]. In der Pfalz sind nach 1950 eine ganze Anzahl von T. entstanden; sie widmen sich bes. der Pflege alter Volkstänze.
 
  
trächtig Adj.:
1. 'Leibesfrucht tragend', von Tieren, vgl. PfWB pattersch, PfWB tragen I 3. Die Kuh (de Gaul) is trächdich (dręχdiχ, drędi) [fast allg. mittl. WPf. verbr. nördl. WPf nördl. VPf, selten südl. WPf SOPf, Lambert Penns 43 verbr. Gal]; e trächdich Rind [ LU-Friesh]; e trächdich Peerd [ KU-Bedb]. Die Kuh is stark t. 'steht vor dem Kalben' [ PS-Merzalb]. Die Kuh bleibt nimmi t. 'ist unfruchtbar' [ LU-Neuhf]. RA.: Der hot e Panz (auch: e Wambe) wie e trächdichi Kuh [ Gal-Sap]. Zs. PfWB groß-, PfWB halb-, PfWB hochträchtig. Syn. PfWB pattersch, PfWB trachtbar, PfWB tragend (s. auch PfWB tragen I 3 a), tragenig, tragig, trägig.
2. s. die Zs. ein-, PfWB nieder-, PfWB zwieträchtig. — Südhess. I 1622; RhWB Rhein. VIII 1266; Bad. I 522.
 
 
Trag in Ab-, An-, Auf-, Aus-, Bei-, Be-, Ein-, Er-, Nach-, Über-, Ver-, PfWB Vortrag.
 
  
Trag-ästchen n.: 'Ästchen am Obstbaum, das Blüten und Früchte trägt', Traanäschtche [ KU-Schmittw/O]. — -bahre f.: wie schd., Traa-, Trag-, Traachbahr (drā-, dr-, drāg-, drg-, drāx-, drxbār, -br,) zur F. des Bestimmungswortes s. PfWB tragen; -- in beiden Wortteilen bes. NWPf u. SOPf, seltener in andern Teilen der Pfalz; im Grundw. , wenn nicht ō; Tragbohr [ KU-Schmittw/O], Traabohr [ KU-Obw/T Bosb FR-Merth]. Das Wort steht in Konkurrenz bes. zu PfWB Tragbäre, s. d. Weitere Syn.: PfWB Tragbett, PfWB Trage, PfWB Bahre, PfWB Bäre. — Die T. wird zum Transport von Lasten verschiedener Art verwendet; insbes. dient sie als Totenbahre. Südhess. I 1623; RhWB Rhein. VIII 1275; ElsWB Els. II 73; Bad. I 522. — -balken m.: 'tragender Balken unter der Zimmerdecke', Tragbalge [ KU-Schmittw/O], Traach- [ LA-Mörzh]; vgl. PfWB Dekkenbalken, PfWB Durchzug. Südhess. I 1623; RhWB Rhein. VIII 1275. — -band n.:
1. 'Riemen oder Gurt zum Schultern von Lasten', vgl. PfWB Traggurte.
a. am Schubkarren, Trag-, Traach-, Traaband, zur F. s. PfWB tragen u. PfWB Band [verbr.]. Das T. wird über die Schulter gelegt und an

[Bd. 2, Sp. 393]
beiden Handgriffen des Schubkarrens befestigt; so entlastet es Arme und Hände. RA.: Ich meß d'r gleich 's Traaband an! Androhung von Schlägen [ NW-Weish/S]. —
b. an der Tragbahre, Traachband [ PS-Erfw]. —
c. beim Möbeltransport, Tragband [ LU-Friesh], Traaband [ FR-Tiefth]. —
d. an der Frauenkleidung. Die Frää hot ken Hüfte, sie braucht en Tragband for ehr Röck [ BZ-Dernb]. Der Strump is mit'm Traaband am Halter feschtgemacht [ ZW-Battw]. —
2. 'Eisenband am Wagen, das Achsenstock und Tragholz umschließt', vgl. Achsenstockband in Abb. 13 bei Bett, Pl. Traabänner [KL-Schrollb Morb Fischb PS-Schmalbg], Trag- [LU-Muttstdt Klein Wag. 107]. Syn. s. PfWB Achsenband. — Südhess. I 1623; RhWB Rhein. VIII 1275; ElsWB Els. II 56; Bad. I 522.