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Pfälzisches Wörterbuch 
 
toll bis Dollen (Bd. 2, Sp. 321 bis 323)
 
   toll:
I. Adj., auch subst.
1. vom Menschen 'des normalen Verstandes, des Bewußtseins beraubt und danach sich gebärdend', vgl. PfWB töricht.
a. 'verrückt, tobsüchtig, wütend, wild, aufgeregt'. Zs. PfWB hirntoll. Er is doll [ FR-Roxh Albsh Saush NW-Esth]. Der isch jo d. im Kopp [ IB-Ballw/Weckling, ZW-Bechhf PS-Burgalb KB-Kindh]. Das isch noch a rachter Doller [ PS-Petbch]. Du Doller! [ FR-Merth, KB-Boland PS-Hintwdth]. Des is e toller Hund [KB-Stauf, verbr.]. Un e Paar Aage hot des Mensch im Kopp g'hat! Die hän em känne ganz doll mache [FR-Hettleidh (PfRSch. 29. 10. 1933)]. Er hat die dolle finf Minutte 'treibt unsinniges Zeug' [ ZW-Bottb]. Verstärkt im Wortpaar doll un deericht [verbr. NWPf]. —
b. in den Zs. PfWB fotzen-, PfWB manns-, PfWB weibertoll. —
c. 'schwindlig, betäubt, taumelig'. Aich (ich) sin ganz doll im Kopp, aich hun e doller Kopp, von den Kopfschmerzen nach Alkoholgenuß [ KU-A'glan Obw/Tiefb ZW-Bechhf Gr'bundb PS-Fehrb FR-Lambsh]. Er schlooft sich d., vom Langschläfer [ KB-Kriegsf]. Mer werd jo ganz doll [Lambert Penns 42]. Verstärkt in Wortpaaren: em de Kopp doll un voll mache [ NW-Wachh]; sich d. un voll saufe [ KU-Kaulb]; d. un därmlich (taumelig) schlaa [ ZW-Riedbg]. —
d. 'ungeschickt, unbeholfen' [ KB-Kriegsf Morschh Ilbh FR-A'lein Ebertsh]. —
e. ein Toller 'Mannsperson, die sich ungebührlich benimmt', Doller [ RO-Ruppeck]. Er spielt de dolle Ruppes [ KU-Eschau]. —
f. 'hochmütig, dünkelhaft'; e doll Minsch 'ein stolzes Mädchen' [ IB-Reinh]; e doll Hinkel, Schimpfw. [ KU-Bedb Jettb]; e dolles Hinkel [ ZW-Bechhf]. —
2. von Tieren 'tollwütig'; dafür meist PfWB wütig. De Hund is d. [ KL-Neukch]. Schlagt'n dout wie en tolle Hund [ BZ-Dernb]. —
3. von Sachen 'fein, gut', umgspr., vgl. PfWB prima [verbr., PfId. 34]. Jetzt hammer awwer ä dolli Stubb, von der neu hergerichteten Stube [Kaislt]. —
II. Adv. Die han's doch e bißche doll getrebb (getrieben) [KL-Kindsb, verbr.]. Bei dene is es wieder emol doll hergang [Kaislt]. Das Auto fahrt toll [verbr.]. Er dut doll rerre 'wirr reden' [ FR-Saush.]. — Südhess. I 1562/63; RhWB Rhein. VIII 1223 ff.; Saarbr. 210; LothWB Lothr. 95; ElsWB Els. II 677; Bad. I 497.
 
 
Dollar m.: Währungseinheit der USA, Dollar (dǫlÄr) [allg.], Daaler [Penns Gal-Obl]; vgl. PfWB Taler. Südhess. I 1563; Bad. I 497.

[Bd. 2, Sp. 322]

 
   Dollar-hut m.: 'Hut mit breiter Krempe', Dollarhut [ LU-Alsh]. — -land n.: 'Vereinigte Staaten von Amerika', -land [verbr.]. Er will ins D. [ LA-Gommh]. Warum bischde dann net in Amerika, dem D., geblibb? [ KL-Reichb].
 
 
Toll-bohne f.: 'Saubohne (Vicia faba)', Pl. Dullebaune [VPf, bes. südl. Teil]. Wilde 26 führt das Bestimmungswort auf toll 'närrisch' zurück, weil der Genuß der Saubohne den Schlaf störe und die Sinne verwirre; zudem habe man früher das giftige Bilsenkraut u. a. als Saubohne bezeichnet. — Das Endungs-e des Bestimmungswortes ist die Pluralendung des Adjektivs (die dulle Baune); vgl. Gelleriewe 'Mohrrüben' (aus 'die gelben Rüben' entstanden). — Marzell 96 Dullebaune.
 
  
Doll-, Dollen-bohrerm.:
1.
a. 'Löffelbohrer zum Bohren von Löchern, in die die Holzzapfen (s. PfWB Dollen 1 a) gesteckt werden', von Zimmerleuten, Wagnern und Schreinern gebraucht, Dollbohrer, -bohre (dǫlbōrər, -bōrə) [ KU-Altkch Patb Kaislt], Dollebohrer [Bienwaldgegend (PfL 11. 8. 1922)]; vgl. PfWB Dübelbohrer. a. 1750: Ein dollenbohrer [SSp., v. d. Leyen, Fasz. 100]. —
b. 'Zangenschaufel zur Aushebung von Pfostenlöchern', Dollbohre [Kaislt]. —
2. übertr.
a. 'Mensch, der von einer fixen Idee besessen ist, der beharrlich etwas Abstruses anstrebt', Dollbohrer, -bohre [RO-Sippf Rockhs KL-O'arnb Kaislt]; 'verrückter, närrischer Mensch, unberechenbar und unüberlegt in seinen Handlungen' [ KU-Trahw ZW-Bottb L'wied NW-Neidfs FR-Mörsch]. Das is e Dollbohrer [RO-Sippf]. Du Dollbohre! [ FR-Mörsch]. —
b. 'griesgrämiger Sonderling'. An Faßnacht kammer kää Dollbohrer mit miese Gesichter brauche [Kaislt]. —
c. 'dummer, ungeschickter Mensch' (-bōrər, -bōrə) [verbr. WPf NPf nördl. VPf NW-Elmst LA-Burrw BZ-Billh], (-bōrÄ) [Pirmas (jüngere Gener. aller, ältere Gener. der unteren u. mittleren Schichten, Otterstetter 251)]; vgl. PfWB Tolpatsch. Syn. s. PfWB Tappes 1 a. Du Dollbohrer, was haschen do schun wirrer aangestellt? [KL-Dansbg, verbr.]. — Bed. 2 entwickelte sich offenbar unter Einwirkung von toll und PfWB bohren, und wohl, wie ihr Fehlen bei den Auslandspfälzern vermuten läßt, erst in jüngerer Zeit. Nach Südhess. I 1564/33 stammt sie aus der Wormser Gegend. Mit dieser Feststellung verträgt sich gut, daß diese Bed. bei uns ihre relativ stärkste Belegung in der nördl. VPf u. östl. NPf hat. — RhWB Rhein. VIII 1228; ElsWB Els. II 82; Küpper II 86.
 
  
doll-bohrig Adj.: dollbohricher Hund, Schimpfwort [ KL-Lind]. — Zu PfWB Dollbohrer 2.
 
  
Tolle f.: 'Haarlocke', umgspr., Doll [ LU-Hochd]. — Abl. von Dolden.RhWB Rhein. VIII 1231; DWB DWb. XI/1,1 Sp. 637.
 
 
Dolle-baum, -bohne s. Tulipan; Tolle-bohne s. PfWB Tollbohne.

[Bd. 2, Sp. 323]

 
   Dollen1 m.:
1.
a. 'Holzdübel in der Steinwand, in den man Eisennägel und Schrauben hineintreibt', Dolle [ KU-Kaulb]; 'Holzzapfen, den man in das Astloch eines Brettes einsetzt' [KU-Patb Kaislt Pirmas Land]; 'Holzzapfen, mit dem im Hausbau die Balken verbunden werden' [Bienwaldgegend]; 'Holzzapfen, mit denen die Felgenteile des Holzrades verbunden werden' [Kaislt]; die Löcher für den Dollen werden mit dem Dollbohrer 1 gebohrt, vgl. PfWB Dübel. —
b. 'Eisenstift, mit dem die Kette des Vorderpfluges am Hinterpflug befestigt wird' [ KB-Boland]; vgl. Pflug-, PfWB Spannagel. —
2. übertr. 'ungeschickter, unbeholfener Mensch', Dolle [ PS-Schönau BZ-Nd'ottb Steinf Kapswey GH-Berg Neubg]; vgl. PfWB Dollen, PfWB Dolles, PfWB Dollbohrer 2. Zs. PfWB Hansdollen. Syn. s. PfWB Tappes 1 a. — Südhess. I 1564; RhWB Rhein. I 1390; Saarbr. 48; ElsWB Els. II 677; Bad. I 497 Dolle u. Tollen.