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Pfälzisches Wörterbuch 
 
dengeln bis Denk-zettel (Bd. 2, Sp. 212 bis 216)
 
   dengeln schw.:
1. die Sense, die Sichel d. 'die Scharten und Krümmungen an der Schneide der Sense (der Sichel) mit dem Dengelhammer auf dem Dengelstock ausschlagen und die S. dadurch schärfen', dengele (dęŋələ) bzw. dengle (dęŋlə) als Hauptformen, dingele (diŋələ) bzw. dingle (diŋlə) in Kleingebieten, s. K. 87, dangele [ RO-Rehborn KL-Mackb]. RA.: Ich bin so satt; uf meim Nawwel kinnt mer än Sens dengle [ PS-Erfw, KU-Kaulb]. Fraa, flick mer die Hose! ... Wann du mer mei Hose nit flickscht, no dengl ich der die Sichel nit! [PfL 15. 9. 1934 (BZ-Wernbg)] a. 1514: Martin schmyd von otterstad hat er verdient ... mit schmyden vnd dyngeln [SpeyGgHosp-R]. —
2. 'schnell gehen oder springen', dengele [ KL-Lind, jüng. Gener.]. Syn. s. PfWB gehen. —
3.
a. 'prügeln'; ene dingele [KL-Wörsb, verbr. WPf LU-Altr]. Ich han'ne gedengelt [Zweibr]. Die Buwe han enanner uf de Kerb gedengelt [ KU-Blaub]. Syn. s. PfWB verhauen. —
b. 'abschlagen', von Früchten auf den Bäumen. Bis sich in Lautre mol e großstädtischer Geischt dorchgesetzt hat, denglen se mit unsere Knoche die Niß vun de Bääm [Pfälzer Volkszeitung 30. 3. 1966]; vgl. PfWB bengeln 2. —
4. 'quälen, plagen'. Du mich net so dengle! [ LA-Venn SP-Schiffstdt]. Johrelang hat die Braune-Lies an'm gedengelt un gedeiwelt [JKurpf. 1926 S. 60]; vgl. PfWB türangeln. Syn. s. PfWB quälen. — F.: Die weithin herrschende Lautform dęŋələ, bzw. dęŋlə zeigt die auch sonst vor Nasal + Konsonant zu beobachtende Senkung von mhd. e (vgl. tengelen, Lexer II 1401) zu ę (vgl. z. B. Christmann Kaulb. § 14, Heeger Südostpf. § 6, Bertram § 60). Verstärkte Tendenz zur Senkung liegt vor in der für RO-Rehborn und KL-Mackb (hier neben dęŋələ) bezeugten Form daŋələ; doch könnte hier Dangel 'durch Dengeln erzeugte Schärfe' mit eingewirkt haben. Geschlossenes e (deŋələ bzw. deŋlə) ist in der mittleren und wohl auch in der nördlichen Vorderpfalz (vgl. Südhess. I 1467) zu hören. Ob diŋələ bzw. diŋlə auf die mhd. Nebenform tingelen (Lexer a. a. O.) unmittelbar zurückgeht oder durch spätere Hebung von e vor Nasal + Konsonant zu i hervorgegangen ist, läßt sich nicht mit Sicherheit sagen. Für die letztere Annahme sprechen Formen wie himb 'Hemd', biŋəl 'Bengel', siŋənesəl 'Sengnessel, Brennessel' in der südl. VPf (vgl. Heeger a. a. O)‧ Die Verbreitung von diŋələ bzw. diŋlə in Kleingebieten der NWPf

[Bd. 2, Sp. 213]

und im Westteil der südl. VPf sowie in einzelnen Orten anderer Teile des Gebietes (s. K. 87) läßt vermuten, daß sie ehedem ein weit stärkeres Gewicht in der Pfalz hatte, vielleicht sogar deren herrschende Form war. — In der Reduktion des Vokals der (unbetonten) Mittelsilbe lassen sich, wie aus Karte 87 zu ersehen ist, deutlich zwei Stufen erkennen: Schwächung zu -ə- (dęŋələ, diŋələ) von W und N her im Hauptgebiet der Pfalz, völliger Schwund (dęŋlə, diŋlə) in einem ansehnlichen Teil des Südostens bis südlich und westlich Pirmasens. —

[Bd. 2, Sp. 214]
Südhess. I 1467/68; RhWB Rhein. I 1239; Saarbr. 45; LothWB Lothr. 85; ElsWB Els. II 689; Bad. II 457; DWAVIII/8.
 
  
Dengel-stock m.: 'kleiner, in einen Holzklotz eingelassener Amboß, auf dem die Sense (die Sichel) mit dem Dengelhammer gedengelt wird', Dengelstock [verbr. (1930), auch Penns Don Gal Buch]. Der D. ist oben entweder flach und breit, dann wird mit der Schmalseite des Hammers gedengelt [ RO-Rehborn GH-Zeisk]; oder er ist oben schmal, dann dengelt man mit der breiten Schlagfläche des Hammers [ LU-Altr]. Südhess. I 1468; RhWB Rhein. I 1240; LothWB Lothr. 85;

[Bd. 2, Sp. 215]
ElsWB Els. II 584; Bad. I 457. — -stuhl m.: 'bockartiger Schemel mit dem in einen Klotz eingelassenen Dengelstock an der Stirnseite des Gerätes', -stuhl [ Don-St. Andreas], -stihlche [ Gal-Dornf]. RhWB Rhein. I 1240.
 
  
denken schw.:
1. 'Überlegungen anstellen', denke, dinke, Part. Perf. gedenkt, gedinkt, gedaacht, s. F. [allg.]. Was (auch: An was) denkschde? [PS-Ruhbk, verbr.]. Was hoscht der dann debei gedenkt? [ Gal-Dornf, allg.]. RA.: Ich halle 's Maul un denke mer mein Deel [KL-Katzw, verbr.]. Er denkt nit weiter als sein Nas geht [ KU-Bosb]. SprW.: Der Mensch denkt, Gott lenkt [allg.]. Denk dreimol, eb (ehe) du schwätscht [Penns]. —
2. 'gesinnt sein'. SprW.: Im Suff redt ener, was'r nichtern denkt [ LU-Böhl]. Wer ehrlich denkt und dut recht, der bringt's zu nix un 's geht'm schlecht [ LU-Böhl]. —
3. 'im Sinn haben, beabsichtigen'. Ich hab mer's annerscht gedinkt 'meinen Vorsatz geändert' [ PS-Leim BZ-Rinnth]. RA.: Mei Herz im Leib hatt net dran gedenkt [PS-Gersb, verbr.]. —
4.
a. 'meinen, glauben'. Wann de jetzt nit ruhich bischt, du ich der eppes verglickere (erzählen), was ich meen un denk [ NW-Gimmdg]. Der sääscht grad, wie'r denkt [ LU-Opp]. Eich daacht (ich dachte), eich kennt euch vielleicht noch inhole [Feierowend Nr. 47/1953]. —
b. 'sich etwas vorstellen'. Ich hammersch (habe mir's) doch gedaacht, daß die Sach so ausgeht [KL-Gimsb u. Umg.]. Denke därf mer's, awwer nit saache [ LU-Opp]. —
5. an etwas, an jemand d.
a. 'sich an etwas, an jemand erinnern'; vgl. PfWB gedenken. Ich denk an was 'Es fällt mir etwas ein' [ KU-Nerzw Bedb, FR-Bissh]. Ich verschlaa dich, daß de an mich denkscht [ RO-Obd]. Die denke mer 'Ich denke noch immer an jene Hiebe' [ KU-Schmittw/O]. Ich war noch e kleener Bu, awwer 's denkt mer noch ganz gut [Kunnrädel 117]. Scherzh. Gutenachtwunsch: Angenehmer Flohbiß! Wann's dich beißt, denkscht an mich! [LU-Limbghf, verbr.]. Äänmol gut gelebt, denkt em lang [ HB-Kirrbg]. Wann ich an mei Elend denk, wackeln alle Disch un Bänk [ Gal-Dornf]. Denk net dran, noh dut's net weh [Kaislt Pirmas PS-Saalstdt]. Volksgl.: Wammer an eppes denkt un niest debei, werd's wohr [Fogel Beliefs Penns Nr. 363]. —
b. 'etwas, jemand in den Mittelpunkt seines Strebens stellen'. Der denkt nore ans Schaffe 'an die Arbeit', an sei Fraa un Kinner; an sich selwert denkt er seletscht 'zuletzt' [Gal-Dornf, verbr.]. —
6. 'eine Meinung von etwas, von jemand haben, über etwas, jemand urteilen'. Ich han's grad erausgesaat, wie ich's gedenkt han [KU-Kaulb, verbr.]. Ich denk net viel vun sellem 'Ich halte nicht viel davon' [Buffington Penns Var. 241]. Do hat de Noah glei gedenkt: Die Leit, die heere all gehenkt [Münch Weltgesch. 31]. Halt, häwich (habe ich) bei mer gedenkt: Alderle, mich kriegscht nit dran [ NW-Gimmdg]. Der denkt aach, er wär

[Bd. 2, Sp. 216]
e Haufe mehner [ Gal-Bagbg]. RA.: Der denkt aach, liewer mein wie unser, von einem, der sich anzueignen versucht, was (z. B. in der Familie) allen gehört [Gal-Dornf, verbr. Don Gal Buch]. SprW.: Fär 's Denke kann'm niemand henke [Fogel Penns Prov. Nr. 284]. — F.: fast allg. dęŋgə; diŋgə belegt für KU-Dietschw ZW-Marthh PS-Geisbg Leim BZ-Rinnth GH-Max'au. — Part. Perf. fast allg. gədęŋgd bzw. gədiŋgd; gədāxd in RO-Rehborn KL-Gimsb u. Umg.; gədaxd in LU-Opp. Zur Konjugation im Präs. vgl. PfWB bringen; iχ (aiχ) dęŋgə vielfach NWPf, bes. älteste Gener. Hie und da war im Westteil der WPf um 1930 noch das Präteritum (iχ dāxd) gebräuchlich. Der Konj. Prät. (iχ däχd) für Don-Lenauh u. Gal-Dornf belegt. — Südhess. I 1468 ff.; RhWB Rhein. I 1315 ff.; Saarbr. 45; LothWB Lothr. 85; ElsWB Els. II 692; Bad. I 458.
 
 
Denker in PfWB Freidenker.
 
 
Denk-fehler m.: wie schd.; mancherorts, doch kaum volkstümlich. — -mal n.: wie schd.; e Denkmal setze, seltener Denkmool [verbr.]. Südhess. I 1470; RhWB Rhein. I 1319; Bad. I 458. — -spruch m.: 'Konfirmationsspruch', -spruch [ KU-Schmittw/O]. Südhess. I 1470; RhWB Rhein. I 1319; ElsWB Els. II 558. — -stein m.: 'Stein zur Erinnerung an einen Verunglückten oder Ermordeten', -stään [NW-Elmst, verbr.]. Bad. I 458. — -zeichen n.: 'Narbe, die von einem Unfall oder von einer Schlägerei herrührt', -zääche [ LA-Gommh]; vgl. PfWB Denkzettel. Südhess. I 1470; Rhein. I 1319. — -zettel m.: = PfWB Denkzeichen, -zeddel, -zerrel [verbr.]; e Denkzettel gewwe 'verhauen' [HB-Erb, verbr.]; e Denkzerrel anhenke, dass. [ KL-Enkb, KL-Reichb NW-Weish/S]. Südhess. I 1470; Rhein. I 1319; ElsWB Els. II 916; Bad. I 458.