Wörterbuchnetz
Pfälzisches Wörterbuch 
 
Deisem bis Deisem-schüssel (Bd. 2, Sp. 201 bis 203)
 
   Deisem1 m.:
1. gegenst.
a. 'Sauerteig', Dääsem (dsə)m, (-z-) [(1930) verbr. mittl. u. südl. WPf VPf Gal-Gelsendf], Deesem (dē-) [ KU-Diedk HB-Lu'thal Ingb ZW-Gr'bundb Krähbg Zweibr PS-Schmalbg Gal-Neu-Chrusno], Daasem (dā-) [ KU-Kaulb Kreimb Rothsbg RO-Messbhf], (d-) [verbr. östl. NPf Gal-Josbg], Däisem (dęi-) [ KU-Schmittw/O]; vgl. PfWB Teigsamen. Zs. PfWB Ribbel-, PfWB Sauerdeisem. Der D. ist eine kleine Menge Teig, die nach jedem Bakken

[Bd. 2, Sp. 202]
zurückbehalten und entweder als ganzes Stück oder zu kleinen Teigstückchen zerrieben (s. PfWB Ribbel) in einem Topf oder in einem Säckchen für das nächste Brotbacken aufbewahrt wird. Der Dääsem muß verzehn Dag goore (gären), berrer (bis er) gut is [KL-Gimsb u. Umg.]. a. 1531: und soll bei seinem zug haben ein katz, ein deisumb, ein hannen [Grimm Weist. V 672 (PS-Wallhalb)]. o. J.: Wie ein mann denn zogkfollen forren vnnd ziegen soll: Item er soll anfangs seinen wagen stellenn vnnd die Tissel (Deichsel) zue seinem hoff vßkerren daroff zum ersten laden seinenn meussehontt (Wildkatze) seinen hannen vnnd seinen deyßum [SSp., Falkenstein, Fasz. 106]. a. 1532: so soll der becker inne heyßen den deyssum weichen vnd auch inne bescheydenn, wo er die muollen (Backmulde) holen soll [PfWeist. I 267 (KB-Dreis)]. —
b. ' Teig', Dääsem [ KU-Trahw GH-Vollmw]. —
2. übertr.
a. sachl.
α. 'großes Durcheinander'. De eerscht groß D. isch erum, vom Durcheinander am großen Waschtag, am Schlachtfest, anläßlich einer Hochzeit [GH-Westh, LA-Impfl]. Dr Deiwel kennt sich in denne ehrem D. aus [KL-Gimsb u. Umg.]. Der hot en D. bei sich, wenn einer zuviel gegessen hat [ LA-Nd'hochstdt]. Syn. s. PfWB Wirrwarr. —
β. 'Schwierigkeiten, unangenehme Situation'. Der do hat mer e D. angerehrt [ KL-O'arnb]. 'm Nochber sein Fraa sitzt im D. 'im Wochenbett' [KL-Gimsb u. Umg.]. Der hot e D. 'hat Schulden' [Land]. —
γ. 'halbfeuchter Aschenrest in der Tabakspfeife' [ NW-Geinsh]. —
b. persönl.
α. 'nachlässiger, träger Mensch'. Das es dr e Daasem [ RO-Felsbghf], e Dääsem [ KU-Schellw WD-Niedkch], e Däisem [ KU-Schmittw/O]; auch als Scheltw. gebraucht. Syn. s. PfWB Schlampes. —
β. 'ungeschickter, unbeholfener Mensch', e Dääsem [ KU-Erdb Bedb]. Syn. s. PfWB Tappes 1 a. — Mhd. deisme, ahd. deismo 'Sauerteig, Hefe'. — Südhess. I 1462; RhWB Rhein. I 1311; Saarbr. 43; LothWB Lothr. 84; ElsWB Els. II 719; Bad. I 454.
 
 
Deisem2 'Eiter' s. PfWB Eißen.
 
  
Deisem-brot n.: 'Brot, das mit Sauerteig gebacken wird', vgl. PfWB Deisem 1 a, Dääsmbrout [ NW-Gimmdg]. RhWB Rhein. I 1311. — -hafen m.: 'Topf zur Aufbewahrung des Deisems 1 a', Dääsemhawwe [ LA-Leinsw GH-Schwegh], -häwwel [ LA-Kirrw], -haffe [ GH-Kand]; vgl. PfWB Deisemkachel, PfWB -kasserolle, PfWB -sack, PfWB -scherben, PfWB -schüssel.
 
  
deisemig Adj.: 'langsam, lahm, bequem'. Dort geht's so däisemich zu [ KU-Schmittw/O]. — Zu PfWB Deisem 2 b.
 
  
Deisem-kachel f.: 'irdener Topf zur Aufbewahrung des Deisems 1 a', Dääsemkachel [ GH-Wörth], vgl. PfWB Deisemhafen. — -kasserolle f.: 'Kasserolle zur Aufbewahrung des Deisems 1 a', -kasseroll [ BZ-Apphf], vgl. PfWB Deisemhafen. — -kauer m.: 'wer beim Sprechen den Mund nicht

[Bd. 2, Sp. 203]
richtig aufmacht und undeutlich spricht', -kauer [ KL-Reichbstg]; vgl. PfWB Breimaul 2 c. — -sack m.:
1. 'Säckchen, in dem der Deisem 1 a aufbewahrt wird', -säckelche [ WD-Niedkch]; vgl. PfWB Deisemhafen. —
2. 'schwerfälliger, langsamer Mensch', -sack [NPf (NPfGV 1926 S. 18)]; vgl. PfWB Deisem 2 b. — RhWB Rhein. I 1311; Bad. I 454. — -scherbe f., -scherben m.: 'irdener Topf zur Aufbewahrung des Deisems 1 a', -schärb [ NW-Hamb Lach LA-Walsh Böching], -schärwe [ LA-Nußd LA-Gleisw], vgl. PfWB Deisemhafen. — -schüssel f.: 'Schüssel zur Aufbewahrung von Deisem 1 a', -schissel [verbr. südl. VPf], -schissele (Dim.) [ SP-Dudhf GH-Westh]; vgl. PfWB Deisemhafen.