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Pfälzisches Wörterbuch 
 
ver-leumden bis ver-loben (Bd. 2, Sp. 1214 bis 1217)
 
ver-leumden, schw.
Ver-leumder, m.
Ver-leumdung, f.
ver-lickern, schw.
ver-lieben, schw.
ver-liederigen, schw.
ver-lieren, st.
ver-lieschen, schw.
ver-lieschten, schw.
ver-liesen
ver-lizitieren, schw.
ver-loben, schw.
Ver-lobigung, f.
Ver-lobung, f.
Verlobungs-essen, n. n. m.
Verlobungs-geschenk, n. n. m.
Verlobungs-ring, n. n. m.
ver-lochen, schw.
ver-locken, schw.
ver-lockern, schw.
ver-löckseln, schw.
ver-logen, Adj.
ver-logenig, Adj.
ver-lohnen, schw.
ver-lorchen, schw.
verloren-gehen, st.
ver-löschen, schw.
ver-losen, schw.
Ver-losung, f.
ver-löten, schw.
ver-lotschen
ver-lotteln, schw.
ver-lottern, schw.
ver-lozeln, schw.
ver-lözeln, schw.
ver-lückern, schw.
ver-ludern, schw.
ver-lugen, schw.
ver-luhen
ver-lumpen, schw.
ver-luren, schw.
ver-lauern, schw.
Ver-lust, m.
ver-lustieren, schw.
ferm, Adj.
ferm, Adv.
ver-machen, schw.
ver-mackesen, schw.
ver-magern, schw.
ver-mähen, schw.
ver-mahlen, st.
ver-mahnen, schw.
Ver-mahnung, f.
ver-makai(em)en, schw.
ver-makeln, schw.
ver-maledeien, schw.
ver-malen, schw.
ver-malmedeien
ver-malmen, schw.
ver-malträtieren, schw.
ver-mampfeln, schw.
ver-mamschen, schw.
ver-manschen, schw.
ver-manschieren, schw.
ver-mänteln, schw.
ver-marken, schw.
ver-märlen
ver-maseln, schw.
ver-masern, schw.
ver-maskieren, schw.
ver-massakrieren, schw.
ver-matscheln, schw.
ver-matschen, schw.
ver-matzeln, schw.
ver-matzern, schw.
ver-mauern, schw.
ver-mauscheln, schw.
fermd
Ferme, f.
fermee
ver-mehren, schw.
ver-meideln, schw.
ver-meiden, st.
ver-melden, schw.
fermentieren, schw.
ver-messen, st.
ver-messen, Adv.
ver-metzeln, schw.
ver-micheln, schw.
ver-mieten, schw.
ver-milben, schw.
ver-milbern, schw.
ver-mischen, schw.
ver-mischeln, schw.
ver-mißmuffeln, schw.
ver-mitteln, schw.
Ver-mittler, m.
verm-jahr
ver-möbeln, schw.
ver-modeln, schw.
  ver-leumden schw.: wie schd., umgspr., ve(r)leimde [verbr.], -leumde [verbr. mittl. VPf]. Syn.: PfWB anschwärzen, PfWB auskehren2 2, PfWB auskreischen 1, PfWB ausmachen I 2, PfWB ausrichten 4, PfWB austragen 2, PfWB durchhecheln 2 a, PfWB verhecheln, PfWB verkalfaktern 1, PfWB verkleinern, PfWB verpatschen 2 b, PfWB verrätschen 1, PfWB verschwadieren, PfWB vertratschen. Südhess. II 554; RhWB Rhein. V 421; Bad. II 81.
 
  
Ver-leumder m.: wie schd., umgspr., Ve(r)leimder [verbr.]; vgl. PfWB Ehrabschneider. E V. is de traurichscht Kerl uf der Welt [ KL-Reichb]. Bad. II 81.
 
  
Ver-leumdung f.: wie schd., umgspr., Ve(r)leimdung [verbr.]. Des isch e V.! [ GH-Kand].
 
  
ver-lickern schw.: 'schlau herausfinden', verlickere [ IB-Nd'würzb]. Die Hinkel han's schun verlickert, wie se in de Garde kumme kenne [ebd.]. ElsWB Els. I 582; Bad. II 81; Schwäb. II 1221.
 
  
ver-lieben schw.: sich v., wie schd., ve(r)liewe [allg.]. Syn.: PfWB vergaffen 1, PfWB vergucken 2, PfWB verhaspeln 2 b, PfWB verkeilen 3, PfWB verknallen 3, PfWB verlugen, PfWB vernarren 2, PfWB verschießen 6, PfWB versitzen 3 b. Ich bin verliebt [ FR-Mühlh], verlibbt [ KL-W'lein FR-Merth NW-Ruppbg]. Er hot sich in sie verliebt [NW-Freinsh, verbr.]. Sie sin verliebt innanner [ LU-Opp]. Er macht verliebte Auwe [Kus, verbr.]. Er is verliebt bis iwwer (bis hinner) die Ohre [KU-Krottb, verbr.]. RA.: Er is verliebt wie e Gardekrott [Hebel 18], wie e Dreckkäwwer [ NW-Frankeck]. Er macht e Gesicht wie e velibbder Maikäwwer [ KL-W'lein], wie e verliebder Kader [ LU-Limbghf], wie e v. Hering [Pirmas]. Die Kechin es verliebt, wenn das Essen versalzt ist [KU-Diedk, verbr.]. Viel verliebt, wennich verlobt un gar nit verheirat, von einem Junggesellen, der viel auf Freiersfüßen geht, aber nicht heiratet [ PS-Erfw]. Man zählt an den Knöpfen des Rockes ab und sagt: Veliebt, velobt, veheirat [LU-Limbghf, verbr.]; auch: Veliebt, velobt, vekloppt [ LU-Opp]. SprW.: Veliebte sein net gescheit [ KU-Bedb RO-Dielkch], sin nie (sin niemols) gescheit [verbr. VPf]. Südhess. II 554; RhWB Rhein. V 454; ElsWB Els. I 545; Bad. II 81.
 
  
ver-liederigen schw.: 'sehr vernachlässigen'. Er dut alles verlirreriche [ KU-Kaulb]; vgl.

[Bd. 2, Sp. 1215]
PfWB verlotteln 1. De Wingert isch verliddericht [ NW-Deidh]. — Zu PfWB liederig 'liederlich'. Südhess. II 554/55; RhWB Rhein. V 445; LothWB Lothr. 147; ElsWB Els. I 563; Bad. II 81 Z. 4.
 
  
ver-lieren st.:
1. trans.
a. 'unabsichtlich etwas fallen-, liegen-, stehenlassen und nicht wiederfinden', ve(r)leere (-lērə) [WPf NPf], -liere (-līrə) [VPf]; Part. Perf. -lōr/-lōrə, vgl. gebroch/gebroche (K. 1). Syn.: PfWB vergammeln 2, PfWB verschleifen2 1 a, PfWB verschleppen 1 a, PfWB vertupfen 2 b, PfWB verzetteln 3. Ich hab mein Messer verlore [ NW-Kallstdt, allg.]. De Gaul hat e Hufeise verlor [ PS-Schmalbg, allg.]. Zuruf an den Hund, erlegtes Wild zu bringen: Such, verlore! [ BZ-Gossw, KU-Schmittw/O]. Die Bewohner von RO-Rehborn neckt man: Eich hun die Struhsaal (die Strohseile) velur. RA.: Er is geloffe, daß er ball die Absätz verlore hätt [BZ-Albw, verbr.]. Er hatt ball die Stiwwel verlor, so gelaufen ist er [ ZW-Bechhf]. Ich jach dich, daß de die Socke verleerscht [ KU-Schellw]. Er kommt in die Hitz, wie e Kihbauer, der 's Joch verlor hat [ KU-W'mohr]. Den hot de Esel im Galopp verlor, von einem unehelich Geborenen [Don-Ulmb verbr. Gal Buch]. Er dut finne, wo nix velor war 'Er stiehlt' [ RO-Callb]. Er dät noch de Aarsch veliere, wann er nit angewachse wär [ LA-Nußd]. SprW.: Wann de Beddelmann nix hun soll, verleert er 's Brot aus'm Sack [ Gal-Brotschk]. Wer nix hot, der verliert nix (der hot nix se veliere) [PS-Haust, verbr.]. Besser der Hut verlore as der Kopp [PennsDeitschEck 5. 10. 1935]. 's Haus veleert nix 'Ist etwas im Haus verlorengegangen, muß es sich wiederfinden, es sei denn, es ist hinausgeschleppt worden' [FR-Albsh, verbr., auch Don Gal Buch Rußl]; dass. mit dem Zusatz: saat selli Fraa, do hot se e Kinnerschickelche im Sauerkraut funn [ KU-Bedb]; Var. s. PfWB Eck 1. VR.: Es rechet (regnet) uf die Bricke, die Bricke isch so naß; mir hawwe was verlore, un wisse net recht, was [ NW-Geinsh]. —
b. 'einbüßen'.
α. Die Hinkel verlieren die Feddere [ NW-Deidh, allg.]. Er hat im Krieg de recht Aarem velor [ KL-Reichb]. Sie hot bei der Operation viel Blut verlore [LU-Böhl, verbr.]. 's Kind veliert die Milchzähn [LU-Neuhf, verbr.]. Du hoscht jo ganz die Farb velor! [ RO-Semb]. Er hot de Mut (die Kurasch) verlore [FR-Mörsch, verbr.]. RA.: Wann der e Aarm (e Finger) veliert, hat er e Sprachfehler, von einem, der beim Sprechen viel gestikuliert [Kaislt]. SprW.: E alder Wolf verliert wohl die Hoor, awwer nit die Nube (Naupen 'Launen') [IB-Bliesmg/Bolch, verbr. Gal]; Var. s. PfWB Fuchs. Wo nix is, do hot aach de Kaiser sein Recht verlore [LU-Opp, verbr. Don Gal Buch]. Volksgl.: Dein beschder Freind sterbt, wannde traamscht, du hättscht en Zahn verlore [Fogel Beliefs Penns Nr. 270]. Wann en Kuh der Idrich verlore hot 'nicht wiederkauen kann', soll mer erjeds (irgend) hingeh un en Stick Brot

[Bd. 2, Sp. 1216]
stehle un es der Kuh fiedre [ebd. Nr. 726]. VR.: Korz geschor, hat 's Ohr verlor; hat 's widderfunn, hat's angebunn [Kus]. o. D.: da der Glan in die Naa fluzzet und sinen namen verluset [Grimm Weist. V]. o. D.: ein stein in dem Rothwaltlin, derselb ist da verlohren worden, vnd ist ein ander stein da gefürth worden [PfWeist. I 15 (KL-Alsbn)]. a. 1581: Welcher hirtt eim nachpfarn (Nachbarn) ein vih verliert vnd nicht redlich vrsachen ahnzeigen kan, wie es gestorben oder woh es hinkomen sey, der soll das vih bezallen [ebd. I 47 (KU-A'glan)]. —
β. übertr. RA.: Er hot die Schneid 'den Mut' velore [LA-Frankw, verbr.]. Velier doch net gleich de Kopp! [LA-Knöring, verbr.]. Er hot en Schraub (en Mutter) verlore 'ist verrückt' [ LU-Fußgh]. Sie hot ehr Herz verlore 'ist verliebt' [ GH-Freckf]. Du hoscht de Foorem (Faden) verlor 'kennst den Zusammenhang nicht mehr' [ KU-Schmittw/O]. Der Gaul do hot sein Taafschein aach schun lang verlor, von einer alten Mähre [KL-Gimsb u. Umg.]. An dem hot unser Herrgott 's Mooß verlor, von einem großgewachsenen Menschen [verbr. Gal]. —
c. 'nicht gewinnen, verspielen'. Er hot de Prozeß (die Partie) verlore [FR-Bockh, verbr.]. 's Spiel is noch net velor 'Unsere Lage ist nicht aussichtslos' [Kaislt, verbr.]. —
2. intrans., wie schd. Er hat im Spiel velor [KL-Hoheck, verbr.]. SprW.: Un wammer gewinnt, hot mer doch verlore [ LA-Nd'hochstdt]. Wooe 'das Wagen' gewinnt, Wooe veleert awwer aa [ KL-Reichb KU-Schmittw/O]. 's is besser mit'm Gescheide se verleere, wie mit'm Dumme se gewinne [ Gal-Brotschk]. —
3. refl. Im Wald kammer sich leicht verleere [KB-Bischh, verbr.]. Er verliert sich in de Kläärer [ PS-Hintwdth, HB-Kirrbg LU-Alsh]. Die Sunn verliert sich (hinter den Wolken) [PS-Windsbg, verbr.]. SprW.: 's Esse sell mer niemand vewehre, das dut sich vun selwert veleere 'Man soll sich über den guten Appetit eines Menschen freuen' [ KU-Kaulb]. Volksgl.: Wammer sich im Busch verlore hot, soll mer der Rock rumdrehe [Fogel Beliefs Penns Nr. 2074]. Du sollscht dich doch verleere!, Verwünschung [Kühn Schnitze II 204]. —
4. adj. Part. Perf., wie schd.
a.
α. präd. Do is jedes Wort verlore 'vergeblich' [NW-Hardbg, verbr.]. Mit Haut un Hoor verlor [ RO-Dielkch LU-Opp Friesh]. Was so e armer Wittmann is, der is velor, der is beschiss [Kieffer Bilderb. 50]. An dem is Hoppe un Malz velore, von einem Unbelehrbaren [NW-Freinsh Wachh Klein Prov. 202]. Wann denne unser Herrgott net besser kennt, is er verlor [ IB-Bliesmg/Bolch]. Scherzh. Antwort auf die Frage, wo jemand sei: Im Hemm (Hemd) un zwische de Ohre; wann er dort net is, is er velore [ LU-Alsh]. SprW.: 's sein (in der Erziehung) käin Schlää verlor, als wie die, wo newenaus gihn [ KU-Schmittw/O]. Schwarz geboreesch Wische un Wäsche velore 'Gegen Erbanlagen ist jede

[Bd. 2, Sp. 1217]
Erziehung machtlos' [ BZ-Dierb]. —
β. attr. Durch Überreife ausfallende Körner sind verlorene Kirner [ GH-O'lustdt]. Eine Gewanne bei Hombg heißt 's verlorene Feld. SprW.: Frih uf un spät nirrer (nieder), bringt velore Gut wirrer [ RO-Als LU-Opp]. —
b. adv. 'allmählich, kaum merkbar'. De Weg zieht sich so ganz verlore enuf [ KU-Kaulb Kreimb Roßb WD-Niedkch RO-Kalkof KL-Hirschhn O'mohr]. 's geht verlore enuf [ KU-Schmittw/O]. —
5. s. PfWB verlorengehen. — Südhess. II 555/56; RhWB Rhein. V 467/68; LothWB Lothr. 147; ElsWB Els. I 607; Bad. II 81/82.
 
  
ver-lieschen, -lieschtenschw.: 'mit Lieschgras abdichten'; 's Faß verliesche [ LA-Ranschb], -lieschde [SOPf]. — Zu PfWB Liesch(t).
 
 
ver-liesen s. PfWB verlieren 1 b.
 
 
ver-lizitieren schw.: 'versteigern', verlizidiere (-lidsiˈdīrə), -lizideere, seltener -lezidiere, -lezideere [verbr. Don Gal Buch]; vgl. PfWB versteigen2. — Trotz Schwäb. II 1226 aus der östereichischen Amtssprache übernommen.
 
  
ver-loben schw.: sich v., wie schd., ve(r)lowe [verbr.]; vgl. PfWB versprechen 2. Sie isch noch net velobt [HB-Breitft, verbr.]. Sie sin velobt, ohne gefroot 'gegen ihren Willen', auch 'gegen den Willen der Eltern' [ KU-Bedb]. Das Abzählen an den Knöpfen bzw. an den Blütenblättern der Margerite s. PfWB verlieben. SprW. (scherzh.): Die erscht Dummhät is velowe, die zwettsterwe, die greeschtheirade gehn [ HB-Kirrbg]. Südhess. II 556/57; RhWB Rhein. V 505; Bad. II 82.