Wörterbuchnetz
Pfälzisches Wörterbuch 
 
pitteln bis Bitter-mandel (Bd. 1, Sp. 948 bis 949)
 
  pitteln s. PfWB pütteln.
 
  
bitten st.: wie schd., bitte, birre, s. F. [allg.]; gebräuchlich zumeist in der Formel Bitt(e) schään (scheen usw., s. PfWB schön), seltener in Formeln wie Ich meecht dich gern bitte, daß ... [BZ-Stein, verbr.]. rf ich dich mol um eppes b.? [ KL-Stelzbg, allg.]. Ich loß'n b. [ KB-Kriegsf, allg.]. Der kann mer lang b. [ KU-O'alb, allg.]. Mit de Aage b. [Frankth]. Eindringlich und anhaltend b.: bitte un berle (betteln) [ PS-H'einöd, allg.]. Hann so se gejäämert, gebitt unn geda(n), daß endlich de Herrgot kummt Metdaures (Mitleid) a(n) [Christmann Grummet 25]. RA.: Er bitt wie e Krippel am Weg [KL-Reichb, verbr.]; ähnliche RA. s. PfWB anhalten 5 b β. SprW.: Bitte un gewwe is zuviel 'einem etwas geben und ihn noch bitten, daß er es nehme, ist zuviel' [ Don Gal Buch]. Bitte un belle (betteln) is zuviel, dass. [ Gal-Neudorf]. Einen VR. s. bei PfWB Andreasnacht. a. 1344: vnde biden sie dorch Got [OttbgUrkb. 426]. a. 1535: bitt die herren jenen solichen vergunnen zu wollen [ABlieskst 107]. Zs.: PfWB ab-, aus-, PfWB verbitten. Syn.: PfWB angehen, -halten, -hauen, -ranzen, -reden, -rempeln, -sprechen, PfWB barmessieren, PfWB teufeln, PfWB dibbern, PfWB einkommen; Syn. mit der Nebenbedeutung 'betteln': ab-, anbetteln, anrangsen, Backofenzins heben, betteln, mit dem Pilgerstab reisen, talfen, fechten, fegen, fordern, hausieren, heischen, klopfen, die Schlinke drücken (putzen), schnurren, stromern, walzen; Syn. mit der Nebenbedeutung 'quälend bitten' s. PfWB quälen. — F.: fast allg. bidə; birə in KU Schmittw/O Gal-Unterb. Part. Perf.: gəbid. Südhess. I 878; RhWB Rhein. I 726; Bad. I 240.
 
 
Bitter m.: 'der Bittende' in PfWB Für-, PfWB Hochzeits-, PfWB Leichenbitter.
 
  
bitter Adj.:
1. vom Geschmack.
a. wie schd., bitter, birrer usw., s. F. [allg.]; e bitteri Pill [ KL-Kindsb, allg.], auch übertr., s. 2. Das schmackt arich b. 'sehr b.', b. wie Gall [allg.], wie Rieweschale (Rübenschalen), wie e Weireschal (Weidenschale), dass. [ KU-Schmittw/O]. SprW.: Wenn die Maus satt isch, schmeckt's Mehl b. [ LU-Muttstdt, allg.]. Volksgl.: Äppel, as in der Gallewoch (St. Gallus-Tag, 16. Oktober) geroppt wern, wern bitter [Fogel Beliefs Penns Nr. 946]. Rätsel: Es isch ebbes in de Luft un hot e bidderes Keppche (die Nuß) [ IB-Blickw]. —
b. 'ungesüßt'; bittere Kaffi (Kaffee) [verbr. Gal]. —
2. übertr.

[Bd. 1, Sp. 949]
'sehr unangenehm'. Des is b. [Kaislt, allg.]. Es isch b. kalt [ PS-Bruchw, allg.]. Du werscht noch bittere Hunger leire (leiden) [ LU-Böhl, allg.]. Das kann der b. ufstoße [ LU-Limbghf, allg.]. Es isch ma (mir) b. ernscht [ BZ-Albw, allg.]. SprW.: Berlbrotberrere Not 'Bettelbrot — bittere Not' [ KU-Schmittw/O]. Bohnemeines Herzens Krone; Speck (Wei) un Weißbrot is mei bitterer Tod, Worte, die der Pantoffelheld nachts vor sich hinspricht, damit ihm seine Frau statt Bohnen Speck oder Wein und Weißbrot gebe [ Gal Rußl-Worms]. — Zs.: PfWB gallen-, PfWB Magenbitter. — F.: zumeist bidər, bidÄr; bidÄ in KL-Lind PS; in der mittl. VPf fast allg. bidÄr, nur NW-Wachh birər (Bertram 130); südl. VPf nach Heeger Südostpf. 9 allg. bedər, das richtig als bedÄr zu lesen ist. In der WPf erscheint bedÄr zumindest in folgenden Orten: KU-Kaulb (ältere Gener., die jüngere Gener. hat bidÄr) Rothsbg Nußb Dietschw RO-Als; das gleiche gilt für die lothr. SWPf; KU-Schmittw/O und GH-Bellh haben berÄr. Steigerungsformen: bidərər, am bidərdə. Südhess. I 878; RhWB Rhein. I 726; Bad. I 240/41.
 
  
bitter-böse Adj.: 'sehr böse', vgl. PfWB bitter 2, bitterbes (-bēs), s. PfWB böse [allg.]. e bitterbesi Zung [KU-Wolfst, verbr.]; e bitterbeser Bub [ KL-Fischb, allg.]. Des isch d'r emol e bitterbeis Mädel, des hot mich unn mei Peter was ar'ch gescholte [VPf (Schandein Bav. IV 2, 229)]. Südhess. I 879; RhWB Rhein. I 726; Bad. I 241.
 
  
pitterig Adj.: vom Wetter: Es is pidderig Werrer 'Es regnet fein' [ RO-Lettw]. WR.: Wann die Blume welke an Fronleichnam, gebt's e pidderich Ähre (Ernte) [ KU-Hundh]. Reje (Regen) am Froleichnamsdag bringt e pidderig Häjäre (Heuernte) [ KU-Obw/T]; vgl. PfWB pittern. RhWB Rhein. VI 900.
 
  
Bitter-klee m.: 'Fieberklee (Menyanthes trifoliata)', Bedderklee [ BZ-Rohrb], gilt als fieberstillendes Magenmittel [Wilde 60 Heeger Vhk. 34]; vgl. Fieber-, PfWB Wasserklee. RhWB Rhein. I 727. — -kraut n.:
1. 'Kreuzblume (Polygala vulgaris)', Bedderkraut [»Weyer bis gegen Bergzabern« (Wilde 153)]. —
2. 'Wermut (Artemisia Absinthium)', Bidderkreit [ KU-Eschau]. Rhein. I 727 and. Bed.
 
  
bitterlich:
1. Adj. 'ein wenig bitter'. Die Milch hat e bitterlicher Geschmack [ WD-Niedkch, allg.]. —
2. Adv. 'sehr' in Verb. mit weinen, klagen u. ä. Das Kind greint (heilt 'heult, weint') b. [ KL-Fischb, allg.]; vgl. PfWB bitter 2. — Südhess. I 879; RhWB Rhein. I 727; Bad. I 241 bitterlecht.
 
 
pitterlich Adj.: 'schwach, kränkelnd', pitterlich [PfId. 107 Journal 1787, 7.-12. Stück, S. 214]; vgl. PfWB pinterlich. Südhess. I 879; RhWB Rhein. VI 900 pitterig.
 
 
Bitter-mandel f.: 'Mandel (Prunus communis amara)', Beddermannle (Pl.) [LA-Venn u. Umg. (Wilde 169)].