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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Pfahl bis Pfälzer (Bd. 1, Sp. 787 bis 789)
 
Pfahl, m.
Pfahl-bohnen, Pl.
Pfahl-eisen, n.
pfählen, schw.
Pfahl-häpe, f.
pfahl-stracks, Adv.
Pfahl-wicken, Pl.
Pfahl-winde, f.
Pfalz, f.
Pfalz-brunnen, m.
Pfälzer
pfälzerisch, Adj.
Pfälzer-land, n.
Pfälzer-lied, n.
pfälzern, schw.
Pfälzer-wald, m.
Pfälzer-wäldler, m.
Pfalz-graf, m.
Pfalzhof-mann, m.
pfälzisch, Adj.
Pfand, n.
pfand-bar, Adj.
Pfändchens, n.
Pfänderleins, n.
Pfand-dorf, n.
Pfandelns, n.
Pfände-männchen, n.
pfänden, schw.
Pfänder, m.
Pfänder-spiel, n.
Pfände-seppel, m.
Pfand-haus, n.
Pfandschaft, f.
pfandschafts-weise, Adv.
Pfand-herrschaft, f.
Pfand-wein, m.
Pfanne, f.
pfänneln, schw.
Pfannen-dampfnudel, f.
Pfannen-deckel, m.
Pfannen-flick(er), m.
Pfann(en)-kuchen, m.
Pfann(en)kuchen-blatt, n.
Pfann(en)kuchen-holunder, m.
Pfann(en)kuchen-tag, m.
Pfann(en)kuchen-teig, m.
Pfannen-steg, m.
Pfannen-stiel, m.
Pfannen-wärmer, Pl.
Pfann-schärre, f.
Pfarr-acker, m.
Pfarr-amt, n.
Pfarr-blume, f.
Pfarr-brünnchen, n.
Pfarr-dorf, n.
Pfarre, f.
Pfarrei, f.
Pfarrer, m.
Pfarrerin, f.
Pfarrers
Pfarrers-base, f.
Pfarrers-buben, Pl.
Pfarrersch
Pfarrersche(n)
Pfarrersen
Pfarr(ers)-frau, f.
Pfarrers-grieben, Pl.
Pfarrersin, f.
Pfarr(ers)-kathel, f.
Pfarr(ers)-köchin, f.
Pfarrers-kutte, f.
Pfarrers-leute, Pl.
Pfarrers-rock, m.
Pfarrers-sohn, m.
Pfarrers-tochter, f.
Pfarrer-stunde, f.
Pfarrers-vetter, m.
Pfarrers-wurst, f.
Pfarr-feld, n.
Pfarr-fräulein, n.
Pfarr-garten, m.
Pfarr-gut, n.
Pfarr-haus, n.
Pfarr-herr, m.
Pfarr-hof, m.
Pfarr-kamerad, m.
Pfarr-kind, n.
Pfarr-kirche, f.
Pfarr-land, n.
Pfarrner, m.
Pfärrner, m.
Pfarr-pacht, m.(!)
Pfarr-scheuer, f.
Pfarr-schule, f.
Pfarr-stelle, f.
Pfarr-stück, n.
Pfarr-stuhl, m.
Pfarr-stunde, f.
Pfarrstund-kind, n.
Pfarrstund-schüler, m.
   Pfahl m.:
1. 'unten zugespitztes mitteldickes Holzstück von 1-2 m Länge, das in die Erde gerammt wird', zu unterscheiden von Pfosten, Stecken, Stickel, Stiefel, Strebe. Der Pfahl dient gew. als Stütze, vgl. z. B. Bohnen-, Garten-, Wingert-, Zaunpfahl. F.: Pohl (pōl) [fast allg.], Pahl (pl) [IB-Bliesmg/Bolch u. Umg.], Pehl (pēl, Sing.!) [verbr. NPf u. VPf, bes. ältere Gener.], Pfohl [ GH-Berg Scheibhdt]. Pehl (pēl, Pl.) mache (schlache) [mittl. VPf, allg.]. RA.: Das war a mit'm Pohl gewunk 'sehr deutlich gesagt' [ Don-Gottlob]. Dort stehrer (steht er) wie e P., verächtlich von einem verstockten Menschen [RO-Lettw, verbr.]. — a. 1425: pele ußzuziehen myst in zu tragen oder reben zu lesen [LeinArch. (Löhne)]. a. 1509: 2 personen, hant 4 tage pele im wingert ingestoßen [KellR Lichtenberg bei Kusel]. a. 1529: pfel vß zu ropfen vnd zu spitzen [GgHospR]. a. 1553: zwo fuhren feschen oder pfäl zu dem mühlenwehr in der Bließen [ABlieskst 41 (IB-Blickw)]. a. 1606: ein Pfool gesteckht (als Grenzzeichen) [HanLicht. 7 Amt Lemberg]. —
2. 'Zapfen im Faß', Pahl [ Don-St. Andreas]. —
3. 'Platz, wo man beim Kinderspiel nicht geschlagen werden darf', weil durch Pfahl gekennzeichnet, Pohl [ GH-Erlb]. Syn. s. PfWB Botten. —
4. Pl. 'Wohnstätte' in der RA.: Der kummt nit aus soine vier Pähl eraus, von einem, der einen beschränkten Horizont hat, der weltfremd ist [ LU-Opp]. — RhWB Rhein. VI 649 ff. LothWB Lothr. 20; ElsWB Els. II 134; Bad. I 185; Hess.-Nass. II 576.
 
 
Pfahl-bohnen Pl.: 'Stangenbohnen', Pohl-, Pehlboune, -baune [»von Neustadt Ggd. bis zur Südpfalz«, Wilde 25], Pfohl- [Südostecke der Pfalz, vgl. PfWB Pfund]. RhWB Rhein. VI 653.


 
   Pfahl-eisen n.: 'spitzes Eisen in der Größe eines Spazierstockes, mit dem die Löcher für Pfähle vorgestochen werden', s. Abb. 14 Pohleise (pōlaisə, -aizə) [ KU-Adb RO-Rehborn]. RhWB Rhein. VI 653 (von anderer Art); Bad. I 185.
 
 
pfählen schw.: 'Pfähle einschlagen', pehle (pēlə) [RO-Schiersf Müller Luscht 112]. Zs. PfWB abpfählen. RhWB Rhein. VI 654; LothWB Lothr. 34; Bad. I 185; Hess.-Nass. II 576.
 
 
Pfahl-häpe f.: 'krummes Messer zum Anspitzen der Pfähle'; Lexer Lexer I 1250 hepe. a. 1751: Ein Pfohl Heeb [Kurpf. 973-76, Inventarien von Flomersheim]. Bad. I 185.
 
  
pfahl-stracks Adv.: 'kerzengerade'.

[Bd. 1, Sp. 788]
De Gaul geht pohlstracks in die Heh 'bäumt sich auf' [ KB-Bischh]; vgl. PfWB beilingen.
 
 
Pfahl-wicken Pl.: 'Stangenwicken', Pohl-, Pehlwicke [Neustdt (Wilde 274)].
 
 
Pfahl-winde f.: 'Zaunwinde (Convolvulus sepium)', Pohlwenn [VPf (Wilde 274)].
 
 
Pfalz f.: im amtlichen Gebrauch der heutige Regierungsbezirk Pfalz. Über den Wandel des Begriffs der Pfalz im Laufe der Zeiten unterrichtet H. Schreibmüller in PfH 1916, 56/57; vgl. auch Becker Pf. u. Pf., 12 ff. und Becker Vk., 2 ff. — Im Volksmund wirkt noch die Erinnerung an die alte Kurpfalz nach. Die Einwohner der am linken Ufer des oberen Glan gelegenen ehemals zur Grafschaft von der Leyen gehörenden Orte Nanzweiler und Dietschweiler sagen: Mer gehe in die Palz, wenn sie zu ihren Verwandten im ehemals kurpfälzischen Nanzdiezweiler am rechten Glanufer zu Besuch gehen. Für das mittlere Rheinhessen, ehemals kurpfälzisches Gebiet, gilt der Reim: Hätt die Palz mehr Heu un Holz, wär sie noch emol so stolz. Vor allem aber wird die Bez. Palz auf die Vorderpfalz, das Kernland der Kurpfalz, bezogen. Dies macht die in der westl. WPf gebräuchliche, heute mehr scherzhaft gemeinte RA. verständlich: De(r) Palz (d. h. der Vorderpfalz) de Wein un uns die Beere (Birnen, richtiger: Birnwein, an dem die Westpfalz reich ist). Um 1860 war das Bewußtsein der pfälzischen (d. h. kurpfälzischen) Vergangenheit der Vorderpfalz noch so lebendig, daß Schandein bei seiner Gliederung des Pfälzischen (vgl. Schandein Bav. IV 2, S. 217 ff.) die Vorderpfalz schlechthin als »Pfalz« bezeichnen und ihr die Westpfalz als »Westrich« gegenüberstellen konnte. An den Besitzstand der Kurpfalz erinnern auch Flurnamen, wie Pfalzberg, -feld, -jagen, -rech. — Zs.: PfWB Grundbirnen-, Hekken-, PfWB Hinter-, PfWB Holz-, PfWB Kur-, PfWB Nord-, Rhein-, PfWB Vorder-, PfWB Wein-, PfWB Westpfalz. — o. J.: oder wer ein herre der Pfallantze ist [MüHArch. K. 12, L. 3, Nr. 2430 (Graf Walram söhnt sich mit Pfalzgraf Rupprecht aus)]. a. 1547: die bach abenn biß vff das Reff, da man angefangen, vnndt ist die Pfaltz in diesem allem ein anstösser [ZweibrOABannb. 62]. a. 1547: der (weg) schaidet mein g. F. vnnd herren vnnd die Pfaltz [ebd. 42]. a. 1563: Da wird es wie an anderen orten in der Pfalz gehalten [PfWeist. I 87 (FR-Beindh)]. — F.: palds u. pḁlds; bezügl. a u. s. PfWB alt; Südostecke der Pfalz: bfḁlds, vgl. PfWB Pfund. — Das Wort kommt aus lat. palatium 'Wohnung des Kaisers auf dem Palatinus-Hügel in Rom'. In der Form palatia (Pl. von palatium) ging es in das Althochdeutsche, wandelte sich durch Aufnahme von n in p(f)alanza, p(f)alenza u. ä. und bedeutete nun das königliche Amts- und Wohngebäude. Die Vertreter des Königs,

[Bd. 1, Sp. 789]
die in solchen Pfalzen residierten, wurden Pfalzgrafen genannt; sie wurden mit der Zeit mit Amtslehen ausgestattet, auf die sich die Bezeichnung Palenz, Pellenz übertrug. In der Form von Pfalz (s. den oben aufgeführten ältesten Beleg: Pfallanze) gewann das alte Lehnwort die Bedeutung eines Landes. (Nach H. Schreibmüller, a. a. O., S. 51 ff.) — RhWB Rhein. VI 656; ElsWB Els. II 135; Bad. I 186; Hess.-Nass. II 577.
 
 
Pfalz-brunnen m.: Name einer Quelle in der Gemarkung von KL-Schalldb. Den Kleinen erzählt man, kleine Kinder kämen aus dem Palzbrunne.
 
 
Pfälzer:
1. Subst., m. 'wer von pfälzischer Art und Sprache ist', Pälzer [fast allg.], Pfälzer [Südostecke der Pfalz, vgl. PfWB Pfund]. Die Pfälzer in Don, Gal und Buch nannten sich bis etwa 1920 Schwaben; seitdem kam bei ihnen die von den Mundartforschern empfohlene Bezeichnung Pfälzer auf. Mer sin Pälzer! Ausspruch, vor 1939 gegenüber Altbayern oft gebraucht. RA.: Hunger un Durscht kann ich net entbehre, awwer mei Ruh will ich hawwe, saat de Pälzer [Hebel 50]. 'n Pälzer un guder Wein wollen gern beisamme sein [Wilde 262]. Die Wesensart des Pfälzers ist bes. bei Riehl, Becker Pf. u. Pf. und Becker Vk. gezeichnet, in selbstpersiflierender Art in Münch Weltgesch. —
2. scheinbares Adj. in vielen festen Verbindungen, z. T. neben PfWB pfälzisch; Pälzer Wald, Mäd, Wein, Duwak (Tabak), Kraut (vgl. PfWB Bergkappes), Grumbeere (Grundbirnen = Kartoffeln, meist einfach Pälzer, Pl.), Sprooch (Sprache, d. h. Mundart), Mode (moderne Mode, PfId. 104), Blut, Dickkopp, Huppser (Tänzer, Anspielung auf die Tanzfreudigkeit des Pfälzers), Krischer (Schreier). SprW.: Pälzer Blut is kee(n) Buttermilch [Hebel 30]. Spruch auf einem alten Faß in FR-Saush: Hätt Adam Pälzer Wein besesse, hätt er den Abbel nit gegesse [Wilde 262]. — F.: pęldsər, bfęldsər, s. PfWB Pfalz. — RhWB Rhein. VI 656/57; Bad. I 186; Hess.-Nass. II 577.