Wörterbuchnetz
Pfälzisches Wörterbuch 
 
Arrest bis ärscheln (Bd. 1, Sp. 335 bis 338)
 
Arrest, n.,  selten  m.
Arrestat
Arrest-haus, n.
Arrest-lokal, n.
arretieren, schw.
arrogant, Adj.
Arsch, m.
Arsch-backen, m.
Arsch-gesicht, n.
Arsch-darm, m.
ärscheln, schw.
arschen, schw.
Arsch-ficker, m.
Arsch-gesicht, n.
Arsch-grübler, m.
Arsch-heimer, Pl.
Arsch-hockerleins, n.
arschig, Adj.
Arschimdreck, m.
Arsch-kaffer, m.
Arsch-käft, f.
Arsch-käftse, f.
Arsch-kalfakter, m.
Arsch-kappelmuster, m.
Arsch-katzelchen, n.
Arsch-kerbe, f.
Arsch-kerl, m.
Ärsch-kitz, f.?
Arsch-kitzel, f.
Arschkitzeldorn, m.
Arsch-stock, m.
Arsch-kitzler, m.
Arsch-klopfer, m.
Arsch-krätzchen, n.
Arsch-kratzer, m.
Arsch-kratzert, m.
Arsch-kriecher, m.
Arsch-krotte, f.
Arsch-lecker, m.
Arsch-loch, n.
Arsch-plätscher, m.
Arsch-plätscherleins, n.
Arsch-rütscher, m.
Arsch-rütscherleins, n.
Arsch-sack, m.
Arsch-schlupfer, m.
Ärscht
Arsch-tasche, f.
Arsch-tritt, m.
Arsch-wisch, m.
Arsch-wolf, m.
Art, f.
arten, schw.
Arte(n)
artig, Adj.
Artikel, m.
Artillerie, f.
artlich, Adj.
Artur
Arwel
Arwes(e)
Arznei, f.
Arznei-flasche, f.
Arznei-glas, n.
Arznei-töter, m.
Arzt, m.
as
As
Asch-bach
Äsch-bauer, m.
Äsch-brühe, f.
Äsche, f.
Asche, f.
Äsche, f.
Aschen-becher, m.
Äschen-brödchen, n.
Äschen-eck, n.
Äschen-eimer, m.
Aschen-eimer, m.
äschen-farbig, Adj.
Äschen-glut, f.
äsch(en)-grau, Adj.
Äsch(en)-haufen, m.
Aschen-haufen, m.
Äsch(en)-kasten, m.
Aschen-kasten, m.
Äschen-kaute, f.
Äschen-kauter, m.
Äscher-kauter, m.
Äschen-kessel, m.
Aschen-kitsche, f.
Äschen-knautel, f.
Äschen-loch, n.
Aschen-loch, n.
Äsch(en)-mann, m.
Äschen-mittwoch, m.
Äschen-puttel, n.
Äschen-schieber, m.
Äschen-schuber, m.
Äschen-tuch, n.
   Arrest n., selten m.:
1. 'Haft, Arreststrafe', Arrescht (aˈręd) [KU-Glmünchw KB-Bischh Becker Schreinerbäbele 179]. a. 1769: Arrest »Verhaft« [Hemmern 67/68]. —
2. 'Gefängnis'; ins Arrescht sperre [ RO-Lettw Gal Buch Don]; vgl. PfWB Bolles. — Zs.: PfWB Haus-, PfWB Stubenarrest. — Aus mlat. arrestum 'Verhaftung'; Kluge-Mitzka17; vgl. auch Schulz 51/52.
 
 
Arrestat s. PfWB Attestat.
 
  
Arrest-haus n.: 'Gefängnis', Arreschthaus [ KU-Glmünchw KB-Bischh NW-Dürkh], früher Kantonalgefängnis.
 
  
Arrest-lokal n.: 'Lokal, das als Gefängnis dient', ehedem z. B. auch das Spritzenhaus, Arreschtlogal [ RO-Dielkch KL-Niedkch PS-Windsbg NW-Wachh GH-Kand].
 
 
arretieren schw.: 'festnehmen, verhaften', nach dem Schd., arredeere [verbr. WPf], arrediere [verbr. VPf]. In der Kinderspr. von Kaislt u. Umg. dafür aggediere, s. akkordieren. RhWB Rhein. I 258; ElsWB Els. I 60; Bad. I 72.
 
 
arrogant Adj.: wie schd., arregand [Keiler 151].
 
  
Arsch m.:
1. 'Gesäß, Steiß', beim Rindvieh, in manchen RA. u. SprW. auch beim Menschen, insbes. 'After', Aarsch [allg.]; je nach Bildungsgrad des Sprechenden und des Hörenden als mehr oder weniger derb empfunden; in gemäßigter Rede in der Bed. von 'Gesäß' durch Hinnere und Boboo, scherzhaft auch durch Doges ersetzt. Das Wort erscheint in vielen festen Prägungen:
a. den A. selbst u. andere Körperteile

[Bd. 1, Sp. 336]
des Menschen sowie Menschliches überhaupt betreffend. Er hot e A. wie e Schubkarch [ LU-Limbghf], wie e Furerwand 'Futterwanne' (vgl. A. wie en Wann, Rhein. I 259) [ KU-Kaulb], wie e Fulerkorb 'Futterkorb' [ KU-Blaub]. Er hot e (a) Gesicht wie en A. oder de(n) A. im Gesicht 'dickes Gesicht' [allg.]; vgl. PfWB Arschgesicht. Sei Gesicht is e A. mit Ohre 'ein Vollmondgesicht' [ KB-Bischh NW-Haßl]. Er es glatt (blott) wie e(n) Aff am A. [verbr.]. Der kennt de Mond am A. lecke, von einem Großen [Pirmas, verbr.]. Dem hot de Guguck de A. ausgesuckelt 'ausgesaugt', von einem Mageren [KU-Kaulb, verbr.]. Er steit uf wie die Bosebacher Kihmitm A. serscht 'zuerst' [KU-Diedkpf]. Der esch allegebott am A. erzwää 'entzwei' (oft krank) [ LA-Nd'hochstdt]. Mer mennt, er hätt em Silzer 'Salzarbeiter' am A. geleckt, von einem, der oft Durst hat [ KU-Blaub]. Der hot Blei im A., von einem Phlegmatiker [ KB-Bischh Gal-Dornf]. Loß die Finger bißje im A. erumgeh! 'Beeile dich'! [KB-Gauh, verbr.]. Der schlooft, bis 'm die Sunn uf de A. scheint [ GH-Nd'lustdt]. Ich mach der Feier unner de A., anspornendes Drohwort [LU-Neuhf, verbr.]. Er hot die Schleck 'Schnecke' am A., wer zu spät kommt [ WD-Niedkch]. Der es met 'm A. ins Botterhäbche 'Buttertopf' gefall, bei einem Glücksfall [ KU-Adb]. Er hot e kalder A. kriet 'ist gestorben', aus der Soldatenspr. [allg.]. Der dät noch de A. veliere, wann er nit aangewachse wär, von einem Vergeßlichen [LA-Nußd, verbr.]. Mer määnt, er hätt e Ei im A., von einem Zappeligen [verbr.]. Er laaft sich die Bään am A. ab 'macht viele Wege, um etwas zu erreichen' [WPf, verbr.]. Dem geht de A. mit (uf) Grundeis, wer Angst hat, aus der Soldatenspr. [verbr.]. De A. bebbert 'm denoh 'vor Verlangen' [ NW-Kallstdt]. Die hot Peffer im A., von einer Feurigen [KB-Bischh, verbr.]. Der kocht's Feier im im A., dass. [ NW-Freinsh]. Die hot ihre Mann mit 'm A. gewunne [ LU-Opp]. Em in de A. nei schluppe 'ihm schmeicheln' [verbr.]. Der is am A. gescheiter wie e annerer am Kopp [NPf, verbr., auch Don Gal]. Er macht sei Maul zu me A. 'redet einmal so und das anderemal anders' [ Don]. Die hängen alles an de A. 'treiben großen Aufwand mit Kleidung' [verbr.]. Er hot de A. voll Schulde [verbr.], schämt sich in de A. enin [verbr.]. Hand am A. 'Feigling' [Schandein Sprachsch.]. Er meent, er wär 'm Kaiser am A. abgefall, von einem Eingebildeten [Gal-Dornf, verbr. Gal Don Buch]. Er kennt sich selwa am Aasch lecke, wer bei schlechter Laune ist [Pirmas ältere Gener.]. Die sin e Kopp un e A. 'ein Herz und eine Seele' [KU-Bedb, verbr.]. Scherzhaft-unwillige Antwort auf ungelegene Fragen: Wie geht es? Zum A. enaus [ GH-Nd'lustdt], oder: Dorch de A. wie Nähts, e bissel

[Bd. 1, Sp. 337]
dicker [ LU-Limbghf]. Wo fahrschde hie? Mit 'm A. iwwer 's Leinduch 'Bettlaken' [ Gal-Dornf], oder Mit de Hand an de A. [ NW-Frankeck]; vgl. PfWB Alexanderplatz. Auch: Noh Bocksbummere, wo die Hunn aus em A. gauze [KU-Ulm (1925)]. Als Symbol der Geringschätzung: Du armer A.! [verbr.]. Den guck ich net emol mit 'm A. aan [verbr.]. Wann ich dich im A. hätt, dät ich dich in de Rhein scheiße [WD-Niedkch KB-Bischh verbr. Don Gal]. Leck mich am (im) A.! [allg.]. Du kannscht mer die Blos 'Blase' im A. verdricke! [ Gal]. Ich schlaa der die Bään am A. ab [verbr. WPf]. Ich tret der glei in de A.! [allg.]. Hall 's Maul zum A.! 'Schweige!' [verbr.]. —
b. Dinge und Sachliches betreffend. Do es es dunkel wie im A. [verbr. NPf Gal Buch]. Das is net aus'm A. gepeff 'ist nicht so einfach' [RO-Callb, verbr. NPf]. Das es im A. 'entzwei' [NWPf, verbr.]. Des zieht em 's Hemd in de A., von etwas sehr Saurem [ NW-Lambr]. Do werd noch e manches Vegelche scheiße, was jetzt noch kee A. hot [ Don-Schowe]. SprW.: Morjestunn hat Gold im Mund un Blei im A. [KU-Diedkpf ZW-Battw PS-Erfw KB-Bischh NW-Kallstdt LA-Gommh Wollmh]. Viel Kepp, viel Sinn, viel Ärsch, viel Winn 'Winde' [ Buch-A'Fratautz]. Wer kee Glick hot, kann de Finger im A. breche [verbr.]. Die zwett Fraa hot e goldne A. 'begründet den Reichtum des Mannes' [ Gal-Brotschk]. Wann de Kopp ab is, hot de A. Feierowend [verbr.]. Rätsel: Wer laaft ums Haus erum un hot e Sichel im A.? (Hahn) [ KU-Kaulb Gal-Dornf Brotschk]. VR.: Heinrich, Heinrich, bembembem, hot sei(n) Himb am A. ve(r)brennt [ KU-Kreimb]. Lui, fui, Hinkelsdreck, beiß de Katz de A. eweg ... Spottvers auf einen, der Louis heißt [ KU-Kaulb]. Leck mich im A. is aach e Danz, Awer kän franzesischer ... [Schandein Sprachsch. 2]. Volksgl.: Wammerme Kind, as juscht uf di Welt kumme is, net en alti Windel andut, krigts en weher Arsch [Fogel Beliefs Penns 53]. —
2. übertr.
a. 'Hosenboden'. In die Hosse muß e neier A. [allg.]. Die Hosse han e doppelte A. [ KU-Körbn, allg.]; vgl. PfWB arschen. —
b. 'das stumpfe dicke Ende eines Dinges', und zwar
α. des Eies [verbr., auch Gal] A. uf A. und Spitz uf Spitz, beim Eierkippen an Ostern [Frankth]. —
β. der Kartoffel [ KU-Schmittw/O LU-Böhl Limbghf]. —
γ. der Garbe [verbr.]. —
δ. des Baumstammes [verbr.]. —
ε. des Rebstockes [ NW-Kallstdt]. —
ζ. des Schiffes [ LU-Altr]. —
c. in Flurnamen, die gesäßähnliche Erhöhungen (mit Einkerbungen in der Mitte) bezeichnen [verbr.]. »In Zusammensetzungen, in denen das Wort Bestimmungswort ist, liegen amtliche Umbildungen zu Asch..., Ar..., Arius... u. ä. vor, während der Volksmund unverblümt bei der ursprünglichen Form bleibt, ebenso in Zusammensetzungen wie Streck-, Daul-, Zerrarsch

[Bd. 1, Sp. 338]
usw., und hier sind mir auch keine amtlichen Umbildungen begegnet« (Briefl. Mitteilung von Prof. Dr. Ernst Christmann). —
d. Klickerspiel Kopp un A. [ LU-Opp]. — Zs.: PfWB Affen-, PfWB Back-, PfWB Bampel-, PfWB Pappel-, PfWB Baum-, PfWB Pech-, PfWB Pfuhl-, PfWB Blech-, PfWB Bloß-, PfWB Breit-, PfWB Brüh-, PfWB Brut-, Teller-, PfWB Dick-, PfWB Dreck-, PfWB Dreh-, PfWB Trottel-, Drudel-, PfWB Tüpfel-, PfWB Dürr-, PfWB Enten-, PfWB Fein-, Fett-, PfWB Fürcht(e)-, PfWB Glucks-, PfWB Gold-, PfWB Grau-, Grips-, PfWB Hampert-, PfWB Hemd-, PfWB Hohl-, PfWB Hosen-, PfWB Irr-, PfWB Kalt-, PfWB Kinder-, PfWB Kinds-, PfWB Kipp-, PfWB Kitzel-, PfWB Krabbel-, PfWB Krangel-, Krattel-, PfWB Krumm-, Kuckucks-, PfWB Lahm-, PfWB Latter-, Läuf-, Lehm-, PfWB Lumpen-, PfWB Maikäfer-, PfWB Matt-, PfWB Meimel-, Nack(t)-, PfWB Näsel-, PfWB Naß-, PfWB Qualler-, PfWB Rot-, PfWB Schleif-, PfWB Spitz-, PfWB Stadt-, PfWB Stolz-, Verrat-, PfWB Wackel-, PfWB Wadel-, PfWB Wasser-, PfWB Weiß-, Zettel-, Zuckerarsch. — F.: fast allgemein r ḁÄr ḁÄ mit unmerklichen Übergängen von r zu Är und Ä. Helles a vorn. mittl. WPf; ǟr [KU-Rothsbg (Mang 83)]. In Schmittw/O und KU-Diedk ist der Stammselbstlaut ein sehr dunkles , vielleicht sogar . Pl. ǟr äÄr äÄ. RhWB Rhein. I 259 ff.; Saarbr. 10; Lothr. 13/14; ElsWB Els. I 68; Bad. I 72/73.
 
  
Arsch-backen m.:
1. 'Hinterbacke', gewöhnlich im Pl. gebraucht, Aarschbacke [allg.]. Der hot (hat) die A. im Gesicht 'hat ein Vollmondgesicht' (s. Arschbackengesicht) [verbr.]. Setz dich uf die A.! 'Sei ruhig!' [ LA-Ilbh]. Der is e Stick vum Deiwel seim A., von einem bösen Menschen [KU-Schmittw/O Fogel Prov. Penns 1955]. Lauderschhemmer (Lautersheimer) Rickeracke mit de dicke A.; Kaulbaer (Kraambaer, Olschbricker) Wickewacke mit de därre A., Ortsneckereien auf die Bewohner von KB-Lauth KU-Kaulb u. Kreimb KL-Olsbr. Die zwaa hallen zamme wie zwaa A., bei jedem Dreck gehen se ausenanner [ KB-Bischh Gal-Bagbg]. —
2. FlN. — RhWB Rhein. I 269; Lothr. 13; ElsWB Els. II 24; Bad. I 73. — -gesicht n.: 'breites, rundes, volles Gesicht', Aarschbackegesicht [verbr.]; vgl. PfWB Arschgesicht. ElsWB Els. II 325.
 
 
Arsch-darm m.: 'Mastdarm', Aarschdaarem, -daarm [allg.]. Er drickt sich noch de A. eraus 'strengt sich zu sehr an' [verbr.]. RhWB Rhein. I 270.
 
 
ärscheln schw.: sich ä. 'sich drehen', ärschele [Schandein Sprachsch.], 'watscheln' [ Don-Tscherw].