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Arm bis Armel (Bd. 1, Sp. 325 bis 331) | |||
Arm, m. Armen, m. arm, Adj. Arm-band, n. Armband-uhr, f. Arm-binde, f. Arm-brasselee, n. Arm-brust, f. Arm-bruster, m. Armee, f. Armee-fresser, m. Armel Ärmel, m. Ärmel-aufschlag, m. Ärmel-bund, m. Armeleute-acker, m. Armeleute-busch, m. Armeleute-essen, n. Armeleute-kind, n. Armeleute-kost, f. Armeleute-schinder, m. Ärmel-futter, n. Ärmel-jukser, m. Ärmel-läng, f. Ärmel-loch, n. ärmel-los, Adj. Ärmel-schoner, m. Ärmel-schurz, m. Ärmel-west, n. f. Ärmel-weste, n. f. Armen Armen-brot, n. Armen-büchse, f. Armen-haus, n. Armen-kasse, f. Armen-recht, n. Armen-stift, n. Armer Arm-futter, n. Arm-gelenk, n. armig Arm-länge Arm-leuchter, m. Arm-loch, n. Arm-mann Arm-muskel, m. Arm-reif, m. Arm-ring, m. Arm-schiene, f. Arm-schlenke, f. Arm-schlinge, f. Arm-schmalz, n. arms-dick, Adj. arm-selig, Adj. arms-lang, Adj. Arms-längde, f. Arm(s)-länge, f. Arm-spange, f. Arm-stuhl, m. Arm-stumpf, m. Arm-stumpfen, m. Armut, f. Armutei, f. Armuts-zeugnis, n. Arm-voll, m. armvoll-weise, Adv. ärmvoll-weise, Adv. Ärn Aron, m. Arrangement, n. arrangieren, schw. Arras, m. arrasen, Adj. Arre, f. Arrest, n., selten m. Arrestat Arrest-haus, n. Arrest-lokal, n. arretieren, schw. arrogant, Adj. Arsch, m. Arsch-backen, m. Arsch-gesicht, n. Arsch-darm, m. ärscheln, schw. arschen, schw. Arsch-ficker, m. Arsch-gesicht, n. Arsch-grübler, m. Arsch-heimer, Pl. Arsch-hockerleins, n. arschig, Adj. Arschimdreck, m. Arsch-kaffer, m. Arsch-käft, f. Arsch-käftse, f. Arsch-kalfakter, m. Arsch-kappelmuster, m. Arsch-katzelchen, n. Arsch-kerbe, f. | 1. 'Arm des Menschen'; de(r) rechtseAarm(Aarem), de linkse A.; bei der jüngeren Gener., bes. in den Städten, auch schon: de rechte, de linke A. Der hat starke, feschte Äär(e)m, Mordsäär(e)m 'muskulöse, kräftige Arme', schwache, dinne, därre 'dürre' Ä., Spatzeär(e)m 'schwache Arme'. Der is stark in de Ä. [allg.], bringt vor Kraft die Ä. net zamme, von einem kräftigen Mann, der mit angewinkelten Armen geht [ NW-Lambr], hot kää Schmalz in de Ä. [ LA-Edh], hot nix in de Ä. [allg.]. Er hot e(n) steife(r), kinschtlicher, falscher, helzner A. [allg.]; ene in de A. nemme 'umarmen' [allg.]. RA.: Er hot e(n) lange(r) A. 'weitreichenden Einfluß' [allg.]. Dei Äärme sin se korz 'Du vermagst nichts' [ KL-Reichb]. Der is sei rechter A. 'Hilfe und Stütze' [ KU-Diedk LU-Opp]. Er hot e(n) loser A. 'ist mit Schlagen schnell zur Hand' [verbr.]; dafür meist e losi Hand. Wann der e A. verliert, hat er e Sprachfehler, von einem, der mit den Händen redet [Kaislt]. Du musch(t) e paar Ä. voll Bruschttee nemme, scherzhaft für 'ein Mädchen in den Arm nehmen', gleichsam als Mittel gegen Husten [verbr.]. 's Meische is mer in de Aarm gefahr, wenn man sich den Arm anschlägt [ ZW-Battw]; vgl. PfWB Judenknöchelchen. Der kann net met 'm Aareme in de Sack 'gibt kein Geld aus' [ KU-Bedb, KB-Bischh]. Ene uf de A. [Bd. 1, Sp. 326] (ufs Ärmche) nemme 'foppen' [verbr.]; die Bään unner de A. nemme 'eilen' [verbr.]; die Katz unner de A. nemme, um besser sehen zu können [ KU-Kaulb Kaislt NW-Weish/S]; die Kapp unner de A. nemme 'auf dem Rathaus die Geburt eines Kindes anzeigen' [ LU-Fußgh]; em unner die Ä. greife 'Hilfe angedeihen lassen' [verbr.]; in de A. (in die Ä.) falle 'an der Ausführung eines Vorhabens hindern [allg.]. Ich schaff dich mit ääm A. fort, Prahlen gegen einen Schwächeren [ LU-Opp]. SprW.: Liewer en mieder A. wie en leerer Darm [ Rußl-Worms]. Volksgl.: Wammer sich die Summerflecke uf der ärscht Mai mit Daa 'Tau' wäscht, kammer sich se uf die Ärm oder die Been schlage, not krigt mer sie därt hin [Fogel Beliefs Penns 1631]. — 2. 'armartiger Teil eines Gerätes', bes.: a. 'eiserne Stange, an der das Wirtshausschild angebracht ist'. Scherzwort: Do streckt unser Herrgott (auch: de Wert) sein A. eraus [verbr.]. — b. 'Richtungsanzeiger am Wegweiser' [allg.]. — c. Im Pl.: Arme des Waagebalkens (des Hebels) [allg.]; 'Handhaben am Pflug', vgl. Pflugsrehe; in der Verkl. Äärmcher [ ZW-Marthh KL-Hauptstl PS-Hermbg Kröpp]; 'Balken, die die Zimmerdecke tragen' [GH-Hatzbühl Gal-Dornf (Äärmcher)]; 'Hebe- und Haltevorrichtungen an Maschinen' u. ä. — 3. Flußarm, Quergraben, armartiger Waldteil u. ä. — 4. Hüllwort für 'Arsch'. Der kann mich kreizweis am Arm nemme [ KB-Bischh]. Zs.: PfWB Pedal-, Pfarrers-, PfWB Pflugs-, PfWB Kinder-, Kinds-, PfWB Manns-, PfWB Mannsleuts-, PfWB Maschinen-, PfWB Ober-, PfWB Mords-, PfWB Mutter-, PfWB Schubkarch-, PfWB Schlittschuh-, PfWB Spatzen-, PfWB Speck-, PfWB Stumpf-, PfWB Unter-, Waage-, PfWB Walzen-, PfWB Wand-, Wegweiser-, PfWB Weiber-, PfWB Weibs-, Weibsleutsarm. — F.: rəm rm Äm [vorn. nördl. WPf NPf VPf östl. PS]; die stärkste Trübung (nahezu o) [südl. VPf HB-Medh (1928)]; für KL-Lind hat nach Höh Äm zu gelten. ārəm ārm āÄm vorn. mittl. und südl. WPf. Die Formen mit r + Sekundär-e (rəm ārəm) gehören mehr der älteren und ältesten, die mit Ä mehr der jüngeren Gener. an (Schandein Sprachsch. 1 verzeichnet Arem, Christmann Kaulb. 6 rəm). Mancherorts, bes. im Raum Kaislt, ist nahezu ām zu hören. Die Pfälzer von Don Gal und Buch sprechen deutlich rəm bzw. ārəm, s. z. B. Schwartz 10; Lambert Penns 13: ārm. Kurzes a nach Bertram 21 in LU-Iggh LA-Edk. Im Nordwesten der Pfalz erscheint die Singularform r(ə)mə; KL-Hütschhs hat ārəmə; BZ-Stein rim. Der Pl. lautet meist ǟrəm ärm äÄm (bez. r, r und Ä s. o.); der NW hat wie im Sing. vorherrschend rəmə rmə Ämə; BZ-Stein: ǟrim. Dim.: ǟrəmχə ärmχə äÄmχə (Pl. -ər) [WPf NPf nördl. VPf westl. Teil mittl. VPf], ǟrm(ə)lχə [PS-Hintwdth LU-Alsh GH-Schwegh (neben ǟÄml)], ärm(ə)l ǟÄm(ə)l [östl. Teil mittl. VPf südl. VPf]; Don Gal Buch haben [Bd. 1, Sp. 327] ![]() [Bd. 1, Sp. 329] fast allg. ǟr(ə)mχər. — RhWB Rhein. I 242 ff.; LothWB Lothr. 13; ElsWB Els. I 67; Bad. I 71. 1. a. vom Menschen 'besitzlos, bedürftig'. Er is aarem wie Hiob (Job) [NW-Weish/S Hebel 17, verbr.], wie's Leebche (von Levy, Judenname) [verbr. vorn. WPf], wie's Juððeleebche [ KU-Kaulb], wie e Kerchemaus [allg.], äärmer wie a. [verbr.], aarm, daß Gott erbarm [ NW-Weish/S], daß em's Loch staabt [ LU-Opp], daß de Schnuppduwak net in de Nas hängebleibt [ NW-Haßl]. Ein armer Mensch wird mit dem Nebenton des Bedauerns als aarmer Deiwel, Kerl, Tropp, Sack, Schlucker bezeichnet. Die Westricher Bauern gelten bei den Vorderpfälzern als aareme Bauere. Von der Not der Armen: Bei denne geht's aarem zu [ LU-Alsh]. Die aarme Leit hun net mol Brot iwwer Nacht [verbr. vorn. WPf NPf]. Du plotzscht jo 'rauchst ja', wie wann e aarmer Mann backt [NPf]. 's is alles do, nit wie bei aarme Leit [ NW-Hardbg, allg.]. Nor mol langsam mit de aarme Leit! [NPf]. Scherzfrage: Kennscht des Lied, wie die aarme Leit um ehr Sach kumm sin? [Kaislt KB-Bischh LU-Friesh]. SprW.: Wer nix erheirat un nix erbt, der bleibt a., bis er sterbt [verbr.]. Wer lang leit, halt 's Bett waarem, wer frih ufsteit, der eßt sich a. [ Gal Buch]. Sei un Feddervieh machen een a., mer weeß net wie [ Gal-Brotschk]. Wann emol e aarmer Mann eppes hot, will's net Dag werre (daß er sich des Guten erfreuen könnte) [HB-Kirrbg NPf KL-Fischb]. Lichtmeß, Spinne vergeß, Herre bei Da geß, die Aarme, wann s'es hen [Kaislt]. De reiche Mann hot e Stall voll scheene Rinner, die aarm Fraa kricht's Haus voll klene Kinner [ BZ-Dierb]. Is e Mutter noch so a., sie halt doch e bißje waarm [ Gal Buch Don]. Besser a. an Ehr wie reich an Schann [ Gal-Bagbg]. Arm oder reich, d'r Dod macht alle gleich [Fogel Prov. Penns 56]. 's Geld is 's winnischt, was e aarmer Mann hot [ RO-Odh]. — b. von Tieren, Pflanzen, Sachen. 'mager, dürftig'; e aarmi Wiss 'Wiese mit schlechtem Gras' [WPf KB-Bischh LU-Alsh LA-Herxh]; aarem Holz 'schwaches, mageres Holz' (am Weinstock) [verbr.]; aarmer Speis 'kalkarmer Mörtel' [Krebs 41]; aarmer Borrem 'Boden, der wenig ertragreich ist' [allg.]; aarme Zeide u. ä. — 2. 'elend'. a. Mit dem Ausdruck des Bedauerns: Des aarm Wermche (Werml), von einem schwächlichen, kränklichen Kind [allg.]; verstärkt in der Verkl.: Das is so aaremche [ Gal-Dornf]. Die aarme Kinn hun ehre Vatter verlor [ KU-Schmittw/O KB-Bischh]. De Bauer iss 's ärmscht Stickl Vieh! [Becker Vk. 242]. Des is e aaremer Kerl, von einem Krüppel [ KB-Bischh PS-Schmalbg]. E aarem 'schmales' Gesichtche [ KU-A'glan KB-Bischh]. — b. mit dem Ausdruck der Geringschätzung: du aarmer Stock 'verstockter Mensch' [ Gal-Dornf]. — 3. als Attr. bestimmtes Subst. a. de aarem Mann 'der kleine Mann'. [Bd. 1, Sp. 330] SprW.: De aarem Mann muß immer herhalle 'alle Opfer bringen' [allg.]. D'r arm Mann muß aa lebe [Fogel Prov. Penns 10]. Me arme Mann sei Reichdum sin sei Kinner [ebd. 10]. In älteren Quellen = Untertan. a. 1417: der arme man [Grimm Weist. V 612 (NW-Kallstdt)]. a. 1435: die arme liut [PfWeist. I 176 (KB-Boland)]. a. 1487: dem armann [PfWeist. I 249 (RO-Dörnb)]. a. 1535: der arm man [PfWeist. I 128 (IB-Blickw)]. a. 1540: der arm mann [Grimm Weist. VI 413 GH-Leimh]. a. 1561: ein armman [PfWeist. I 9 (KB-Albish)]. — b. de aarem Kunrad 'die Armut' [KL-Samb (Erinnerung an den Bauernbund 'Armer Konrad'?)]. — c. die aar(e)m Seel 'Seele des Verstorbenen', bes. in der RA.: Der is ufs Geld wie der Deiwel uf die a. Seel [allg.]. Jetz hot (hat) die a. Seel Ruh, wenn jemand die Erfüllung eines sehnlichen Wunsches erreicht hat [allg.]. — d. das Arme Kirchel, Bezeichnung für die katholische Kultstätte im Gemeinderatshaus von Oppau 1710 bis 1773. — e. aarmer Ritter, eine Art Mehlspeise [allg.]. — Zs.: PfWB blut-, PfWB geld-, PfWB luftarm. — F.: ārəm ārm āÄm, rəm rm Äm wie bei Arm. — RhWB Rhein. I 246 ff.; LothWB Lothr. 13; ElsWB Els. I 67; Bad. I 71. 1. wie schd., Aar(e)mband, Pl. -bänner [allg.]. — 2. Scheltwort auf einen dummen Menschen. Fahre mer Aarmbänner no Kusel un suche die Häfnergaß! [Kieffer 77]; vgl. PfWB Armleuchter. RhWB Rhein. I 245; Bad. I 71. [Bd. 1, Sp. 331]
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