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Pfälzisches Wörterbuch 
 
an-ziehen bis apart (Bd. 1, Sp. 301 bis 304)
 
an-ziehen, st.
An-zieher, m.
An-zug, m.
an-zügig, Adj.
an-züglich, Adj.
Anzugs-laden, m.
Anzugs-stoff, m.
an-zündeln, schw.
an-zünden, st.  und  schw.
an-zupfeln, schw.
an-zwacken, schw.
apart
apartig
Äpe, Gen.?
Aperhaar
Apfel, m.
Apfel-baum, m.
apfel-baumen, schw.
Apfel-bett, n.
Äpfel-bett, n.
Apfel-bettelmann, m.
Apfel-blotz(er)
Apfel-blühe, f.
Apfel-blüte, f.
Apfel-breche, f.
Apfel-brei, m.
Äpfel-brei, m.
Apfelbrei-kuchen, m.
Apfel-brett, n.
Apfel-brot, n.
Apfel-brünnchen, n.
Apfel-buff
Apfel-bumpes, m.
Äpfel-bumpes, m.
Apfel-butzen, m.
Äpfel-butzen, m.
Apfel-dämpf(es), m.
Äpfel-dämpf(es), m.
Apfeldeckel-kuchen, m.
Apfel-fiez, m.
Apfel-fleisch, n.
Apfel-flutten, Pl.
Apfel-fraß, m.
Apfel-fresser, m.
Apfel-frau, f.
Apfel-gelee, n.
Apfel-gerüst, n.
Äpfel-gerüst, n.
Apfel-gesicht, n.
Apfel-gestell, n.
Apfel-grutz(en), m.
Apfel-gückes, m.
Apfel-gutsel, n.
Apfel-hang, m.
Apfel-haurt
Apfel-horde, f.
Äpfel-horde, f.
Apfel-hupf, m.
Apfel-hutzel, f.
Äpfel-hutzel, f.
apfelig, Adj.
Apfel-kern, m.
Apfel-kiste, f.
Apfel-kleidchen, n.
Apfel-klotz, m.
Apfel-körbchen, n.
Apfel-krapfen, m.
Apfel-kuchen, m.
Äpfel-kuchen, m.
Apfelkuchen-mäuler, Pl.
Äpfel-land, n.
Äpfel-matte, f.
Apfel-meise, f.
Apfel-mops, m.
Apfel-most, m.
Apfel-mus, n.
Äpfel-mus, n.
Apfel-mutsch, m.
Apfel-mutzen, m.
apfeln, schw.
äpfeln, schw.
Apfel-pfannkuchen, m.
Äpfel-pfannkuchen, m.
Apfel-plotz(er), m.
Apfel-polster, m.
Apfel-pritsche, f.
Apfel-puff, m.
Apfel-quitte, f.
Apfel-ranzen, m.
Äpfel-ranzen, m.
Apfel-rappel-pappel-baum
Apfel-säcker, m.
Apfel-saft, m.
Äpfel-saft, m.
Apfel-schabsicht, n.
Apfel-schale, f.
Äpfel-schale, f.
Apfel-schales, m.
Apfel-schälsicht, n.
Apfel-schimmel, m.
   an-ziehen st.:
1. 'zu ziehen beginnen'.
a. vom Zugvieh. De Gaul will net aanziehe [allg.]. E gurer Gaul zieht zwäimol oon 'läßt einen beladenen Wagen nicht stehen', auch sprichw. [ KU-Schmittw/O] —
b. 'beim Mühlespiel den ersten Zug machen'. Zieh aan! [allg.]. —
2. 'durch Ziehen von der Stelle bewegen oder anspannen'. Die schwer Maschin ziehe zwien Geil net aan [ KU-Kaulb, allg.]. Er zieht de Hosserieme aan 'schnallt den Hosenriemen enger' [ NW-Neidfs, allg.];

[Bd. 1, Sp. 302]
de Droht a., in älteren Weingärten [ LU-Alsh]. RA.: Alle Sträng aanziehe 'tüchtig arbeiten' [ KU-Schmittw/O]; auch übertr. 'Jemand in einen geordneten Lebenswandel einzwängen' [ KL-Lind]; die Hosse ('s Hossefell) a. 'eine Tracht Prügel verabfolgen' [verbr. vorn. VPf]. Syn. s. PfWB verhauen. —
3. 'ankleiden, Kleidung, Schmuck anlegen'; 's Kind aanziehe, sich aanziehe, e scheene Rock, Strimp un Schuh, de Daimling, de Ring a.; sich annerscht a. 'sich umkleiden' [allg.]; dafür auch PfWB antun; fligg (flügge = leicht) aangezo(che) [verbr.]. RA.: Das wär jo grad, als wammer rer Sau e golde Halsband a. dät, wenn ein Kind zum Spielen auf der Straße sein Sonntagskleid anziehen möchte [Kaislt]. Dem geheert de Maulkorb aangezoche, von einem bissigen Menschen gesagt [LU-Altr, verbr.]. Er hot de Wammes ebsch aangezoo 'hat Bankerott gemacht' [WPf]; vgl. PfWB äbsch. TL.: Hopsa Liesche, danz e bißche! Mutter, ich han ke Schuh! Zieh die alde Schlappe aan un danz die Lecher zu! [ KU-Bedb, ähnl. Gal]. Volksgl.: Wammer alle Määrge (Morgen) der linke Strump 's erscht aa'zikt, krikt mer ken Zahweh [Fogel Beliefs Penns Nr. 1654]. Übertr.: Der hot sich des (das Gesagte) aangezoo 'Er fühlt sich beleidigt' [ KB-Bischh]. —
4. 'herankommen'. E Gewidder ziecht aan [ BZ-Dernb]. WR.: Wie se (die 40 Ritter) aanziehn, ziehn se aus [ KB-Harxh]. —
5. 'ansteigen'.
a. gegenst. Do ziechts aan, vom Gelände [ BZ-Dernb]. —
b. übertr. de Wein, die Frucht (das Getreide) zieht aan 'wird teurer' [allg.]. —
6. 'an sich heranziehen'.
a. physikalisch: Salz zieht Wasser aan; 's Haai is aangezoo(che) 'feucht geworden' [allg.]. Heit nacht hot's leicht aangezoche 'ist es kühler geworden' [NW-Lambr, verbr.]. —
b. 'anlocken', von lebenden Wesen. De sieß Moscht zieht die Biene (d' Imm) aan; de(n) Hund a. (durch Futter und gute Worte) [allg.]. —
7. 'anführen, zitieren'. a. 1805: ... daß die in dieser Bittschrift angezogenen Gründe des Johannes Scholl gäntzlich der Wahrheit entsprechen [Knapp 134 (KL-Ottbg)]. — ElsWB Els. II 897; Bad. I 66; Schwäb. I 287; Nass. 48.
 
  
An-zieher m.: 'angenähte Schlinge am Schuh zum Anziehen', Oonzieher [ KU-Nerzw]; vgl. PfWB Strüpfe(n). — Bad. I 66.
 
  
An-zug m.:
1. 'vollständige männliche Kleidung, bestehend aus Rock, Hose und Weste' [allg.]. Das ältere Wort Montur ist fast vollständig verdrängt. RA.: de Schneirer aus'm Aanzuch kloppe, wenn es die ersten Hiebe in einem neuen Anzug gibt [ KL-Hütschhs]. Denne schlaa ich pundweis aus'm Aanzug [Kaislt]. Gell, der Aanzuch is deim Vatter, oder: Gell, denne Aanzuch haschde geerbt?, Spott der Jugend über einen Buben, dessen Anzug etwas zu groß ist [ ZW-Bechhf]. De Aanzuch es der drei Johr zu

[Bd. 1, Sp. 303]
groß [ KB-Bischh]. Dem sei Aanzuch kammer emol billich krie, wenn einer, der vor der Pfändung steht, in einem neuen Anzug daherkommt [ ZW-Bechhfn]. —
2. 'das Herannahen'; 's is (esch) e Gewidder im Aanzug, nach dem Schd. [VPf]. —
3. 'das Recht, etwas an sich zu ziehen, in Besitz zu nehmen'. a. 1382: hat er vieh, so soll der erbe haben den anzugk [Grimm Weist. V 563 (BZ-Queichhmb)]. — Zs.: Arbeits-, Bade-, Buben-, Tanz-, Trauer-, Fasenachts-, Feiertags-, Gattings-, Gesellschafts-, Hochzeit(s)-, Jäger-, Kirchennachtmahls-, Kirchweih-, Konfirmanden-, Konfirmations-, Matrosen-, Nachtmahls-, Ober-, Schaff-, Sommer-, Sonntags-, Sport-, Werktags-, PfWB Winteranzug. — F.: Zu an- s. an Adv.; das Grundwort erscheint als -dsuk, Pl. -dsik (schriftspr. Herkunft!) vorn. im nördlichen, als -dsux, Pl. -dsiχ, -dsīχ vorn. im südlichen Teil der Pfalz. Verkl.: -dsiχ(ə)lχə [WPf u. nördl. VPf], -dsiχl [mittl. u. südl. VPf]. — Bad. I 66.
 
  
an-zügig, -züglichAdj.: 'zweideutig', nach dem Schd. Der redd so aanzigich [ NW-Frankeck GH-Schwegh], so aanzichlich [verbr.]. Bad. I 66 anzügig.
 
  
Anzugs-laden m.: 'Laden, in dem man fertige Anzüge kaufen kann', Aanzichslare [ KL-Lind].
 
 
Anzugs-stoff m.: 'Stoff für einen Anzug', nach dem Schd., Aanzugs-, -zuchsstoff [allg.].
 
 
an-zündeln schw.: 'anzünden'. Gießt e ganze Vertelschobbe helles, klares Erdöl dran, zindelt 's an [Kühn Hamet 60].
 
  
an-zünden st. und schw.: wie schd.; 's Feier, 's Licht aanzinne [VPf]. 's Licht ang'zunne! [SPf (PfMHk. 1932, H.1/2)]. Loß mich aach mit a.!, wenn einer am brennenden Streichholz des andern seine Zigarre mit anzünden möchte (mit dem Zusatz: Mer muß an de Streichhelzer spare) [ LA-Gommh]. Er hot's aangezinnt kriet, Ausdruck für Brandstiftung [ LA-Gommh]. D'Sunn hot's aangezunne, bei verdächtigen Bränden [ GH-Zeisk], oder: Die Katz hot's aangezunn(e) (gleichsam glühende Köhlchen aus dem Ofenloch in die Scheuer getragen) [verbr. WPf GH-Zeisk]; vgl. PfWB anstecken 3. a. 1352: dieselbe aillf ampellen allweg mit vleiß anzinnen [PfWeist. I 352 (LA-Edh)]. — ElsWB Els. II 907; Bad. I 66; Schwäb. I 290.
 
  
an-zupfeln schw.: Spiel mit Kindern: Mit dem Finger tupft man von der Hand bis zum Ellenbogen, hier wird angeklopft, u. weiter bis zum Ohr, hier wird gezupft; dabei wird gesprochen: 's Maisl geht die Steech 'Stiege' enuff, do kloppt's aan, geht's e bissel weider enuff, do zoppelt's aan [ NW-Frankeck].
 
 
an-zwacken schw.: 'anschneiden', von Rebstöcken, aanzwacke [ NW-Kallstdt 1930, 1960 kaum mehr gebraucht].

[Bd. 1, Sp. 304]

 
   apart, apartig:
1. Adj. 'eigenartig, außergewöhnlich'.
a. in gutem Sinne 'etwas Besonderes, Auserwähltes'; eppes ganz Abardes [verbr.], Abardiches (-isches) [verbr. vorn. südl. VPf]. Ich will ebbes ganz abbardiches mit eich schwetze [Reichard Penns 419]. Mit Bliemle druff so recht apatt 'hübsch, fein' [Hartmann Teemaschin 96, ähnlich Don Gal Buch Rußl]. Will mer ganz abbaddisch 'vornehm' sei, Lad mer mol der (Akk.) Parre 'Pfarrer' ei [Penns Deitsch Eck 16. 5. 1936]. —
b. ohne deutlichen Gefühlston 'sonderbar, eigentümlich'; uf e ganz abarti Weis [Kühn Hamet 84]. —
c. in tadelndem Sinne.
α. Das is (es) e(n) abarter Mensch 'ein Sonderling' [KU-Umg. Potzberg KL-Obernh Kühn Hamet 95], en abardicher Mensch, dass. [verbr. SOPf Keiper 49]. —
β. 'genau, pedantisch', abart [ KL-U'sulzb], abardich [ KL-Katzw], abattich [ PS-Kröpp]. —
2. Adv.
a. 'sonderbar'. Das schmackt so abart [ KU-Schmittw/O]. —
b. 'allein für sich, getrennt von andern, extra', abart [KU-Umg. Potzbg RO-Lettw BZ-Dörrb]; vgl. PfWB Sonderapart. —
c. 'bei Seite'. Spaß abart! [lothr. SWPf]. —
d. 'zumal, besonders'. Wammer dramt vun Katze, bringt ebber 'jemand' en äriger Ligestreit uf wegich em, abärtich, wann sie em beiße [Fogel Beliefs Penns 253]. —
e. 'sehr'. Dort gaits ne net juscht so abbordich (abaddich) goot [Reichard Penns 69]. — F.: Äbard, Äbad [verbr., selten südl. VPf], Äbardiχ, Äbadiχ [verbr. vorn. südl. VPf Penns Don Gal Buch], Äbärdiχ u. badiχ [Penns]; apart ist seltener als apartig. — Aus frz. à part 'bei Seite'; apartig mit deutscher Nachsilbe -ig. — RhWB Rhein. I 204/05; LothWB Lothr. 12; ElsWB Els. I 57; Bad. I 67.