Wörterbuchnetz
Pfälzisches Wörterbuch 
 
Andreas bis Andudel (Bd. 1, Sp. 224 bis 225)
 
Andreas, m.
Andreas-abend, m.
Andreas-nacht, f.
Andreas-schnee, m.
an-drechseln, schw.
an-drecksen, schw.
an-drehen, schw.
an-drücken, schw.
and-tun
an-duckeln, schw.
Andudel, f.  u.  m.
an-dudeln, schw.
Andurel
an-duseln, schw.
ane, Adv.
ane-bampeln, schw.
ane-blotzen
ane-bringen, st.  schw.
ane-dattern, schw.
ane-denken, schw.
ane-drücken, schw.
ane-fahren, st.
ane-fallen, st.
ane-fliegen, st.
ane-führen, schw.
ane-geheien, schw.
ane-gehen, st.
ane-gehören, schw.
ane-gokeln, schw.
ane-hauen, st.
ane-heben, st.
ane-hocken, schw.
ane-hossern, schw.
ane-hudeln, schw.
an-eignen, schw.
an-ein, Adv.
an-einander, Adv.
an-einanderig, Adj.
Aneis
Ane-kaute, f.
ane-kommen, st.
ane-laufen, st.
ane-legen, schw.
ane-lotteln, schw.
ane-machen, schw.
äne-mattesig, Adj.
Anemone, f.
anen, Adj.
anen, schw.
ane-patschen, schw.
Ane-pickchens, n.
ane-plotzen, schw.
ane-plumpsen, schw.
ane-purzeln, schw.
ane-rufen, st.
ane-rumpeln, schw.
ane-sauen, schw.
ane-schlagen, st.
ane-schleichen, schw.
ane-schlockern, schw.
ane-schlotteln, schw.
ane-schmeißen, st.
ane-schmieren, schw.
ane-schnutteln, schw.
ane-schupfen, schw.
ane-schwätzen, schw.
ane-setzen, schw.
ane-springen, st.
an-essen, st.
Anesteh-bord, n.
ane-stehen, st.
ane-stolpern, schw.
ane-stürzen, schw.
ane-sudeln, schw.
ane-tänzeln, schw.
ane-tippeln, schw.
ane-tragen, st.
ane-träppeln, schw.
ane-trossen, schw.
ane-trotteln, schw.
ane-turmeln, schw.
ane-wackeln, schw.
ane-walzen, schw.
ane-werfen, st.
ane-zünden, schw.
ane-zus, Adv.
an-fahren, st.
An-fahrt, f.
An-fall, m.
an-fallen, st.
an-fällig, Adj.
An-fang, m.
an-fangen, st.,  schw.
An-fänger, m.
an-fangs, Adv.
Anfangs-schüler, m.
an-fassen, schw.
An-fasser, m.
an-fauchen, schw.
an-faul, Adj.
   Andreas m.:
1. männl. VN, Andrees [verbr.]. »Närrischer Andrees hört man in der Pfalz, wenn auch nicht gerade häufig, als Bezeichnung für einen albernen Menschen« [Keiper in ZfdMa. 1910, 126 ff.]. Andrees, freßt de Käs, loßt de Butter leie, weil er is so deier [ Gal-Josbg]. Einem Angsthasen ruft man zu: Andrees, mach de Hund los! [ebd.]. —
2. Kalenderheiliger, auch der Tag des heiligen Andreas (30. Nov.). Am Andreastag ist das Andreesel in GH-Jockgr, das Äneresel in GH-Rh'zab der Begleiter des Christkindes [Christmann Vkd. 57]. a. 1547: das Eckernn zue etzen 'den Waldertrag an Eckern und Eicheln zu genießen' bis vff Anndrae [Zweibr OABannb. 18]. —
3. 'Arrestlokal (im Dorf)', Andres'che [ RO-Winnw]. — F.: ˈandrēs, ˈḁndrēs [verbr. nördl. WPf NPf], ˈḁndrēsl [ GH-Jockgr], ˈanərēs [ BZ-Hofstätt], andr [ PS-Erfw], ˈęndrēs [ KU-Dietschw Bliesgau LA-Venn], ˈęnrēs [ PS-Erfw], ˈęnərēsl [ GH-Rh'zab], rēs [Ingb RO-N'hemsb FR-Tiefth]. — RhWB Rhein. I 186/87; LothWB Lothr. 10; ElsWB Els. I 50; Bad. I 46.
 
 
Andreas-abend m.: Am Andreasabend gießen die Mädchen Blei ins Wasser; aus der Figur, die sich im Wasser bildet, schließen sie auf den Stand oder das Geschäft des künftigen Mannes [Schandein Bav. IV, 2, 365]; vgl. PfWB Andreasnacht, HwbAbergl. I 398.
 
 
Andreas-nacht f.: 'Nacht vom 29. zum 30. November'. In der A. treten liebende Mädchen nachts um 12 Uhr ihre Bettlade und sprechen: »Bettlad, ich tret dich, Andreas, ich bitt dich, daß mir erscheine in der Gestalt, wie er mir gefallt, der Herzallerliebste mein« [PS-Geisbg (1925)]; vgl. PfWB Andreasabend.
 
  
Andreas-schnee m.: 'Schnee am Andreastag'.

[Bd. 1, Sp. 225]
BR.: Andreasschnee tut dem Korn weh [ PS-Geisbg].
 
  
an-drechseln schw.: RA.: Das baßt wie oongedrechselt 'genau' [ KU-Schmittw/O]; vgl. PfWB angießen 2. RhWB Rhein. I 1439.
 
 
an-drecksen schw.: nur im Part. Perf., aangedreckst, z. B. von Hemd, Kragen, 'schon nicht mehr ganz rein' [verbr.].
 
  
an-drehen schw.:
1. etwas a.
a. 'durch Drehen festmachen', z. B. eine Schraube, aandrehe [allg.]. —
b. 'durch Drehen in Gang setzen'; de Dänzer 'Kreisel', de Modoor (Motor älterer Bauart), 's Licht (durch Drehen des Schalters) a. [allg.]. Davon übertr. 'durch Neckerei in Zorn bringen'. Den hän mer aangedreht [ FR-Bissh]. —
2. einem etwas a.
a. RA.: 's heert 'm a Schraub aangedreht 'Man muß ihn zur Vernunft bringen' [LA-Wollmh, verbr.]. —
b. 'einem durch Überredung oder List etwas Minderwertiges verkaufen' [allg.]; einem e Zech a. (auch: ans Bään 'Bein' drehe) 'auf Kosten eines Gutmütigen zechen' [verbr.]. —
c. einem Mädchen ein Kind a. 'das Mädchen schwängern' [verbr.]. Küpper II 49. — RhWB Rhein. I 1457; Saarbr. 7; ElsWB Els. II 747; Bad. I 47.
 
 
an-drücken schw.:
1. etwas a. 'durch Drücken (Schieben) in Bewegung setzen'; de(n) Wa(che) andricke [allg.]. —
2. etwas an etwas a., z. B. Erde an Setzlinge (beim Einpflanzen). Dafür meistens: die Planze a. [allg.]. —
3. refl. sich a. 'sich anschmiegen'. 's Kind hot sich an mich angedrickt [allg.]. — RhWB Rhein. I 1511; ElsWB Els. II 751; Bad. I 47.
 
 
and-tun s. PfWB And.
 
 
an-duckeln schw.: sich a. 'sich einhüllen', sich aanduckele [PS-Kröpp (1961: nur ält. Gener.) Schweix]; vgl. PfWB anmustern. — Das Grundwort ist Iterativform zu (sich) ducken.RhWB Rhein. I 1537; LothWB Lothr. 9.
 
  
Andudel f. u. m.:
1. Wurstart.
a. 'Wurst, die aus ineinandergezogenen Därmen besteht'. Sie wird gesalzen und geräuchert und später gewöhnlich in Erbsenpüree aufgekocht [Keiper 50 KU-Ulm Dietschw Kus Bliesgau lothr. SWPf Land LA-Knöring]. —
b. 'Fleischwurst mit dem Dickdarmende oder Dickdarm als Hülle, das Füllsel aus gehacktem und gewürztem Dickdarm bestehend, genossen nach längerem Räuchern' [ KU-Glmünchw ZW-Krähbg RO-Lettw KL-O'arnb Obernh Pirmas]. Das Füllsel besteht aus geräuchertem Fleisch und Kartoffeln [WPf], aus Resten der Bratwurst und übrigen Fleischstücken [ ZW-Battw], aus rohem Schweine- und Rindfleisch (bei Hausschlachtungen) [Jung 68/69]. —
c. 'trockene Dauerwurst' [Bliesg LA-Knöring (PfId. 12)]. —
d. = PfWB Preßsack, PfWB Endkeutel, kleiner PfWB Schwartenmagen [ Don-Lenauh Alexhs Kathreinf Tschest Buch-Arbora]. —
e. = PfWB Mettwurst [ WD-Niedkch PS-Leim]. — RA.: Er ringelt sich zamme wie e An-

[Bd. 1, Sp. 226]
dullche [ KL-Mehling]. —
2. Anredewort, bald als Schimpfname, bald als Kosename gebraucht. Wo is dann unser Andurelche? [Kaislt]. Du bischt e rechter Andudel [Kühn Hamet 94]; Du kreizzwercher Handudel [ Don-Tschest]. — F.: andūd(ə)l, ḁndūd(ə)l [jüng. Gener. Städte u. Stadtnähe in WPf, Don, LA-Knöring (PfId. 12)], andur(ə)l [vorn. ältere Gener. WPf], andūl [ KU-Ulm], andūdl [Keiper 50], handudl [ Don-Tschest]. Der Hauptton liegt zumeist auf der ersten Silbe; Guentherodt Phon. 124 u. 147: ˈandudəl, anˈdudəl, anˈdurəl ˈhandūdəl, ˈhandudəl (Belegorte?); zur Qualität des anlautenden a s. Präpos. PfWB an. — Aus frz. andouille 'Wurst aus Kaldaunen, Speck und Schweinefleisch'; auch im Französ. in spöttischem Sinne auf den Menschen angewandt (briefl. Mitteil. Dr. H. Müller, Lambrecht). — RhWB Rhein. I 187 Andulge; Saarbr. 7; LothWB Lothr. 9; ElsWB Els. I 51.