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Pfälzisches Wörterbuch 
 
anderthalb-schläfrig bis Andivien-beet (Bd. 1, Sp. 219 bis 223)
 
anderthalb-schläfrig, Adj.
anderthalb-stöckig, Adj.
anderthalb-tappig, Adj.
Anderthalb-viertel, n.
Anderthalbzentner-sack, m.
anderthalb-zöllig, Adj.
Änderung, f.
ander-werbe, Adv.
an-deuten, schw.
Andivie, m.,  n.,  f.
Andivien-beet, n.
and-mütig, Adj.
Andorn, m.
Andorn-tee, m.
Andouille
Andreas, m.
Andreas-abend, m.
Andreas-nacht, f.
Andreas-schnee, m.
an-drechseln, schw.
an-drecksen, schw.
an-drehen, schw.
an-drücken, schw.
and-tun
an-duckeln, schw.
Andudel, f.  u.  m.
an-dudeln, schw.
Andurel
an-duseln, schw.
ane, Adv.
ane-bampeln, schw.
ane-blotzen
ane-bringen, st.  schw.
ane-dattern, schw.
ane-denken, schw.
ane-drücken, schw.
ane-fahren, st.
ane-fallen, st.
ane-fliegen, st.
ane-führen, schw.
ane-geheien, schw.
ane-gehen, st.
ane-gehören, schw.
ane-gokeln, schw.
ane-hauen, st.
ane-heben, st.
ane-hocken, schw.
ane-hossern, schw.
ane-hudeln, schw.
an-eignen, schw.
an-ein, Adv.
an-einander, Adv.
an-einanderig, Adj.
Aneis
Ane-kaute, f.
ane-kommen, st.
ane-laufen, st.
ane-legen, schw.
ane-lotteln, schw.
ane-machen, schw.
äne-mattesig, Adj.
Anemone, f.
anen, Adj.
anen, schw.
ane-patschen, schw.
Ane-pickchens, n.
ane-plotzen, schw.
ane-plumpsen, schw.
ane-purzeln, schw.
ane-rufen, st.
ane-rumpeln, schw.
ane-sauen, schw.
ane-schlagen, st.
ane-schleichen, schw.
ane-schlockern, schw.
ane-schlotteln, schw.
ane-schmeißen, st.
ane-schmieren, schw.
ane-schnutteln, schw.
ane-schupfen, schw.
ane-schwätzen, schw.
ane-setzen, schw.
ane-springen, st.
an-essen, st.
Anesteh-bord, n.
ane-stehen, st.
ane-stolpern, schw.
ane-stürzen, schw.
ane-sudeln, schw.
ane-tänzeln, schw.
ane-tippeln, schw.
ane-tragen, st.
ane-träppeln, schw.
ane-trossen, schw.
ane-trotteln, schw.
ane-turmeln, schw.
ane-wackeln, schw.
ane-walzen, schw.
ane-werfen, st.
ane-zünden, schw.
   anderthalb-schläfrig Adj.: 'eineinhalbschläfrig'; e annerthalbschläfriches Bett 'ein Bett, in dem eine erwachsene Person mit einem Kind schlafen kann' [ WD-Niedkch Pirmas].
 
  
anderthalb-stöckig Adj.: 'eineinhalbstöckig'; e annerthalbsteckiches Haus 'ein Haus, das auf einem Untergeschoß noch ein Halbgeschoß hat' [verbr.]; vgl. PfWB Kniestock; e Annerthalbstekkicher 'eine überaus große männliche Person', scherzh. [ LA-Venn].

[Bd. 1, Sp. 220]

 
   anderthalb-tappig Adj.: 'verrückt'. Er isch annerthalbdappich [ FR-Beindh].
 
  
Anderthalb-viertel n.: 'Flächenmaß von ca. 9 a', Annerthalbvärtel [ NW-Haßl LA-Gommh].
 
  
Anderthalbzentner-sack m.: 'Sack, der 1½ Ztr. faßt', Annerthalwezentnersack [ KU-Kollw].
 
 
anderthalb-zöllig Adj.: 'eineinhalbzöllig' (etwa 40 mm), bei der Angabe der Nagellänge gebräuchlich, jedoch nur noch bei älteren Handwerkern, annerthalbzellich [allg.].
 
 
Änderung f.: nach dem Schd., in mehr gehobenen Schichten. Do gebt's ball e Ännerung [verbr.]; volkstüml. Ausdrucksweise: Do werds ball annerscht(er). Zs. PfWB Luftveränderung. RhWB Rhein. I 186; Bad. I 46.
 
 
ander-werbe Adv.: 'zum zweiten Male, wieder'; anderwerbe: a. 1338 [OttbgUrkb. 401], a. 1437 [PfWeist. I 31 (RO-Als)].
 
 
an-deuten schw.: nach dem Schd., mehr städtisch, aandeide, -deire [verbr.], ebenso Andeutung f., bes. im Pl. Andeidunge (-deirunge) [verbr.].
 
  
Andivie m., n., f.:
1. 'Endivie (Cichorium endivia)'. Die mundartl. Formen und ihre Verbreitung zeigt K. 13. Dieselbe Bedeutung hat mancherorts die Zs. mit -salat; vgl. Andiviensalat. Unterschieden wird zwischen Sommer- und Winterandivie. RhWB Rhein. II 127 Endivie; Lux. I 30; Saarbr. 7; LothWB Lothr. 9; ElsWB Els. I 50; Bad. I 46. —
2. Wilder Andiftche 'Wegwarte' [KU-Lauteck GH-Wörth (Wilde 255)]. — F.: Zur Qualität des a s. PfWB an (Präposition); e in En-, das besonders westlich u. südl. von RO-Obmosch auftritt, ist wohl überall offenes ę (ęn-). Die zweite Silbe lautet zumeist -dif-, im Ostertal (WD-Hoof u. Marth), wo i leicht in e übergeht, -def-; langes ī (dīf, dīw) wurde 1930 gemeldet und 1963 teilweise bestätigt für KU-Albess HB-N'alth Höch ZW-L'wied RO-Münstapp LU-Altr LA-Edh; intervokalisch erscheint statt -f- auch -w- (wie auch in kaawe 'kaufen' u. a.): andiwiχ, handiwiχ u. ä., so im Bliesgebiet sowie (neben -dif-) südl. von PS-Dahn in einem Streifen an der pfälz-. elsäss. Grenze. Die Endsilbe ist in der WPf sowie in der nördlichen und im westlichen Teil der mittleren VPf -χə, das in individueller Aussprache auch als -jə, bzw. -ə (dieses bes. bei der jüngeren Generation) auftritt. Im übrigen (südlichen) Teil der VPf, im Grenzstreifen südl. Dahn und in der Bliesgegend gilt -iχ bzw. (aus -iχ hervorgegangenes) -i. Das die Aussprache erleichternde sekundäre d (t) in andifdχə, hḁndifdχə ḁndifdiχ, hḁndifdiχ u. ä. herrscht in der NPf und VPf von Norden bis etwa zur Linie PS-Dahn— GH-Wörth. Der Ton liegt beim Simplex zumeist wie im Pfälzischen auch bei anderen frz. Fremdwörtern, vgl. ˈalo (allo), ˈbiro (Büro), auf der ersten Silbe: ˈandi(f)χə, ˈandifdiχ, ˈhandifdχə usw., seltener auf der zweiten: anˈdifdχə anˈdifdiχ usw.; die Pennsylvanier und Galizienpfälzer

[Bd. 1, Sp. 221]

[Bd. 1, Sp. 223]
betonen allg. die 2. Silbe: anˈdifdi, anˈdiwi, anˈdifχə, anˈdifdχə. In den Zusammensetzungen hat die zweite Silbe den Nebenton: ˈsuməran̩difχə, ˈwindəran̩difdχə. Es kann also angenommen werden, daß die Erstsilbenbetonung erst nach Ende des 18. Jahrhunderts durchgedrungen ist. Im Genus überwiegt in der heutigen Pfalz m.; bei den Formen, die auf -ich, -i, -isch enden, gilt m. allgemein. Bei den Formen auf -che (-χə), -je (-jə), -sche (-ə) erscheint, da diese Silben als Verkleinerungssilben empfunden werden, auch n. (das, des, 's andifdχə u. ä.); f. wird in wenigen Fällen nur bei Andivie, Endivie angegeben. Die Pfälzer in Galizien haben zumeist n. (ˈs Änˈdifχə u. ä.); für Pennsylvanien gilt m. nach Lambert Penns 13 u. 51. Das männl. Geschlecht statt des urspr. weiblichen (frz. endive und mlat. endivia) ist offenbar vom Kompos. andiwjəsalat 'Andiviensalat', das oft gleichbedeutend mit Andivie gebraucht wird, genommen. — Die pfälz. Formen deuten auf doppelte Herkunft des Wortes: frz. endive, das sich in den mit an- und han- anlautenden Formen durchgesetzt hat (nur daß die Nasalierung des a fast ganz geschwunden ist, wie z. B. in allo aus frz. allons), und mlat. ital. endivia (Kluge-Mitzka17 Endivie), das in den Endungsformen -jə und im weiteren -χə (ə) nachwirkt, vgl. GreffjeGreffche 'Gemeindeschreiber', von frz. grefier, bißjebißche 'bißchen', MädjeMädche 'Mädchen' u. a. Sekundär wie d in andifdχə, handifdχə ist auch i vor χ in andifiχ, andiwiχ usw. (wie in miliχ 'Milch', āriχ 'arg'). Das Antreten von h- an an- in handifχə usw. erklärt sich aus einer gewissen Unsicherheit im Hören und im Gebrauch dieses Lautes im Anlaut vor Vokal, wie auch die Form Hawwerwachs für Aberwachs und Handudel für Andudel und mehrere Ortsnamen in der Lautung früherer Sprachstufen zeigen (Heberenburch für Ebernburg, Honisheim für Ensheim, Hophowa für Oppau, Hudamerisheim für Ottersheim, Orembach für Hornbach, Arasheim für Harxheim, vgl. Christmann SN 663). Nachträglich brachte man den Namen der Pflanze wegen der Lautähnlichkeit mit den Namen Johannes und Hannchen in Verbindung, so wenn man sagte, die Pflanze schieße nicht, wenn man ihren Samen am G'hannstag (Johannistag, 24. 6.) säe (Wilde 49) oder ihr im Scherz die Deutung gab: Handiftchede Hannche ehr Diftche [ LU-Friesh]. Die Form ḁndifdiχ in der südl. VPf erklärt sich als Mischform aus den ihr benachbarten Formen: nördlich hḁndifdiχ, südl. ḁndifiχ.RhWB Rhein. II 127 Endivie.
 
 
Andivien-beet n.: wie schd.; -blatt n.: wie schd.; -land n.: 'Endivienbeet', häufiger als die Verb. mit Beet; -pflanze f.: 'Endiviensetzling'; -salat m.: 'Salat aus Endivie'; -samen m.: wie schd.; -setzling m.: = Andivienpflanze, selten.