| Pfälzisches Wörterbuch | ![]() | ||
Ambra bis Ameisen-branntwein (Bd. 1, Sp. 193 bis 198) | |||
Ambra, f. Gen.? m. Ambrasch, f. Gen.? m. Ambrast, f. Gen.? m. ambraschig, Adj. Ambrosius, m. ambuschieren, schw. Ambuschur, f. Ambuschur, m. ämchen, schw. Äme, Pl.? Amei Amichen Ameise, f. Ameisen-branntwein, m. Ameisen-brünnlein, n. Ameisen-ei, n. Ameisen-geist, m. Ameisen-haufen, m. Ameisen-kopf, m. Ameisen-nest, n. Ameisen-seiche, f. Ameisen-spiritus, m. ameisig, Adj. Amen, n. ämen, schw. am-end, Adv. amens-lang, Adv. ämenzig Amerika, n. Amerikaner, m. amerikanisch, Adj. Ametz Ämetz Ami, m. Ami Ami ämig, Adj. Amisamee Amische, m. Am-lauf, m. Amlebusch Amme, f. Ammen-base, f. Ämme, f. Ammenbase Ammerich, m. Ammerichsin, f. Ammi Amor, m. Amorelle Ampel Ampel, f. ampern, schw. ämpern, schw. ampern Ampert Ampfel, m. Ampfer, m. Ampfes, m. amplochieren, schw. amplochiert, Adj. Amplochierter, m. Amploschema, n. Amploschie, Gen.? Amri Amrich amscheln Amsel, f. Amsel-futter, n. Amsel-herz, n. amseln, schw. Amsel-nest, n. Amsel-rehhase, m. ämsen, schw. Amt, n. Amt-leute amtlich, Adj. Amt-mann, m. Amts-keller, m. Amts-schreiber, m. Amule, f. Amulett, n. amüsant, Adj. Amüsement, n. amüsieren, schw. an, Adv. u. Präp. an-acheln, schw. an-achielen, schw. Ananas, f. Ananas-apfel, m. Ananas-erdbeere, f. Ananas-reinette, f. an-ärgern, schw. Anarschel an-backen, schw. an-bändeln, schw. An-bändler, m. f. An-bändlerin, m. f. an-bären, schw. an-batzen, schw. | 1. 'Mühe, Umstände', Ambra [ KL-Ottbg], Ambrasch [ KU-Ulm], Ambraasch [RO-Messbhf KL-Weilb Erfb NW-Haßl Spey PfId. Gal-Landtr Michalowka], Ombraasch [SOPf], Ambrascht [ LU-Limbghf]; vgl. Lambrascht. — 2. 'Sorgen, Kummer', Ambraasch [Kühn Hamet 94], Ambrascht [HB-Einöd KL-Weilb Journal 1787 S. 211 Klein Prov. 61]. — 3. 'Durcheinander, Unordnung', Ambraasch [KU-Orte des Lautertals KB-Kriegsf], Ambrascht [ FR-A'lein]. — 4. 'große Menge', Ambrascht [ LU-Limbghf]. — F.: ambrÄ, ˈambrā, ˈḁmbrā, ˈombrā, ˈambrÄd. (Belegorte s. o.). Guentherodt Phon. 124: amˈbrā, amˈbrat. — Herkunft: ambrÄ geht direkt auf frz. embarras zurück; ambrā ist vermutlich Mischung aus ambra und dem bedeutungsmäßig nahestehenden uwrā < frz. ouvrage (vgl. die Verbindung Uwraasch und Ambra für 'Verwirrung, Verlegenheit, Umstand', Mainz 14); ambrad könnte durch Verbindung von ambrÄ und brad 'Kummer, Sorge, Last' entstanden sein; vgl. Schweiz. I 233. — RhWB Rhein. I 156/57; Saarbr. 6; LothWB Lothr. 8; ElsWB Els. I 39; Bad. I 39; Schwäb. I 164. 1. 'Ansatz des Mundes an das Mundstück des Blasinstrumentes'. Er hot kaan Ambuschur, Musikantensprache [verbr., vorn. WPf, PfId. 12]. — 2. 'Geschick zu einer Arbeit'. Der hot kään A. bei de Aarwet [NW-Haßl [Bd. 1, Sp. 194] Spey Land LA-Venn PfId]. — 3. 'Lust und Liebe zu einer Sache'. Ich hab kään (kaan) A. zu der Sach [verbr.]. Am Sunndagmiddag han ich kään Ambaschur spaziere zu gehe, do gebt e Sunndagsschläfche gemacht [ IB-Alschb]. Ich weß net, der Bu hat gar kään Ambeschur for ebbes se lerne [ NW-Gimmdg]. — 4. 'Mut, Schneid'. Der hat awwer Ambuschur [Kaislt]. — 5. 'Eifer, Aufregung'. Ich war so in der Ambraschur, daß ich dem Einnehmer e Fufzicher for e Finfer gebb han [ ZW-Hengstb]. — 6. 'Temperament, Stimmung'. Es war kään A. drin [ HB-Kirrbg KL-Katzw Don-St. Andreas]. — 7. 'Appetit'. Er hot e guti A. [ KU-Bedb Hundh Patb O'eisb RO-Odh Rehbn Callb Kaislt BZ-Nd'horb]. Ambeschur zum Fresse un Saufe [Kaislt]; vgl. PfWB Ambuschur2. — F.: herrschend ambuˈūr u. ambÄˈūr bzw. ḁmbuˈūr, ḁmbÄˈūr, oft von Ort zu Ort wechselnd; seltener ambəˈūr, ambiˈūr [ KU-Reichsth KL-Ottbg], ambəˈūr [KU-Bedb RO-Rehborn Kühn Hamet 94], ambraˈūr [ ZW-Hengstb]; a- u. ḁ- wie bei an. Bei Guentherodt Phon. 123: anbaˈūÄ, 124: ambaˈūÄ, anmbaˈūÄ, ambəˈūÄ, ambiˈūÄ, ambuˈūÄ. — Aus frz. embouchure 'Mündung'; avoir une bonne e. 'einen guten Ansatz haben'. Ambraschur durch Mischung aus Ambuschur und PfWB Ambrasch, dem es in Bed. 5 (Eifer, Aufregung) nahesteht. — Bad. I 39 Ambraschur. [Bd. 1, Sp. 195] ![]() [Bd. 1, Sp. 197] KB-Bennhs Harxh FR-Tiefth LU-Alsh Opp.]. Bauen die Emetze große Haufe, do kummt e strenger Winder [ RO-Als]. Wann en Umens Grund rausschmeißt, gebt's Rege [Fogel Beliefs Penns 1159]. Volksgl.: Während des Essens darf man nichts von Vogelnestern erzählen, sonst komme die Omezzele ins Nescht un die alde Veel weere abstännich 'verlassen das Nest' [ KU-Schmittw/O]. Wenn rote Ameisen in die Nähe von schwarzen kommen, die ihre Puppen sonnen, pflegen Kinder zu rufen: Ämense holt eier Aajer, die Russe kumme [ LU-Altr]. Kinderspiel: Ein Kind, das in einem Kreis steht, wird von den außerhalb des Kreises stehenden Kindern geneckt, indem diese in den Kreis springen und »Ämetz, ich bin uf deim Haufe« rufen. Die »Ämetz« trachtet, eines der eingedrungenen Kinder abzuschlagen [Pirmas]. — Zs.: PfWB Garten-, Haupt-, PfWB Od-, PfWB Reiter-, Ritter-, PfWB Rot-, PfWB Schwarz-, PfWB Seich-, PfWB Wald-, PfWB Wurmameise. — F. (zum Nachfolgenden vgl. Karte 11): Das Wort ist eines der formenreichsten im Pfälzischen. In der ersten Silbe erscheinen alle Vokalqualitäten. Am stärksten vertreten sind gelängte e-Laute, und zwar geschlossenes ē vorwiegend im westlichen Teil der mittleren und südlichen Westpfalz, offenes ę überwiegend in der nördl. West- und in der Mittelpfalz sowie im westl. Teil der mittl. und im östl. Teil der südl. VPf. Die Formen mit a, o und u nehmen, vielfach ineinander verzahnt, die Nordpfalz sowie den Norden der Vorderpfalz ein; den Kern bilden die Formen mit a im mittleren Teile dieses Raumes (westlich und südlich Kirchheimbolanden sowie Umgebung von Grünstadt). Auffallend ist das Auftreten von u in vier getrennten Kleinräumen: Obermoschel und Umgebung (nördl. NPf), Frankenthal (nördl. VPf), mittlerer Pfälzerwald von Weidenthal bis Stelzenberg und Südostecke der Pfalz (ohne Neuburg). Die Formen mit i erscheinen im südl. Teil des Pfälzerwaldes, im östl. Teil der VPf von nördl. Ludwigshafen bis südlich Germershein sowie in zwei Kleinräumen westl. Kandel und um Bergzabern. — Die Vielheit der Vokalqualitäten ist das Ergebnis verschiedener Lautentwicklungen: Umlaut unter Einfluß von i bzw. e der nächsten Silbe (a > e, ę, ä), Verdumpfung durch nachfolgenden Nasal (a > o, u, wie z. B. mhd. āne > ohne > uhne), Vokalhebung gleichfalls vor Nasal (e > i, wie z. B. bei mhd. stēn > dīn). Die zweite Silbe des Wortes zeigt verschiedene Grade der Abschwächung des auf ei zurückgehenden Vokals, und zwar von ē bis Schwund. Die Angaben der Gewährspersonen lassen hier keine vollkommene Klarheit gewinnen. So erscheint für die Umg. von Pirmas gewöhnlich Äämez, Ämez, während Otterstetter (S. 45) nmds angibt. [Bd. 1, Sp. 198] Vorwiegend nordpfälzisch sind n-Infix (minds, mənds u. a.) und l-Suffix (ēmədsl, ūməsl, umindsl u. a.). Die Formen mit z (ds) im Auslaut (məds, ōmənds u. a.) herrschen vor; s (ēməs, ems, ims u. a.) erscheint vornehmlich an der pfälzisch-lothringischen Grenze, im nördl. Teil der mittleren VPf und in der südl. VPf bis zur pfälz.-elsässischen Grenze. In dem zuletzt genannten Gebiet sind auch die Komposita Sächims, -äms, Rotims u. a. stärker vertreten. Mehrere der genannten Formen setzen sich, wie die auf unserer Karte eingetragenen Formen aus DWA V zeigen, über die Grenzen der Pfalz in den benachbarten Gebieten fort oder sind Ausläufer von Formen dieser Gebiete. Die Galizien- und Buchenlandpfälzer haben zumeist Oomenz (65' u. Oomenzl, vereinzelt Oometz, Oometzl, Oomes, Amenz (mənds), Umetz, Umenz, Uminzl, entsprechend ihrem Hauptherkunftsgebiet Nordpfalz, Rheinhessen u. mittlere und untere Nahe; bei den Batschkapfälzern dominiert westpfälzisches Ämetz (məds); seltener erscheint nordvorderpfälzisches Umetz (ūməds); bei den Banatpfälzern überwiegt nordpfälzisches Omenz (ōmənds) und Ometz (ōməds); die Schwarzmeerpfälzer haben Imes (īməs) und Iminz (īminds) wie der östl. Teil der mittl. Vorderpfalz mit dem angrenzenden rechtsrheinischen Gebiet; in das gleiche Gebiet weist das pennsylvanienpfälzische Iminz, in den nördl. anschließenden Bereich pennsylv. Umenz (unmənds). Es ist jedoch anzunehmen, daß die jetzige Verbreitung aller dieser Formen mit der des 18. Jahrhunderts nicht ganz übereinstimmt; die Formen Omenz u. Omenzl dürften Ende des 18. Jahrhunderts in der Nordpfalz und in den nördl. an sie angrenzenden Gebieten — dem Hauptherkunftsbereich der Galizien- und Buchenlandpfälzer — vorherrschend gewesen sein (auch Louisendorf bei Cleve hat Omenzl!), während sie heute in diesem Gebiete nur in kleinsten Räumen vorkommen oder nur noch Reliktformen sind. — Zur Etymologie s. Kluge-Miztka17. — RhWB Rhein. I 160 ff.; Saarbr. 6; LothWB Lothr. 8; ElsWB Els. I 36; Bad. I 39/40.
| ||
| © 2002—2010 by Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier Home | Impressum | Kontakt | ![]() | ||