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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Butz bis Putz-eimer (Bd. 1, Sp. 1417 bis 1419)
 
   Butz1 f.:
1. 'Schwein', bes. in der Sprache der kleinen Kinder, Butz (buds) [verbr. mittl. u. südl. VPf Heeger Tiere I 18 PfId. 29], oft im Dim., s. PfWB Butzel; 'Mutterschwein' [ BZ-Dernb]. Zs. PfWB Saubutz. Lockruf für das Schwein: Butz-Butz! [ NW-Haßl LA-Ilbh BZ-O'ottb Schweig]. Der eßt (freßt) wie e B., von einem, der schmatzend ißt [LA-Edk, verbr.]. Des isch e B. [LU-Iggh, verbr.]. —
2. 'unreinliches Frauenzimmer', auch Schimpfw. [verbr. wie 1]. Zs. Schnuttelbutz. — Zu 1 u. 2: Häufiger als Butz ist die lautliche Abwandlung Wutz. Als Steigerung erscheint die Verb. Wutz un Butz, z. B. in der RA: Er wäljert sich im Dreck wie die Wutz un Butz [JKurpf. 1934, S. 92]. —
3. 'Wurfhölzchen im Tene-Spiel'. Beim Hochschnellen des Hölzchens ruft der Schläger dem Fänger zu: Tenne raus, halt die Butz [ LA-Birkw], oder: Tenne Butz ulle [ LA-Kl'fischl]. — Bad. I 389; Schwäb. I 1568.
 
  
Butz2, Butzen m.:
1.
a. 'vermummte Fastnachtsgestalt', Butze (budsə) [ GH-Vollmw], häufiger in der Zs. Fasebutz; vgl. PfWB Boz, PfWB Bozen 1 a; 'Fastnachtsmaske', Botz (bǫds) [ KB-Kriegsf]. Syn. s. PfWB Fastnachtsgesicht. — Historisch in der Wend. Butzen gehen: a. 1566: Der heidnische Wandel mit pratten heischen, Butzen gehen, Lehen ausrufen, Maien stecken, Hagelbaum brennen, Johannes Feuer machen und drüber springen, Fahnen tragen, Kirchenblumen und gegen dem Wetter leuten ist bei 1 fl. Strafe verboten [PfMus. 1922, S. 147]. a. 1593: Wir befinden auch, das noch allerhandt heydnische Misbreuch im Schwank gehen und von den Unterthanen, beyde jungen und alten geubt werden, sonderlich auf den Feyer- und Sontägen als mit ... Fastnachten Mummereyen, Braten, Butzengehen, Johansfeuwer, schendlichen Liedern und der jungen Gesellen und Mägden Mayen stecken und was dieses unfletigen unchristlichen Dinges mehr ist [NPfGV 1927, S. 98]. —
b. s. PfWB Pfingstenbutz. —
2. 'auffallend gekleidete weibliche Person', Botz [ KB-Kriegsf]; vgl. PfWB Boz, PfWB Bozen 2 a. —
3. 'Schreckgestalt, mit der man Kinder ängstigt', Butz (buds) [Kus NW-Weish/S Gal-Debolowka], Butze [ KU-Kaulb ZW-Nd'aub PS-Bruchw BZ-Darst]; vgl. PfWB Boz, PfWB Bozen 3 a. Syn. u. K. s. PfWB Butzenmann. Zs. PfWB Fürchtebutzen. —
4. 'Schutzmann', Butz [ NW-Weish/S], Butze [ ZW-Nd'aub

[Bd. 1, Sp. 1418]
Hengstb]. Syn. s. PfWB Gendarm. —
5. 'Vogel- und Wildscheuche', meist ausgestopfte Männergestalt, Butz u. Butze [südl. VPf], Botze [ PS-Vinn Lu'wink]. Die sieht aus wie e B. [ BZ-Schweighf]; vgl. PfWB Boz, PfWB Bozen 4 a, PfWB Butzenmackel, -mann 2, -mummel. Zs. PfWB Gartenbutz. —
6. 'kleines Kind', vgl. PfWB Buttes; e klaaner Butze [KB-Harxh, verbr.]; 'drolliger, aufgeweckter Knabe', Butze [ GH-Vollmw]; 'alter Junggeselle', Botze [ PS-Fehrb]; Butzelche 'kleine verhutzelte weibliche Person' [ RO-Messbhf]; vgl. PfWB butzig1. Zs. PfWB Rostenbutzen. —
7. 'Klümpchen'.
a. 'verhärteter Nasenschleim'. Er hat e Butze in de Nas [Zweibr, verbr.]; vgl. PfWB Boz, PfWB Bozen 5, PfWB Butzenbär 3, -mann 3, -nase 2. Zs. PfWB Nasenbutzen. —
b. 'Eiterpfropfen', Butze [ KU-Dietschw ZW-Battw Zweibr NW-Weish/S BZ-Erfw GH-Kand Don-Tscherwk], Botze [KU-Bedb KL-Gimsb u. Umg.]. Mein Schwääre (Geschwür) is heit uffgang, es sinn ganze Botze Ääder (Eiter) erauskumm [KL-Gimsb u. Umg.]. —
c. 'Häufchen Schmutz' in den Zs. Dreck-, PfWB Mistbutzen. —
8. 'Tintenklecks', Butze [ NW-Geinsh Spey LA-Ilbh BZ-Albw]; vgl. PfWB Butzel 3. Zs. PfWB Tintenbutzen. —
9.
a. 'rußendes oder verkohltes Ende des Dochtes'; am Wieche (Docht) de Butze abmache [verbr.], Botze [ KU-Bedb]. Volksgl.: Wammer'n Butze vume Inschlichlicht mit'm Finger abroppt un er brennt em net, gleicht (von engl. to like = gern haben, lieben) sell Mädel em, wu mer selli Zeit drandenkt [Fogel Beliefs Penns Nr. 382]. —
b. 'Zigarettenstummel', Botze [ ZW-Contw Hengstb]. Zs. Zigarrettenbutzen. —
10.
a. 'Krankheitskeim im Getreide', Butze [ NW-Haßl]. —
b. 'von Schimmel herrührender übler Geschmack des Weines'. De Wein hot e Butze [ NW-Deidh]. —
11.
a. 'Kernhaus des Obstes, Überrest des gegessenen Obstes', vgl. PfWB Butzicht 1, Butze [Ostteil der VPf (oft neben Krutze) KU-Rathsw Elschb IB-Nd'würzb]. Zs. PfWB Apfelbutzen, PfWB Ausbutz. Syn. s. PfWB Krutzen. —
b. 'Kelchrest an Stachel- und Johannisbeeren', Butze [ KU-A'glan NW-Weish/S LA-Gommh Knöring]. — In der formelhaften Wendung rutz un butz 'mit Stumpf und Stiel, ganz und gar' [allg.]. —
c. 'geschälter Maiskolben', Butze [ Don-Tscherwk]. —
12. 'Auswuchs am Körper', Butze [Kus]; vgl. PfWB Dutzel. —
13. 'kleiner Grasplatz', Botze [ KU-Miesau]. —
14.
a. 'schwere, dunkle Wolke'. Es kummen Butze [südl. VPf]. Do hinne hingt e Butze [ KL-Stelzbg]. Zs. Schnee-, PfWB Wolkenbutzen. —
b. 'Regenschauer' [südl. VPf]. Zs. Aprilen-, Gewitter-, PfWB Regenbutzen. —
15. 'große Anzahl, große Menge'; e Butze Leit [verbr. VPf]; e Butze Geld [KU-A'glan Müller Luscht un Lewe 53]. Do hosche (hast du) awwer e dicke Butze, ironisch für 'Da hast du aber nicht viel' [ KU-Kaulb KL-Hirschhn]. —
16. 'Büschel'.
a. 'Strohwisch', Butze

[Bd. 1, Sp. 1419]
[ KB-Eisbg]. Der is so dumm wie e Botze Stroh [ PS-W'fischb]. —
b. 'Strauß' in der Zs. PfWB Maibutzen. —
c. 'Haarbüschel' in der Zs. PfWB Haarbutzen. —
17. 'Verstopfung beim Rindvieh'. Die Kuh hot'n Butze [ NW-Kallstdt BZ-Nd'horb]; vgl. PfWB blähen1 2. —
18. 'Streich, Schabernack'; äm e Butze andun [ KU-Kaulb NW-Kallstdt]; vgl. PfWB Possen 1 a. — F.: In den Bed. 1-6 (Persönliches) erscheinen vorn. buds bzw. bǫds, seltener budsə bzw. bǫdsə, in den Bed. 7-18 (Sachliches) nur budsə bzw. bǫdsə. In manchen Orten kommen beide Formen mit verschiedener Bed. vor. Die Form bǫds bzw. bǫdsə tritt in Gegenden auf, in denen eine Neigung zur Senkung von u zu o besteht; vgl. PfWB putzen. — Dem Wort liegt mhd. butze 'klopfender Kobold, Poltergeist, Schreckgestalt' bzw. 'abgeschnittenes Stück, Masse, Klumpen' zugrunde, das nach Lexer Lexer I 403 zu būʒen (Nebenform zu biuʒen) 'schlagen, klopfen' zu ziehen ist; vgl. auch DWB DWb. II 588 ff., bes. 594. In Hinblick auf Bedeutung und Herkunft gehört das Wort in die nächste Nachbarschaft von bōds bzw. bōdsə, s. PfWB Boz, PfWB Bozen. — Südhess. I 1267/68; RhWB Rhein. I 1188/89; Saarbr. 41; ElsWB Els. II 129; Schwäb. I 1569 ff.; Schweiz. IV 2003 ff.
 
 
butz1 in der Verb. rutz un butz, s. PfWB Butz2 11 b.
 
 
butz2 s. PfWB butzen.
 
  
Putz1 m.:
1. 'feine Kleidung'. Er hängt alles an de Butz [ KU-Schmittw/O, allg.]. —
2. 'Schuldiener, Pedell', weil ihm die Reinigung der Schulräume obliegt, Schülerspr., Butz [Kaislt]. —
3. 'Gemüseabfall' in der Zs. PfWB Abputz. —
4. 'Mörtelüberzug der Wände' in den Zs. PfWB Kratz-, PfWB Verputz. — Südhess. I 1268; Bad. I 389.
 
 
Putz2 f.: 'Nachgeburt beim Rindvieh'. Volksgl.: Wann en Rind en Kalb kriegt, reibschd em Rind die Butz dreimol iwwers Kreiz; noo (dann) schlagt's net, wammer's melkt [Fogel Beliefs Penns Nr. 824]; vgl. PfWB Putzel. Syn. s. PfWB Fege. — Zu PfWB putzen.
 
  
Pütz n.: 'Gemüseabfall', Bitz [ GH-Neubg]; vgl. PfWB Abputz, -pützicht. — Zu PfWB putzen. — Bad. I 389 Bütz.
 
  
Putz-affe m.: 'Modenarr, putzsüchtiges Frauenzimmer', Butzaff [ KL-Hirschhn Hütschhs]. Sie esch en klään Putzäffel [ BZ-Dernb]. — -bärbel f.: 'putzsüchtige Frau', Putzbärwel [Don-Schowe Torscha (Steinmetz)]. — -bürste f.: 'Bürste zum Putzen der Pferde', Putzbärscht [ SP-Mechth]. — -eimer m.: wie schd., Butzäämer [ KU-Bedb ZW-L'wied KL-Stelzbg Siegb FR-Tiefth NW-Kallstdt LU-Alsh/Gr Friesh GH-Nd'lustdt SP-Mechth BZ-Albw], -aamer [ KB-Kriegsf Gauh FR-Albsh]. Südhess. I 1268; Rhein. I 1191; Bad. I 389.