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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Buße bis pussieren (Bd. 1, Sp. 1393 bis 1395)
 
   Buße f.:
1. 'rechtliche Geldbuße'. a. 1421: Item hant sie (die scheffen) gewissen, daß die kleinenn bussen seindt funff schilling vnd die meisselwunden 'Wunden, die mit einem Tampon behandelt werden müssen' sechszigh schilling vnd ein heller [PfWeist. I 131 (IB-Blieskst)]. a. 1473: Item hant auch etliche von Mergendail (RO-Marienthal)

[Bd. 1, Sp. 1394]
gefreffelt, die hant ... von der hern wegen gnade begehrt; hait man yme die bußen geschingkt [ebd. I 232 (KB-Dannfs)]. a. 1573: also dick als die kripen (Futterkrippe) reißet, also das das futer dor durch felet, so ist der apt die buß schuldig [ebd. I 278 (KB-Dreis)]. —
2.
a. 'kirchliche Buße'; e Buß ufgewwe [verbr. unter Katholiken]. —
b. allg. Der muß Buße (!) dun 'für eine Schuld büßen' [ LU-Opp, LA-Gommh]. — Zs. PfWB Ein-, PfWB Zubuße. — Südhess. I 1251; RhWB Rhein. I 1156; Bad. I 382.
 
 
Bussel f.: 'weibliche Scham', Bussel [Spey (PfId. 29) BZ-Dernb]; vgl. PfWB Bussi2. Syn. s. PfWB Bunz. ElsWB Els. II 104 Bus I; Schweiz. IV 1741 Busi.
 
 
busseln schw.: 'beschlafen', bussele [PfId. 29]; vgl. PfWB bosseln 3. — Zu PfWB Bussel.
 
 
bussen schw.: 'küssen', busse (busə) [Buch-Illisch (Schwartz 20)], bosse [Lambert Penns 31]. Ans Welschkannbaschte (s. PfWB Welschkorn u. PfWB basten2) geht mer gern, do schafft mer unverdrosse; wer do en roder Kolwe findt, der därf en Mädel bosse [Birmelin Penns Poems 28].
 
  
büßen schw.:
1.
a. 'vergüten'. a. 1311: Darnach so sal daz closter von Otterburg vnd der paffe nitenander gemeine den grozen zehenden wines vnd kornes vnd aller frochte ... gemeine sammen vnde gliche deilen ... Waz auch zu bezzerne ist vnd zu buzen an dem korn, daz sollent sie dun mit gemeyner kost, von sie den zehenden gemeine nement [OttbgUrkb. 305]. —
b. eine Krankheit b. 'durch Besprechen heilen'. Aus einem handgeschriebenen Brauchbüchlein von KL-Hütschhs: So gewiß als Brot und Wein in allen Städten und Flecken muß sein, so gewiß muß diesem Pferd sein Feibel gebüßet sein.
2. einen b. 'gerichtlich mit einer Buße belegen, bestrafen'. a. 1532: Wer den herrenn verfellt mit lib vnnd guth, denn hat der geriechtsher macht zuo büßenn, wie hoch vnnd nider er will. Bußtt der geriechtzsher dennselbigen nach dem, als er im verfallen ist, so ist das halbpteyll des geriechtzs [PfWeist. I 271 (KB-Dreis)]. —
3. seine Lust b. 'eine Begierde befriedigen', meist iron., z. B. von einer anstrengenden Arbeit: Do kammer (kann man) sein Luschde dran bieße [KU-Kaulb, verbr., Kühn Palz 126]. —
4. 'entgelten, sühnen'.
a. Dodefor muß er bieße [KU-Bedb, verbr.]. SprW.: Was mer nit im Kopp hot, missen die Been bieße [ BZ-Dierb]. WR.: Was die Hundsdage gieße, missen die Trauwe bieße [ PS-Geisbg]. —
b. for sei Sinde bieße 'die kirchlich auferlegte Buße erfüllen' [LU-Opp, verbr. unter Katholiken]. Zs. PfWB abbüßen. — Südhess. I 1251; RhWB Rhein. I 1156; LothWB Lothr. 42; ElsWB Els. II 105; Bad. I 382.
 
 
buß+-fällig Adj.: 'einer Buße verfallen, straffällig'. a. 1540: So ein arm man bußfellig ist vnnd gnadt begert [PfWeist. I 141 (IB-Blieskst)]. a. 1561: daz die baumeister leude zu ine nemen sollent vnd solnt besehen, wo imant vberstoessen

[Bd. 1, Sp. 1395]
hett gemeinde, das solnt sie heissen abedun vff eine zeit; vnnd wo er dess nit dede, so soll er der gemeinde buessfellig sein [ebd. I 10 (KB-Albish)]. Südhess. I 1251/52; Bad. I 383. — -fertig Adj.: wie schd. Un was ich als e rechter Mann for mei Deel gut zu mache han, des werd bußfertig ausgefihrt [Münch Weltgesch. 105].
 
 
Bussi1 f.: Katzenname, Schmeichelname für die Katze, Bussi [verbr.]. Syn. s. PfWB Minze. Südhess. I 1252; RhWB Rhein. I 1159; VI 1232; ElsWB Els. II 105; Bad. I 381.
 
 
Bussi2 f.: 'weibliche Scham', Bussi (busi) [Lambert Penns 34]; vgl. PfWB Bussel, PfWB Butsche 1.
 
 
Pussier-aas n.: 'mannstolles Frauenzimmer', Pussieraas [Kus]; vgl. PfWB Pussierpinsel, PfWB Bubenrolze 1.
 
  
pussieren schw.:
1. 'flirten'. Er (Sie) geht pussiere, s. F. [ FR-Albsh, allg., vorn. jüngere Gener.]. Do simmer (sind wir Burschen und Mädchen) als anenanner vorbeispaziert, han uns nanner aangelacht, un das Ganze hat mer dann »Pussiere« genennt [Kaislt]. Er bussiert se [LA-Gommh, verbr.]. Schturente (Studenten) un Herre mit Säbel un Knöpp pussiere se wie vun Sinne [Claus 88]. Sie pussiere enanner [ LU-Opp]. Sie pussieren mitenanner [ LA-Wollmh]. Dafür auch: Sie plauren (s. PfWB plaudern 1) nor mitenanner, sie laafen enanner nooh, er laaft ihr zum Gefalle. Auch vom Liebesspiel der Katzen [ LA-Wollmh]. —
2. 'schöntun, schmeicheln'. »Babbe!« sa(g)t mei kleeni Krott, wann se mich boussiert [Kölsch 20]. VR.: Heinerle, was machsch'n do? Ich pussier die Großmama. Heinerle, das därfsche net, Großmama pussiert mer net [ KL-Kindsb]. Syn. s. PfWB einschmeicheln. — F.: Zumeist puˈsīrə bzw. puˈsērə, seltener buˈsīrə, buˈsērə; RO-Lettw: boˈsērə. Aus der Umgspr. (Studentenspr.) entlehnt; vgl. Küpper I3 392. — Zu frz. pousser 'drücken'. — Südhess. I 1252; RhWB Rhein. VI 1232; Bad. I 383.