| Pfälzisches Wörterbuch | ![]() | ||
Burg bis Bürger (Bd. 1, Sp. 1367 bis 1370) | |||
Burg, f. Burgchens, n. Bürge, m. Bürgel-straße, f. Burge-meister, m. Burgemeister-amt, n. Burge-meisterei, f. Burge-meisterin, f. Burge-meistersin, f. Burgemeister-wahl, f. Bürger, m. Bürger-börder, Pl. Bürger-garde, f. Bürger-garten, m. Bürger-hilfe, f. Bürger-kuppe, f. bürgerlich, Adj. Bürger-meister Bürgermeister-rechnung, f. Bürgerschaft, f. Bürger-schule, f. Burgersin, f. Bürgers-kind, n. Bürgers-leute, Pl. Bürgers-mann, m. Bürger-steig, m. Bürger-steuer, f. Bürger-versammlung, f. Bürger-wald, m. Bürger-wiesen, Pl. Bürger-woog, m. Burg-faut Burg-feld, n. Burg-frieden, m. Burg-garten, m. Burg-gasse, f. Burg-graben, m. Burg-graf, m. Burggrafen-äcker, Pl. Burggrafen-wiese, f. Burg-halde, f. purgieren, schw. Burg-kapelle, f. Burg-kirche, f. Burg-lehen, n. Burg-magd, f. Burg-mann, m. Burg-ritter, m. Bürgschaft, f. Burg+-stadel, m. Burg-straße, f. Burg-tal, n. Burg-tor, n. Burgunder, m. Burgunder-hexe, f. Burg+-vogt, m. Burg-weg, m. Burg-wiesen, Pl. Burg-wingert, m. Purim, n. Burkhards-tag, m. Burley, m. Burley-farbe, f. Burmes Burn burnen Burnus, m. Büro, n. Büro-fräulein, n. Purpel, f. Pürpel, f. Purpel-doktor, m. Purpel-glas, n. Purpel-grütze, f. purpel-grützig, Adj. purpelig, Adj. purpel-löcherig, Adj. Purpel-macher, m. Purpel-mann, m. purpeln, schw. Purpel-posser, m. Purpel-stecher, m. burraksen, schw. Purralässen, n. Burrasch Purre purreln Burren burren purren, schw. Burretsch Burriaz, m. Burrigel, Gen.? Burrus, m. Burr-weiler, ON burschaten, Adj. Bursche, m. burschelig burscheln, schw. bürscheln, schw. | 1. 'Ritterburg, zumeist jedoch Ruine einer solchen Anlage', in einigen Fällen Überreste fester Römerplätze und keltischer Fluchtburgen, vgl. Heidenburg. Mer gihn enuf uf die Burch [ KU-Kaulb, allg.]. Als Grundw. erscheint das Wort in zahlreichen ON u. FlN, z. B.: Ebern-, Harden-, Heidels-, Hirsch-, Hom-, Jägers-, Kästen-, Krops-, Neulauter-, Spiegel-, Wachten-, Weißenburg; desgl. (mit lautlicher Umwandlung von -burg zu -berg) in Eisen-, Otter-, PfWB Ruppertsberg, vgl. Christmann SN I 657. Die Zs. mit Burg- als Bestimmungswort s. in den nachfolgenden Stichwörtern. — a. 1368: Weinberge under der hedenischen burg [Koch-Wille 3794 (NW-Gimmdg)]. a. 16. Jh.: Zu Türkheim Die altte Burg [SSp., Lein. 11 a]. a. 1522: das burgell, daroff das wetter Crutz steet [GGA 551 Bl. 28 (NW-Wachh)]. a. 1553: Hait der meyer gefragt: wer die borch in dach halten soll und were die rechenong horen soll [ABlieskst 107]. a. 1670: [Bd. 1, Sp. 1368] Item ein Acker der marckplatz genant, wie Jetz bemelt ist, ausgezeunet am burchlin, geforcht vnden die straß, oben auß gegen dem schloß, vnndt Marckerey ist eß alles der Herrschafft [StArch. Landstuhl, Weistum S. 242]. a. 1720: Hauß und Garthen vor der bürg [Kurpf. 1645 (Wachenheimer Herbstregister)]; in der heutigen Mda. heißt es: vor de Berg, hinner de Berg. — 2. übertr. a. verächtlich 'altes, vernachlässigtes Haus', Burg, Burch usw., s. F.; meist: aldi (alde, alt) B. [allg.]. Sie hänn e schäni B. 'Haus und Hof sind arg verwahrlost' [Wasgau-Bote Nr. 11/1934]. Sie hot e schäni B. 'einen unordentlichen Haushalt' [ebd.]; vgl. PfWB Bude 1, PfWB Butik. — b. 'Freiplatz beim Fangspiel' [ ZW-Gr'bundb]. Syn. s. PfWB Bott(en). — F.: zumeist burχ bzw. bur, KL-Reuschb hat buriχ; genauere Angaben in Monographien: buÄχ in KL-Lind (Höh 95) u. im Westteil der WPf (Altenhofer 15), buÄ in Kaislt (Schneckenburger 54), buÄiχ in Pirmas (Otterstetter 112), buriχ in BZ-Billh (M. Schmitt, Sprachmon. v. Billigheim, 43); hie u. da (bes. VPf) bǫrχ, so in FR-Battbg LA-Nd'hochstdt Land; bǫriχ in GH-Nd'lustdt. Im Auslaut erscheint mancherorts, vorn. in der Aussprache der jüngeren Gener., der Verschlußlaut -g: burg, borg, vgl. Höh 95. — Südhess. I 1236; RhWB Rhein. I 1139; LothWB Lothr. 73; ElsWB Els. II 86; Bad. I 373. [Bd. 1, Sp. 1369] s. F. [allg.]. Sein Vorgänger wird meist de alt B. oder de vorich B. genannt. Mr hatten sellemol de Borjermeenschter gewählt [Kühn Schnitze I 106]. Zum Barjemaanschter wählt mr nore e Mann mit Gritz [ebd. II 32]. Vom umgefallenen Heuwagen sagt man: Der iß Borjemeenscher im Dahl (Tal) [ HB-Höch]. Stellt sich jemand ungeschickt an bei der Arbeit, so neckt man ihn: Un so e Minsch wollt a noch Borjemääschder werre! [NPfGV Nr. 8/1934]. Beim Fehlschlagen einer Unternehmung heißt es: Hätt 'm Borjemäschter sei Hund net die Hosse gewendt, dann hätt'r de Has kriet [ KU-Reiffb]. — In histor. Belegen ist der B. 'Vorsteher der Stadt' und als solcher zu unterscheiden vom Schultheißen, dem Vertreter des Gebietsherrn. a. 1530: Item, was weitter durch schultteßen, burgemeister zu erhaltung ein gemeinnen nucz herin nit begriffen angericht wirdt, soll gleich dießer obgeschriebenn ordnung vff straff gehalten werden [PfWeist. I 36 (RO-Als)]. a. 1530: Item, so einner zum burgemeister vnd zum achtter gezogen wurd vnd sich des wegert on redlich vrsach, soll der gemeinnen die hochst straff verfallen sein [ebd.]. a. 1607: schultheis Börger Meister, Vnd rath [Kurpf. 16482 (Wachenheimer Waldordnung)]. Vgl. auch PfWB Maire. — F.: bǫrjəmē(n)dər mancherorts westl. WPf, -m(n)dər Nordteil der WPf u. nördl. VPf, -mā(n)dər NPf (ohne Nordspitze), -māidər GH-Neubg, burjəmdər lothr. SWPf (Keiper Nachlaß), bajəmdər HB-Kirrbg, bǫrχəm(n)dər südl. WPf u. mittl. sowie südl. VPf, boröəmǟndər LU-Muttstdt, burχəmdər LA-Wollmh. Der r-Laut in der Stammsilbe des Bestimmungswortes ist flüchtig und wird in manchen Monographien als vokalisiert angegeben: bǫÄjəmndÄ in KL-Lind (Höh 92), bǫÄimdÄ in Pirmas (Otterstetter 113), bǫiəmdÄ in Neustdt (Lagarrigue 44), buəχəmdÄ in BZ-Billh (Schmitt 25). Die zweite Silbe des Bestimmungswortes ist in fast allen Belegen (einschließlich der historischen) ohne Auslaut-r; die oben zitierte Stelle bei Kühn Schnitze I 106 dürfte das -r aus Versehen erhalten haben. Kontraktionsformen: bǫrmdÄ in HB-Kirrbg (neben bajəmdər!), bulmdər in WD-Niedkch. — Südhess. I 1237; RhWB Rhein. I 1141; Bad. I 375. [Bd. 1, Sp. 1370] Erfw Pirmas KB-Kerzh LU-Opp], -maanschdern [ KB-Kriegsf], Boajemääschdan [Land], Borchemääschdern [ LA-Gommh Ilbh Nd'hochstdt GH-Kand], Burchemääschdern [ LA-Wollmh]; dafür auch: 'm Borjemääschder sei Fraa; vgl. auch PfWB Burgemeistersin. Südhess. I 1237/38; Bad. I 375. — -meistersin f.: dass., Bajemeenschdersch [ KU-Bedb], Borjemääschdersch [ ZW-Battw], Bullmeeschdersch [ WD-Niedkch]. Zur Endung -sin s. PfWB Nähtersin. — Südhess. I 1238; RhWB Rhein. I 1142.
| ||
| © 2002—2010 by Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier Home | Impressum | Kontakt | ![]() | ||