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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Bündel bis Bunden-korn (Bd. 1, Sp. 1352 bis 1354)
 
   Bündel n., m.:
1.
a. 'zusammengebundene Traglast', Bind(e)l, Binn(e)l, s. F. [allg.]. Ich hab 'm en Bindel uffgeha 'aufgeladen', gegenst.; als RA. 'einen Bären aufgebunden' [ RO-Odh]. Loß der ken B. uffhänge 'laß dich nicht anlügen' [NPf]. E jedes hat sein Bindel (Kreuz) se traae (vielfach auch Bindelche) [KU-Trahw, verbr. WPf]. — Im bes.
α. B. Gras (gew. mit dem Grastuch zusammengebunden), oft in der Zs. PfWB Grasbündel [allg. bis etwa 1920, danach seltener werdend]; entsprechend B. Hai (Heu), B. Stroh (Wirrstroh); vgl. PfWB Bund, PfWB Gebund. Syn. s. PfWB Boßen1. KR.: Ich geb der e Daler, geh uf de Markt, kaf e Kihche un e Kälbche un e Schwälbche un e Bindelche Haai un e wullewulle-wullewulle Gänsche [Kaislt]. Mit diesem Reim beruhigt man ein Kind, das sich beim Fallen wehgetan hat. Bei den Worten Ich geb der e Daler tut man, als drücke man dem Kind ein Geldstück in die Hand; bei den Worten un e wullewulle-wullewulle Gänsche kitzelt man die Handfläche des Kindes. Einen VR mit Grasbündel s. bei PfWB betrügen. — B. Holz (gew. mit einem Seil zusammengebunden) [NWPf NOPf vereinzelt sonstige Pfalz, s. K. 70, verbr. Don Gal Buch]. Bei der Talfahrt mit dem holzbeladenen Schlitten bremst man, indem man ein Bindel inhängt [ KL-Frankst]. Zs. PfWB Holzbündel. Syn. s. PfWB Bürde. —
β. 'Wanderbündel, Habseligkeiten der Dienstboten'. Am Bündels- oder Wandertag schniere Knecht un Maad (die den Dienstherrn wechseln) de Bindel [westl. WPf, allg. bis etwa 1900, heute (1968) zumeist nur noch vom Hörensagen bekannt]; davon die RA.: Du kannscht dei B. schniere 'Du bist entlassen', auch im Sinne von 'Du kannst dir eine andere Bleibe suchen' [ KU-Kaulb, allg.]. Auch das beim Dienstherrn verbleibende Gesinde rückte an den Bündeln, was den Dienstherrn zu einer Sonderbewirtung veranlassen sollte; vgl. Vogelsgesang 3, Stoll 34, 211. Näheres s. unter PfWB Bündelstag. VR. betr. das Bündelschnüren s. bei PfWB Bib, PfWB Bibi 1 und bei buff.
b. 'zusammengebundene oder eingebundene Menge einer Ware u. dgl.'.
α. e B. Reddich, Suppegrienes [Kaislt, allg.]. 3-4 Bandeliere Tabakblätter ergeben ein Bindel [Wilde 238]; vgl. PfWB Bandelier 2. —
β. 'bestimmtes Quantum Käse' (der Käse wurde in Bündeln gepreßt). a. 1626: (Die Käserei lieferte) 10 Maß Butter und 60 Bündel Keß [Groh Wörschw. 39]. —
2. übertr. von einem mißliebigen Menschen in

[Bd. 1, Sp. 1353]
den Zs. PfWB Gast-, PfWB Lügenbündel. — F.: fast allg. bind(ə)l, seltener bin(ə)l. Das Genus war urspr. wohl allg. m., so bes. Don Gal Buch; gegenwärtig herrscht n. vor. — Südhess. I 1227; RhWB Rhein. I 1126; LothWB Lothr. 44; ElsWB Els. II 60; Bad. I 369/70.
 
  
Bündel-besen m.: Besenart, Binnelbäsem [ KU-Herschw/Petth].
 
 
Bündelchens-tag s. PfWB Bündelstag; Bündelchens-wein s. PfWB Bündelwein.
 
  
bündeln schw.:
1. 'zu einem Bündel binden'. De Hanef werd gebindelt un in der Brechkaut gedärrt [ KU-A'glan]. —
2. 'die Dienststellung wechseln', bindle [verbr. südl. VPf]; vgl. PfWB fort-, PfWB heimbündeln, PfWB Bündel 1 a, PfWB Bündelstag.
3. gebündelt haben 'schwanger werden', vgl. PfWB aufbündeln 2. Gebündelt (!) hat se un is net mehn ellää (allein) [KU-Ohmb verbr. NPf (NPfGV 1934 Nr. 8)]. Südhess. I 1228; RhWB Rhein. I 1127; LothWB Lothr. 44; ElsWB Els. II 60; Bad. I 370.
 
  
bündel-närrisch Adj.: 'mannstoll', bindelnärrisch [ LU-Rh'gönh]. Syn. s. PfWB mannstoll. — Zu PfWB bündeln 3.
 
  
Bündels-, Bündelchens-tagm.: 'Tag des Dienstbotenwechsels', ehedem (meistenorts bis etwa 1900, in NW-Deidh bis 1870, mancherorts bis etwa 1925) zumeist der 26. Dezember (Stephanstag), mancherorts der 27. Dezember, Bindelsdag [RO-Lettw, verbr. mittl. u. südl. VPf], -daach [ PS-Hintwdth BZ-Wilgws Dierb GH-Vollmw], -daa [verbr. Westteil von PS HB IB], Binnelsdaa [ HB-Böckw], Bindelchesdag [verbr. NPf nördl. der Linie (die genannten Orte eingeschlossen) RO-Odh Lettw Als KB-Kriegsf], Binnlchesdaa [ RO-H'stätt], Bendelchesdaa [ IB-Rohrb]; im größten Teil der Pfalz galt Wandertag, vgl. Christmann Vk. 5 ff. Der B. war früher ein Fest der Dienstboten. In IB-Bebh wurden die Mägde am 26. Dezember fortgebinnelt. Die Habe der den Dienstort wechselnden Magd wurde von deren Freundinnen in einem großen Weidenkorb zum neuen Dienstherrn gebracht und dort in der Mägdekammer ausgepackt. Die Begleiterinnen wurden dann mit Brot, weißem Käse und Kaffee bewirtet. Am B. hatte die neue Magd dienstfrei. Beim Umzug eines Knechtes erhielten dessen Helfer Schnaps. In PS-Kröpp, wo der Brauch des B. noch um 1925 lebendig war, versorgte das scheidende Gesinde am Morgen des 26. Dezember noch einmal das Vieh und hielt sich dann bereit für das Abholen durch den neuen Dienstherrn, der mit dem Wagen kam, auf den die Habe des Dienstboten aufgeladen wurde. Beim Abschied erklang der Reim: Heit isch mei Bindelsdaa, morje mei Ziel, schickt mich mei Bauer fort, gebt mer net viel. In PS-Erfw gab es den B. bis etwa 1920; er fiel auf den Steffisdaa (Stephanstag). Hatte sich eine Magd in ein anderes Dorf verdingt, so wurde sie auch hier mit dem Wagen abgeholt. Dem sie abholenden

[Bd. 1, Sp. 1354]
Knecht steckte sie einen Strauß an den Hut; auch Peitsche und Zaumzeug der Pferde wurden mit Blumen geschmückt. Unterwegs schenkte sie dem Knecht aus einer Flasche den Bündelwein ein. Ähnlich wurde der B. in GH-Hatzbühl noch um 1925 begangen. In KU-Konk u. Theisbgstg wurde auf der Wanderung geschossen. Nach Becker Vk. 266 sang man in KU-Frohnf beim Umzug: Hopsa über Kalbfelle naus! Wär nur mei Bändel draus! Bändel wär mer net so schwer, wann mei Schatz nor bei mir wär! In KU-Patb u. Föckbg stifteten die Wandernd en ein Faß Bier. Näheres s. Christmann Vk. 5 ff; dort auch eine Karte über den (alten) Tag des Gesindewechsels. Nach Karasek-Langer (OZfVk. 1929, S. 104) war der 26. bzw. 27. Dezember auch in Gal-Bruckenthal u. Michalowka der Bindelchestag. Die aus dem Dienst scheidenden Dienstboten verabschiedeten sich mit dem Liedvers: Heraus, heraus! Aus (Name des bisherigen Wirtes) Haus heraus! Lebt wohl und seid getreu! Ich kann nicht länger bei euch sein, ich soll mein Glück probieren, marschieren! Den neuen Dienstherrn begrüßte man: Herein, herein! In (Name des neuen Wirtes) Haus herein! Grüß Gott und seid getreu! Ich soll nun fürder bei euch sein! Ich soll mein Glück probieren, marschieren! Vgl. auch PfWB Bündelwein. — Südhess. I 1228; RhWB Rhein. I 1127; LothWB Lothr. 44; ElsWB Els. II 660; Bad. I 370.
 
 
Bündel-wein m.: 'Wein, den Knechte und Mägde am Bündelstag ihren Freunden und Freundinnen zahlten'. Im Auftrage seines Dienstherrn holte der Knecht die neue Magd mit dem Fuhrwerk ab; unterwegs kehrte man in einem Gasthaus ein, wo die Magd dem Knecht für das Abholen den Bindelwein spendierte [KB-Stett (bis etwa 1914)]. In Don-Schowe Torschau wurde der B. denen gegeben, die beim Umzug die Bündel trugen [Steinmetz]. In Gal-Michalowka herrschte nach Karasek-Langer (OZfVk. 1929, S. 104) vor 1900 folgender Brauch: Die den Dienst wechselnde Magd fand die Haustür des neuen Dienstherrn verschlossen vor. Zwischen ihr und den Hausinsassen wurde folgendes Zwiegespräch geführt: Wer ist drauß? - Der Engel mit der Eisenstange. - Was verlangt er? - Zum erscht: e gude Wert; zum zwett: e gudi Wertin; zum dritt: e Bindelcheswei! Südhess. I 1228.
 
  
Bunden m.: 'Wagenfähre', Bunde [ IB-Erfw/Ehling]. — Wohl zu frz. ponton. — LothWB Lothr. 57 Pont.
 
 
Bunden-bach ON: Die Dörfer Großbundenbach u. Kleinbundenbach im Kr. ZW, Bundebach. Herleitung des Namens ungewiß, vgl. Christmann SN I 199/200. Uzname: Bundebacher Floh, auch Bundebacher Bliemche.
 
 
Bunden-korn n.: a. 1442: 30 mltr. bundenkorns zu Husen [Zweibr. I Nr. 541, Bl. 69]. — Das

[Bd. 1, Sp. 1355]
Bestimmungswort wohl Beunde, das in histor. Belegen mehrmals als bunden erscheint.