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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Buchs-zweig bis buckel-brütig (Bd. 1, Sp. 1321 bis 1324)
 
  Buchs-zweig m.: wie schd., Buchszweig [verbr.]. Bei den Protestanten werden bei Beerdigungen dem Pfarrer, dem Lehrer und den Leichenträgern Lorbeer- oder Buchszweiglein gereicht, die sie dann in das offene Grab werfen. Früher wurden auch noch Zitronenscheiben ins Grab geworfen [PfPr. vom 1. 11. 1934].
 
 
Büchten-eck n.: FlN in PS-Erfw, Bichteneck;

[Bd. 1, Sp. 1322]
vgl. PfWB Büchtenloch. — Entstanden aus *das bichichtene Eck 'Stelle mit viel Buchen'. Die Nachsilbe -icht aus ahd. -ahi (eine Menge oder einen Ort mit einer Menge von gleichen Dingen bezeichnend), an das, nach Abschwächung zu -ich, das t angetreten ist (Henzen 140/41); aus *bichicht wurde in der Mda. bicht. Vgl. PfWB Putzicht, PfWB Pützicht. Zu den Bildungen mit -ahi, bes. bei Ortsnamen, s. Christmann SN I 224 (Hayna), 268 (Höningen). — Bad. I 357. — -loch n.: FlN für eine Feldgewanne in PS-Salzwg, Bichdeloch (bīχdəlǫx); urspr. 'mit Buchen bestandene Bodensenke'; vgl. PfWB Buchenloch. Entstanden aus *das bichichtene Loch, vgl. PfWB Büchteneck.
 
  
Buch-wald m.: 'Buchenwald', Buchwald [ HB-Höch]; sonst fast allg. Buchen-, Büchenwald. -weizen m.: wie schd., Buchweeze [Lambert Penns 34]. BR.: Der Buchweeze sät mer uf der Siweschläfer [Fogel Beliefs Penns Nr. 1000]. — Sonst unbekannt; in älterer Zeit war dafür das Wort Heidekorn im Gebrauch. Die pfälzischen Auswanderer der zweiten Hälfte des 18. Jh. haben den B. nicht mehr gekannt. Die Galizienpfälzer lernten ihn erst wieder in dem neuen Siedlungsgebiet kennen. Mit der Sache übernahmen sie auch die fremde Bezeichnung: aus dem ukrainischen Wort hretschka wurde in mundartlicher Lautung gewöhnlich Retschki. Südhess. I 1196; RhWB Rhein. I 1072.
 
  
Bückchens n.: 'das Gleiten auf dem Eise in tiefer Kniebeuge', Bickches [ HB-Kirrbg]; vgl. PfWB Arschhockerleins.
 
  
Puck-ei n.: 'Osterei, mit dem nach einer Erdvertiefung hin gepuckt wird', s. PfWB pucken, Pockei (ˈpǫgai) [ KB-Harxh].
 
  
Buckel m.:
1.
a. 'Rücken des Menschen', ohne verächtliche Nebenbedeutung, Buck(e)l (bug(ə)l) [allg.]; in der Sprache der jüngeren Gener. daneben auch PfWB Rücken. Von einem breiten Rücken heißt es: e Buckel, daß mer'n mit de Ehl (Elle) ausmesse kann [KL-Fischb, verbr. (ältere Gener.)]. Er hot's im B. 'hat Schmerzen im Rücken' [RO-Sippf, allg.]. 's Wasser (der Schweiß) lääft mer de B. nunner [ PS-Erfw, allg.]. Es laft mer kalt iwwer de B. 'es überläuft mich vor Kälte' [KU-Heinzhs, verbr.]; e B. voll Schlää gewwe 'verhauen' [ KU-Hachb]. Er hot schun sei sechzich (60 Jahre) uf'm B. [ NW-Hardbg, allg.]. Zahlreich sind RA.: Der hot en braale (breiten) B. 'Er hat ein dickes Fell, reagiert nicht auf das, was man zu ihm sagt' [ LU-Altr]. Heit hätt kenne de B. aa noch Bauch sein, sagt man im Scherz nach einem vortrefflichen Schmaus [ LU-Opp]. Der hot viel uf'm B. 'auf dem Kerbholz' [ RO-Dielkch]. Der hot 'n B. voll Schulde [allg.]. Das hat sein ganze Reichtum uff'm B. hänge [KL-Reichb, verbr.]. Uf mei'm B. hängt's!, unwillige Antwort auf die Frage nach einem Gegenstand, die man nicht beantworten

[Bd. 1, Sp. 1323]
kann oder will [verbr., auch Gal]. Geh her un häng dich uf mein B.!, ärgerlicher Ausruf einer Mutter auf lästige Wünsche ihres Kindes [ LU-Friesh]. Krawwel mer de B. nuff! 'Laß mich endlich in Ruhe!' [KL-Fockbg/Limb, verbr.]. Du kannscht mer de B. enunnerrutsche 'Du kannst mir nichts anhaben', auch mildere Form des Götzgrußes [ KL-Hauptstl]. Die huppst de Mannsleit uf de B., von einem mannstollen Frauenzimmer [KL-Heimkch, verbr.]. Der loßt sich nitt uff de B. spauche 'Er geht als letzter aus dem Wirtshaus und hat keinen mehr hinter sich, der ihn von hinten anspucken könnte' [ GH-Nd'lustdt]. Dem sieht mer am liebschte uff de B. 'Den sieht man lieber gehen als kommen' [KU-Trahw, verbr.]. Jetzt hääßt's de B. steif halte 'arbeiten und sparen' [NW-Hardbg u. Umg.]. Do muß mer die Fieß uf de B. nemme 'sich beeilen' [ Don Gal Buch Rußl]. VR.: Schneider, mach die Hose weider, mach se net so eng, suscht (sonst) gebt's e B. voll Fäng (Schläge) [ KU-Kaulb]. Rumpel, pumpel, Dintefaß, geh in die Schul un lerne was! Lernschte nix, dann kannschte nix, kriescht de B. vollgewichst [ Gal-Bagbg]. —
b. 'Rücken des Tieres', [selten]. Einem neugierigen Kind, das den Hunsrück sehen möchte, sagt man: Steck 'm Hund die Nons in de Aarsch un guck iwwer sein B., do siehschtn [ KU-Schmittw/O]. —
c. 'Rückenteil von Bekleidungsstücken' [allg.]. Zs. PfWB Schilee-, Westenbuckel. —
2. 'der im Augenblick gekrümmte Rücken beim Tier, auch beim Menschen'. Die Katz macht e B. [allg.]. Zs. PfWB Katzenbuckel. RA.: Er macht e B. wie e Kehlraup (Kappesraup) [KL-Fischb, verbr.], wie e Katz, wann's dimmelt (donnert) 'hat Angst' [ NW-Kallstdt, allg.]. Mach e B.! 'Beeile dich!' [IB-Hass, verbr. WPf]. Er macht 'n B. 'drückt sich vor einer Arbeit u. dgl.' [NW-Kallstdt, verbr.], 'macht Bankerott' [ RO-Ebbg Bistschd KU-Odb]. —
3.
a. 'Rückenauswuchs, Höcker'. Er hot en B. [ LA-Gommh, allg.]; vgl. PfWB Tornister, PfWB Kriegskasse. Zs. PfWB Közenbuckel. Der traat sich e B., von einem, der sich eine zu schwere Last auflädt [ PS-Schmalbg]. RA.: Der lacht sich e B. [KU-Trahw, verbr.], e Bickelche [ KL-Reuschb]. Dere ehr B. werd gut vergold 'Ihr B. wird mit Reichtum (Gold) aufgewogen' [Krieger 29]. —
b. Spitz- und Schimpfname auf einen Buckeligen, de Buckel, 's Buckelche, du B.! [verbr.]; sehr beliebt ist das Wort in zusammengesetzten Necknamen und Schimpfwörtern: Blech-, Hunds-, Nissen-, Schikanen-, Schlau-, Schulden-, Schwamm-, Speck-, Sprüchebuckel.
4.
a. 'Hügel, Geländeerhebung' [verbr. östl. NPf VPf PS KU-Adb Bedb Einöll Brück W'mohr]; dafür meist PfWB Hübel. Zs. PfWB Schindbuckel. Dar is e hochder (hoher) B. [KL-Gimsb u. Umg.]. Möglich ist auch die Wendung: Der Weg macht e B. 'führt über eine Anhöhe'

[Bd. 1, Sp. 1324]
[BZ-Wind, verbr. VPf]. Volksgl.: Wann der Mund (Mond) uf'm B. leit, gebt's die nächschte drei Dag ken Rege [Fogel Beliefs Penns Nr. 1214]. Zur soziologischen Abgrenzung des Wortes gegenüber Hübel u. PfWB Hügel vgl. Otterstetter 187. —
b. 'auf einem Hügel gelegenes, minderwertiges Grundstück'. Das es der e B. [KU-Kaulb, verbr.]. Der hat nix wie Bickel [KB-Kerzh, verbr.]. Dem sei paar Bickel han ke Wert [PS-Geisbg, verbr.]. Zs. PfWB Moos-, PfWB Schieferbuckel. —
5. 'Wölbung im Mauerwerk' [ KU-A'glan Bosb ZW-Dietriching PS-Winz RO-Hallgt Dörnb KB-Albish BZ-Annw]. SprW. (scherzh.): Was ken B. hat, träät net, gebraucht zur Entschuldigung, daß eine Mauer nicht ganz gerade geraten ist, auch bei anderen Fehlern [ KU-Bedb]. —
6. 'Krümmung an Einzelgliedern des menschlichen Körpers' in den Zs. Nasen-, PfWB Zahnbuckel. — Südhess. I 1196 ff.; RhWB Rhein. I 1080 ff.; LothWB Lothr. 70; ElsWB Els. II 30; Bad. I 359/60.
 
  
Buckelbauch-fest n.: 'Schlachtfest', scherzh., Buckelbauchfescht [ BZ-Albw]; vgl. PfWB Metzelsuppe.
 
 
Buckel-brut f.: 'Drohnenbrut in Arbeiterzellen', entstanden aus nichtbefruchteten Eiern der Königin oder eierlegender Arbeitsbienen, bei weisellosen Völkern, Buckelbrut, Imkerspr. [verbr.]; vgl. PfWB Drohnenbrut.
 
 
buckel-brütig Adj.: Des Volk is buckelbrierich [KL-Matzb, verbr.]; vgl. PfWB drohnenbrütig.