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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Brühe bis brühig (Bd. 1, Sp. 1277 bis 1279)
 
   Brühe f.:
1.
a. 'Suppenbrühe', Brih (brī) [allg.]; scheeli B. 'wässerige Suppe' [SOPf (Nachlaß Heeger)]; mihn B. wie Brocke, dass., auch übertr. für 'viel Aufhebens um Belangloses' [ KU-Schmittw/O]. Zs. PfWB Fleisch-, PfWB Grundbirnen-, PfWB Wurstbrühe. RA.: Dem hun ich's gesaat, was drei Linse (auch: drei Erbse) for B. koche 'Dem habe ich die Meinung gesagt' [Hebel 33, verbr.]. Dem han ich gewiest (gewiesen), was drei Erbse for B. gin (ergeben) 'Den habe ich verhauen' [ IB-Reinh, BZ-Dernb]. Die B. kummt teierer wie die Brocke 'Die Reparatur eines alten Hauses ist teurer als ein Neubau' [Krieger 37]; Var. hierzu s. PfWB Brocken 1 a. Mach der sauri B. driwwer! 'Behalte es, für mich ist es wertlos' [verbr., auch Don Gal Buch Rußl]. Antwort auf die Frage, was man gegessen hat: Stritzgebackenes unnich de Besem gejaat, un sauri B. driwwer [ Gal-Lindenf]. Der hot mer e schäni B. angericht 'mich in eine unangenehme Lage gebracht' [Schandein Sprachsch. (Notizen)]. Do hätt ich die B. devun! 'Darauf pfeife ich!' [KU-Kaulb, NW-Hardbg u. Umg. LU-Muttstdt Don-Schowe Tscherwk Klein Prov. 64]. SprW.: Der ään kriet die Brocke, der anner die B. [verbr.]. Tanzlied: Wann do e Dippe voll Bohnesupp steht un do e Schissel voll B., do loß ich Kraut un Bohne steh un geh zu meiner Marie! [Feierowend Nr. 8/1950]; Var. hierzu s. PfWB Bohnensuppe. VR.: Marie, koch die B., koch se net zu dick, daß dei Mann net dran verstickt [verbr. Gal]. Grumbeeresupp un sauri B., wie der Deiwel schmackt dann die? [ Gal-Bagbg]. Eine scherzh. Antwort auf die Frage nach der Uhrzeit s. PfWB Brocken 1 b. —
b. 'Soße, flüssiges Fett'; gemachti (gschmeerti) B. [ NW-Kallstdt]; Grumbeere mit brauner (weißer) B. [ PS-Erfw]. Das Wort Soße kam erst nach 1900 auf. Zs. Kastanien-, PfWB Klöß-, PfWB Zwiebelbrühe. Die B. läift'm die Backe erunner [ KU-Schmittw/O ZW-Battw PS-Erfw]. Zs. PfWB Tunkelsbrühe. —
2. 'Beeren-, Gemüsesaft'. Die Trauwe hän B. [ LU-Alsh, BZ-Heuchh].

[Bd. 1, Sp. 1278]
Zs. PfWB Dividenden-, PfWB Most-, PfWB Rotrübenbrühe. —
3.
a. 'schlechter Wein', e B., e sauri (schlechti) B. [allg.]. RA.: Er verzappt aldi B. [ BZ-Dierb]. Syn. s. PfWB Gesöff. Zs. PfWB Plämpel-, PfWB Holzapfel-, PfWB Lacks-, PfWB Lappel-, PfWB Säckelsbrühe. —
b. 'schlechter Kaffee'; scheeli B. [VPf]. Sie dunke (tunken) zufriede ehrn Schneirerkäs (trockenes Brot) in ehr lapprig B. aus Muckefuck [Westrich-Kalender 1957, S. 102]. Zs. PfWB Hutzel-, PfWB Kaffee-, PfWB Schlabber-, PfWB Schloriampels-, PfWB Zichoriebrühe. —
4. B. im Kopp (im Hern) 'Rausch' [ KU-Schmittw/O Pirmas FR-Bockh LU-Muttstdt]. —
5.
a. rote B. 'Blut'. Ich schlag der äni ins Gesicht, daß die rot B. rausspritzt [ LU-Alsh, KU-Bedb KL-Morlt Wörsb RO-Ruppeck Gal-Dornf], ... erauslaaft [ KU-Kaulb Kreimb]. —
b. gelbe B. 'Rotz'. Hau der en hin, daß der die rot un gääl B. aus der Nas fährt [ NW-Frankeck]. —
6.
a. 'Regen, schmutziges Wasser'. WR.: De Olichkopp kocht Biebelcher, do krien mer B. 'Wenn der Wald am Ohligkopf (nordostw. KL-Ottbg) dampft, gibt es noch mehr Regen' [ RO-Semb]. Wann der Dunnerschberg Hutzele kocht, krien mer die B., dass. [NPf]. Zs. Schnuttelbrühe. —
b. 'Durchfall beim Rindvieh'. Die Kuh macht B. [ PS-Winz]. —
c. Wenn die Buben in GH-Hatzbühl am Karsamstag keine Belohnung bekommen, dann singen sie: Alle-, Alle-, Alleluja, ihr habt uns keine Gabe gegeben, drum soll eich d'Brih am Aarsch nablääfe. Südhess. I 1163/64; RhWB Rhein. I 1035; LothWB Lothr. 64; ElsWB Els. II 184; Bad. I 343.
 
 
Bruhel s. PfWB Brühl.
 
  
brühen schw.:
1. 'mit heißer Flüssigkeit (Wasser) übergießen'.
a. Kaffee (Tee) brih, brihe, brije, briche, s. F. [allg.]. Un Krottebalsam, Hollerbliet, vun dem hot sie uns oft gebriht [Birmelin Penns Gezw. 73]. a. 1592: Kessel ... dem Vieh darin zu brüehen [HornbSchR]; vgl. Gebrühtes. Zs. PfWB anbrühen. Klöße aus gekochten Kartoffeln heißen gebrihte Knepp [Bertram 157]; vgl. Grundbirnenknöpfe; die Grumbeere (vor dem Stampfen) brihe [ Gal-Dornf]. —
b. 's G'scherr brihe (mit heißem Wasser spülen) [ KB-Kriegsf]. —
c. von Schlachttieren. Die Sau werd in der Muhl (Mulde) met hääßem Wasser gebriht [ KL-Reichb, allg.]; de Hahn ('s Hinkl) werd gebriht [allg.]. SprW.: 'me gescheide Mann fallen die Hoor vun selwer aus, en Saukopp muß mer brihe [ PS-Erfw]. Zs. PfWB abbrühen. —
d. de Finger brihe 'in heißem Wasser baden' [ PS-Erfw]; vgl. PfWB bähen 1 b. Zs. PfWB verbrühen. —
e. Er ist gebrüht 'närrisch' [Klein Prov. 138]. —
2. 'brüten'.
a. Die Gluck briht gut [ GH-Kand, allg.]; vgl. PfWB brüteln 1, PfWB brüten. Die Dauwe (Tauben) brihe verzeh Daae, die Hinkel drei Woche [ KU-Schmittw/O]. Unbefruchtete Eier werden von der Glucke faul gebriht [ PS-Hermbg FR-N'lein]. Zs. PfWB ausbrühen. —
b. vom Sonnenschein. Die

[Bd. 1, Sp. 1279]
Sunn briht heit [ Gal-Dornf]. —
c. 's Kind briht an eppes 'scheint krank zu werden' [ KU-Neunkch Bedb]. —
d. 'sinnen, beabsichtigen'. Er briht [LA-Impfl, GH-Bellh]. Es brije zwää an eppes 'suchen Streit miteinander' [ KL-Wörsb]. — F.: vorwiegend brīə, in Pirmas bei der älteren Gener. brījə, bei den Jahrgängen ab 1914 brī; Heeger Tiere II 6: brīχə. Bezüglich der F. brīdsə in der lothr. SWPf vgl. PfWB brühzen. — Bad. I 351 hält brīd (3. Sing.) und gəbrīd für Kurzformen zu 'sie brüt(et), hat gebrüt(et)' und verneint eine urgermanische Wesensgleichheit mit 'brühen'. Dagegen in DWB DWb. II 424: »Ursprünglich galt es (das Wort 'brühen') auch für incubare ovis, was hernach durch brüeten, brüten ausgedrückt wurde«. — Südhess. I 1164/65; RhWB Rhein. I 1037/38; LothWB Lothr. 64; ElsWB Els. II 185 u. 206; Bad. I 343.
 
  
Brüher m.: 'zum Brüten neigendes, aber nicht gesetztes Huhn, das sich des Legenestes bemächtigt'. Die Briher (brīər) ritsche (rutschen) uf de Neschter erum [ KU-Schmittw/O]; vgl. PfWB Brühhünkel.
 
 
Brüh-faß n.: 'Faß, in dem gebrüht wird', vgl. PfWB brühen 1, Brihfaß [Lambert Penns 32]. RhWB Rhein. I 1039; Bad. I 344 and. Bed.
 
  
Brüh-flasche f.: scherzh. für 'Nase'. Es gebt uf die Brihflasch, von einer Keilerei [ KL-Erlb]. Syn. s. PfWB Nase. — Zu PfWB Brühe.
 
 
Brüh-fleisch n.: 'gekochtes Rindfleisch', Brihflääsch [Schandein Sprachsch. 12]. Das B. gehörte in der WPf unbedingt zum Festessen bei Hochzeiten [Schandein Bav. IV/2, 368/69]. — Zu PfWB brühen 1. — Südhess. I 1165; RhWB Rhein. I 1039.
 
  
Brüh-gans f.:
1.
a. 'brütende Gans', Brihgans [verbr.]. RA.: Die is ab wie e B. 'abgearbeitet' [Krieger 18]. Er is matt wie e B., dass. [Westrich-Kalender 1957, S. 103]. Er spauzt wie e B. 'spuckt durch die Zähne, zischt' [ Don-Schowe Torscha]. —
b. 'die weibliche Gans' [LA-Essing Heeger Tiere II 7]. Der scheckich Gansert isch vorhie mit 's Borjemääschders B. die Bach nabgetrollt [ BZ-Böllbn]. —
2. 'Mensch, der immer zu Hause sitzt'. Des is e aldi B. [ZW-Battw, LA Venn PS-Erfw (PfId. 27)]; vgl. PfWB Brüharsch 2. — Zu PfWB brühen 2. — Südhess. I 1165.
 
 
brüh-hahnig Adj.: e brihhahnig Ei 'nicht ganz hartgesottenes Osterei' [Pirmas]; vgl. PfWB brühig1 2.
 
  
Brüh-hünkel n.:
1. 'Glucke', Brihhinkel (brīhiŋgəl) [ LU-Friesh GH-Kand Don-Schowe Torscha]. Volksgl.: Wammer 'n B. setzt, muß en Weibsmensch die Oier im Schärz naustrage fer setze [Fogel Beliefs Penns Nr. 889]. —
2. 'zum Brüten neigendes Huhn' [ ZW-Bechhf]. Die B. steckt mer unner Wasser; sell stoppt (engl. stop) 'ne ihr Brihe [Fogel Beliefs Penns Nr. 867]; vgl. PfWB Brüharsch, PfWB Brüher, PfWB Bruthünkel.

 


Aus den Nachträgen

3. 'verwöhnte, zimperliche, ältere Jungfer', Brihhinkel [Spey].

Südhess. I 1165; RhWB Rhein. I 1039.
 
  
brühig1 Adj.:
1. 'reich an Saft', vom Obst, brihich (brīiχ, brīi, brījiχ) [allg.]; das Gegenteil

[Bd. 1, Sp. 1280]
dazu ist brockig. Die Trauwe sin b. [KB-Zell, verbr.]. Der Appel hot brihich Flääsch [RO-Dielkch, verbr.]. —
2. brihiche Ḁḁjer 'weichgekochte Eier' [ KL-Wörsb]. — Südhess. I 1165/66; RhWB Rhein. I 1039/40.