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Pfälzisches Wörterbuch 
 
brechen bis Brech-kutteln (Bd. 1, Sp. 1183 bis 1184)
 
brechen, schw.
Brecher, m.
Brech-erbsen, Pl.
brecherig, Adj.
Brech-gräben, Pl.
Brech-hochzeit, f.
Brech-kaule, f.
Brech-kaute, f.
Brech-kirsche, f.
Brech-korb, m.
Brech-kutteln, Pl.
Brechlerin, f.
Brech-loch, n.
Brech-messer, n.
Brech-mittel, n.
Brech-obst, n.
Brech-sack, m.
Brech-stange, f.
prech-zellen, schw.
Breckel
brecken, schw.
Predig
predigen, schw.
Predig(t), f.
Bredullje, f.
Brei, m.
Breiden-born, m.
Brei-hafen, m.
breiig, Adj.
Brei-maul, n.
brei-maulig
brei-mäulig
Brei-mehl, n.
Brei-mus, n.
Brei-rose
preis, Adj.
Preis, m.
Breise, f.
Preisel-beere, f.
breisen, st.
preisen, schw.
Preis-fahnen, m.
Preis-hahn, m.
Preis-hund, m.
preis-hüten, schw.
Preis-liste, f.
preis-machen, schw.
Preis-markt, m.
Preis-partel, f.
preis-parteln, schw.
Preis-tafel, f.
Preis-verteilung, f.
Preis-viehmarkt, m.
breit, Adj.
Breit-arsch, m.
Breitarsch-gesicht, n.
Breit-beil, n.
breit-beinig, Adj.
Breit-bickel, m.
Breitchet, f.
Breit-dach, n.
Breit+-dachziegel, f.
Breit-delle, f.
Breite, f.
Breit-eiche, f.
Breiten-acker, m.
Breiten-au, f.
Breiten-bach, ON
Breiten-born
Breiten-busch, m.
Breiten-feld, n.
Breiten-heim, ON
Breiten-lache, f.
Breiten-see, m.
Breiten-stein, m.
Breiten-weg, m.
Breiten-wingert, m.
Breit-erde, f.
Breiterden-weg, m.
Breit-fahrt, f.
Breit-feld
Breit-fisch, m.
Breit-furt, ON
breit-gesichtig, Adj.
Breit-hacke, f.
Breit-haue, f.
Breiting, f.
Breitung, f.
Breit-karst, m.
Breit-lache
Breitling, m.
Breit-maul, n.
breit-maulig, Adj.
breit-mäulig, Adj.
breit-näsig, Adj.
Breit-schar, n.
breit-schulterig, Adj.
Breit-seiters, m.
Breit-sitter, m.
breit-spurig, Adj.

[Bd. 1, Sp. 1183]
  brechen2 schw.: 'Hanf- bzw. Flachsstengel mit der Breche2 von den Holzteilen befreien'. Mer breche (bręχə) heit [verbr. WPf (bis etwa 1900), in Gal bis etwa 1910, mancherorts bis 1939]; dafür in der VPf blaueln 2, PfWB dulfen. Der Hanef muß gebrecht (gebręχd) werre [verbr. WPf]; in Gal-Obl die starke Form gebroch. Den Vorgang des Brechens s. bei PfWB Breche2. In KU-Kaulb waren größere Brechen für das Vorbrechen und kleinere Geräte für die feinere Bearbeitung im Gebrauch; jene wurden meist von Männern, diese von Frauen bedient. Man half sich beim Brechen gegenseitig aus (vgl. PfWB Brechhochzeit). Zum Abschluß der Arbeit gab es für die Beteiligten ein gemeinsames Essen. Vgl. auch Becker Vk. 249/50. Das Brechen war wegen der durch das Rösten des Brechgutes gegebenen Feuersgefahr nur außerhalb des Dorfes gestattet; vgl. die Dorfordnung der Schultheißerei Altstadt von 1751 (SSp., Zweibr I): Es solle weder Flachß noch Hanff in denen Häußern und Backöffen weder bey Tag noch bey Nacht gedörret, viel weniger in dem Dorff gebrechet, noch bey Licht geschwungen und gehechelt werden. Südhess. I 1089; RhWB Rhein. I 944; Bad. I 314.
 
  
Brecher m.: gew. Pl. Brecher.
1. 'die beim Brechen (s. PfWB brechen2) tätigen Leute' [ KU-Schmittw/O]; vgl. PfWB Brechlerin. —
2. 'Personen, die den Tabak einfädeln' [ GH-Kuhdt]. —
3. andere Arbeiter in den Zs. PfWB Kohlen-, PfWB Obst-, PfWB Steinbrecher; vgl. auch PfWB Einbrecher.
 
  
Brech-erbsen Pl.: 'Erbsen, die grün vom Stock gebrochen (gepflückt) werden', Brecherbse [ BZ-Dernb].
 
 
brecherig Adj.: 'übel zum Erbrechen', brecherich (bręχəriχ) [SOPf (Nachlaß Heeger)]. 's es mer gḁnz brecherisch [KU-Kaulb, verbr. WPf]. Südhess. I 1089; RhWB Rhein. I 951.
 
 
Brech-gräben Pl.: FlN für eine Schlucht in Dorfnähe, in der Flachs gedörrt und gebrochen wurde, Brechgräwer [ Gal-Josbg].
 
 
Brech-hochzeit f.: 'das gemeinschaftliche Brechen von Hanf und Flachs und das am Abend begangene häusliche Fest', s. Schandein Bav. IV/2, 381 u. Becker Vk. 249/50; vgl. PfWB brechen2. In der Donnersberggegend spielten bei dem Abendfest Musikanten. Höhepunkt war das Erscheinen des Bockes, vor dem alle Anwesenden auf die Bänke und Tische flüchteten. Der Bock war ein zusammengenähtes Leintuch mit hineingestopftem Werg. Oben ragten die Zinken einer Schüttelgabel als Hörner heraus. Ein lustiger Geselle stülpte sich diese Maske über den Kopf und vollführte seine possierlichen Sprünge. Die vor dem Bock flüchtenden Festteilnehmer sprangen in hohem Bogen von den Tischen herunter. Je höher die Sprünge, desto höher würden im nächsten Jahr Hanf und

[Bd. 1, Sp. 1184]
Flachs wachsen [Schandein Bav. IV/2, 382]. — -kaule f.: = PfWB Brechkaute, Brechkaul [Ingb], -kull [lothr. SWPf]. RhWB Rhein. I 944. — -kaute f.:
1. 'Grube oder Mulde, in der Hanf und Flachs vor dem Brechen geröstet wurden', vgl. PfWB brechen, -kaut [(bis etwa 1900) KU-Schmittw/O Ulm Reichsth A'glan Zweibr KL-Gimsb u. Umg. Wörsb, in Gal-Obl bis 1939, Schandein Bav. IV/2 S. 381]; dafür auch PfWB Brechgräben, PfWB -kaule, PfWB -loch, PfWB Dulfloch. Rund um die B. standen die Brechlerinnen, denen der geröstete Flachs in kleinen Mengen hingereicht wurde, damit er von ihnen in den Brechen (s. PfWB Breche) gebrochen wurde. Die Brechkaut es verfallschunn lang [Kühn Schnitze II 39]. —
2. FlN für Bodenvertiefungen, wo früher das Brechen von Hanf und Flachs vonstatten ging [ KU-Roth]; in KL-Stelzbg Mölschb dienen die einstigen B. als Schuttabladeplätze. Als Namen von Teilen der Dorfgemarkung erhalten in KU-Gumbsw Lauteck Odb Kaulb ZW-Contw KL-Trippstdt KB-Mauchh. — Südhess. I 1089; RhWB Rhein. I 944. — -kirsche f.: 'Kirsche, die einzeln mitsamt dem Stiel gebrochen (gepflückt) wird', im Gegensatz zur Strüpfkirsche, vgl. PfWB Brechobst. Die Strippkersche koschten immer wenicher als die Brechkersche [ BZ-Dernb]. — -korb m.: 'aus Weidenruten geflochtener kleiner Korb mit Henkel zum Obstpflücken', -korb [verbr. VPf KB-Kriegsf], oft im Dim. -kerbche (-kärbχə) [verbr. nördl. VPf], -kerwel (-kärwəl) [verbr. mittl. u. südl. VPf]; vgl. PfWB Apfelbreche, PfWB Brechsack. Am Henkel des B. befestigt man gewöhnlich einen Eisenhaken, damit der B. an den Leitersprossen oder an den Baumästen aufgehängt werden kann. Südhess. I 1089; Bad. I 314. — -kutteln Pl.: 'holziger Abfall beim Brechen von Hanf und Flachs', vgl. Schwinghudeln, -kuttle, -kottle [ LA-Venn], Breschkulle [PfId. 26]. Hierzu Wilde 88: »Brechkoddel oder Brechkuddel = eigentlich das Werg von Hanf oder Flachs«. — Das Grundw. Kuttel 'verworrenes Zeug'.