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Pfälzisches Wörterbuch 
 
prasseln bis prästieren (Bd. 1, Sp. 1160 bis 1162)
 
   prasseln1 schw.:
1. 'geräuschvoll niederfallen', bes. vom massenhaften Herabfallen von Obst, Hagelkörnern u. dgl. Mer hot's häre (hören) prassele (bras(ə)lə bzw. brḁs(ə)lə) [LA-Gommh, verbr. mittl. u. südl. VPf, vereinzelt übrige Pfalz]. Die Troppe prassele uf de Schärm (Regenschirm) [ LU-Opp]. Syn. s. PfWB kotteln. —
2. vom prasselnden Geräusch brennenden Holzes. Au, das hat geprasselt, von den Reisighaufen, die man im Frühjahr anzündet [ ZW-Battw, KU-Bedb Pirmas LU-Böhl LA-Gommh]. —
3. 'großtun, angeben', prassle [ BZ-Pleisw]. Syn. s. PfWB prahlen. — Südhess. I 1072; RhWB Rhein. I 914/15; Bad. I 308.
 
 
prasseln2 'prassen' s. PfWB verprasseln.
 
  
prassen schw.: 'üppig, verschwenderisch leben', prasse [verbr., bes. städtisch]. Geschderowed han se wirrer gepraßt [ KU-Kaulb]; vgl. PfWB verprassen. Südhess. I 1072.
 
 
Prasser m.: 'wer viel Geld ausgibt', Prasser (brḁsÄ) [Höh 148].
 
 
Brasserie f.: 'Brauerei'. In Landau »heißt das Haus in der Königstraße, in dem sich früher die Brauerei Schneider befand, im Volksmund nicht anders als Brass'rie« (Keiper 54). Ähnlich wurde noch 1962 nach Guentherodt Frz. 150 in GH-Steinw von einer früheren Brauerei als der Brassrie gesprochen; einzelne Personen der ältesten Gener. konnten der Verfasserin das Wort ebenfalls aus anderen Orten angeben, so in KU-Kaulb Kreimb HB-Walshs KL-Miesb Morlaut Erlb LA-Siedbg Nußd BZ-Barbr Ingh GH-Bellh. — Frz. brasserie. — ElsWB Els. II 196.
 
  
Brast1 m., f.:
1. 'schwerer Kummer, drückende Sorge', Brascht, s. F. [verbr., bes. mittl. u. südl. VPf]; vgl. PfWB Ambrast 2. Ich han soveel Brascht [ KU-Wolfst]. De Brascht hot en umgebroocht [ BZ-Steinf]. Nicht selten steht das Wort in Verb. mit Kummer, Last, Jast: De Kummer un de Brascht bringt mich um [ IB-Rohrb]. Met der hot mer sein Lascht un Brasch(t) [ KL-Stelzbg]. Die Frau schilderte dem Gericht, wie viel Jascht un Brascht sie tagsüber habe [Zahn Einkehr 154]. —
2.
a. 'Eifer, Aufregung'. Was der e Brascht hat! [ KL-Matzb, KU-Diedk Rehw KL-Kottw/Schwand PS-H'einöd NW-Gimmdg]. —
b. 'Zorn'. Er har e Brascht en sich [ KU-Konk].

[Bd. 1, Sp. 1161]
Ich han e Brascht immer (in mir), darr ich (daß ich) mer net helfe kann [KL-Gimsb u. Umg., KU-Konk Altkch Schellw Brück KL-Reichb]. —
c. 'Stolz, Hochmut'. Der hat der (dir) e Brascht! [PS-Windsbg, verbr. westl. WPf]; vgl. PfWB Brastens. —
3.
a. 'drückende Hitze'. Des isch heit e Brascht! [ ZW-Walshs, KU-Eschau HB-Mimb Webh ZW-Gr'bundb Bottb PS-Hermbg Fehrb]. —
b. 'Fieber'. Der liegt in der Brascht [ ZW-Kl'bundb Riedbg A'hornb]. —
c. 'schlechte Laune'; in Brast (brasd!) sin [Pirmas (Otterstetter 261)]. —
4. 'Durst'. Ich han e Brascht immer [ HB-Schwarzack Brenschb KU-Dunzw PS-Herschbg]. —
5. 'Trinkgelage'. Der hat e Brascht gemacht [ KU-Herschw/Petth Krottb HB-Höch]. —
6.
a. 'große Menge, Großes'. Des is eemol e Brascht [ Gal-Obl Dornf]. Er hot de ganze Brascht mitgenumm [ KB-Otth]. — Im bes. von einer Menge wertloser Dinge, von Gerümpel [ KL-Alsbn FR-Grünstdt Don-Schowe Torscha]. —
b. spöttisch von einer kleinen Menge. Du hoscht do awwer e Brascht! [ Gal-Brotschk]. Des es e Brasch! [ RO-Gonb]. Du hoscht e Brascht kriet! [ RO-Potzb]. Du hoscht e Brascht geschafft 'nicht viel gearbeitet' [ FR-Lambsh]. Do is noch e Brascht drinn, wenn nur noch wenig im Glas übrig ist [ KB-Zell]. —
c. e Bräschtl 'eine kleine Traglast' [ NW-Weidth]. — F.: brḁd vorn. NWPf u. SOPf, sonst brad; bra in HB-Höch KL-Stelzbg RO-Gonb, brasd in Pirmas. Zum Genus: Die Belege für m. und f. sind etwa gleich häufig; m. erscheint fast nur in der VPf u. in der östl. NPf, f. vorn. WPf u. NPf; FR-Grünstdt hat m. u. f. In den häufiger belegten Bedeutungen des Wortes sind durchweg beide Genera vertreten. — Das Wort ist etym. verwandt mit mhd. brësten 'brechen', DWB DWb. II 307. — Südhess. I 1072; RhWB Rhein. I 916/17; Saarbr. 35; ElsWB Els. II 200; Bad. I 308.
 
 
Brast2 f.: 'breite, außergewöhnlich kräftige Hand', auch vom Fuß, Brascht (brḁd) [Spey]. — Mischbildung aus Pratz (s. PfWB Pratze) und Brascht (s. PfWB Brast1 6 a)?
 
  
brast Adj.:
1. 'hitzig', brascht [ ZW-Kl'bundb], 'herzhaft, ungeniert, frech', brasch [ NW-Iggb]. Schwäb. I 1354 Z. 16 ff. —
2. 'wortkarg', brascht [ KU-Dittw]. Schweiz. V 832. —
3. brascht gezackert 'schlecht gepflügt' [ KB-Bubh]. — Vgl. PfWB Brast1, PfWB brastig.
 
  
brasten, brästenschw.:
1. sich b. 'sich grämen, sich Sorgen machen', braschde (brḁdə) [LA-Venn Kühn Hamet 100]; vgl. PfWB verbrasten. Sie hätt sich se Dod (zu Tode) bräschde meeje, wenn ihre Äcker unter den Hammer gekommen wären [PfMHk. 1925, S. 172]. Wer werd sich do net braschde? [Keiler 92]. Er isch ganz gebrascht 'gekränkt' [ LA-Nd'hochstdt]. —
2. 'verschmachten'. Er brascht vor Hitz [ HB-Lu'thal]. —
3. 'sich abmühen' in der Zs. PfWB abbrasten. — Zur Etym. s. PfWB Brast1.

[Bd. 1, Sp. 1162]

 
   Brastens n.: 'Stolz', Braschdes [ KU-Bedb]; vgl. PfWB Brast1 2 c. — Genit. zu brasten in der sonst nicht belegten Bed. 'stolz tun'?
 
 
prästieren schw.:
1. 'darstellen, bedeuten'. Doch wann ich alles singe wollt, was so e Weinche kann präschtiere, nit lange tät e Riß Papier, ich müßt mich krumm un bucklich schmiere! [Anzeigeblatt Speyer vom 24. 10. 1857]. —
2. 'darbieten, leisten'. a. 1766-69: maßen er darauf geschworen, daß er die Zahlung an den verstorbenen Curatorem (Vormund) prestiert habe [SSp., Ausfauteiakten Hornbach Nr. 116]. — Aus lat. praestare, DWB DWb. VII 2076. — Südhess. I 1073; RhWB Rhein. VI 1073; ElsWB Els. II 200; Bad. I 308.