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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Blut-sturz bis bluttern (Bd. 1, Sp. 1048 bis 1052)
 
  Blut-sturz m.: wie schd. Er hot en Blutstorz (-dǫrds) g'hatt [LA-Gommh, verbr.]; vgl. PfWB angehen 5. Zur Form des Grundw. vgl. PfWB Sturz. In Gal nur blūddurds. Südhess. I 970; RhWB Rhein. I 809 Blutstürzung; Bad. I 274. — -stück m.: = PfWB Blutegel 1, -sick [ LU-Ruchh]. Das Grundw. zu PfWB suckeln 'saugen'. — -suckel, -zuckelf., m.: = PfWB Blutegel 1, -suckel (-sugəl) [ KU-Frohnf KL-Kottw/Schwand PS-Windsbg Schmalbg LU-Böhl LA-Altd], -zuckel (-dsugəl) [ KU-Nanzw Krottb KB-Dreis LU-Böhl Iggh]. — Zu PfWB suckeln 'saugen'. Das Gen. zumeist f.; m. ist für KB-Dreis LU-Böhl LA-Altd belegt; LU-Böhl hat nebeneinander (von zwei Gewährspersonen): der Blutsuckel und die Blutzuckel. -suck(e)ler, -zuck(e)lerm.:
1. = PfWB Blutegel 1, -suckler, -zuckler, zur Verbr. s. K. 57. Don-Schowe Torscha Tscherwk und Gal: -zuckler; Lambert Penns 30 und Rußl Sülz Katharinenth: -suckler. Syn.: PfWB Blutegel, PfWB -sauger, -sück, PfWB -suckel (-zuckel), PfWB -süffer, PfWB -tier, PfWB -wurm, PfWB Schröpfkopf, PfWB Suckegel. Das Grundw. ist von suckele bzw. zuckele 'saugen' abgeleitet; vgl. PfWB Blutsuckel, PfWB -zuckel. Die beiden Formen (-suck- bzw. -zuck-) werden in der Aussprache deutlich unterschieden: blūd-sug(ə)lər und blūddsug(ə)lər (mit merkbarer Grenze in der Kompositionsfuge). Vgl. auch die Verbreitung von suckeln und zuckeln.
2. 'Viehbremse', -zuckler [ RO-Als LA-Böching]. —
3. 'Zecke', -suckler [Danner Penns 149]. —
4. = PfWB Blutegel 2 [verbr.]. — Südhess. I 970; RhWB Rhein. I 809/10; Bad. I 274. — -süffer m.: = PfWB Blutegel 1, -siffer [ HB-O'bexb IB-Nd'würzb KU-Cronbg NW-Meckh], -seffer [ IB-Rohrb]. — RhWB Rhein. I 809.
 
  
bluts-verwandt Adj.: wie schd., blutsverwandt [allg.]; Geschwisterkinder zählt man zur Blutsverwandtschaft. Mer zwää sin noch b. [ PS-Erfw]; auch: Er esch e Blutsverwandter vun mer [ebd.]. Wenn zwei nahe Verwandte einander heiraten wollen, so heißt es: Des geht net, die sinn b. [ LU-Böhl]. Südhess. I 970; RhWB Rhein. I 810.
 
 
Bluts-verwandtschaft f.: wie schd. Mer sinn noch in der Blutsverwandtschaft [LU-Opp, verbr.]; vgl. PfWB Freundschaft. Südhess. I 970/71.

[Bd. 1, Sp. 1049]

[Bd. 1, Sp. 1051]

 
   blutt Adj.:
1. 'nackt, bloß'.
a. 'unbekleidet, nackt', mit Übertreibung von unzureichender Bekleidung, blott, blutt, s. F. [verbr.]; vgl. PfWB bloß 1 a. Das Kind laaft so blott do aus erum [ KU-Bechb]; em de blotte Aarsch haue [KU-Kaulb, verbr.]. Der hätt sich besser mit dem blotte Hinnere in d' Sengelnessle gsetzt, von einem, der einen unüberlegten Streich mit üblen Folgen ausgeführt hat [ PS-Erfw]. Die Verbindung blott un bloß s. bei PfWB bloß 1 a. —
b. 'ohne schützende Decke', z. B. vom unbezogenen Kissen, vom nackten Boden. Du muscht de Kopp uf e blott Kisse leje, scherzh. Empfehlung als Mittel gegen Zahnschmerzen [ KL-Fischb]. Wenn die Erd bei großer Kält so blott vum Schnee is, das is net gut, dann erfriert leicht der Same [ ZW-Gr'bundb]. —
2. 'kahl'.
a.
α. 'unbehaart', auch vom kurzgeschorenen Kopf; e blotter Kopp [KU-A'glan, verbr.]. Das is e Blotter [ PS-Rodalb]. Wer hot dich dann sou blott g'schore? [ GH-Zeisk]. Neckreim: Blott geschor, die Hoor verlor [ ZW-Bechhf]. Blott geschor met siewe Hoor [KU-Obw/Tiefb Schmittw/O Wilde 284]; auch als Schimpfwort. Rätsel: »Krummer, Schepper, wo laafschde hin?« »Plottgeschorne, was frähschde (fragst du) denoh?« »Ich war noch net so deck plottgeschor, als der de Hinnere zugefror«. (Wiese und Bach im Winter) [Hebel 122]; Var. hierzu s. bei PfWB Bluttkopf 1, PfWB Schorenkopf. Volksgl.: Wann em en Speckmaus in die Hoor kummt, werd mer blott [Fogel Beliefs Penns Nr. 1830]. —
β. 'bartlos', auch vom spärlichen Bartwuchs. Des is noch e blotter Bu [ ZW-Bechhf], e blotter Lausbub [KL-Gimsb u. Umg.]. Der is noch so blott im Gesicht wie e Aff am Aarsch [NW-Elmst, verbr.]. So blott as me Bobbl sei Arsch [Fogel Prov. Penns Nr. 1939]. Er is so blott wie e Gääß am Knie [Hebel 13]. —
b. 'unbefiedert', von jungen Vögeln, mit Vorliebe in der Verbindung blott un blinn, vgl. PfWB blind. Die klääne Spätzcher sin noch ganz blott [mittl. WPf, verbr.]. BR.: Sin die Rawe an Jerjelsdaach (23. April) blott un blinn, kenne sich frääe Mann, Weib un Kinn [FR-Albsh, verbr.]; Var. hierzu mit Rewe statt Rawe s. PfWB blind 2. VR.: Quack, Quack, unne nause; Quack, Quack, owwe nause; heb die blotte Vechel aus; die blotte wie die blinne; de Quack der muß se finne [ZW-Stamb]; dazu zahlreiche Varianten, vgl. PfWB Pfingstenlümmel 2, -quack 1, PfWB blind 1, PfWB Quack. Auch vom frisch gerupften Geflügel: Die Gäns derf mer net so blott roppe, besonders zur kalten Jahreszeit [ KU-Schmittw/O]. —
c.
α. 'unbelaubt'. Die Bääm sin schun ganz blott [nördl. VPf, verbr.]. WR.: Wann's dunnert iwwer 's blotte Holz (Wald), werren die alde Loose stolz [ NW-Kallstdt]. Dunner iwwer der blotte Waldkalt; Dunner iwwer der griene Waldwarm [Fogel Beliefs Penns Nr. 1204]. —
β. 'baumlos', von einem Waldstück. Mer haaen

[Bd. 1, Sp. 1052]
blott erunner, für Kahlschlag [ KB-Kriegsf]. Den Wald kann mer blott mache [BZ-Silz Sarnstall]. —
d. 'graslos, unbewachsen'; e blotter Placke [ ZW-Gr'bundb]; dass. auch von ringförmigen Stellen, die von Kleeseide befallen sind [ NW-Weish/S]. Die Wiese sein noch so blott, daß mer drinn klickere kennt [ HB-Höch]. Er hot die Wisse blott gemäht [ Gal-Josbg, PS-Burgalb]. WR.: Wann sich die Gäns uf em blotte Borem purlen (s. PfWB pudeln), gebt's Reje [ FR-Tiefth]. —
3. 'leer'. Die Scheuer is blott [ SP-Harths]. Noh finf Minutte ungefähr, do war die Fischplatt blott un leer [Münch Weltgesch. 136]. Einen VR s. bei PfWB Bekanntschaft. —
4. 'unverheiratet'. Er isch noch blott [ BZ-Wind]. —
5. 'ohne Zutat, rein, nichts als'. Er eßt die Worscht blott, er trinkt de Wein b. (ohne Wasser) [Pirmas]. Ball denoh do bringt die Motter noch e dicke Grumbeerbrei. 's es awer kan so blotter: Krachelcher (in Fett gebratene Brotkrümel) sein dodebei [Kühn Schnitze I, 205]. —
6. 'aller Mittel entblößt, bankrott'. Er is blott 'Das Geld ist ihm ausgegangen', 'Er hat im Spiel sein ganzes Geld (alle Klicker) verloren' [KU-Haschb, verbr., vorn. WPf einschl. NPf, seltener VPf]. Er isch de blott Schneirer, dass. [ BZ-Queichhmb]. Ich bin blott wie e Kerchemaus [Schandein Sprachsch.]. Nach Otterstetter 278 in Pirmas bes. in den unteren Berufsgruppen gebräuchlich. Syn.: PfWB bet 2, PfWB blank 2, PfWB platt 2, PfWB blau 4j, PfWB pleite 2, PfWB bloß 1 d, PfWB blunz, PfWB fertig, PfWB flügge, PfWB futsch, PfWB kahl, PfWB kapores, PfWB kaputt, PfWB machulle, PfWB malad, PfWB matt, PfWB schibes.
7. 'dünn', von Webstoffen [o. O.]; auch von einer Hautstelle, die durch Reiben wund geworden ist [ NW-Frankeck]; vgl. PfWB blöde 1 c. —
8. 'feucht', vom Acker- und Gartenland, wenn es im Frühjahr noch nicht bestellt werden kann: 's is noch se blott [RO-O'hs Messbhf PfId. 23 Hebel 5]; von Bekleidungsstücken: Die Hosse sin blott [ KU-Bechb RO-Feilbg]. —
9. adv. 'einzig und allein'. Ich han die Aß blott, keine andere Karte von derselben Farbe [verbr.]. — F.: blǫd fast allg., blud belegt für IB-Bierb ZW-Mittb NW-Wachh, blod (?) für GH-Freckf. — Das Wort wird etymol. von bloß geschieden und in unmittelbare Nähe von blöde gerückt, vgl. DWB DWb. II 195, Schwäb. I 1236, Schweiz. V 215/16. — Südhess. I 971; RhWB Rhein. I 813/14; Saarbr. 30; LothWB Lothr. 52; ElsWB Els. II 171; Bad. I 274.
 
 
blutt-ährig Adj.: 'ohne Grannen', von Ähren, blottährich [ Don-Schowe Torscha]. — Zu PfWB blutt 2 d.
 
  
Blutt-arsch m.: 'schwanzloses Huhn', Blottaarsch [ NW-Dürkh]. — Zu PfWB blutt 2 b.
 
 
bluttern schw.: 'der Mittel entblößen, plündern', zu PfWB blutt 6. Mer hannen (wir haben ihn) geblottert, auch: Er esch g., im Spiel, bes. im Klikkerspiel [PS-H'einöd, KU-Elschb Jettb Brück

[Bd. 1, Sp. 1053]
KL-O'arnb Fischb KB-Boland Kühn Hamet 127 Schandein Sprachsch. 10], gebluttert [ Don-Sekitsch]. Un wo se's hi'dut (das Säckchen mit den getrockneten Zwetschken), ob se knorrt un knottert, werd's Säckelche geplinnert un geblottert [Schandein Ged. 16]. Syn. s. PfWB abgewinnen. Südhess. I 872.