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 RhWB weichen II (Bd. 9, Sp. 365)   PfWB trinken (Bd. 2, Sp. 518)   PfWB ab-beißen (Bd. 1, Sp. 10) 
  PfWB weichen II das Wort ist allg. (ausser Westerw, Siegld, OBerg, wo aber die Abl. Wich), u. zwar Rhfrk waiχə, węi, –Part. gəwiχ; Mosfrk -ęiχ-, –ei-, Part. gəwiχ [doch NSaarbg, WEif -a-, –ǫ-, –ę-, –u-, –o-]; Rip -iχ-, Prät. weχ, Part. jəweχə(n) [uSieg, LRip auch -ei-]; SNfrk wīkə(n), du wiks, he wik(t), Prät. wīək, –ē-, Part. jəwīəkə(n), –ē-; Klevld -ik-, Prät. wēk, Part. γəwēkə(n) st.: 1. absol. wegtreten, um andere nicht zu hindern; die hinner us w. nit, do kann ich ach nit zerickgehn Rhfrk, Allg.; er es net gewankt on net gewich

[Bd. 9, Sp. 366]
Saarbr, Allg.; un keiner woll w. un wengen (wenden); ävver he moch w. un wengen, he mot de Strof latze; dat wol net w.on wennen Köln, Sieg; net van de Stell w.; he wech zeröck Rip, Allg. Diarnsche, wik sche, et Pattsche (Pferdchen) bitt sche! MülhRuhr. Ek säj: Keckvors (Frosch), gej söllt w., ek sall ow de Bocks afstricke; bedem (mit ein, sogleich) dähj hej sin Mülleke los: queck, quack, säj K. Klev. Gef Wikes weich aus, beim Klickersp. Heinsb-Bocket. — Mit sachl. Subj.; de Wand es geweche nicht lotrecht geblieben; de Peng (Pein) em Kopp wellt noch net w. Rip, Allg.; et weicht em vun Hand er arbeitet schnell Bitb-NWeis. — 2. einem w., vor ihm ausweichen Allg. (mehr vör enem w. u. noch mehr usw.). RA.: Dem Riche (Grusse) wich on hal dech gereng, dat he dech net en et Onglöck breng Dür-Golzh. Huəhch Here wik ut der Weg; kenne se dech net, da kölle (betrügen) se dech net Heinsb. Em Besoffene soll en Won (Wagen) Hei w. Koch. Mörschdorf (Koch-Mörsd) leit im Gleichen, der Deiwel moss ihm w. Neckspr. Simm-Mörz. Salomo, der Weise, spricht: harde Ferz stinke nicht; awwer die so schleiche, dene muss mer weiche! Simm-Laub. — Abl.: die Weicherei, dat Geweich(s).

 

   trinken st.: wie schd., trinke, trenke, s. F. [allg.]; langsam (begierich) t. [ KB-Kriegsf, allg.]; aus'm Glas (aus de Flasch, aus de hohle Hand) t. [ KU-Schmittw/O]; merreme (mit einem) Stroh-

[Bd. 2, Sp. 519]
hälmche t. [ebd.]. Loß mich e Maulvoll t.! [ LA-Herxh]. Der trinkt e Bauchbitt voll [ PS-Geisbg]. Er dut allegebott t. 'Er trinkt oft' [ RO-Obd]. Er dut 'm Becherche selieb (zuliebe) t. [ KU-Schmittw/O]. Er hot in de leere Mache (Magen) getrunke [ LA-Gommh]. Kaffee getrunk?, scherzh. Grußformel beim Vorübergehen an Arbeitenden zur Nachmittagszeit [ RO-Steinb]. RA.: Er hot Gall getrunke, vom Griesgrämigen [ LU-Opp]. Er macht e G'sicht, wie wann er Essig getrunk hätt [ PS-Gersb]. Er hot net 's Wasser verdient, wu er getrunke hot [ LU-Muttstdt]. Gell, du hoscht noch kään Kannelwasser getrunke? Androhung von Schlägen [ NW-Weish/S]. Er hot Plauderwasser getrunk, von einem Geschwätzigen [ Gal-Brotschk]. Der muß heit barfießig schlofe gehe un kalt Wasser trinke, scherzh. Trost für ein Kind, wenn ihm jemand wehgetan hat [ KL-Trippstdt Kaislt KU-Kaulb, ähnl. Don Gal Buch]. Wammer dich net hätt un de Leffel, mißt mer die Supp trinke [NW-Wachh, verbr., auch Don Gal Buch]. SprW.: Abwarte un Tee trinke! [KU-Kaulb Krieger 41] Volksmed.: Bei Dorchmarsch (Durchfall) trenkt mer kalt Wasser, bei Vergiftunge warem Wasser un Butter dren [ WD-Niedkch]. Volksgl.: Fer's Heemweh soll mer Kaffee darich der Spiellumpe seihe un drinke, dann vergeht em 's Heemweh [PennsDeitschEck 27. 2. 1954]; Var. s. bei PfWB Schlückser. Einen VR. s. bei PfWB Birne 1 a (Bd. I 935 Z. 31). — Im bes.
1.
a. 'alkoholische Getränke trinken'. Zs. PfWB ab-, PfWB an-, PfWB aus-, PfWB er-, PfWB herum-, PfWB mit-, PfWB nach-, PfWB ver-, PfWB voll-, vor-, weg-, PfWB zutrinken. Syn.: PfWB abbeißen 1, PfWB abheben I 2 f, PfWB abschießen 1 c, PfWB abtrinken 3 b, PfWB abziehen I 1 a δ, PfWB anfeuchten 2, PfWB anrauchen 2, PfWB ausblasen 2, PfWB ausbürsten 2, PfWB auspitschen, PfWB ausschwenken, PfWB ausstauben 3, PfWB ausstülpen, PfWB bamscheln, PfWB bamschen, PfWB bechern, PfWB perlen1 1, PfWB pfetzen 6, PfWB pitschen1, PfWB plämpern, PfWB blasen 3, PfWB prösteln, PfWB prosten, PfWB prostern, PfWB büffeln2, PfWB büffen2, PfWB pülvern 2, PfWB pumpen 1 b, PfWB bumpsen 3, PfWB bürsten 2, PfWB darangießen, -schütten 2, PfWB daraufmachen 2 a, -setzen 2 b, PfWB tanken 2, PfWB tätschern, PfWB dawiderschütten, PfWB tönen 2, PfWB torschen, PfWB tränken 1 c, PfWB trudeln, PfWB dudeln, PfWB tulpen, PfWB tuten, PfWB genehmigen, PfWB genießen, PfWB gießen (hinter die Binde, auf die Pfanne), gluckern, heben, hinunterbürsten, -drehen, -gießen, -jagen, -leeren, -schütten, -stürzen, kaufen, kippen, kneipen, knorksen, läppern, latzen, ledern, leeren, leisten, logeln, löschen (den Brand), lotteln, lumpen, lüpfen, mahlen, mitnehmen, nehmen, nippen, rupfen, saufen, schaskenen, schlachten, schlenkern, schlucken, schlurfen, schmettern, schmieren, schnäpseln, schnapsen, schnärren, schnellern, schöpfen, schöppeln, schütten (hinter die Krawatte), schwächen,

[Bd. 2, Sp. 520]
PfWB schwefeln, PfWB schwenken, PfWB stauben, PfWB stechen, PfWB stemmen, PfWB stoßen, PfWB stülpen, PfWB stürzen, PfWB suckeln, PfWB süffeln, suffen, süffern, PfWB umstoßen, PfWB verdrücken, PfWB verhaften, PfWB verlöten, PfWB wamschen, PfWB wegmachen, PfWB weichen, PfWB zechen, PfWB zerren, PfWB zulegen, PfWB zupfen, PfWB zwitschern. Vgl. auch die Syn. zu PfWB betrinken. —
α. intrans. RA.: uf pälzisch t. 'alle Gläser leeren bis auf den letzten Tropfen' [Wilde 263]. Aufforderung zum Trinken: Trink, awwer aus käm leere (Glas)! [ GH-Kand, PS-Erfw]. Trink, daß de was werscht! [ NW-Freinsh]. Trink emol, bischt eh kän Stiefkind! [ PS-Erfw]. Vadder, trink, mer sein Brirer! [Hebel 32]. E Veglche hot immer nore geß un geß un nie getrunk, un so is es verreckt (Aufmunterung zum Trinken) [Don (Steinmetz)]. Mer redt immer bloß vum viele Trinke, an de Dorscht denkt känner [Pirmas]. Zuruf an den Trinkenden: Trink g'sund! [verbr. Gal]. Zum ersten: Trink un steh! Darnach: Trink un geh! Trinkst du ferner und setzt dich nieder, ei, so such auch Geld herwieder [PfW. 1909 S. 88 (alter Weinspruch von 1669 aus KL-Fischb)]. Scherzw. des Trinkenden: Ich trink for eich all (wie der katholische Pfarrer beim heiligen Abendmahl) [ KU-Schmittw/O]. Er trinkt se all unner de Disch 'Er verträgt mehr als alle anderen' [ KL-Fischb, allg.]. Er trinkt for e Kreizer un stellt sich besoff for e Sechser [verbr. Gal]. Er raacht net, trinkt net, schnuppt net, un lebt ganz wie e Sau [ RO-O'mosch]; vgl. die Var. bei rauchen u. Sau. SprW.: Esse un Trinke halt Leib un Seel zamme [NW-Kallstdt, verbr., auch Don Gal Buch Rußl]; dass.: Gut Esse un Trenke ... [ HB-Kirrbg], Gut gesse un getrunke ... [ LU-Friesh, KB-Kriegsf]. —
β. trans. de Korze (den Kurzen 'Schnaps') t. [KU-Kaulb, verbr.]; e Schoppe t. [allg.]; e Halbschoppe t. [ GH-Kand]; e Stehschoppe t. 'vor dem Weggehen noch im Stehen t.' [ KU-Bedb RO-Obd]; vgl. PfWB Trollschoppen; enner (enne, en, ens usw., s. PfWB ein) t. [allg.]. Trinke mer noch ääns? [ KL-Fischb]. Vinzenz, trink ens! [ LA-Hainf]. Den kann mer trinke, bis eem die Finger gleichgewachse sin 'bis in Ewigkeit' [ KB-Zell]. Er hot en soviel (einen zuviel) getrunke [ LA-Gommh]. Er hot iwwer de Dorscht getrunk [ KU-Schmittw/O]. De Hofjäb hot de Korze e bißche arig gere gedronk [PfId. 187]. Der kann nix trinke, er sauft alles [ KB-Kerzh]. Beschääd t. 'trinken, wenn einem das Glas angeboten wird' [LA-Venn, verbr.]; Bruderschaft t. [allg.]; Winkuf t. 'beim Abschluß eines Kaufhandels die Beteiligten und Freunde freihalten', vgl. PfWB Weinkauf [Kirchhbol]. SprW.: Wer lang Wein trinkt, werd alt [Wilde 262]. Wer's glaabt, werd selig; wer Wein trinkt, werd fröhlich [ LU-Friesh]. Volksgl.: 'me Kind därf mer nix Stärkeres zu drinke gewwe, ebs (ehe er) en Johr alt is, 's wachst nimmi [Fogel Beliefs Penns Nr. 77]. Trinklied: Trink mer

[Bd. 2, Sp. 521]
noch e Treppche usw., s. PfWB Tropfen 2 a. a. 1534: ein pfennig werdt Brots vnd ein Mosz wein zu essen vnd drincken [SSp., Weistum von LU-Neuhf]. —
b. 'regelmäßig und zuviel Alkohol t., der Trunksucht verfallen sein', vgl. PfWB Trinker, PfWB betrinken. Er trinkt, hot aangfang se t., hot sich 's Trinke aangewähnt [ NW-Kallstdt, allg.]. Er kann 's Trinke net losse [ KU-Schmittw/O]. —
c. in älterer Zeit: Tabak t., s. PfWB Tabak 1 b. —
2. an der Mutterbrust t. 's Kind trinkt, kriet se trinke [ BZ-Dierb, allg.]; 'm Kind se trinke genn 'die Brust geben' [ KU-Bedb]. Sie loßt 's Kind noch t. [ LA-Gommh]. 's Kind dut Ditz t. [verbr. Don Gal Buch]. Ein Rätsel s. bei PfWB Faß. — F.: fast allg. driŋgə; dreŋgə in KU-Frohnf WD-Niedkch RO-Lohnsf: dręŋgə in HB-Kirrbg IB-Rohrb LU-Böhl. Part. Perf. gədruŋg fast allg. WPf, gedruŋgə fast allg. VPf (vgl. Linie gebroch/gebroche auf K. 1); gədroŋg u. gədroŋgə zum Inf. dreŋgə, dręŋgə. Präsensformen wie bei bringen. Südhess. I 1733 ff.; RhWB Rhein. VIII 1367 ff.; LothWB Lothr. 104; ElsWB Els. II 760/61; Bad. I 560/61.

 

   ab-beißen st.:
1. 'durch Beißen abtrennen'; e (a) Stickel(che) Brot abbeiße (ˈa|baisə) [allg.]. RA.: Die Fleh im Sack beißen deer die Nächel 'Fingernägel' ab, scherzhaft, wenn ein Junge die Hände in die Taschen steckt [ ZW-Bechhf]. Ich han gemäänt, er beißt mer de Kopp ab, von einem Zornigen [ KU-A'glan]. Drohung gegenüber Kindern: De Katzemardel (Schreckgestalt, vgl. Katzenmardel) beißt der de Kopp ab! [Heeger Kerwe 31]. Ääm de Kopp a. 'einen Schoppen trinken', scherzhaft [VPf]; vgl. PfWB abtrinken 3b. Syn. s. PfWB trinken. Do beißt kään Maus kään Fadem ab 'Das steht unabänderlich fest' [verbr.]. Der beißt sich liewer e(n) Finger ab, als daß er was hergebbt [verbr.]. Der beißt sich liewer die Zung ab, als daß er em e gut Wort gibbt [ GH-Zeisk]. SprW.: 's kann sich kenner selbscht die Noos abbeiße 'Keiner vermag Unmögliches' [ KU-Schmittw/O]. —
2. 'durch Beißen abnützen'; sich die Zähn a., en abgebissener Zahn [ LU-Alsh]. — RhWB Rhein. I 605; Saarbr. 22; ElsWB Els. II 100 (abbissen); Bad. I 2.