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 RhWB stillen (Bd. 8, Sp. 694)   PfWB Jesus (Bd. 3, Sp. 1347)   PfWB Peter (Bd. 1, Sp. 741) 
  PfWB stillen -i-, –e- schw. [Part. gədolt Bitb-NWeis]: 1.a. den Hunger, Durst, Blut st. Allg. nach dem Nhd. RA.: Honger lät sech net möt Wort st. Bo-Dransd. De stellt nöt fort der hat stets einen Hunger, grossen Durst Bernk-Wintrich. — b. in der RA.: Kengsks Hangk (Hand) es gäng (gau) gestellt ein Kind ist schnell zufrieden Rip; e Kengerherz es flöck g. Dür-Gürzenich. — c. ein Kind st., dem Säugling die Brust geben, nach dem Nhd. Verbr. — 2.a. in der Wend.: Te st. häbbe; ek glöf, den hät ock demöt te st. hat schwer um sein Auskommen zu kämpfen; de hät jet demöt te st. macht sich viel zu schaffen, nimmt es sehr genau; de Weiter (Mädchen) maken dem jet te st. bereiten ihm Arbeit, Auslagen Kemp. — b. einen Ruf st., Einspruch gegen die Verkündigung eines Brautpaares erheben uWupp 1870. — Abl.: die Stillerei, dat Gestill(s).

 

   Jesus m.:
1. 'der Begründer der christlichen Religion', Jesus (jēsus), auch Herr J., J. Krischdus [verbr.]; vgl. PfWB Heiland. Gruß bei Katholiken: Gelobt sei J. Christus! [ KB-Kriegsf, mancherorts]. Tischgebet: Komm, Herr Jesu, sei unser Gast und segne alles, was du bescheret hast [ BZ-Dierb, mancherorts]; dass. scherzh. nach einer reichlichen Mahlzeit: Komm, Herr Jesus, sei unser Gascht un bring uns morge widder so e Lascht [ BZ-Dernb]. Abendgebet der Kinder: Jesus in meim Herze, Christus in meim Sinn, in Gottes Nome schloof ich in [ Gal-Bolechow]. Ich bin klein, mei Herz sei rein, soll niemand drin wohne als Jesus allein [PennsDeitschEck 25. 5. 1935, verbr. Gal]. Formeln des Volksglaubens: Jesus, Petrus und Johannes gingen hinaus, um zu ackern; da fanden sie ein Würmelein; das Würmelein soll sein weiß, schwarz und rot, daß alle Würmer sind tot [ HB-Kirrbg]; Var. s. PfWB Peter 1. Gegen Blähungen beim Vieh: Scheck (oder ein anderer Kuhname), du hast dich überfange, wie die Juden unsern Herrn Jesu Christ ans Kreuz gehangen [ HB-Kirrbg]; Var. s. PfWB Blut1 1 a, PfWB böse I

[Bd. 3, Sp. 1348]
5bα. RA.: Der Wein glaabt an Jesus Christus, vom gepanschten Wein [Wilde 263]. Wu du net bischt, Herr Jesu Krischt, esch lauter Lumberei 'Wo kein Geld ist, da ergeben sich ungute Dinge' [ LA-Nd'hochstdt]; dass. mit dem Nachsatz: do schweie alle Fleere 'schweigen alle Flöten' [ KU-Brück]. —
2. in Ausrufen, bes. der Verwunderung und des Erschreckens.
a. Jesses (jęsəs)! [verbr.]; dass. erweitert: o J.! Herr J.! [verbr.]. O (Ach) J.! J., nee! J. nochemol! [verbr.]. J., es geht schun uf elef Uhr! [ KL-Reichb]. J. un kään Enn! [Kühn Schnitze I 166]. Ach, Herr J.! [verbr.]. Herr J., ach! [ KB-Kriegsf, Gal-Dornf]. Hätt Gott die Sintflut nit gemacht, ... ach, J., nee, dann wäre jo die Drache heitzeda noch do! [Münch Weltgesch. 24]; vgl. PfWB herrjesses. J., Gott im Himmel! [ PS-Erfw]. J. Maria! [mancherorts]. J., Maria un Josepp! [ KU-Brück, mancherorts]; dass. mehr scherzh.: J., Maria un e klään bissel Josepp! [ LU-Friesh]. —
b. verhüllend: Herr Jeres! [Schandein Sprachsch. 24]. Ach, Herr Je (̩härˈjē) [ Gal-Dornf]; vgl. PfWB herrje. O Je! [NW-Elmst, verbr.]. Ui Je, ehr Kinn! Drauß is so dunkel wie in're Kuh! [NPfGV Nr. 8/1934]. O jehdi! [Kühn Schnitze I 27]. O jechet! [ GH-Neubg]. O du Herr Jegele! (auch mit dem Zusatz: Schnittlaach un Pederle!) [ LU-Oggh]; Var. s. PfWB Bodensee. Aus lat. Jesu domine entstanden ist Jemine (ˈjēmiˈnē), gew. erweitert zu o J.! [mancherorts]; vgl. PfWB herrjemine. Das in der Studentensprache aufgekommene Jerum bzw. Jerem (jērum, jērəm) wird von Weigand I 947 als Form des lat. Gen. Pl. zu Je gedeutet; vgl. PfWB herrjerem. O J.! [mancherorts]. Jerem nee! [ LU-Friesh BZ-Dörrb]. Herr Jerem, ach! [ KU-Schmittw/O]. O Jerem, ach! [Müller Luscht un Lewe 70]. RA.: Dem muß mer de Herr Jerem geie 'Den muß man verhauen' [KU-O'alb, verbr., auch Gal-Josbg Falkenst]. Vgl. auch die Ortsneckerei bei Boßweiler. Südhess. III 958 ff.; RhWB Rhein. III 1164 ff.; LothWB Lothr. 267; ElsWB Els. I 412; Bad. III 26.

 

   Peter, Petrusm.:
1. Apostel Petrus, Peder (pēdər), selten Petrus (pēdrus). Seine Namenstage sind der 22. Februar (Petri Stuhlfeier) und der 29. Juni (Peter und Paul). Zum ersteren s. PfWB Peterstag. Petrus gilt als Wetterregent, daher die (scherzhaften) RA.: Hall beim P. um gut Werrer oon! [ KU-Schmittw/O, allg.]. De P. kechelt (kegelt), wenn es donnert [ KB-Kriegsf, KU-Bedb], P. rollt de Zowwer (Zuber) üwwer de Himmel, dass. [ GH-Zeisk]. Eine schlechte Tabaksorte wird scherzh. »Marke Petrus« genannt, unter Anspielung auf das Bibelwort: Er ging hinaus und weinte bitterlich [Wilde 239]. WR. zum Peter-und-Paul-Tag: Wann im März die Newwel fallen, gebt's zu Peder un Paul groß Wasser [ Gal]. Peder un Paul machen die Worzel faul, machen die Kersche rot, do brauche mer auch kei Brot [IB-Rohrb (Wilde 147)]. Weitere WR. s. Paul. Volksgl.: Im Wurmsegen tritt P. neben Jesus und Johannes als Heilender auf: Petrus und Jesus fuhren aus gen Acker, ackert drei Furchen, ackert auf drei Würmer; der eine ist weiß, der andre ist schwarz, der dritte ist roth; da sind alle Würmer tod. In Namen + + + sprich die Wortt drei Mal [RO-Sippf]. Jesus, Petrus und Johannes gingen hinaus, um zu ackern; da fanden sie ein Würmelein; das Würmelein soll sein weiß, schwarz und rot, daß alle

[Bd. 1, Sp. 742]
Würmer sind tot [ HB-Kirrbg]. —
2. männl. VN, im Spruchgut und in den Volksreimen mitunter einen dummen und faulen Menschen bezeichnend, in älterer Zeit oft in Verb. mit anderen Namen, s. die folgenden Stichwörter. Die Petercher sin gut for bei's Vieh, als Viehhirten [Krieger 40]. RA.: Er schläft, bes die Katz em Perer rift (ruft), von einem Langschläfer [ RO-Odh]. Hannes, was schaffscht dann?Ei nix, Mutter.Un du, Peder?Ei, ich helf 'm Hannes [ Gal-Bagbg]. SprW.: Hans wie Peder, fär sich sorcht jeder [ BZ-Dierb]. Peter heescht nit e jeder [ Don-Gottlob]. VR.: Wer schmeißt dann do mit Beere? Des is es Franz-Sepps Pere (Vers zum Schnellsprechen) [PS-Burgalb (Wilde 23)]. Man neckt den Namensträger Peter mit verschiedenen Reimen, z. B.: De Perer, wo stehrer? Im Stall. Was durer? Er gebt de Gail Furer. Was noch? Er putzt de Gail 's Loch [KU-Reiffb, verbr., auch Gal]; oder: Peter in dem Hinkelstall frißt die rote Eier all, die weiße loßt er leie, morje geht er freie [PfRSch. vom 11. 11. 1934]. Ein Kniereitervers: Hoppe, hoppe, Reirer (Reiter), Geil gehn uf die Weire (Weide), 's Fillche, des lääft weg, de Peder liecht im Dreck! [ LA-Mörlh]. Beim Händepatschen: Batsche, batsche, Peter, hinnerm Ofe steht er, nimmt das Schmeer un schmiert die Schuh, kommt die alte Katz dazu, frißt die Schuh und auch das Schmeer, frißt mer all die Teller leer [Feierowend 1950, Nr. 8]. Abzählreime: Eenemeene, Bohneblaad, unser Keenich hot gesaat: siewe Gaaße un e Kuh, Perer, schließ de Stall zu, werf de Schlissel iwwer de Rhein, morje soll's gut Werrer sein [ NW-Frankeck, auch RO-Obd]. Apfel, Birne, Zicke, Topfe, Ente, Geige, Feige, Hopfe, Iggel, Katze, Löwe, Maus, dummer Peder, Band heraus [GH-Kand Umg. St.Ingb]. Rätsel: Perer, Perer, Breinche, zackert hinnerm Zeinche, zackert ohne Plug un Schar, werd's ken Mensch im Dorf gewahr (der Maulwurf) [Kinder- und Volksreime in: Der Trifels vom 24. 12. 1933]. Andere VR.: Deff, deff, deff, de Völkersweiler Peter, der rappelt mit'm Geld, un sagt, des kann nit jeder; stolz wie en Graf, un wann er käner is, so setzt er sich in die Eisebahn un fahrt bis nach Paris [ BZ-Wernbg]. Der Peter von Saarbricke hat e Sack voll Micke, schmeißt wedder de Poschde, der Poschde kracht, Peter lacht [Hombg]. Mei liewer, liewer Peter, die Kersche werren rot, jetzt esse mer als Kersche, do spare mer e Stick Brot [Feierowend 1950 Nr. 8]. — Der Name Peter erscheint als zweiter Teil in einigen Doppelnamen, wie z. B.: Georg-Peter, Johann-Peter, Philipp-Peter. Zs.: PfWB Dreh-, PfWB Floh-, Grangel-, PfWB Hollen-, PfWB Hunde-, PfWB Knicker-, PfWB Knochen-, PfWB Lügen-, PfWB Schlapp-, PfWB Schnudel-, Struwwel-, PfWB Zappel-, PfWB Zottel-, PfWB Zwiebelpeter. —
3. Rubberschwiller Peder, Uzname für die Bewohner von PS-Ruppw. —

[Bd. 1, Sp. 743]

4. Schreckgestalt für Kinder, Perer [ LU-Hochd], de schwarz P. [ RO-Feilbg]. Schwarzer Peter ist auch eine Bez. für ein Kartenspiel. RA.: De schwarz P. is im Geldbeidel 'Das Geld ist mir ausgegangen' [ KL-Samb]. —
5. Name für Haustiere, bes. Katze, Hund, Ochs. —
6. Bez. für Kleidungsstücke.
a. glatt herabhängende Frauenjacke [verbr. um 1930], auch PfWB Flieger, PfWB Henker genannt. »Der 'Peder' ist ein blusenartiges Kleidungsstück mit Ellenbogenärmeln, vorn geschlossen, glatt herabhängend, unten umgesäumt und oben mit niedrigem Stehbörtchen« [ LA-Herxh]. Dieses Kleidungsstück wird mit Vorliebe bei der Heuernte getragen. Zs.: PfWB Blusen-, PfWB Flieg-, PfWB Sackpeter. —
b. 's Peterche, ein auf Taille gearbeitetes Frauenjäckchen [ RO-Messbhf]. —
c. Strickwams für Männer [ LA-Gleisw]. —
d. altes Kleidungsstück. Do, zieh denne alde Perer aan [Kaislt, verbr.]. —
7. 'Nachttopf', Pere [ KL-O'sulzb]. —
8. gebrennder (gebrannter) P. 'geröstete Mehlsuppe' [westl. WPf]. —
9. Peter und Paul, scherzh. für 'Mädchenbusen' [Klein Prov. 48, DWB DWb. VII 1577]. —
10. Als Bestimmungswort erscheint Peter in den ON Petersau, -bächel, -berg, Pettersheim (Näheres s. bei Christmann SN), sowie in vielen FlN, z. B. Petersberg [ NW-Dürkh], -born [ BZ-Albw], -brunnen [ LA-Maik], -halde [ NW-Deidh], -kopf [Kaislt NW-Deidh], -wald [ KL-Vogb, auch Mundatwald bei Weißenburg i. E.], -wingert [ BZ-Ingh]. — F.: In der WPf zumeist pērə(r), pērÄ(r), bei den Jüngeren zunehmend pēdə(r); Sonderformen: pīrər [ RO-Rehborn], pēlər [KU-Körbn u. Umg.], perər [ KU-Reiffb], pit [IB Don Lenauh (Dim.: pidχə)]; die VPf hat zumeist pēdə(r) bzw. pēdÄ(r), seltener pērə(r), pērÄ(r); vgl. Bertram 128/29. Bei den Galizienpfälzern, wie auch bei den Ältesten in der Pfalz (z. B. in KU-Kaulb) findet sich auch die ältere Form pēðər. — RhWB Rhein. VI 624 ff.; LothWB Lothr. 39; ElsWB Els. II 115; Bad. I 167/68; Hess.-Nass. II 571.